{"id":36936,"date":"2006-03-21T00:01:01","date_gmt":"2006-03-20T23:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36936"},"modified":"2024-05-02T15:34:42","modified_gmt":"2024-05-02T13:34:42","slug":"kurze-saetze","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/03\/21\/kurze-saetze\/","title":{"rendered":"KURZE S\u00c4TZE"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Manchmal beginnt ein Urknall eher unscheinbar. Und zeitgleich zum 7. Welttag der Poesie. Twitter wird am 21. M\u00e4rz 2006 unter dem Namen <em>twttr<\/em> gegr\u00fcndet und gewann weltweit rasch an Popularit\u00e4t: Der erste <i>Tweet<\/i> wurde am 21. M\u00e4rz 2006 durch den Twitter-Mitgr\u00fcnder Jack Dorsey mit dem Satz \u201ejust setting up my twttr.\u201c verschickt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Der Traum des Kritikers ist es, eine Kunst durch ihre Technik zu definieren.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Roland Barthes<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Technische Neuerungen sind immer auch eine Chance f\u00fcr scheinbar \u00fcberholte literarische Formen. Bisher bilden die kleinen Formen, die in jeder Systematik der Literaturwissenschaft neben Epik, Lyrik und Dramatik mit unterschiedlichen Bezeichnungen eine Randgruppe: Epigramm, Sprichwort, Prosagedicht, K\u00fcrzestgeschichte, Feuilleton und nat\u00fcrlich der Aphorismus. Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist der Aphorismus in Form des Mikroblogging eine auflebende Form. Bestand die Modernit\u00e4t der lakonischen Notate bisher in ihrer Operativit\u00e4t, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Sp\u00e4tmoderne. Es ist <em>Twitteratur<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die Redaktion bat Holger Benkel um einen Rezensionsessay zum Aphorismus:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ANTIKE APHORISTIKER<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">der arzt hippokrates, der im f\u00fcnften und vierten jahrhundert vor angenommener zeitrechnung wirkte, der vater der modernen medizin, gilt als erster aphoristiker. kann der aphorismus, kurz und knapp, heilen? hippokrates erkannte: \u00bbDie wirksamste Medizin ist die nat\u00fcrliche Heilkraft, die im Innern eines jeden von uns liegt.\u00ab, \u00bbAlles \u00dcberm\u00e4\u00dfige verst\u00f6\u00dft gegen die Natur.\u00ab, \u00bbDurch Enthaltsamkeit und Ruhe werden viele Krankheiten geheilt.\u00ab, \u00bbDer beste Arzt scheint der zu sein, der sich auf Voraussicht versteht.\u00ab und, sprichw\u00f6rtlich geworden, \u00bbDas Leben ist kurz, die Kunst ist lang.\u00ab aphorismen k\u00f6nnen lebensrat geben. der skeptiker emile m. cioran erwiderte fast 2500 jahre sp\u00e4ter: \u00bbEine umfassende Bildung ist eine gut dotierte Apotheke, aber es besteht keine Sicherheit, da\u00df nicht f\u00fcr Schnupfen Zyankali gereicht wird.\u00ab aphorismen d\u00fcrfen \u00fcbertreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ein noch wichtigerer aphoristiker der antike war heraklit, von dem wir s\u00e4tze kennen wie: \u00bbNichts ist, alles wird.\u00ab, \u00bbAlles flie\u00dft, nichts bleibt.\u00ab, \u00bbDas Un\u00e4hnliche ist miteinander verwandt.\u00ab, \u00bbAugen sind genauere Zeugen als Ohren.\u00ab, \u00bbDie Wachen haben eine einzige gemeinsame Welt; im Schlaf wendet sich jeder der eigenen zu.\u00ab, \u00bbDu wirst die Grenze der Seele nicht entdecken, egal wie weit du gehst.\u00ab, \u00bbDer Herr, dessen Orakel zu Delphi ist, spricht nicht aus und verbirgt nicht, sondern gibt ein Zeichen (be-deutet).\u00ab plutarch, in seinen letzten 30 lebensjahren orakelpriester am apollontempel delphi, bemerkte: \u00bbVon den Menschen lernen wir reden, von den G\u00f6ttern schweigen.\u00ab, \u00bbDer Geist ist kein Gef\u00e4\u00df, das man f\u00fcllt, sondern ein Feuer, das man n\u00e4hrt.\u00ab, \u00bbDer Menge gefallen, hei\u00dft den Weisen mi\u00dffallen.\u00ab und \u00bbWer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu m\u00fcssen.\u00ab mark aurel, der letzte bedeutende philosoph der stoa, ganzheitlich und gelassen denkend, und r\u00f6mischer kaiser, empfahl: \u00bbArbeite an deinem Innern. Das ist die Quelle des Guten, wenn du nur nach gr\u00e4bst.\u00ab, \u00bbDiejenigen, die nicht mit Aufmerksamkeit den Bewegungen der eigenen Seele folgen, geraten notwendig ins Ungl\u00fcck.\u00ab, \u00bbOhne Anma\u00dfung nimm an, ohne Bedauern gib hin.\u00ab und \u00bbDie beste Art, sich zu wehren, ist sich nicht einzugliedern.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">SALOMO<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">man kann, oder sollte, auch k\u00f6nig salomo, im \u00bbAlten Testament\u00ab als autor vom \u00bbBuch der Sprichw\u00f6rter\u00ab genannt, das volksaufkl\u00e4rerisch erzieherische funktionen hatte, zu den aphoristikern z\u00e4hlen. viele seiner spr\u00fcche wurden zun\u00e4chst durch m\u00fcndliche \u00fcberlieferung weitergegeben und ihm sp\u00e4ter zugeordnet. \u00bbDas Buch der Weisheit\u00ab, griechisch \u00bbWeisheit Salomos\u00ab, eine alttestamentliche sp\u00e4tschrift, wurde in der tradition j\u00fcdischer weisheitslehrer verfa\u00dft, ist zugleich griechisch beeinflu\u00dft und stammt wahrscheinlich aus dem hellenistischen alexandria.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">salomo zugeschriebene gedanken sind: \u00bbBesser wenig und gerecht \/ als viel Besitz und Unrecht.\u00ab, \u00bbBesser ein Gericht Gem\u00fcse, wo Liebe herrscht, \/ als ein gem\u00e4steter Ochse und Hass dabei.