{"id":40588,"date":"2020-12-07T00:01:39","date_gmt":"2020-12-06T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40588"},"modified":"2021-10-01T16:08:03","modified_gmt":"2021-10-01T14:08:03","slug":"heldenplatz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/12\/07\/heldenplatz\/","title":{"rendered":"Heldenplatz"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><i>Spontan-Morgengedicht zum \u00f6sterr. Nationalfeiertag<\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><i>f\u00fcr den Dichterfreund Stephan Eibel Erzberg<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>da stehen sie nun aufgereiht<\/p>\n<p>in ihrer feschen milit\u00e4rmontur<\/p>\n<p>und sind bereit zum schwur<\/p>\n<p>aufs kleine hehre vaterland<\/p>\n<p>und in der menge steht<\/p>\n<p>und sucht der schatz<\/p>\n<p>den liebsten findet ihn<\/p>\n<p>eiei wie der so salutiert<\/p>\n<p>so\u00a0stramm so ungeniert<\/p>\n<p>die mama ist ganz stolz<\/p>\n<p>auf ihren schwiegersohn<\/p>\n<p>na wirklich s&#8217;ist kein hohn<\/p>\n<p>der bundespr\u00e4sident spricht<\/p>\n<p>sch\u00f6ne worte sagt vaterland<\/p>\n<p>sagt heimatland und staat<\/p>\n<p>er spricht von dienst und pflicht<\/p>\n<p>der herr minister (ober)klug<\/p>\n<p>so elegant\u00a0so smart\u00a0so\u00a0clever<\/p>\n<p>ruft laut\u00a0&#8222;das vaterland forever&#8220;!<\/p>\n<p>und jeder in der reihe salutiert<\/p>\n<p>die andern sind im feld krepiert<\/p>\n<p>und andere die waren im KZ<\/p>\n<p>(nein bitte keinen reim mit &#8222;nett&#8220;!)<\/p>\n<p>wir repr\u00e4sentieren heute\u00a0sagt er<\/p>\n<p>ein neues \u00f6sterreich die neue zeit<\/p>\n<p>naja den\u00b4k ich: es ist wieder soweit &#8230;-<\/p>\n<p>ein kleiner bub der schreit<\/p>\n<p>mama ich mu\u00df pipi aufs klo<\/p>\n<p>doch finden sie es nirgendwo<\/p>\n<p>da macht er\u00a0leider in die hose<\/p>\n<p>die ist nun fleckig und ganz na\u00df<\/p>\n<p>ach ja am heldenplatz in wien<\/p>\n<p>das war (doch damals auch)<\/p>\n<p>ein riesenspa\u00df man jubelte<\/p>\n<p>dem f\u00fchrer zu der oben schrie<\/p>\n<p>ich hol euch alle heim ins reich<\/p>\n<p>der schuschnig vorher kleinlaut<\/p>\n<p>im radio &#8222;Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>AUSKLANG <\/strong>Gedichte 2010-2020 von Peter Paul Wiplinger, L\u00f6cker Verlag, Wien 2020<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ausklang_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-73678 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Ausklang_Cover-198x300.jpg\" alt=\"\" width=\"198\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Gedichte sind wie alles, was Wiplinger schrieb, vollkommen aufrichtig. Kompromisslos. Spontan. Er hatte immer die Wirklichkeit im Sinn in ihrer Sachlichkeit. Er hat sich nie mit \u00e4sthetischen Metaphern aufgehalten. &#8211; Aber nun ist das Thema ein besonderes. Jetzt geht es um die \u201eexistenzielle Befindlichkeit\u2018 in ihrer unerbittlichen Form. Die Aufrichtigkeit ist tiefer, die Gef\u00fchle sind w\u00e4rmer. In Knappheit und Reduktion tut sich eineDramatik auf, eine asketische Tragik. &#8211; Wiplinger l\u00e4sst uns teilhaben an seinen Tr\u00e4umen und Erinnerungen, seinem Blick aus dem Krankenhausfenster im 21. Stockwerk des AKH nach einer schlimmen Diagnose. Aber sachlich hei\u00dft nicht ohne Tiefe, ohne Gef\u00fchl. Wir finden Verse auf die Sch\u00f6nheit des Lebens, auf den gl\u00fccklichen Augenblick, auf die lautlose Stille des Unsagbaren. Und die klare, schlichte Sprache gibt den Versen die suggestive Kraft der \u00dcberzeugung. &#8211; Man sollte dieses Buch lesen. Es ist wichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Elisabeth Schawerda<\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Lesen Sie auch die Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28754\">\u00dcber den Zustand der Liebe in lyrischen Texten<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">Poetik des Humanen<\/a> \u00fcber Peter Paul Wiplinger.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spontan-Morgengedicht zum \u00f6sterr. 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