{"id":41740,"date":"2003-01-30T00:01:06","date_gmt":"2003-01-29T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41740"},"modified":"2023-05-04T17:06:34","modified_gmt":"2023-05-04T15:06:34","slug":"notenbegruendung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2003\/01\/30\/notenbegruendung\/","title":{"rendered":"Notenbegr\u00fcndung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeweils einen Pott Kaffe in der Hand, den brauchen sie jetzt ganz dringend, denn rauchen darf man in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden nicht mehr, stehen drei Lehrer in ihrem angestammten Reservat innerhalb des Lebensraums Schule. F\u00fcr sie geschaffen, nach ihnen benannt und von ihnen gegen jeglichen Zugang und Zugriff von Seiten der Sch\u00fclerschaft verteidigt. Sogar Legenden ob der Ausstattung und Gr\u00f6\u00dfe ranken sich in der Schulgemeinde, befeuert von den Bemerkungen einzelner Kollegen, sie w\u00fcrden sich jetzt in ihrer Freistunde in den Whirlpoolbereich zur\u00fcckziehen, andere sprechen gar von den Massagesesseln und dem kleinen, sehr warmen Swimmingpool. All das nat\u00fcrlich v\u00f6lliger Bl\u00f6dsinn, denn die meisten dieser Lehrerzimmer sind vollger\u00fcmpelte Verwaltungseinheiten mit Stapeln voller B\u00fccher und Klausuren, Klassenarbeitsheften und den Pausenbroten, ziemlich altem Mobiliar, einer meist nach \u00e4lterem Kaffe stinkenden Kaffemaschine. Trotzdem wird dieser R\u00fcckzugsraum von den meisten Lehrern geliebt, denn jeder wei\u00df, dass es kaum einen Ort gibt, an dem man so unter sich sein kann. Nur vom Klopfen der Sch\u00fcler an die T\u00fcr muss man sich unterbrechen lassen \u2013 und das kommt h\u00e4ufig vor.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die hier erfundene Unterhaltung findet jetzt allerdings in einer modernen Schule statt, einem stetig modernisierten Bildungsinstitut, das Lehrerzimmer ist hell und freundlich und gegen das Chaos wird regelm\u00e4\u00dfig eine Aufr\u00e4umaktion vorgeschoben, b\u00f6se Stimmen behaupten, damit die Eltern, wenn die Schulkonferenz tagt, einen guten Eindruck bekommen. Oder die Schulinspektion. Nein, ehrlich, hier achten die Kollegen gegenseitig ganz genau darauf, dass niemand seine Territorialanspr\u00fcche zu sehr ausweitet. \u201eNat\u00fcrlich haben wir keine festen Sitzpl\u00e4tze.\u201c Aber jeder wei\u00df, wo jeder sich bevorzugt niederl\u00e4sst, seit Jahren schon, wo man irgendwelche Dinge deponieren muss, damit sie z\u00fcgig gelesen werden. Denn in den F\u00e4chern k\u00f6nnen Notizen auch schon mal \u00fcbersehen werden. Nicht bei allen Kollegen, denn einige haben immer eine fast schon penible Leere, dort bleibt keinen Tag ein Zettelchen unbearbeitet liegen. Ordnung ist h\u00f6chstes Ziel, nur wer Ordnung h\u00e4lt, kommt zum Erfolg. Diese Kollegen tragen dann auch gerne die standesgem\u00e4\u00dfen Jacketts und Hemden, dazu sehr ordentliche Schuhe, sind immer glatt rasiert und strahlen eine Aura von Autorit\u00e4t und purem Wissen aus. Au\u00dferdem riecht es immer nach frischem Kaffe, denn man hat sich gemeinsam eine Jurakaffemaschine geg\u00f6nnt, jede Tasse wird mit fair gehandelten frisch gemahlenen Bohnen einzeln aufgebr\u00fcht. Das ist zwar teuer, schmeckt daf\u00fcr aber nicht so gut. Man handelt immerhin sozial.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur hier also k\u00f6nnen die drei ungest\u00f6rt und unbelauscht ihre Unterhaltung f\u00fchren, sich \u00fcber die Leistungen der Sch\u00fcler austauschen, die Erfahrungen, die sie mit den Eltern gemacht haben, denn der Dialog wird hier gro\u00dfgeschrieben und ernsthaft \/ gewissenhaft betrieben. Nur hier k\u00f6nnen sie Prognosen abgeben und Anekdoten erz\u00e4hlen. Alles dies ganz beschaulich, man will niemandem wehtun, hat man auch nicht n\u00f6tig, denn das Klima an dieser Schule ist verdammt gut. Schwierig wird es meist erst, wenn die Notendiskussionen losgehen. Die Sch\u00fcler sind ja nicht immer einsichtig, dass das st\u00e4ndige Melden nicht immer zur Eins f\u00fchrt, dann n\u00e4mlich, wenn die Inhalte einfach zu einfach sind, nachgeplappert oder schlichtweg falsch. Eine Sch\u00fclerin, so berichtet einer der Lehrer, bekam also im Fach Religion die Note vier, die Mutter konnte dies nun gar nicht verstehen und meldete sich zu einer der w\u00f6chentlichen Sprechstunden an. \u201eWie kann meine Tochter denn in Religion eine vier haben, ihre Tante ist doch Nonne!\u201c<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} -->\r\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70620\">historische Aufgabe<\/a> von Herrn Nipp aus M\u00f6ppelheim.<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Jeweils einen Pott Kaffe in der Hand, den brauchen sie jetzt ganz dringend, denn rauchen darf man in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden nicht mehr, stehen drei Lehrer in ihrem angestammten Reservat innerhalb des Lebensraums Schule. 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