\u00ab, \u00bbHochmut erniedrigt den Menschen, doch der Dem\u00fctige kommt zu Ehren.\u00ab, \u00bbDie G\u00fcte eines Menschen kommt ihm selbst zugute, \/ der Hartherzige schneidet sich ins eigene Fleisch.\u00ab, \u00bbReichtum hilft nicht am Tage der Zorns, aber Gerechtigkeit rettet vor dem Tod.\u00ab, \u00bbFr\u00fch vollendet, hat der Gerechte doch ein volles Leben gehabt; \/ da seine Seele dem Herrn gefiel, \/ enteilte sie aus der Mitte des B\u00f6sen.\u00ab elias canetti bekannte im 20. jahrhundert: \u00bbLieber verachtet sein als gef\u00fcrchtet.\u00ab von salomos spr\u00fcchen finden sich einige, teils leicht ver\u00e4ndert, unter den deutschen sprichworten, so \u00bbWer anderen eine Grube gr\u00e4bt, f\u00e4llt selbst hinein.\u00ab und \u00bbHochmut kommt vor dem Fall.\u00ab, das sp\u00e4ter auch auf den \u00fcberm\u00fctigen ikarus bezogen wurde. der satz \u00bbAlles ist eitel.\u00ab soll ebenfalls von salomo stammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">salomo nannte die weisheit, \u00fcber die er wie von einer geliebten oder gef\u00e4hrtin sprach, heilig, einzigartig, gedankenvoll, mannigfaltig, beweglich, durchdringend, klar, scharf, zart, unbefleckt, unverletztlich, das gute liebend. freilich vertrat er, vor 3000 jahren, eine autorit\u00e4re ordnung: \u00bbHalt fest an der Zucht und lass davon nicht ab, \/ bewahre sie \/ denn sie ist dein Leben.\u00ab, \u00bbWer Zucht liebt, liebt Erkenntnis, \/ wer Zurechtweisung ha\u00dft, ist dumm.\u00ab karl kraus entgegnete: \u00bbZucht ist der Anstand der Mittelm\u00e4\u00dfigkeit.\u00ab salomo entsprach einer dualistischen moral: hier die gerechten, tugendhaften, lauteren, tapferen, verst\u00e4ndigen, einsichtigen, klugen und weisen, da die frevler, lasterhaften, zuchtlosen, hochm\u00fctigen, neidischen, zornigen, unehrlichen und faulen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">JESUS UND DIOGENES<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">die spr\u00fcche eines anderen aphoristikers des altertums, jesus von nazareth, menschenfreund und utopist, erinnern in machart und inhalt an die salomos, aus dessen denkwelt er manches aufnahm. das \u00bbNeue Testament\u00ab verwendet gleichfalls hebr\u00e4ische und aram\u00e4ische spruchweisheiten, die m\u00fcndlich \u00fcberliefert wurden. und es gibt ebenso hellenistische einfl\u00fcsse. in der \u00bbBergpredigt\u00ab hei\u00dft es: \u00bbSelig sind, die da Leid tragen: denn sie sollen getr\u00f6stet werden.\u00ab, \u00bbSelig sind, die da hungern und d\u00fcrsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.\u00ab, \u00bbSelig sind die Sanftm\u00fctigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.\u00ab au\u00dferdem r\u00e4t das \u00bbNeue Testament\u00ab: \u00bbLiebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet f\u00fcr die, die euch beleidigen.\u00ab, \u00bbWer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht.\u00ab, \u00bbAber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten sein und die Letzten werden die Ersten sein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">hier entsteht paradoxie, indem etwas beteuert wird, anderswo gefordert, das im wirklichen leben meist anders oder sogar umgekehrt ist. tats\u00e4chlich sind die behauptungen utopisch. selbst der skeptische friedrich d\u00fcrrenmatt ahnte: \u00bbDer Wissende wei\u00df, da\u00df er glauben mu\u00df.\u00ab postulate lassen sich freilich mi\u00dfbrauchen. friedrich nietzsche stellte fest: \u00bbDas \u00dcbel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davorsteht.\u00ab und \u00bbDas Gute mi\u00dff\u00e4llt uns, wenn wir ihm nicht gewachsen sind.\u00ab, hugo von hofmannsthal, der moralische sieger siege sich am leichtesten zu tode.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">man k\u00f6nnte jesus auch als messianisch aufgeladenen diogenes betrachten. \u00fcber letzteren wurde erz\u00e4hlt: \u00bbTags\u00fcber z\u00fcndete er eine Laterne an und rief &#8222;Ich suche einen Menschen!&#8220;\u00ab und \u00bbGefragt, weshalb man Bettlern was gibt, Philosophen aber nicht, antwortete er: &#8222;Weil man es f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, selbst einmal lahm oder blind, niemals aber Philosoph zu werden.&#8220;\u00ab eine gestalt wie der kyniker diogenes kann verachtet und erschlagen, unter bestimmten umst\u00e4nden aber auch zu einem anf\u00fchrer und leitbild werden. ketzer und heilige, mystiker und revolution\u00e4re gehen ineinander \u00fcber. \u00bbW\u00e4re Diogenes <em>nach<\/em> Christus geboren, er w\u00e4re ein Heiliger geworden.\u00ab, behauptete cioran, \u00bbEin Heiliger ist ein S\u00fcnder, bearbeitet und neu herausgegeben.\u00ab ambrose bierce. zu den moralisten unter den aphoristischen autoren, die menschen und deren verh\u00e4ltnisse bessern wollten und sich vor allem zum menschlichen verhalten \u00e4u\u00dferten, geh\u00f6ren wertebewahrer wie michel de montaigne, francis bacon, baltasar gracian, fran\u00e7ois de da rochefoucauld, marie von ebner-eschenbach und hofmannthal. christian dietrich grabbe hingegen notierte: \u00bbWer oft gehofft hat, lernet f\u00fcrchten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">karl marx analysierte: \u00bbDie Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden.\u00ab, \u00bbDie herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.\u00ab, \u00bbDas Geld ist nicht eine Sache, sondern ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis.\u00ab, \u00bbGeld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Wesens, und dieses fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an.