{"id":37290,"date":"2021-04-28T00:01:45","date_gmt":"2021-04-27T22:01:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37290"},"modified":"2022-02-28T17:37:35","modified_gmt":"2022-02-28T16:37:35","slug":"zwischen-rhein-und-ruhr-und-niederrhein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/28\/zwischen-rhein-und-ruhr-und-niederrhein\/","title":{"rendered":"Zwischen Rhein und Ruhr und Niederrhein"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">An Jesus kommt keiner vorbei &#8230; au\u00dfer Stan Libuda!<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joh 14,6<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Rheinl\u00e4nder ist immer verliebt: In sich selbst und in die Welt, das ist fast dasselbe. Was oft so sehr nach Selbstliebe aussieht, ist in Wahrheit Liebe zum Leben. Der Rheinl\u00e4nder gibt gern etwas davon ab. Gerade weil der Rheinl\u00e4nder sich selbst so gern hat, suhlt er sich auch so gern in der Mitmenschlichkeit. Ich bin sicher, der Rheinl\u00e4nder braucht die Religion, nat\u00fcrlich die katholische, nur als belebende dialektische Gegenposition. Seine Moral leitet er aus rheinischem Frohsinn ab. Leiden will er nur, wenn Lustgewinn dabei herausspringt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf Anhieb kann ich sagen, dass ich Niederrheiner (auch im Plural!) durchaus sch\u00e4tze, der Rhein verbindet, und die Niederrheiner haben da unten (Norddeutsche Tiefebene &#8230;) noch mehr Rhein als wir, sie wohnen wirklich an einem Strom, w\u00e4hrend wir uns quasi an die sieben H\u00fcgel eines appenninisch-alpinischen Ausl\u00e4ufers anlehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schatten des gro\u00dfen Bruders K\u00f6ln genie\u00dfen wir, die wir s\u00fcdlich der Benrather Linie leben, in Bonn die Fr\u00fcchte des n\u00f6rdlichsten Weingebiets von Rang (gegen\u00fcber am Drachenfels Wei\u00dfwein, und ein paar Kilometer s\u00fcdlich der rote Ahrwein) und ruhen uns aus vom Ruhm als Hauptstadt der Bonner Republik. Hier ist tiefstes Rheinland &#8211; D\u00fcsseldorf lassen wir auch noch gelten, Alt und K\u00f6lsch und Pils vertragen sich gut &#8211; hier reifen die Menschen wie der Wein im goldenen Oktober, hier kredenzt ein gro\u00dfes Volk der Mitwelt seine Beerenauslese, Jahrgang f\u00fcr Jahrgang charaktervollen Geschmack nach der Devise Et k\u00fctt wie et k\u00fctt un Et h\u00e4tt noch immer jood jejange.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich war am Dienstag auf Schalke. Was mich am meisten dort r\u00fchrte, war das gro\u00dfartige Bergmanns-Lied, das die Schalker Knappen zu 55.000 im Chor singen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fcck auf, Gl\u00fcck auf, der Steiger kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: Und er hat sein helles Licht bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: schon angez\u00fcndt\u2019 :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon angez\u00fcndt\u2019! Das gibt ein Schein,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: und damit so fahren wir bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: ins Bergwerk ein :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut\u2019 sein,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: aus Felsgestein :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Eine gr\u00e4bt das Silber, der and&#8217;re gr\u00e4bt das Gold,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: doch dem schwarzbraunen M\u00e4gdelein, bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: dem sein wir hold :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ade, nun ade! Lieb\u2019 Sch\u00e4tzelein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: Und da drunten in dem tiefen finst\u2019ren Schacht, bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: da denk\u2019 ich dein :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und kehr ich heim, zum Sch\u00e4tzelein,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: dann erschallet des Bergmanns Gru\u00df bei der Nacht, :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">|: Gl\u00fcck auf, Gl\u00fcck auf! :|<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte fast Tr\u00e4nen in den Augen. Wieder einmal flossen Selbstliebe und Mitliebe ineinander. Ja, der Rheinl\u00e4nder ist kosmopolitisch durch und durch. Und der Westfale, der in der Kindheit unserer Republik den Wohlstand der Bayern und Schwaben finanzierte und aufbauen half, der hat ein gro\u00dfes und gerades Gem\u00fct, das mir auch w\u00e4hrend des Spiels gegen Arsenal London auffiel. Als Schalke Nuhl fieher mit 0:2 zur\u00fccklag, stimmten die Fahnen schwingenden Fans an: Steh auf, wenn du ein Schalker bist! Und das ganze Stadion steht auf. Das ist Liturgie! Religion direkt am Ball.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Lokalhelden,<\/strong> Roman von A. J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2018 &#8211; Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover.<\/p>\n<div id=\"attachment_98379\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98379\" class=\"wp-image-98379 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Lokalhelden_Cover-e1645862905963.jpeg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98379\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Jo Lurk<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesenswert auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34345\">Nachwort<\/a> von Peter Meilchen sowie eine\u00a0bundesdeutsche <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34388\">Sondierung<\/a> von Enrik Lauer. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=49303\"><em>Lektoratsgutachten<\/em><\/a> von Holger Benkel und ein Blick in das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=31462\">Pre-Master<\/a> von Betty Davis. Die Brauereifachfrau Martina Haimerl liefert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=44781\">Hintergrundmaterial<\/a>. Ein <em>Kollegengespr\u00e4ch<\/em> mit Ulrich Bergmann, bei dem Weigoni sein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=50056\">Recherchematerial<\/a> ausbreitet. Constanze Schmidt \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34331\">Ethnographie<\/a> des Rheinlands. Ren\u00e9 Desor mit einer Au\u00dfensicht auf die untergegangene <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30641\">Bonner<\/a> Republik. Jo Wei\u00df \u00fcber den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34337\">Nachschl\u00fcsselroman<\/a>. Margaretha Schnarhelt \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34340\">kulturelle Polyphonie<\/a> des Rheinlands. Karl Feldkamp liest einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=52088\">Heimatroman der tiefsinnigeren Art<\/a>. Als Letztes, aber nicht als Geringstes, Denis Ullrichs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=47226\">Rezensionsessay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Jesus kommt keiner vorbei &#8230; au\u00dfer Stan Libuda! Joh 14,6 Der Rheinl\u00e4nder ist immer verliebt: In sich selbst und in die Welt, das ist fast dasselbe. 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