{"id":3807,"date":"2012-05-05T00:04:10","date_gmt":"2012-05-04T22:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3807"},"modified":"2012-05-06T15:15:30","modified_gmt":"2012-05-06T13:15:30","slug":"diskrete-mathematik-1-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/05\/05\/diskrete-mathematik-1-3\/","title":{"rendered":"Diskrete Mathematik 1 \u2013 3"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><strong>1 Durch H\u00e4user gehen<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich tr\u00e4umte von einer Stadt ohne Stra\u00dfen und B\u00fcrgersteige, in der man, wenn man einen Spaziergang machen wollte, von einem Haus ins andere gehen musste.<\/p>\n<div id=\"attachment_3812\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/h\u00e4user22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3812\" class=\"size-medium wp-image-3812\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/h\u00e4user22-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/h\u00e4user22-208x300.jpg 208w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/h\u00e4user22-710x1024.jpg 710w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/h\u00e4user22.jpg 1644w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3812\" class=\"wp-caption-text\">Zeichnung \/ Collage von Arno Kappe<\/p><\/div>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Regel begegneten einem die Hausbewohner freundlich; meistens sahen sie einen aber \u00fcberhaupt nicht, weil sie in genau dem Moment den Raum verlie\u00dfen, in dem der Spazierg\u00e4nger ihn betrat. Warum das so war, dar\u00fcber hatte sich schon so mancher Gelehrte den Kopf zerbrochen. Mathematiker sprachen von der <em>Asymmetrie des Zufalls<\/em>. Geb\u00e4udediagnostiker f\u00fchrten dieses Ph\u00e4nomen jedoch auf die schlichte Tatsache zur\u00fcck, dass durch den Luftzug, den ein Spazierg\u00e4nger beim Eintritt in ein Haus verursachte, auf der gegen\u00fcberliegenden Seite T\u00fcren oder Fenster knarzten, die der Hausbewohner dann schlie\u00dfen wollte. Wie dem auch sei \u2212 drehte sich doch mal ein Hausbewohner um und entdeckte einen Spazierg\u00e4nger, so gr\u00fc\u00dfte er ihn freundlich und ging weiter, denn die meisten Menschen sind weder Spazierg\u00e4nger noch kennen sie Geb\u00e4udediagnostiker.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>2 Eine Menge m\u00f6glicher akzeptierender Zust\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Viele Menschen glauben, dass sie durch Heiraten in eine andere Welt gelangen. Was sie aber nicht wissen, ist, dass dies in Wirklichkeit durch \u203abewegtes Wei\u00df\u2039 geschieht. D.h., wenn sie in wei\u00dfen Kleidern tanzen, entsteht ein Nebel, der sie in diese andere Welt bringt. Sie wissen nat\u00fcrlich genausowenig, dass sie durch den gleichen Vorgang wieder in den alten Zustand zur\u00fcckgeholt werden k\u00f6nnen, was sich quasi kaum vermeiden l\u00e4sst. Sie brauchen ja nur Betten aufzusch\u00fctteln oder mit einem wei\u00dfen Taschentuch jemandem zum Abschied zu winken, um den Vorgang erneut auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Deswegen ist nat\u00fcrlich unklar, ob sie nicht schon vor der Heirat in dieser anderen Welt gewesen und nun durch die Heirat wieder zur\u00fcckgeholt werden; streng genommen passiert ein st\u00e4ndiger Wechsel zwischen den Welten, und es h\u00e4ngt ganz allein von dem pers\u00f6nlichen Empfinden jedes einzelnen ab, was er oder sie f\u00fcr die eine oder andere Welt h\u00e4lt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das eigentliche Problem liegt ganz woanders, und w\u00fcrden mehr Menschen darum wissen, wie viele Scheidungen k\u00f6nnten vermieden werden?! Was n\u00e4mlich, wenn sich der Mann schon in der anderen Welt befindet, die Frau aber noch in der diesseitigen? Dann w\u00fcrden sie bei der Heirat die Zust\u00e4nde wechseln, vielleicht immer in getrennten Welten bleiben und einander nie verstehen. Es sei denn, die Frau k\u00e4me auf die Idee, in Schwarz zu heiraten. Was aber m\u00f6glicherweise zur Folge haben k\u00f6nnte, dass sie fortan die Heirat f\u00fcr ihr Lebensgl\u00fcck verantwortlich macht. (Auch muss man beachten, dass ihr Mann ja nicht zeitgleich den Zustand wechselt, wenn sie ohne ihren Mann jemanden zum Zug bringt oder ihr Mann allein die Betten aufsch\u00fcttelt.)