\u00ab, \u00bbMan mu\u00df das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen.\u00ab, \u00bbEs ist nicht genug, eine Revolution zu machen; es kommt darauf an, sie zu ver\u00e4ndern.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">TECHNIKEN<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">aphoristische techniken, meist schon in der antike ausgepr\u00e4gt, sind metaphorik, ungew\u00f6hnlicher vergleich, hyperbel, parallelismus, doppelsinn, alogismus, paradoxon, wortspiel, pointe, anti-these. kraus hob hervor: \u00bbEine Antithese sieht blo\u00df wie eine mechanische Umdrehung aus. Aber welch ein Inhalt von Erleben, Erleiden, Erkennen mu\u00df erworben werden, bis man ein Wort umdrehen darf!\u00ab und \u00bbIn der Sch\u00f6pfung ist die Anti-These nicht beschlossen. Denn in ihr ist alles widerspruchslos und unvergleichbar. Erst die Entfernung der Welt vom Sch\u00f6pfer schafft Raum f\u00fcr die Sucht, die in jedem Gegenteil das verlorene Ebenbild sucht.\u00ab, walter benjamin: \u00bbThese und Anti-These zu zeigen, ist gut, eingreifen kann aber nur, wer den Punkt erkennt, an dem das eine in das andere umschl\u00e4gt, da das Positive im Negativen und das Negative im Positiven zusammenfallen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">das wort aphorismus, urspr\u00fcnglich zur\u00fcckgehend auf altgriechisch aphorism\u00f3s = abgrenzung, definition, abgeleitet von aphor\u00edzein = von etwas abgrenzen, genau bestimmen, unterscheiden, vom horizont abheben, ausw\u00e4hlen, wurde im 19. jahrhundert ins deutsche vokabular aufgenommen. aphorismen unterscheiden, indem sie etwas erkennen lassen wie den himmel oder mond hinter aufgerissnen wolken, wenns gelingt sogar \u00fcber den horizont hinaus. umgekehrt betrachten sie, zumal als kurze s\u00e4tze, mikrokosmos und innenr\u00e4ume.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">zum aphorismus geh\u00f6ren paradoxien. man k\u00f6nnte fragen, ob es \u00fcberhaupt originelle gedanken gibt, die nicht paradox sind. cioran schrieb: \u00bbWo Paradoxie aufscheint, erlischt das System und obsiegt das Leben.\u00ab, d\u00fcrrenmatt: \u00bbWer dem Paradox gegen\u00fcbersteht, setzt sich der Wirklichkeit aus.\u00ab, kraus: \u00bbEin Paradoxon entsteht, wenn eine fr\u00fchreife Erkenntnis mit dem Unsinn der Zeit zusammenprallt.\u00ab kann paradoxie vern\u00fcnftig werden, wenn vernunft paradox wird?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">manche aphorismustheoretiker behaupten, viele gedanken, die unterm namen aphorismus erscheinen, seien gar keine aphorismen. literaturtheorie kann regeln immer nur aus den werken heraus, also nachwirkend, formulieren und nicht vorauseilend programmatisch. selbst schriftsteller l\u00f6sen ihre theoretische programmatik nur zu geringen teilen ein, wenn man etwa an die fragmente der jenaer fr\u00fchromantik oder die manifeste der dadaisten, surrealisten und futuristen denkt. ich bin \u00fcberhaupt mi\u00dftrauisch, da\u00df man aus vorhandener literatur regeln entwickeln soll, an denen sich k\u00fcnftige autoren orientieren sollen. soetwas f\u00fchrt eher zu blo\u00dfer nachahmung und stagnation. man darf aphorismen nach reinheitsgebot schreiben, sollte das jedoch nicht zur theorie f\u00fcr andere machen. aphorismen fallen einem nicht nach dienstvorschrift, sondern spontan ein. alle wichtigen aphoristiker folgen formen, die dem gesagten entsprechen, und nicht theorievorgaben. entscheidend ist die originalit\u00e4t der gedanken. allerdings lassen sich \u00fcberlieferte formen so verinnerlichen, da\u00df sie dann im moment eines einfalls abgerufen werden k\u00f6nnen. schlie\u00dflich entstehen und wirken aphorismen literarisch und geistig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">gemeinsamkeiten gibt es mit gnomen, sentenzen, maximen, sinnspr\u00fcchen, lebensweisheiten, sprichworten, gefl\u00fcgelten worten, also befiederten gedankenpfeilen, redewendungen, epigrammen, aper\u00e7us und bonmots. griechisch gn\u1e53m\u0113, das man etwa bei paulus findet, dem griechisch gebildeten juden mit r\u00f6mischen b\u00fcrgerrechten und missionar des urchristentums, bedeutet einsicht, deutsch gnome erkenntnisverm\u00f6gen, verstand, vernunft, geist. das lateinische wort daf\u00fcr ist sententia. \u00bbSentenzen kehrt man um wie Handschuhe. Sie tragen sich von beiden Seiten.\u00ab, bemerkte grabbe. deutsch maxime, franz\u00f6sisch leitspruch, meint meist moralisch grundierte gedanken, so bei johann wolfgang goethe. martial gilt als begr\u00fcnder des epigramms in der lateinischen antike. friedrich schlegel \u00e4u\u00dferte: \u00bbDas Beste an Martial ist, was catullisch scheinen k\u00f6nnte.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">das hinterfragen von sprichworten geh\u00f6rt ebenfalls zum aphoristischen denken. zugleich k\u00f6nnen aphorismen zu sprichworten werden. das sprichwort, bauernregel und wetterspruch inbegriffen, das allgemein geglaubte auffassungen vermittelt, wurde oft vom volksmund \u00fcberliefert. bereits die griechen des altertums sammelten sprichworte und stellten sie zusammen. manche antike sprichworte sind durch bildungsvermittlung zu deutschen geworden, \u00bbEulen nach Athen tragen.\u00ab, \u00bbDer Hydra den Kopf abschlagen.\u00ab, \u00bbDem Ariadnefaden folgen.