{"id":39762,"date":"2018-05-04T00:01:47","date_gmt":"2018-05-03T22:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=39762"},"modified":"2018-05-04T06:11:31","modified_gmt":"2018-05-04T04:11:31","slug":"apfelbaeume","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/05\/04\/apfelbaeume\/","title":{"rendered":"Apfelb\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Abends sitzt er bei lauem Wetter gerne an der nahen Ruhr, die einst so tot dalag, nun aber ein neues Leben erhalten hat. Wenn in den anderen Teilen der Republik die Fl\u00fcsse \u00fcber ihre Ufer treten und die Innenst\u00e4dte fluten, kann er hier sitzen. Renaturierung macht es m\u00f6glich. Am Strand, wie er es gerne nennt. \u00dcber ihm fliegen die n\u00e4chtlichen Flederm\u00e4use, drehen ihre ausgezackten Runden und schnappen all die Insekten, die in der Hoffnung der Dunkelheit dort flattern. Neben sich hat er eine Flasche Rotwein stehen und eine nette Frau sitzen. Eine echte Freundin, von denen gibt es nicht viele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Worte wechseln, unterbrochen von einigen Telefonaten lassen die beiden die letzten Tage, ihre Erlebnisse und Taten Revue passieren. Gem\u00fctlich aneinander gelehnt k\u00f6nnen sie ihre N\u00e4he sp\u00fcren, wissen, dass dies wahrer Luxus ist. Der Wein aus dem Friaul schmeckt herb und gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Mit dem zweiten Schluck allerdings hat sich der Gaumen an diesen Genuss gew\u00f6hnt, will mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp hat vor einigen Tagen einige Apfelb\u00e4umchen gekauft, nicht einfach so, das k\u00f6nnten wir uns bei diesem Kauz auch kaum vorstellen. Er muss hiervon erz\u00e4hlen und l\u00e4sst sich durch keine Unterbrechung davon abhalten. \u201eDie beiden z\u00fcchten alte Apfelsorten, die kennt man noch nicht einmal von Namen. Habe sie gefragt, ob sie was f\u00fcr meinen Vorgarten haben und tats\u00e4chlich wurden mir verschiedene Sorten angeboten. Da ich nicht wei\u00df, wie sie schmecken k\u00f6nnten, Geschmacksbeschreibungen sind schlie\u00dflich immer fraglich, musste ich wohl oder \u00fcbel nach den Namen gehen und die finde ich so klasse, dass ich nicht anders konnte. Da gibt es dann keinen Braeburn oder Cox Orange, keine Pink Lady. Die kann man schlie\u00dflich auch in jedem Kaufhaus erwerben. Die schmecken alle gleich \u2013 gleich langweilig und geben uns nur eine Erinnerung an das, was Apfel eigentlich ist: eine Geschmacksexplosion.\u201c Er steht auf, geht n\u00e4her an das in der Nacht blinkende Wasser heran, betrachtet eingehend die Reflexionen und ihren Rhythmus. Verliert sich in der eint\u00f6nigen Vielfalt, denkt an seine neuen Vorgartenb\u00e4ume und wie er sie gepflanzt hat. Die Hibiskusb\u00fcsche waren im Winter eingegangen, hatten das Zeitliche gesegnet. Bis Ende Mai hatte er ihnen noch die Chance gegeben, sich zu erholen, zumindest einen Trieb zu zeigen. Dann w\u00e4ren sie stehen geblieben, so aber musste er endlich handeln. Die Str\u00fcnke wurden ausgegraben und der Boden durch Pflanzerde ersetzt, dann die neuen B\u00e4umchen eingepflanzt und eingeschl\u00e4mmt. Der eine Z\u00fcchter hatte ihm noch den Tipp gegeben, den Boden gut zu d\u00fcngen, damit die neuen Mitbewohner auch gut gedeihen k\u00f6nnten. Im Herbst sollten sie zum ersten Mal beschnitten werden und St\u00fctzen w\u00fcrde er noch schwei\u00dfen lassen, damit die Form erhalten bleibt. Zumindest f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre war das wichtig. \u201eIch habe mich also f\u00fcr eine Rote Walze und eine Wei\u00dfe Schnauze entschieden, alte seltene Sorten. Bin total gespannt auf die Fr\u00fcchte. Und als ich sie abgeholt habe, stand da noch so ein sch\u00f6ner U-f\u00f6rmiger Baum herum, den habe ich gleich auch noch genommen. Einen Zuccal Magglio aus dem Rheinland.\u201c Dass seine Gespr\u00e4chspartnerin zwischendurch ein langes Telefonat gef\u00fchrt hat, ist ihm gar nicht aufgefallen. Inzwischen ist es beiden kalt geworden, sie stehen auf und schlendern langsam den Wohnungen entgegen. Pl\u00f6tzlich gleitet Herr Nipp aus, verliert den Halt und liegt lang auf dem Boden. Irgendjemand hat einen Apfeln\u00fcrsel weggeworfen. Granny Smith.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt. Zudem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Haimo Hieronymus\u00a0pr\u00e4sentiert zudem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=41697&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Zyklop-e1518878819380.jpg\" alt=\"\" width=\"177\" height=\"266\" \/><\/a>In 2018 kommt etwas Gewichtiges auf Sie zu. <i>Zyklop I<\/i> ist mit einer partikularen Sichtweise eine ebenso wunderbare, wie irritierende Erfahrung. Das eine ist nicht vom anderen zu trennen, denn Haimo Hieronymus will unbestreitbar Sch\u00f6nheit schaffen und er will hier nicht weniger als von allem erz\u00e4hlen: Vom Gro\u00dfen, Ganzen, vom Kosmos, von der Sch\u00f6pfung. Gar vom Leben selbst, indem er in die Vollen greift, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Kunst erkennt man daran, da\u00df sie das Ewige sichtbar macht, Bilder werden zu einem idealen Erkenntnismedium. <i>Zyklop I<\/i> ist ein sakrales Kunstprojekt ohne religi\u00f6se Dogmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Zur <i>Subscription<\/i> freigegeben:<\/span> <b>Zyklop I,<\/b> Photobuch von Haimo Hieronymus, Edition Das Labor. Erscheint im September 2018 in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren. Freunde und F\u00f6rderer werden im Katalog mit einer W\u00fcrdigung dokumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anfragen zu <i>Zyklop I<\/i> und den bibliophilen Kostbarkeiten \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abends sitzt er bei lauem Wetter gerne an der nahen Ruhr, die einst so tot dalag, nun aber ein neues Leben erhalten hat. 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