{"id":41106,"date":"1999-04-01T00:01:02","date_gmt":"1999-03-31T22:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41106"},"modified":"2022-02-26T09:58:31","modified_gmt":"2022-02-26T08:58:31","slug":"stereotypen-medial-vernutzten-sprechens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1999\/04\/01\/stereotypen-medial-vernutzten-sprechens\/","title":{"rendered":"Stereotypen medial vernutzten Sprechens"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Im Anfang war die Presse, und dann erschien die Welt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 1. April 1899 gr\u00fcndete Karl Kraus die Zeitschrift <i>Die Fackel.<\/i> Er ist der Begr\u00fcnder des analogen Internets. In der Vorrede zu diesem Projekt sagte er sich von allen R\u00fccksichten auf parteipolitische oder sonstige Bindungen los. Unter dem Motto <i>Was wir umbringen,<\/i> das er dem rei\u00dferischen <i>Was wir bringen<\/i> der Zeitungen entgegenhielt, sagte er der Welt, vor allem der Schriftsteller und Journalisten, den Kampf gegen die Phrase an und entwickelte sich zum wohl bedeutendsten Vork\u00e4mpfer gegen die Verwahrlosung der deutschen Sprache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung der Zeitschrift <i>Die Fackel<\/i> ist eine Biographie ihres Herausgebers. Von Anfang an war Karl Kraus nicht nur der Herausgeber, sondern auch der Autor der meisten Beitr\u00e4ge (ab 1912 dann alleiniger Autor). W\u00e4hrend die <i>Fackel<\/i> zu Beginn mit anderen Zeitschriften (wie etwa der <i><a class=\"mw-redirect\" title=\"Weltb\u00fchne\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Weltb%C3%BChne\">Weltb\u00fchne<\/a><\/i>) vergleichbar war, wurde sie sp\u00e4ter mehr und mehr die privilegierte Form seines eigenen schriftstellerischen Ausdrucks. Karl Kraus war finanziell unabh\u00e4ngig und musste keine R\u00fccksichten nehmen. So war <i>Die Fackel<\/i> allein sein Werk; es wurde darin ausschlie\u00dflich gedruckt, was er f\u00fcr richtig hielt. Die letzte Nummer,<sup id=\"cite_ref-30\" class=\"reference\"><\/sup> erschienen vier Monate vor seinem Tod, endet mit dem Wort <i>Trottel.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-100060\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Karl_Kraus-e1645635446375.jpg\" alt=\"\" width=\"202\" height=\"300\" \/>Kraus\u2019 Selbstbewusstsein war ungemein, seine Misanthropie legend\u00e4r. Eine im Januar 1921 in der <i>Fackel<\/i> ver\u00f6ffentlichte Notiz k\u00f6nnte als Manifest seines Wirkens bezeichnet werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch \/\/ lese keine Manuskripte und keine Drucksachen, \/\/ brauche keine Zeitungsausschnitte, \/\/ interessiere mich f\u00fcr keine Zeitschriften, \/\/ begehre keine Rezensionsexemplare und versende keine, \/\/ bespreche keine B\u00fccher, sondern werfe sie weg, \/\/ pr\u00fcfe keine Talente, \/\/ gebe keine Autogramme [\u2026] \/\/ besuche keine Vorlesungen au\u00dfer den eigenen [\u2026] \/\/ erteile keinen Rat und wei\u00df keinen, \/\/ mache keinen Besuch und empfange keinen, \/\/ schreibe keinen Brief und will keinen lesen und \/\/ verweise auf die v\u00f6llige Aussichtslosigkeit jedes Versuchs, mich zu irgendeiner der hier angedeuteten oder wie immer beschaffenen, schon in ihrer Vorstellung meine Arbeit st\u00f6renden, mein Missbehagen an der Au\u00dfenwelt mehrenden Verbindungen mit eben dieser bestimmen zu wollen, und habe nur noch die Bitte, die auf alle derlei Unternehmungen vergeudeten Porto- und sonstigen Kosten von jetzt an der Gesellschaft der Freunde Wien I, Singerstra\u00dfe 16, zuzuwenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>,.<\/p>\n<div class=\"Vorlage_Zitat\">\n<div class=\"cite\" style=\"text-align: justify;\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im Anfang war die Presse, und dann erschien die Welt. &nbsp; \u00a0 *** Am 1. 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