\u00ab, oder sprichbegriffe wie der \u00bb\u00d6dipuskomplex\u00ab von sigmund freud. bei sprichworten ist eher selten noch ermittelbar, wie und wo und durch wen genau sie entstanden. die wenigsten verweisen auf gesicherte konkrete historische hintergr\u00fcnde. in neuerer zeit verbreiten sich sprichworte und sprichbegriffe st\u00e4rker durch medien und werbung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">LICHTENBERG<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">kraus lie\u00df wissen: \u00bbLichtenberg gr\u00e4bt tiefer als irgendeiner, aber er kommt nicht wieder hinauf. Er redet unter der Erde. Nur wer selbst tief gr\u00e4bt, h\u00f6rt ihn.\u00ab georg christoph lichtenberg, mathematiker und (experimental)physiker, der urmeister des deutschen aphorismus, der das freie denken verk\u00f6rpert, konnte krumm denken, da er einen buckel hatte, an dem er systemdenker runterrutschen lie\u00df. er sp\u00fcrte: \u00bbSobald einer ein Gebrechen hat, hat er eine eigene Meinung.\u00ab cioran berichtete: \u00bbIch bin noch keinem <em>interessanten<\/em> Geist begegnet, der nicht mit uneinstehbaren Defekten behaftet war.\u00ab, und erg\u00e4nzte, \u00bbJeder Beginn einer Idee entspricht einer unmerklichen Verletzung des Geistes.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenberg wollte eigentlich keine aphorismen schreiben, also einer form entsprechen, sondern notierte einfach gedanken. seine postum erschienenen \u00bbSudelb\u00fccher\u00ab, insgesamt etwa 10000 notizen, enthalten beobachtungen, reflexionen, aphorismen, maximen, epigramme, \u00bbeine ganze Milchstra\u00dfe von Einf\u00e4llen.\u00ab. mit ihm befinden wir uns im zentrum der aufkl\u00e4rung. bei lichtenberg kann man erkennen, was sich seit salomo entwickelt hat, die skepsis und das relativieren. dogmen und lehrs\u00e4tze rief lichtenberg meist blo\u00df auf, um sie zu hinterfragen. er betrachtete auch schon die aufkl\u00e4rung und deren wirkungen ungl\u00e4ubig und kritisch, wie sp\u00e4ter theodor w. adorno und max horkheimer in \u00bbDialektik der Aufkl\u00e4rung\u00ab sowie adorno in \u00bbZur Kritik der instrumentellen Vernunft\u00ab. abstrakten denksystemen sowie dualistischen denkweisen oder gar weltbilder mi\u00dftraute lichtenberg. man findet bei ihm sch\u00e4rfe und tiefe, klarheit und paradoxie, entschiedenheit und zweifel, humor und ironie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">angeregt und beeinflu\u00dft hat lichtenberg jean paul, arthur schopenhauer, nietzsche, freud, kraus, thomas mann, kurt tucholsky, benjamin und viele andere. bereits jean paul, gleichfalls einer der wichtigsten deutschen aphoristiker, sch\u00e4tzte lichtenberg sehr. kraus bemerkte: \u00bbEiner zitierte Jean Pauls Wort, da\u00df jeder Fachmann in seinem Fach ein Esel sei. Er war n\u00e4mlich in allen F\u00e4chern zuhause.\u00ab neben den bereits erw\u00e4hnten aphoristikern w\u00e4ren laotse, konfuzius, jonathan swift, voltaire, oscar wilde, george bernard shaw, friedrich schiller, ludwig b\u00f6rne, friedrich hebbel, paul val\u00e9ry und stanislaw jerzy lec zu nennen. man k\u00f6nnte aus dem werk vieler bedeutender schriftsteller und philosophen s\u00e4tze zitieren, die aphoristisch sind. canetti sah: \u00bbDie gro\u00dfen Aphoristiker lesen sich so, als ob sie alle einander gekannt h\u00e4tten.\u00ab, friedrich schlegel, witzige einf\u00e4lle, \u00bbdie Sprichworte der gebildeten Menschen\u00ab, seien wie das \u00fcberraschende wiedersehen befreundeter gedanken nach einer langen trennung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ANSPRUCH<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">aphorismen sind eine ohne weitere erkl\u00e4rungen wirkende literarische kleinform, die von der w\u00fcnschelrute des erkennens gefundene gedankenfunken, der faden der gedanken ist ein funkenflug, und gedankenblitze auf den punkt bringt, schlaglichtartige erkenntnisse, die scheinbare endpunkte von gedankenketten formulieren sowie neue fragen aufwerfen und so zum nachundweiterdenken herausfordern und anregen. lichtenberg empfahl, man solle \u00bbnicht sagen ich denke, sondern <em>es denkt<\/em>, wie man sagt <em>es blitzt<\/em>.\u00ab das betont die pl\u00f6tzlichkeit eines einfalls. hebbel wu\u00dfte, man sieht die leuchtenden sternschnuppen nur, wenn sie vergl\u00fchn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">aphoristisch denken bedeutet selbst denken, unabh\u00e4ngig von vorgegebenen reglements gleich welcher art. geistreich, nachdenklich, fragend, pr\u00e4zise, konzentriert, relativierend, illusionslos, ironisch, pointiert, lakonisch, sarkastisch, zugespitzt und polemisch experimentieren aphoristiker mit wahrnehmungen und vorstellungen. kraus postulierte: \u00bbEin Aphorismus braucht nicht wahr zu sein, aber er soll die Wahrheit \u00fcberfl\u00fcgeln. Er mu\u00df mit einem Satz \u00fcber sie hinauskommen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">aphoristisches denken kann die blickwinkel wechseln, damit aus verschiedenen perspektiven eine differenzierte und verdichtete ganzheit der betrachtung entsteht. franz kafka schrieb in seinen aphorismen und denkbildern aus dem b\u00f6hmischen z\u00fcrau, heute si\u0159em, wo er 1917\/18 acht monate lebte: \u00bbDu bist die Aufgabe. Kein Sch\u00fcler weit und breit.\u00ab, \u00bbDer entscheidende Augenblick der menschlichen Entwicklung ist immerw\u00e4hrend. Darum sind die revolution\u00e4ren geistigen Bewegungen, welche alles Fr\u00fchere f\u00fcr nichtig erkl\u00e4ren, im Recht, denn es ist noch nichts geschehen.\u00ab und \u00bbNur unser Zeitbegriff l\u00e4sst uns das J\u00fcngste Gericht so nennen, eigentlich ist es ein Standrecht.