{"id":37148,"date":"2021-04-09T00:01:02","date_gmt":"2021-04-08T22:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=37148"},"modified":"2022-02-28T18:27:17","modified_gmt":"2022-02-28T17:27:17","slug":"trendy-neo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/09\/trendy-neo\/","title":{"rendered":"Trendy &#038; Neo"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorrede der KUNO-Redaktion:<\/span> Zur Ausstellung im im Literaturhaus Stuttgart dekonstruiert Boris Kerenski im begleitenden <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=76953\"><span style=\"color: #ff0000;\">Katalog<\/span><\/a> den <em>Social Beat<\/em>. Wir erg\u00e4nzen dies mit einer analytischen Betrachtung von Ulrich Bergmann:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Social Beat<\/em> im engeren Sinn ist ein l\u00e4ngst \u00fcberholter Begriff, aber offenbar auch der Versuch, die Schlagkraft des Pop zu tradieren und seine Idee von Popularit\u00e4t und naiv-demokratischem K\u00fcnstlertum (jeder Mensch ist ein K\u00fcnstler &#8211; ) weiterzuentwickeln. Dabei sprang dann oft statt eines sozialen Engagements durch Taten eher eine Art Mitgef\u00fchl mit k\u00fcnstlerischem Gehabe heraus, eine Ersatzhandlung und ein Alibi zur eigenen Entlastung von Befindlichkeitsst\u00f6rungen im Kontext biografisch bedingter Hemmungen und Schwierigkeiten &#8211; scharf formuliert: Post-pubert\u00e4re Verschriftlichung andauernder pers\u00f6nlicher Probleme, ohne eine wirklich genaue Analyse gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse vorzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So mancher Autor schreibt in der SB-Manier als Trittbrettfahrer und aus purer Eitelkeit. Die wirklich authentische und auch formal gut gestaltete und pr\u00e4gnante Literatur in der Art des Social Beat findet sich heute nur noch selten. L\u00e4ngst ist social beat n\u00e4mlich \u00fcberwunden, und es ist schon ein wenig sonderbar, dass es einige Literaturzeitschriften gibt, die glauben, sie seien Foren einer authentischen Literaturrichtung, und die nicht sehen (wollen oder k\u00f6nnen), was es sonst noch gibt und l\u00e4ngst schon gab! (Eine Parallele dazu sind die Magazine, die immer noch den Dadaismus, in epigonalster Form, pflegen &#8211; erstaunlich, dass Claudia P\u00fctz den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/06\/01\/verleihung-des-v-o-stomps-preises-auf-der-mainzer-minipressen-messe-mmpm\/\">V.O. Stomps-Preis<\/a> gewinnen konnte. Aber egal. Immerhin gelang ihr eine neue Material-Verpackung ihres Magazins &#8211; und sowas z\u00e4hlt eben auch.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht liegt solche fortgesetzte Epigonalit\u00e4t nicht nur daran, dass junge Leute in dieser Zeit viel offener die Probleme ihrer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung austragen und vor sich her tragen als fr\u00fcher. Darin l\u00e4sst sich auch durchaus ein Fortschritt erkennen. Allerdings sind die (eben oft viel zu speziellen) Probleme einer kleinen Gruppe nicht tauglich f\u00fcr gruppen\u00fcberschreitende Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sondern: Ein weiterer Grund ist ganz einfach auch Unkenntnis aus purem (Gruppen-) Egoismus. Es f\u00e4llt auf, dass im social beat die Geste der Betroffenheit meist jeden gedanklichen Witz und jede formale Idee weit in den Schatten stellt, nur ist diese Betroffenheit viel zu intern, pathetisch, gef\u00fchlsduselig, naiv im elenden Sinne, oft hohl, abgegriffen und allzu vulg\u00e4r-romantisch. Eine Parallele dazu ist ein gro\u00dfer Teil der Industrie-Musik (aller Stile!), durch die sich manche oft zwanzig Jahre ihres Lebens durchh\u00f6ren, ehe sie (wenn \u00fcberhaupt) die Musik von Stockhausen, Ligeti, Alfred Schnittke, Xenakis, Milhaud, Nono, Nancarrow, Sophia Gubaidulina entdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gilt andererseits: Es gab und gibt einige sehr pr\u00e4gnante, sehr authentische und einfallsreiche Texte von SB-Autoren. Allerdings behaupte ich, dass solche guten Texte nicht mehr viel mit SB zu tun haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich h\u00e4nge nicht an dem zerfallenden und allzu weiten Begriff des Social Beat, und vielleicht k\u00f6nnte man die Literatur so mancher Zeitschrift, die von purer Lautst\u00e4rke oder Kraftmeierei lebt, messen an ihrer einf\u00e4ltigen und oft uniformen Gruppenbezogenheit, an dem wenig kunstvollen und phantasiearmen Versuch der Literarisierung postpubert\u00e4rer Selbst- und Weltfindungsprobleme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>***<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/01\/22\/social-beat-beat\/\">Ausstellung im im Literaturhaus Stuttgart<\/a> wurde bis zum 28. Mai verl\u00e4ngert!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/social-beat-umschlag--e1613669226188.