{"id":39254,"date":"2002-12-04T00:01:07","date_gmt":"2002-12-03T23:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=39254"},"modified":"2021-01-09T16:35:09","modified_gmt":"2021-01-09T15:35:09","slug":"falkenmotiv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/12\/04\/falkenmotiv\/","title":{"rendered":"Falkenmotiv"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischendurch zieht Herr Nipp immer wieder mal mit seinem Rad verbotenerweise seine Runden auf dem alten Friedhof, der fast w\u00f6chentlich einige Gr\u00e4ber verliert. Inzwischen ist es ein violett bl\u00fchender Park geworden. Riesige Rhododendren sind stehen geblieben und einige alte B\u00e4ume, wie Kastanien, Ahorne und Robinien, auch ein Tulpenbaum und einige Trauerbuchen. Um einen alten Brunnen stehen Blutbuchen und bilden einen mystischen Ort. Fast verwunschen, wie aus alten Sagen. Aber es ist sehr still dort geworden. Die trauernden Angeh\u00f6rigen sind wohl inzwischen selber den Weg alles Irdischen gegangen und auf dem fernab liegenden Friedhof, irgendwo im Wald vergraben. Immerhin gibt es vereinzelte Ruhest\u00e4tten, die auch heute noch liebevoll gepflegt werden. Auf einem der unteren Wege liegt mitten auf dem Weg ein Sack mit Blumenerde, fast w\u00e4re er mittig dar\u00fcber gefahren. Aus einiger Entfernung kommt eine \u00e4ltere, nein bei n\u00e4herkommen wirklich sehr alte Frau auf ihn zu, bittet ihn, doch den Beutel eben zum Grab zu bringen. Sie will ihm sogar \u201czwei Mark\u201d geben. Nat\u00fcrlich ist Herr Nipp gerne bereit, die Bodenauffrischung im Plastiksack die paar Meter zu tragen, sieht er doch, dass die Dame echte Probleme mit dem Gehen hat. Er lehnt die dargereichte Belohnung nat\u00fcrlich ab und will schon wieder losfahren, da beginnt die Dame zu erz\u00e4hlen. Sie hat in ihm offensichtlich ein optimales Opfer gefunden, jemand der nicht auf eine Belohnung aus ist, der wird auch h\u00f6flich zuh\u00f6ren. So erf\u00e4hrt er ganz ungewollt einiges \u00fcber ihre berufliche Vergangenheit, die allerdings schon vor fast drei Jahrzehnten beendet wurde. Dar\u00fcber, dass sie Fremdsprachenkorrespondentin war und f\u00fcr die Botschaft und katholische Kirche gearbeitet hat. Bestimmte Strukturen scheinen sich zu \u00e4hneln. Durchaus interessantes Leben. Am sch\u00f6nsten ist allerdings eine recht aktuelle Geschichte, die dieser Dame vor einigen Wochen passiert ist. Da ihr alter privilegierter K\u00fchlschrank einer ehemals gro\u00dfen Handelskette inreparabel\u00a0 defekt war, hatte sie sich via Internet einen neuen bestellt. Herr Nipp kann sich immer wieder nur wundern, wie viele und welche Menschen heute ganz selbstverst\u00e4ndlich das Netz nutzen. Markenfabrikat der etwas nobleren Sorte, sie scheint es sich leisten zu k\u00f6nnen. Am Liefertag erschienen die Lieferanten, deren Beschreibung kontrastiver nicht h\u00e4tte ausfallen k\u00f6nnen. Der eine gro\u00df, d\u00fcnn und jung, der andere klein, alt und dick. Beide wohl nicht allzu intelligent, wie sie mutma\u00dft. Da sie im zweiten Stockwerk wohnt, m\u00fcssen einige Treppenstufen \u00fcberwunden werden. Auf jeder von diesen setzen die beiden den unten schon ausgepackten K\u00fchlschrank ab. Die alte Dame hat Angst davor, dass er v\u00f6llig vermackt oben ankommt, also ruft sie herunter, dass die beiden Herren doch oben angekommen aufpassen sollten, da ein Wanderfalke frei in ihrer Wohnung fliegen w\u00fcrde. Die Neugier der Herren tat wohl ihre Wirkung. Sie fliegen die Treppen herauf. Kaum ausgesprochen, sind die beiden auch schon oben angekommen und wollen den Falken sehen. Die Dame aber hat jedoch nur einen Wellensittich. Emp\u00f6rt fragen die beiden M\u00e4nner, was denn das nun sollte. Darauf sie: \u201cWenn sie so weiter gemacht h\u00e4tten, dann w\u00e4re ich bestimmt vor ihrer Ankunft verstorben.\u201d Die verbittert sauren Herrschaften h\u00e4tten in ihrer b\u00f6sen Emp\u00f6rung, von einer alten Frau so geneppt worden zu sein, sofort und in Eile ihren R\u00fcckweg angetreten und sie habe gar keine Chance gehabt, ihnen ein Trinkgeld zu geben. Immerhin gr\u00fc\u00dfe der kleine Dicke sie jedes Mal, wenn er an ihr vorbeif\u00e4hrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Zu einem begehrten Sammlerst\u00fcck hat sich die\u00a0Totholzausgabe von Herrn Nipps <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\"><em>Die Angst perfekter Schwiegers\u00f6hne<\/em><\/a> entwickelt.\u00a0Au\u00dferdem belegt sein Taschenbuch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=9294\"><em>Unerh\u00f6rte M\u00f6glichkeiten<\/em><\/a>, da\u00df man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch t\u00e4tig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=899\"><em>Twitteratur<\/em><\/a> ein. Und au\u00dferdem pr\u00e4sentiert Haimo Hieronymus die bibliophile Kostbarkeit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=41385\"><em>\u00dcber Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher<\/em><\/a> aus den Notizb\u00fcchern des Herrn Nipp. <span data-offset-key=\"bv319-0-0\">Begleitendes zur Ver\u00f6ffentlichung des Buches <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/12\/04\/fatale-wirkungen\/\"><em>Fatale Wirkungen<\/em><\/a>, von Herrn Nipp (Mit Fotos von Stephanie Neuhaus). \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=70620\">historische Aufgabe<\/a> von Herrn Nipp aus M\u00f6ppelheim.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese bibliophile Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zwischendurch zieht Herr Nipp immer wieder mal mit seinem Rad verbotenerweise seine Runden auf dem alten Friedhof, der fast w\u00f6chentlich einige Gr\u00e4ber verliert. Inzwischen ist es ein violett bl\u00fchender Park geworden. 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