\u00ab daneben liegt die \u00bbStrafkolonie\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">zum paradies meinte kafka, es existiere unzerst\u00f6rbar, nur der mensch sei daraus vertrieben. diese vorstellung n\u00e4hert sich der gnostischen vom fremden und fernen gott. der noch nicht erschienene j\u00fcdische messias entspricht seitenverkehrt kafkas paradies. skepsis kann zu gnostischen gedanken f\u00fchren, wie bei cioran. peter sloterdijk erkannte: \u00bbIn den schwersten Krisen der Welt sch\u00fctzen Gnosen aller Art das Leben vor der Versuchung der Anpassung an das, was kein Leben mehr w\u00e4re.\u00ab, \u00bbDie gnostische Ironie gegen die Sch\u00f6pfung nahm die romantische gegen den Text vorweg.\u00ab, \u00bbGnosis ist eine Philosophie des Als-Ob-Nicht\u00ab, \u00bbWenn Prophetismus scheitert, entsteht Apokalyptik; scheitert Apokalyptik, so entsteht Gnosis.\u00ab, oder umgekehrt. die reihenfolgen wechseln innerhalb der geschichte. die trag\u00f6die kann auch der farce folgen. oder beide treten gleichzeitig auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00dcRZE<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">jean paul schrieb: \u00bbSprachk\u00fcrze gibt Denkweite.\u00ab, wenn das komprimierte treffend umfa\u00dft. kraus \u00e4u\u00dferte, es g\u00e4be \u00bbSchriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.\u00ab wer aphorismen schreibe, solle sich nicht mit aufs\u00e4tzen zersplittern. in aphorismen findet man, indem ironie von k\u00fcrze lebt, mehr ironisches als in essays. d\u00fcrrenmatt nannte einen tragischen grund f\u00fcr verknappungen: \u00bbWem der Tod nach der Gurgel greift, der macht nicht viele Worte.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">heiner m\u00fcller montierte in den monaten vor seinem tod, schon schwer krank, extrem kurze gedanken, so in seinem langgedicht \u00bbAjax zum Beispiel\u00ab: \u00bbBrechts Denkmal ist ein kahler Pflaumenbaum.\u00ab, \u00bbDie Staatsgewalt geht vom Geld aus.\u00ab, \u00bbArbeit macht unfrei.\u00ab, \u00bbdie Zeit steht als Immobilie zum Verkauf.\u00ab, \u00bbDas letzte Kriegsziel ist die Atemluft.\u00ab, \u00bbDas letzte Programm ist die Erfindung des Schweigens.\u00ab aphoristisch knapp klingen jedoch auch andere gedanken m\u00fcllers: \u00bbDie Kunst ist dazu da, die Wirklichkeit zu verhindern.\u00ab, \u00bbGenies treten nicht in Rudeln auf.\u00ab, \u00bbZehn Deutsche sind nat\u00fcrlich d\u00fcmmer als f\u00fcnf Deutsche.\u00ab, \u00bbWer keinen Feind mehr hat, trifft ihn im Spiegel.\u00ab schriftsteller, die konsequent objektivieren, sind oft traumatisierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">DER SKEPTISCHE BLICK<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">zum aphorismus geh\u00f6rt skepsis, die das denken auch polemisch macht. friedrich schlegel sp\u00fcrte: \u00bbWenn Verstand und Unverstand sich ber\u00fchren, so gibt das einen elektrischen Schlag. Das nennt man Polemik.\u00ab andererseits sind skeptiker oft einzelg\u00e4ngerisch veranlagt. b\u00f6rne notierte: \u00bbGro\u00dfe und neue Gedanken gewinnt man nur in der Einsamkeit.\u00ab und \u00bbGro\u00dfe Geister sind die Solospieler im Konzerte der Welt, ihre Kadenzen unterbrechen den einf\u00f6rmigen Takt der Lebensmusik.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">cioran, mi\u00dftrauisch gegen\u00fcber allen denksystemen und an pessimismus kaum zu \u00fcbertreffen, entwickelte sein eigenes distanziertes und verneinendes denken, das die realit\u00e4t ohne illusionen sah. wer bei ihm licht am ende des tunnels sehen will, mu\u00df sich umdrehen und r\u00fcckw\u00e4rts schauen, bis ihn fr\u00fchere hoffnungen \u00fcberfahren. susan sontag erkl\u00e4rte: \u00bbBefreiung liegt selbstverst\u00e4ndlich kaum in Ciorans Absicht. Sein Ziel hei\u00dft Diagnose.\u00ab, \u00bbPhilosophie wird zum gemarterten Denken. Ein Denken, das sich selbst verschlingt \u2212 und trotz (oder vielleicht wegen) dieser wiederholten Akte des Selbstkannibalismus unbesch\u00e4digt fortbesteht und sogar gedeiht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">bei cioran findet man gedanken wie: \u00bbIn jedem Propheten wohnen gleichzeitig die Lust auf Zukunft und die Abneigung gegen das Gl\u00fcck.\u00ab, \u00bbFrei sein hei\u00dft, sich auf ewig von der Idee der Belohnung l\u00f6sen, nichts von den Menschen noch den G\u00f6ttern erwarten, es hei\u00dft, nicht nur auf diese Welt und auf alle Welten verzichten, sondern auf das Heil selber, es hei\u00dft sogar, seine Vorstellung zerbrechen, diese Kette der Ketten.\u00ab, \u00bbWenn man begriffen hat, da\u00df nichts ist, da\u00df die Dinge nicht einmal den Status des Anscheins verdienen, so hat man nicht mehr n\u00f6tig, gerettet zu werden, man ist <em>auf alle Zeit<\/em> gerettet und ungl\u00fccklich.\u00ab, \u00bbDie Verweigerung der Geburt ist nichts anderes als die Sehnsucht nach der Zeit vor dieser Zeit.\u00ab, \u00bbIch m\u00f6chte frei sein, aufs \u00e4u\u00dferste frei. Frei wie ein Totgeborener.\u00ab, \u00bbEs tut wohl zu denken, da\u00df man sich t\u00f6ten wird. Kein Thema ist beruhigender: sobald man sich ihm n\u00e4hert, atmet man auf. Dar\u00fcber zu meditieren, macht beinahe so frei wie die Tat selbst.\u00ab, \u00bbEs lohnt nicht der M\u00fche, sich zu t\u00f6ten, denn man t\u00f6tet sich immer zu sp\u00e4t.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">goethe urteilte: \u00bbEs ist nichts schrecklicher als eine t\u00e4tige Unwissenheit.\u00ab, heinrich heine: \u00bbNichts ist l\u00e4cherlicher als reklamiertes Eigentumsrecht an Ideen.\u00ab, \u00bbDie Dummheit geht oft Hand in Hand mit der Bosheit.\u00ab und \u00bbDer Menschen Meinungen sind Kinderspielzeug.