<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum Gl\u00fcck gehen diese Wechsel nicht bis in alle Ewigkeit so weiter, zum einen, da das Leben endlich ist, zum andern, da Wei\u00df nicht immer Wei\u00df bleibt, sondern leicht verschmutzt oder vergilbt. Die Philosophen sprechen von <em>einer Menge m\u00f6glicher akzeptierender Zust\u00e4nde<\/em> und meinen, der h\u00f6chste Grad der Zufriedenheit sei erreicht, wenn man den Unterschied zwischen den beiden Welten als sehr gering erachtet. Das gelingt nur wenigen und nur denjenigen, die darum wissen, und au\u00dferdem sind die anderen Farben ja noch gar nicht erforscht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>3 Schlaf finden<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Theoretisch findet mein Sohn seinen Schlaf in der oberen linken Ecke seines Bettes, tut dies aber nicht immer gleich schnell, wie \u00fcberhaupt die Geschwindigkeit von Kindern einem ausgesprochen starken Wechsel unterworfen ist, durch nichts berechenbar. So dachte ich eines Tages, ich m\u00fcsste ihm ein Lied singen, durch das er besser in den Schlaf finden kann, aber so schnell er schlie\u00dflich auch einschlief, genauso schnell zuckten gleich darauf wieder seine F\u00fc\u00dfchen, und nichts war gewonnen, ganz im Gegenteil hatte ich nun Angst vorm n\u00e4chsten Abend.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Schlie\u00dflich will man selber auch mal schlafen \u2013 der Hauptgrund, warum man \u00fcberhaupt Systeme zum Kinder-ins-Bett-bringen entwickelt \u2013, denn der Kinderschlaf ist ja nicht wichtiger als der Erwachsenenschlaf (h\u00f6chstens empfindlicher); und Geduld hat man verlernt in den Jahren der Kindererzeugung, denn neun Jahre braucht man f\u00fcr die \u203aErzeugung\u2039 eines Kindes, nicht neun Monate. (Neun Monate \u2013 das ist lediglich die \u00fcblicherweise ben\u00f6tigte Zeit, sich einen geeigneten Namen zu \u00fcberlegen.)<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wissenschaftler vermuten, dass die Eignung des Namens einen erheblichen Einflu\u00df auf die Einschlafgeschwindigkeit von Kleinkindern hat; wenn zum Beispiel ein Kind Christine hei\u00dft und den i-Laut als unangenehm grell empfindet, kann die Diskrepanz zwischen dem den ganzen Tag \u00fcber geh\u00f6rten Namen und dem eigenen Wohlbefinden einen \u00e4u\u00dferst unruhigen Schlaf hervorrufen, und weil Schlafen mit Fliegen vergleichbar ist, w\u00e4re somit die ballistische Linie empfindlich gest\u00f6rt. Aber hie\u00dfe das nicht, mit zu viel Realismus die Sache betrachten? Oder handelt es sich hier sogar um einen klassischen Fall von Koinzidenz? Diese Gr\u00fcbelei nun lie\u00df mich nat\u00fcrlich nicht zum Schlafen kommen, und mein Sohn betrachtete die ganze Zeit seine linke Hand, als geh\u00f6re sie nicht zu ihm.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie wir nur unsere Kinder s\u00e4hen, wenn der Blick nicht durch so viele Gedanken gef\u00e4rbt w\u00e4re &#8230; In jedem Fall spiegelt sich in ihrer Suche nach Schlaf unsere Suche nach ihrem Vater, die, ob sie zur Heirat f\u00fchrte oder nicht \u2013 und was wir schon wieder vergessen haben \u2013 unglaublich nervenaufreibend war.<\/p>\n<p align=\"CENTER\">*<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Anmerkung: <em>Eine Menge m\u00f6glicher akzeptierender Zust\u00e4nde<\/em> ist ein Begriff aus der <em>diskreten Mathematik.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Durch H\u00e4user gehen Ich tr\u00e4umte von einer Stadt ohne Stra\u00dfen und B\u00fcrgersteige, in der man, wenn man einen Spaziergang machen wollte, von einem Haus ins andere gehen musste. 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