{"id":41697,"date":"2018-03-24T00:01:10","date_gmt":"2018-03-23T23:01:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41697"},"modified":"2018-02-24T06:37:46","modified_gmt":"2018-02-24T05:37:46","slug":"ein-neuer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/03\/24\/ein-neuer\/","title":{"rendered":"Ein Neuer"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Typischer als dieser Beamte, vermutlich einer Verwaltungsbeh\u00f6rde, vielleicht sogar eines Finanzamtes, kann wirklich niemand sein. Er reist guter Dinge in seinem strahlend wei\u00dfen Kleinwagen an. Klinisch strahlend wei\u00dfer VW up. Das hat ja fast schon den vagen Hauch des Trendigen in sich. Als er aussteigt aber, ist alles klar. Die Bundfaltenjeans (Ein Wort, dass es gar nicht geben d\u00fcrfte.), die \u00fcber den schwammigen Unterk\u00f6rper gespannt ist\/sind und diesen besonderen Tick zu klein wirkt, ist\/sind wohl Ausdruck des wahren Urlaubsgef\u00fchls. Denn nur ein echter Untertan des Staatsapparates kann dieses Gef\u00fchl der erlaubten Freiheit auf Zeit so recht genie\u00dfen. Wie dem auch sei, diese Hose ist etwas zu hoch gezogen, bis zum Bauchnabel. Herr Nipp schie\u00dft die Erinnerung an einen korrekt beschnauzbarten Hausmeister durch den Kopf, aus einer amerikanischen Serie, die irgendwann durchaus Kultstatus besa\u00df, der hatte seine Last mit einem ferrarifahrenden, anders und noch viel schlimmer beschnauzbarten Detektiv und dessen Freunden. Nur das dessen Hosen immer khakifarben waren. Er kommt jetzt gerade nicht auf den Namen der Serie und auf den des armen und doch sehr beamtig schrulligen Facilitymanagers schon gar nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Mann hier aber gibt ein seltsames Bild ab, vielleicht am ehesten mit einer blauen dicklichen Karotte vergleichbar. Dazu ein vanillegelbes Hemd. Die Haare recht ordentlich frisiert, sieht man mal von den Rattenschw\u00e4nzchen ab, die so gerade den Kragen ber\u00fchren. Man k\u00f6nnte dies fast schon als Zeichen einer Protesthaltung interpretieren, wenn es nicht Unachtsamkeit gegen das eigene \u00c4u\u00dfere w\u00e4re. Die Schwei\u00dftropfen geben so jedenfalls ein recht regelm\u00e4\u00dfiges Muster auf dem schmalen Hemdrand. Die Brille, fr\u00fcher h\u00e4tte man wohl gesagt Kassengestell, was allerdings bei Beamten ja wohl kaum geht, ist vielleicht ein wenig altmodisch, vielleicht 15 Jahre \u00fcber die Zeit, gerade so lange, wie es nicht modern ist, alte Dinge aus dem Schrank zu kramen, sondern extrem uncool. Aber das machte eigentlich gar nichts, wenn sie nicht in diesem teigigen Gesicht s\u00e4\u00dfe, das auch noch von einem putzigen Oberlippenb\u00e4rtchen geziert ist. Die erste Amtshandlung nach dem ordentlich ordnungsgem\u00e4\u00dfen Einparken des Kleinwagens ist das Aufklappen eines Tisches. Und eines Stuhls. Zu Hause wohnt dieser Held des Alltags h\u00f6chstwahrscheinlich noch immer in seinem Jugendzimmer bei seiner Mutter, die seit zwanzig Jahren schon verstrohwitwet ist. Gewissensbissleben. In der Hemdtasche hat er \u00fcbrigens einen Kugelschreiber stecken, der korrekt festgeklammert ist. Dann setzt er sich ganz zufrieden danieder und studiert aufmerksam die Bauanleitung zu seinem Zelt. Ein Wurfzelt, das tats\u00e4chlich innerhalb weniger Minuten steht. (ach ja, ganz vergessen: Die Schuhe sind aus geflochtenem Leder mit Gummisohle, sehr adrett.) Der n\u00e4chste Akt seines Bem\u00fchens artet in wahre Arbeit aus. Er will ein Dach aus vier St\u00fctzen und einer Plane bauen. Zieht er auf einer Seite, f\u00e4llt an anderer Stelle eine St\u00fctze um. Verzweiflung macht sich ganz offen sichtbar in seinem Gesicht als Fratze breit, so hatte er sich das nicht vorgestellt. Immerhin ist die Gesamtprozedur nach einer Stunde beendet, auch wenn die Nachbarn heimlich oder ganz offen noch gerne l\u00e4nger zugeschaut h\u00e4tten. Aber das Abendessen ist wichtiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp h\u00f6rt die gerade angekommenen Italiener schon lautstark die erste Flasche Wein \u00f6ffnen, erstes zufriedenes Lachen. Die allgemeine Abendstimmung, sie steigt. Da wird ein inzwischen v\u00f6llig verschwitzt allein dastehender Beamter auch schon mal \u00fcbersehen. Das Planendach ist derweil wieder umgefallen. Auf seinen nebenan stehenden wei\u00dfen Wagen und eine Stange hat dort einen sichtbaren Kratzer hinterlassen. Am n\u00e4chsten Tag wird er wieder abreisen, gen Italiens K\u00fcste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt. Zudem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Haimo Hieronymus\u00a0pr\u00e4sentiert zudem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=41697&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zyklop-e1518878819380.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"266\" \/><\/a>In 2018 kommt etwas Gewichtiges auf Sie zu. <i>Zyklop I<\/i> ist mit einer partikularen Sichtweise eine ebenso wunderbare, wie irritierende Erfahrung. Das eine ist nicht vom anderen zu trennen, denn Haimo Hieronymus will unbestreitbar Sch\u00f6nheit schaffen und er will hier nicht weniger als von allem erz\u00e4hlen: Vom Gro\u00dfen, Ganzen, vom Kosmos, von der Sch\u00f6pfung. Gar vom Leben selbst, indem er in die Vollen greift, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Kunst erkennt man daran, da\u00df sie das Ewige sichtbar macht, Bilder werden zu einem idealen Erkenntnismedium. <i>Zyklop I<\/i> ist ein sakrales Kunstprojekt ohne religi\u00f6se Dogmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur <i>Subscription<\/i> freigegeben: <b>Zyklop I,<\/b> Katalog mit Fotos von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor. Erscheint im September 2018 in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren. Freunde und F\u00f6rderer werden im Katalog mit einer W\u00fcrdigung dokumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfragen zu <i>Zyklop I<\/i> und den bibliophilen Kostbarkeiten \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Typischer als dieser Beamte, vermutlich einer Verwaltungsbeh\u00f6rde, vielleicht sogar eines Finanzamtes, kann wirklich niemand sein. Er reist guter Dinge in seinem strahlend wei\u00dfen Kleinwagen an. 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