\u00ab, friedrich schlegel, \u00bbDer platte Mensch beurteilt alle andre Menschen wie Menschen, behandelt sie aber wie Sachen und begreift es durchaus nicht, da\u00df es andre Menschen sind als er.\u00ab, schopenhauer, \u00bbViele verlieren den Verstand nur deshalb nicht, weil sie keinen haben.\u00ab und b\u00f6rne, \u00bbKlugheit wird oft als l\u00e4stig empfunden, wie ein Nachtlicht im Schlafzimmer.\u00ab die erfahrungen origin\u00e4rer denken gleichen sich hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">keine zeit hat einen realistischen blick auf sich selbst. wer die menschen objektiv zu betrachten versucht, sieht zun\u00e4chst vor allem ameisenhaufen, w\u00e4hrend die zeitgeistkonfonformen ich-marionetten nicht einmal ahnen, da\u00df sie zu einem haufen geh\u00f6ren. skeptiker wie lichtenberg, nietzsche oder kraus sahen, wie die wirklichkeit tats\u00e4chlich aussieht. kraus bemerkte: \u00bbDie Welt ist h\u00e4\u00dflicher geworden, seit sie sich t\u00e4glich in einem Spiegel sieht.\u00ab, jean paul, \u00bbNicht die Freuden, sondern die Leiden verbergen die Leere des Lebens.\u00ab und \u00bbJe mehr Menschen man kennt, desto weniger schildert man Individuen.\u00ab, hebbel: \u00bbWer damit anf\u00e4ngt, dass er allen traut, wird damit enden, dass er jeden f\u00fcr einen Schurken h\u00e4lt.\u00ab, \u00bbUnsere Tugenden sind die Bastarde unserer S\u00fcnden.\u00ab und \u00bbWenn man etwas recht gr\u00fcndlich ha\u00dft, ohne zu wissen, warum, so kann man \u00fcberzeugt sein, da\u00df man davon einen Zug in seiner eigenen Natur hat.\u00ab, montaigne \u00bbEs ist, wie wenn alles, was Menschen ber\u00fchren, infiziert w\u00fcrde.\u00ab und \u00bbEin Gourmet sagte mir, was die Cr\u00eame der Gesellschaft anlange, so sei ihm der Abschaum der Menschheit lieber.\u00ab, friedrich schlegel, \u00bbWas gute Gesellschaft genannt wird, ist meist nur ein Mosaik von geschliffenen Karikaturen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">canetti l\u00e4\u00dft uns wissen: \u00bbKarl Kraus war ein Meister des Entsetzens seit Swift, der unbeirrbarste Ver\u00e4chter der Weltliteratur, eine Art Gottesgei\u00dfel der schuldigen Menschheit.\u00ab wenige zeilen gen\u00fcgen, um den wert von swift zu erkennen: \u00bbKein Weiser hat sich je gew\u00fcnscht, j\u00fcnger zu sein.\u00ab, \u00bbDie meistes Menschen sind wie Stecknadeln. Der Kopf ist nicht das wichtigste an ihnen.\u00ab, \u00bbWie kann man erwarten, da\u00df die Menschheit auf guten Rat h\u00f6rt, wenn sie sich nicht einmal warnen l\u00e4\u00dft.\u00ab, \u00bbNiemand, der sein inneres Bewusstsein aufrichtig fragt, wird seine Rolle auf der Welt wiederholen wollen.\u00ab, \u00bbWas n\u00fctzt die Freiheit des Denkens, wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns f\u00fchrt?\u00ab, \u00bbGesegnet sei, wer nichts erwartet, denn er soll nicht entt\u00e4uscht werden.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">kraus, der mi\u00dftrauen, durchschauen, entlarven, spotten und richten wollte, sowie andere \u00f6sterreichische schriftsteller, und kabarettisten, haben die, zumal morbide, also dekadente, bosheit sowie zynismus und sarkasmus zur kulturform gemacht, so wenn er dachte: \u00bbGewi\u00df, ich wills nicht verhehlen, ich erwarte mir einige Anregungen vom Weltuntergang.\u00ab hebbel meinte: \u00bbEs gibt Leute, die den Weltuntergang herbeif\u00fchren m\u00f6chten, um sich den Selbstmord zu ersparen.\u00ab zynismus ist oft entt\u00e4uschter idealismus. friedrich schlegel notierte: \u00bbDer Zyniker d\u00fcrfte eigentlich gar keine Sachen haben, denn alle Sachen, die ein Mensch hat, haben ihn doch in gewissem Sinne wieder.\u00ab die aphorismen von kraus wirken st\u00e4rker \u00fcber seine lebenszeit hinaus als seine tagesaktuellen satiren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">der liedtitel \u00bbWie sch\u00f6n w\u00e4re Wien ohne Wiener!\u00ab von georg kreisler bedeutet im grunde, weitergedacht, wie sch\u00f6n w\u00e4r die welt ohne menschen. andr\u00e9 breton, der urspr\u00fcnge des schwarzen humors bei swift sah, gab eine \u00bbAnthologie des schwarzen Humors\u00ab heraus. darin sind grabbe, edgar allan poe, baudelaire, arthur rimbaud, andr\u00e9 gide, alfred jarry, guillaume apollinaire und kafka vertreten. heute k\u00f6nnte man eug\u00e8ne ionesco, vladimir nabokov, d\u00fcrrenmatt und thomas bernhard hinzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">UNGLAUBE<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">viel komik verdanken wir monotheistischen religionen mit ihrem je einzigen gott. kraus durchschaute, glaube und witz wurzeln beide im gr\u00f6\u00dften kontrast. denn einen gr\u00f6\u00dferen als den zwischen gott und gottes ebenbild gebe es nicht. wenn jemand sich zu etwas bekehre, beneide man ihn zun\u00e4chst, dann bedauere man ihn und verachte ihn schlie\u00dflich. lichtenberg fa\u00dfte zusammen, nur im schatten verbrauchter gottheiten k\u00f6nne man atmen. jean paul sah voraus, wenn der mensch keinen rat mehr wisse, fingen die wege der vorsehung an. ernst j\u00fcnger indes erkl\u00e4rte, ein gott brauche keine ironie, cioran, gott sei eine niederlage der ironie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">egon friedell stellte fest, gott nehme die welt nicht ernst, sonst h\u00e4tte er sie nicht schaffen k\u00f6nnen, montaigne, \u00bbWenn die Gans sich einen Gott erdichtet, dann mu\u00df er schnattern.\u00ab, woody allen, wenn gott existiere, dann hoffe er auf eine gute entschuldigung, lichtenberg, \u00bbErst <em>m\u00fcssen<\/em> wir glauben, und dann glauben wir.