{"id":39172,"date":"1994-02-04T00:01:41","date_gmt":"1994-02-03T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=39172"},"modified":"2022-02-22T10:39:27","modified_gmt":"2022-02-22T09:39:27","slug":"geschichten-schreiben-oder-andere-texte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1994\/02\/04\/geschichten-schreiben-oder-andere-texte\/","title":{"rendered":"Start me up"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Bett, die F\u00fc\u00dfe werden ungeduldig, unbefriedigend gerieben, ohne eigentlich zu wissen warum. Er schaute auf, um sich der Uhrzeit zu vergewissern. Tats\u00e4chlich schon sp\u00e4t. Langsam zog er die fast schwarzen Socken von den F\u00fc\u00dfen und legte sie ungeordnet neben seine Schlafmatratze. Ein Bett hatte er nicht, wohl auch lange nicht gehabt. W\u00e4re ihm sicherlich zu luxuri\u00f6s vorgekommen, h\u00e4tte zu seinem spartanischen Lebensstil \u00fcberhaupt nicht gepa\u00dft. Und doch h\u00e4tte Herr Nipp nicht wenig Lust gehabt, sich in ein Bett zu legen, aber momentan, dass hei\u00dft seit \u00fcber sechs Jahren, reichte das Geld einfach nicht aus, um mehr als Nahrungsmittel und Papier zu kaufen. Seit \u00fcber einem Monat schon kein Bild mehr verkauft. Auch keinen seiner sonst so, wenn auch sehr eingeschr\u00e4nkt, popul\u00e4ren Drucke. Und wenn in der letzten Zeit irgendjemand mal Interesse hatte, so wollte er meist wenig oder besser gar nichts daf\u00fcr bezahlen, als sei es schon eine Gnade an sich, da\u00df irgendein Popanz ein Bild aufh\u00e4ngt. Am Besten noch farblich passend zum Sofa.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Nipp horchte nicht ein wenig auf die nicht gerade heitere Musik. Wie konnte man sich an einem so tr\u00fcben Herbsttag auch noch Anne Clark anh\u00f6ren? Diese Frage seiner Schwester ging ihm immer wieder durch den br\u00e4sigen Kopf und er mu\u00dfte unwillk\u00fcrlich grinsen. \u201eSchei\u00dfe noch mal\u201c. Ein aufgeschlagenes Buch, geschrieben von einem seiner Bekannten, lag da und ein leeres umgeworfenes Glas, vom Suff, am Tag zuvor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufr\u00e4umen, nicht seine St\u00e4rke. Auch wenn er es eigentlich sauber und ordentlich liebte. \u201eDu bist und bleibst eben nur ein Spie\u00dfb\u00fcrger\u201c. Sicher, auch das hat Wahres. Seine Lider wurden wieder einmal schwer. Das Licht gel\u00f6scht und unter die nicht unbedingt w\u00e4rmende Steppdecke mit dem blau-rot gemusterten Bezug. Herr Nipp drehte sich auf die linke Seite, versuchte den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen, schlief aber, diesen Gedanken kaum angedacht, viel weniger zu Ende, ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sollte mal wieder eine dieser kaum belastenden N\u00e4chte werden. N\u00e4chte, die mehr zu bieten haben als das normale Leben den Menschen vorzugaukeln versucht. Wo die wirkliche Welt zu suchen ist, d\u00fcrfte heutzutage ja wohl mehr als eindeutig sein.\u00a0 Im Kopf. Tr\u00e4umerisch. Als von au\u00dfen kommende kann man sich niemals auf eine solche Realit\u00e4tsebene beziehen. Hier kann all das ohne Konventionen oder l\u00e4cherliche Naturgesetze passieren, sogar in den Armen seiner Frau kann ein Schlafender mit einem anderen Mann schlafen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Mittelma\u00df der Welt<\/strong>, unerh\u00f6rte Geschichten von Herrn Nipp, KUNO 1994 &#8211; 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-71748\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild.jpg 217w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/Herr-Nipp-Frontbild-160x169.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a>Die <em class=\"\">unerh\u00f6rten Geschichten<\/em> von Herrn Nipp sind glossierende Anmerkungen, die sich schnoddrig mit dem Zeitgeist auseinandersetzen. Oft wird in diesen Kolportagen ein Konflikt zwischen Ordnung und Chaos beschrieben. Wir lesen sowohl \u00fcberraschendes und unerwartetes, potentiell ungew\u00f6hnliches, das auf ein Geschehen verweist, und einen sich real ereigneten (oder wenigstens m\u00f6glichen) Ursprung des Erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Papier ist autonomes Kunstmaterial, daher ein vertiefendes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Auf dem Bett, die F\u00fc\u00dfe werden ungeduldig, unbefriedigend gerieben, ohne eigentlich zu wissen warum. Er schaute auf, um sich der Uhrzeit zu vergewissern. Tats\u00e4chlich schon sp\u00e4t. 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