{"id":3952,"date":"2012-05-16T00:02:49","date_gmt":"2012-05-15T22:02:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3952"},"modified":"2018-03-16T21:20:37","modified_gmt":"2018-03-16T20:20:37","slug":"das-leben-ist-nicht-wunschdirwas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/16\/das-leben-ist-nicht-wunschdirwas\/","title":{"rendered":"Das Leben ist nicht W\u00fcnschdirwas"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/merten_umschlag-2001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3956\" title=\"merten_umschlag-200\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/merten_umschlag-2001-169x300.jpg\" alt=\"\" width=\"169\" height=\"300\" \/><\/a>Es muss immer eine Richtung geben. Vor allem montags, damit \u201edie F\u00fc\u00dfe nicht nur vor sich hintreten.\u201c Die Ich-Erz\u00e4hlerin ver\u00adsucht das, geht brav und pflicht\u00adbewusst zum Arbeits\u00adamt. Doch f\u00fcr Aka\u00addemi\u00adker gibt es momen\u00adtan keine Jobs. Viel\u00adleicht will sie auch gar keinen, will nicht immer eine Rich\u00adtung haben, will sich gegen\u00ad\u00fcber Jannes nicht dauernd recht\u00adfer\u00adtigen m\u00fcssen. St\u00e4n\u00addig n\u00f6rgelt er herum. Ihre Wohnung sei ihm \u201ezu laut\u201c, in ihrem Viertel w\u00fcrden \u201enur Spinner\u201c wohnen. Er findet das \u00dcber\u00adt\u00fcnchen von Graffiti \u201esuper\u201c, sie findet es einfach nur \u201etypisch deutsch\u201c. Er wirft ihr vor, sie trete auf der Stelle. \u201eIch sitze\u201c, antwortet sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katrin Marie Merten, die 2009 mit einem Gedicht\u00adband deb\u00fc\u00adtierte, legt mit \u201eR\u00fcck\u00adw\u00e4rts\u00adlaufen\u201c nun ihren ersten Prosaband vor. Es ist nicht nur ein Buch mit Geschich\u00adten, sondern auch eine lite\u00adrarische Selbstsuche der Autorin. In elf Kurz\u00adgeschichten verhandelt sie ihren eigenen Ton, ihre Sujets. Haupt\u00ads\u00e4ch\u00adlich spielen zwischen\u00admensch\u00adliche Bezie\u00adhungen eine Rolle. Es geht um Liebende, Geschwister, Eltern und Kinder, auch Men\u00adschen und Tiere, und oft geht es um das Was-w\u00e4re-wenn. Mertens Geschich\u00adten bleiben in der Schwebe, verhandeln \u00fcber M\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten: \u201eDie Reise nach Berlin ist eine, die ich nicht gemacht habe.\u201c Kurz darauf ist die Erz\u00e4h\u00adlerin dennoch in Berlin, mit Karl, und versucht, \u201ean der Hal\u00adtung seines schlafenden K\u00f6rpers den Fort\u00adgang unserer Geschich\u00adte abzu\u00adlesen\u201c. Viel\u00adleicht war das aber nur ein Traum. So genau verr\u00e4t das die Autorin nie. Auch der Beginn einer anderen Geschichte \u00f6ffnet ein Verwirrspiel, das nicht aufgel\u00f6st wird: \u201eIch bin die Schwester, die sie sich w\u00fcnscht.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thematisch \u00fcber M\u00f6glichkeiten zu schreiben, hei\u00dft in Mertens Fall auch, die M\u00f6glichkeiten des Schreibens zu testen. Wie wirkt jener Stil, wie mu\u00df man das verpacken, wie wird jene Idee zu einer Kurz\u00adgeschichte, welche Mittel ben\u00f6\u00adtigt man? Passen das Voka\u00adbular und das Tempo? Einige der Erz\u00e4h\u00adlungen lassen diese Fragen durchscheinen, weshalb sie an Not\u00adwendig\u00adkeit f\u00fcr den Leser verlieren. Zu offen\u00adsicht\u00adlich sind die Kniffe, bestimmte Situationen und Typen literarisch lebendig werden zu lassen. Das wirkt dann wie die Befolgung der Bastel\u00adanlei\u00adtung f\u00fcr Autoren: \u201eStelle mich vor sie, wenn die Wut in seinem Gesicht wallt, wenn die Wut sein Gesicht in Furchen legt, eiskalte Z\u00fcge, blit\u00adzende Augen\u201c \u2013 das ist die Darstel\u00adlung eines j\u00e4h\u00adzornigen Mann kurz bevor er zuschl\u00e4gt, wenig raffiniert, wie auch der Rest jener klischee\u00adbela\u00addenen Geschichte: \u201eWir werden alles vergessen. Der Vater wird nicht mehr schlagen. Nicht mehr laufen \u00fcber den Flur. Die Mutter wird nicht mehr weinen. Nicht mehr trinken.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas Leben ist nicht W\u00fcnsch\u00addirwas\u201c, sagt der Kapit\u00e4n in einer von Mertens Ge\u00adschich\u00adten und das gilt wahr\u00adschein\u00adlich auch f\u00fcr das lite\u00adrarische Schaffen, vor allem zu Beginn. Manch\u00admal gelingt ein kleines Meister\u00adst\u00fcck, manchmal geht&#8217;s in die Hose. Das schm\u00e4\u00adlert diesen Band aber nicht. Denn die meisten Texte verf\u00fcgen \u00fcber ver\u00adhei\u00dfungs\u00advolle Schl\u00fcs\u00adsel\u00adreize. Auch wenn manches zu kons\u00adtruiert wirkt, um nicht plump zu sein, an anderer Stelle schreibt die Autorin fein, klug und ein\u00adf\u00fchlsam und trifft jenen Ton, von dem man hofft, da\u00df sie genau diesen gesucht hat und fes\u00adtigen wird. Es sollte eben immer eine Rich\u00adtung geben, der man leiden\u00adschaft\u00adlich folgt. Da\u00df Katrin Marie Mer\u00adten genau das tut, wei\u00df man als Leser schnell. Man hat da so eine Ahnung: \u201eDu kennst mich doch gar nicht\u201c, sagte sie, \u201ewarum bem\u00fchst du dich so?\u201c \u2013 \u201eIch wei\u00df nicht, es ist so ein Gef\u00fchl.\u201c \u2013 \u201eDas ist viel\u201c, hat sie gesagt, \u201eeigentlich alles, was z\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Katrin Marie Merten<br \/>\nR\u00fcckw\u00e4rtslaufen<br \/>\nEdition Muschelkalk<br \/>\nWartburg Verlag<br \/>\nWeimar 2011<br \/>\n72 S., 11 Euro<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss immer eine Richtung geben. Vor allem montags, damit \u201edie F\u00fc\u00dfe nicht nur vor sich hintreten.\u201c Die Ich-Erz\u00e4hlerin ver\u00adsucht das, geht brav und pflicht\u00adbewusst zum Arbeits\u00adamt. Doch f\u00fcr Aka\u00addemi\u00adker gibt es momen\u00adtan keine Jobs. 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