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-76958 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/social-beat-umschlag--214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" \/><\/a>Die Dokumentation zeigt vor allem eins: Der <em>Social Beat<\/em> war ungehobelt und polarisierend, mit einem untr\u00fcglichen Gesp\u00fcr f\u00fcr ebenso banale wie treffende Lebensweisheiten. Dieses Schreiben ist ein Am-Leben-Bleiben. K\u00fcnstlerisch gestaltet wird eher wenig, es hat den Anschein des Dokumentarischen. Es hat wahrscheinlich keine Jugendbewegung gegeben, die ihre Leidensarroganz besser zu Schau gestellt hat. Sich als desillusionierte Au\u00dfenseiter inszenierende Typen schreiben gegen das \u00f6de Leben in der Gosse an. Was darf Dokumentarlit? Wie wahrhaftig kann ist sie? Wie viel Inszenierung ist erlaubt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Passend zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/01\/22\/social-beat-beat\/\">Ausstellung im im Literaturhaus Stuttgart<\/a> eine Reflektion zur \u201aBekenntnis\u2018-Literatur, in diesem Katalog dekonstruiert Boris Kerenski den <em>Social Beat<\/em>. Die Auflage ist limitiert, jedes Exemplar ist nummeriert und signiert. Dieser Band ist die Edelkirsche auf einer ranzigen Buttertorte und jedem Sammler zu empfehlen.<\/p>\n<p class=\"rez\" style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-indent: 6.5pt; line-height: 15.0pt;\"><span style=\"font-size: 11.0pt; font-family: 'Verdana',sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den Gr\u00fcndungsmythen der alten BRD geh\u00f6rt die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/01\/nonkonformistische-literatur\/\">Nonkonformistische Literatur<\/a>, lesen Sie dazu auch ein Portr\u00e4t von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2000\/04\/04\/vauo\/\">V.O. Stomps<\/a>. Kaum jemand hat die L\u00fcckenhaftigkeit des <em>Underground<\/em> so konzequent <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/24\/underground\/\">erz\u00e4hlt<\/a> wie N\u00ed Gudix und ihre <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/08\/23\/kritik-an-der-literarischen-alternative\/\">Kritik an der literarischen Alternative<\/a> ist berechtigt. Ein Portr\u00e4t von N\u00ed Gudix findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/16\/da-lernst-du-die-menschen-kennen\/\">hier<\/a>. Lesen Sie auch die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/09\/24\/erinnerungen\/\">Erinnerungen an den Bottroper Literaturrocker<\/a> von Werner Streletz und den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/09\/28\/rip-bruno\/\">Nachruf<\/a> von Bruno Runzheimer. Zum 100. Geburtstag von Charles Bukowski, eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/08\/16\/ledertasche-geborgt\/\">Doppelbesprechung<\/a> von Hartmuth Malornys Ruhrgebietsroman <em>Die schwarze Ledertasche<\/em>. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990\"><em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em><\/a>. Produziert von Helge Schneider und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> im Tonstudio\/Ruhr. Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26709\">Portr\u00e4t <\/a>der einzigartigen Proletendiva aus dem Ruhrgebeat auf KUNO. In einem Kollegengespr\u00e4ch mit Barbara Ester dekonstruiert A.J. Weigoni die <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/10\/09\/ruhrgebietsromantik\/\">Ruhrgebietsromantik<\/a><\/em>. Mit<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6071\"> Kersten Flenter<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/06\/23\/killroy-review\/\">Michael Sch\u00f6nauer<\/a> geh\u00f6rte <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/08\/24\/polyphone-ich-erzaehlungen\/\">Tom de Toys<\/a> zum\u00a0Dreigestirn des deutschen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1997\/01\/05\/bewegung\/\">Poetry Slam<\/a>. Einen Nachruf von Theo Breuer auf den Urvater des Social-Beat finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/03\/07\/hubsch-revisited\/\">hier<\/a> \u2013 Sowie selbstverst\u00e4ndlich his <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/06\/25\/wie-was-social-beat-ist-und-warum-und-warum-nicht\/\">Masters voice<\/a>. Und Dr. Stahls kaltgenaue <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2002\/06\/26\/social-beat-vs-digitales-dasein\/\">Analyse<\/a>. \u2013 Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Ebenso eindr\u00fccklich empfohlen sei Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten. Die KUNO-Redaktion bat A.J. Weigoni um einen Text mit Bezug auf die Mainzer Minpressenmesse (MMPM) und er kramte eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1993\/05\/31\/treff-der-titanen\/\">Realsatire<\/a> aus dem Jahr 1993 heraus, die er f\u00fcr den Mainzer Verleger Jens Neumann geschrieben hat. Ein w\u00fcrdiger Abschlu\u00df gelingt Boris Kerenski mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/03\/30\/wer-war-ist-noch-social-beat\/\">Stimmen aus dem popliterarischen Untergrund<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorrede der KUNO-Redaktion: Zur Ausstellung im im Literaturhaus Stuttgart dekonstruiert Boris Kerenski im begleitenden Katalog den Social Beat. Wir erg\u00e4nzen dies mit einer analytischen Betrachtung von Ulrich Bergmann: &nbsp; Social Beat im engeren Sinn ist ein l\u00e4ngst \u00fcberholter Begriff, aber&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/09\/trendy-neo\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":41,"featured_media":98312,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2621,2624,2608,866],"class_list":["post-37148","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-boris-kerenski","tag-joachim-schoenauer","tag-ni-gudix","tag-ulrich-bergmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/41"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37148"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101298,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37148\/revisions\/101298"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98312"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}