\u00ab, und lec, den ich hier stellvertretend f\u00fcr die vielen guten polnischen aphoristiker, so kazimierz bartoszewicz, karol irzykowski, adolf nowaczy\u0144ski, julian tuwin, wies\u0142aw brudzi\u0144ski oder andrzej majewski, zitiere: \u00bbWer nur gesunden Menschenverstand hat, wird verr\u00fcckt.\u00ab, \u00bbBlinder Glaube hat einen b\u00f6sen Blick.\u00ab, \u00bbGedankenlosigkeit t\u00f6tet. Andere.\u00ab, \u00bbAus einer Reihe von Nullen macht man leicht eine Kette.\u00ab, \u00bbAm Anfang war das Wort \u2012 am Ende die Phrase.\u00ab und \u00bbVon den meisten B\u00fcchern bleiben nur Zitate \u00fcbrig. Warum nicht gleich Zitate schreiben?\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">HUMOR UND IRONIE<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">wenn man \u00fcber etwas intensiv nachdenkt, entdeckt man auch das komische daran. komik verlangt distanz zum gegenstand und zugleich betroffenheit. hippokrates erkannte: \u00bbDas Leben ist eine Kom\u00f6die f\u00fcr den Denkenden und die Trag\u00f6die, f\u00fcr die, welche f\u00fchlen.\u00ab, heine, \u00bbDer Ernst tritt umso gewaltiger hervor, wenn ihn der Spa\u00df ank\u00fcndigt.\u00ab zur befreienden komik geh\u00f6rt list. im komischen siegt leichter der geist \u00fcber das profane, der galgenhumor \u00fcber den schrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">von otto julius bierbaum, schriftsteller und kabarettist, stammt der satz: \u00bbHumor ist, wenn man trotzdem lacht.\u00ab jean paul, facettenreicher humorist und idealist, durch den das wort humor ins deutsche kam, sah darin das umgekehrte erhabene und schrieb: \u00bbHumor ist \u00fcberwundenes Leiden an der Welt.\u00ab, hebbel, \u00bbDer Genuss des Humors setzt die gr\u00f6\u00dfte geistige Freiheit voraus.\u00ab, novalis: \u00bbWo Phantasie und Urteilskraft sich ber\u00fchren entsteht Witz; wo sich Vernunft und Willk\u00fcr paaren; Humor.\u00ab und \u00bbDie Menschheit ist eine humoristische Rolle.\u00ab, heine, \u00bbBis auf den letzten Augenblick spielen wir Komodie mit uns selbst.\u00ab und die g\u00f6tter sitzen auf der galerie, oder trib\u00fcne, des himmels und lachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ironie findet man schon in der antike, etwa bei cicero, \u00bbWillst du Dankbarkeit, dann kauf dir einen Hund.\u00ab, \u00bbEin Brief err\u00f6tet nicht.\u00ab, \u00bbDer Tod ist ein Ausruhen von M\u00fche und Elend.\u00ab ironie, die reflektiert, auch selbstironie, macht etwas fragw\u00fcrdig, des fragens w\u00fcrdig, und hilft gegen zumutungen des lebens. friedrich schlegel unterstrich, ironie sei kein poetisches, sondern philosophisches verfahren. vollendete ironie werde ernsthaft. e.t.a. hoffmann, der in seiner karnevalistischen literarischen welt viel humor und ironie veranstaltete, sah in der selbstironie \u00bbseinen eigenen ironischen Doppelg\u00e4nger\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">die ironie ist eine seitenlinie des reflektierenden, und damit humanen, denkens. friedrich schlegel nannte die satiren des horaz \u00bbdie ewigen Urquellen der Urbanit\u00e4t.\u00ab benjamin betrachtete den lakonismus bei siegfried kracauer als \u00bbGeburt der Humanit\u00e4t aus dem Geist der Ironie\u00ab. freud definierte ironie methodisch so: \u00bbIhr Wesen besteht darin, das Gegenteil von dem, was man dem andern mitzuteilen beabsichtigt, auszusagen, diesem aber den Widerspruch dadurch zu ersparen, da\u00df man im Tonfall, in den begleitenden Gesten, in kleinen stilistischen Anzeichen \u2013 wenn es sich um schriftliche Darstellung handelt \u2013 zu verstehen gibt, man meine selbst das Gegenteil seiner Aussage.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">WITZ UND WITZE<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">man hat den j\u00fcdischen witz eine vorform der psychoanalyse genannt. freud erl\u00e4uterte, der witz sei der beitrag zur komik aus dem bereich des unbewu\u00dften, worin er seinen ursprung habe. mit witzen und witzigen bemerkungen erw\u00e4hnte freud unter anderem lichtenberg, jean paul, friedrich schleiermacher und heine, lichtenberg mit: \u00bb<em>Ein gro\u00dfes Licht<\/em> war der Mann eben nicht, aber ein gro\u00dfer <em>Leuchter<\/em> \u2026 Er war Professor der Philosophie.\u00ab und \u00bbWenn er <em>philosophiert<\/em>, so wirft er gew\u00f6hnlich ein <em>angenehmes Mondlicht <\/em>\u00fcber die Gegenst\u00e4nde, das im ganzen gef\u00e4llt, aber nicht einen einzigen Gegenstand deutlich zeigt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">erasmus von rotterdam z\u00e4hlte den witz zu den aphorismen. techniken des witzes, w\u00f6rtlich nehmen, wortspiel, parallelismus, doppelsinn und pointe, gleichen oder \u00e4hneln aphoristischen. au\u00dferdem enth\u00e4lt auch der witz paradoxien und widerspricht gel\u00e4ufigem, so durch parodie und persiflage. aphorismen wiederum haben teils etwas zugleich vertiefendes und entspannendes. lachen kompensiert. wird der aphorismus witzig, n\u00e4hert er sich humor und ironie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">jean paul bemerkte, k\u00fcrze sei der k\u00f6rper und die seele des witzes, b\u00f6rne, tadel ohne witz w\u00e4r glut ohne licht, heine, witz ohne ernst nur nur ein niesen des verstandes. das wort witz geh\u00f6rt zur gleichen wortwurzel wie deutsch wissen, althochdeutsch wizzi = wissen, vernunft, verstand, einsicht, sinn, weisheit, bewu\u00dftsein und englisch wit = geist, intelligenz, witz, klugheit, verstand, esprit, cleverness. lichtenberg erkl\u00e4rte: \u00bbWenn Scharfsinn ein Vergr\u00f6\u00dferungsglas ist, so ist der Witz ein Verkleinerungsglas.\u00ab und \u00bbEs ist mit dem Witz wie mit der Musik, je mehr man h\u00f6rt, desto feinere Verh\u00e4ltnisse verlangt man.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">lichtenbergs eintrag \u00bbWie geht es, sagte ein Blinder zu einem Lahmen. Wie Sie sehen, war die Antwort.\u00ab, wird noch heute erz\u00e4hlt. ich h\u00f6rte ihn zun\u00e4chst als witz und las ihn erst dann bei lichtenberg, der fragte: \u00bbWarum gef\u00e4llt eigentlich der Witz so sehr?\u00ab, und selbst eine antwort gab: \u00bbWas ernsthaft seicht ist, kann witzig tief sein.\u00ab kraus analysierte: \u00bbBeim Witz ist die sprachliche Trivialit\u00e4t oft der Inhalt des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks.\u00ab und \u00bbDer Wortwitz, als Selbstzweck ver\u00e4chtlich, kann das edelste Mittel einer k\u00fcnstlerischen Absicht sein, indem er der Abbreviatur einer witzigen Anschauung dient. Er kann ein sozialkritisches Epigramm sein.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">etliche aphorismen lichtenbergs enthalten sexuelle anspielungen, vor allem gegen religi\u00f6s und moralisch begr\u00fcndete pr\u00fcderie: \u00bbEiner unsrer Voreltern mu\u00df in einem verbotenen Buch gelesen haben.\u00ab, \u00bbDie Einwohner von Uliettea sandten dem Herrn Cook ein M\u00e4dchen und ein Schwein zum Zeichen der Freundschaft. Mittel gegen beide Arten von Hunger.\u00ab, \u00bbManches an unserem K\u00f6rper w\u00fcrde uns nicht so s\u00e4uisch vorkommen, wenn uns nicht der Adel im Kopf steckte.\u00ab, \u00bbJa, die Nonnen haben nicht allein ein strenges Gel\u00fcbde der Keuschheit getan, sondern haben auch noch starke Gitter vor ihrem Fenster.\u00ab, \u00bbDie eine Schwester griff den Schleier und die andere den Hosen-Schlitz.\u00ab und, \u00bbEr mu\u00dfte etwas zu spielen haben, h\u00e4tte ich ihn keine V\u00f6gel halten lassen, so h\u00e4tte er Maitressen gehalten.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">bei kraus finden sich \u00e4hnlich sarkastische gedanken, aber mehr auf die familie bezogen: \u00bbDas Familienleben ist ein Eingriff in die Privatsph\u00e4re.\u00ab, \u00bbDa das Halten wilder Tiere gesetzlich verboten ist, und die Haustiere mir kein Vergn\u00fcgen machen, so bleibe ich lieber unverheiratet.\u00ab und \u00bbDen Mangel, da\u00df das Genie einer Familie entstammt, kann man nur dadurch wettmachen, da\u00df man keine hinterl\u00e4\u00dft.\u00ab j\u00fcnger meinte: \u00bbDer Intellektuelle ist ein Mann, den eine Idee mehr fasziniert als eine Frau.\u00ab, friedell: \u00bbEine Geliebte ist Milch, eine Braut Butter, eine Frau K\u00e4se.\u00ab heute bek\u00e4men sie daf\u00fcr den vorwurf der frauenfeindlichkeit und frauenverachtung. bis ins 20. jahrhundert hinein gab es zahllose solcher gedanken von m\u00e4nnern, selbst bei den kl\u00fcgsten, was zeigt, wie sehr frauen feindbild und s\u00fcndenbock, oder s\u00fcndenschaf, der m\u00e4nner waren. und frauenfeindliche tendenzen sind, wie ihre ursachen, noch l\u00e4ngst nicht \u00fcberwunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">was sagte ebner-eschenbach dazu? \u00bbAls eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.\u00ab, \u00bbLiebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.\u00ab, \u00bbHoffnungslose Liebe macht den Mann kl\u00e4glich und die Frau beklagenswert.\u00ab, \u00bbDie Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein G\u00e4nschen. Die Frau, die ihn nicht beeinflussen will \u2012 eine Heilige.\u00ab, \u00bb\u00dcberlege wohl, bevor du dich der Einsamkeit ergibst, ob du auch f\u00fcr dich selbst ein heilsamer Umgang bist.\u00ab und \u00bbDie meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">doch kraus hatte auch reformerische ideen: \u00bbEs ist h\u00f6chste Zeit, da\u00df die Kinder die Eltern \u00fcber die Geheimnisse des Geschlechtslebens aufkl\u00e4ren.\u00ab bei jean paul findet man viele einf\u00fchlende gedanken zu kindern: \u00bbDie Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.\u00ab, \u00bbSchulet Kinder durch Kinder.\u00ab, \u00bbKinder erziehen besser zu Erziehern als alle Erzieher.\u00ab, \u00bbWas f\u00fcr die Zeit erzogen wird, das wird schlechter als die Zeit.\u00ab oder \u00bbFreude am Strafen hat nur der Teufel.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">freud nannte zudem folgende witze: \u00bbDas Ehepaar X. lebt auf ziemlich gro\u00dfem Fu\u00dfe. Nach Ansicht der einen soll der Mann <em>viel verdient und dabei etwas zur\u00fcckgelegt <\/em>haben, nach anderer soll sich die Frau <em>etwas zur\u00fcckgelegt<\/em> und dabei <em>viel verdient <\/em>haben.\u00ab, \u00bbFriedrich der Gro\u00dfe h\u00f6rt von einem Prediger in Schlesien, der im Rufe steht, mit Geistern zu verkehren; er l\u00e4\u00dft den Mann kommen und empf\u00e4ngt ihn mit der Frage: &#8222;<em>Er kann Geister beschw\u00f6ren?<\/em>&#8220; Die Antwort war: &#8222;<em>Zu Befehl<strong>, <\/strong>Majest\u00e4t, aber sie kommen nicht.<\/em>&#8222;\u00ab geister sind sehr scheu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">unter freuds witzen finden sich etliche j\u00fcdische, so: \u00bbEin galizischer Jude f\u00e4hrt in der Eisenbahn und hat es sich recht bequem gemacht, den Rock aufgekn\u00f6pft, die F\u00fc\u00dfe auf die Bank gelegt. Da steigt ein modern gekleideter Mann ein. Sofort nimmt sich der Jude zusammen, setzt sich in bescheidene Positur. Der Fremde bl\u00e4ttert in einem Buch, rechnet, besinnt sich und richtet pl\u00f6tzlich an den Juden die Frage: &#8222;Ich bitte Sie, wann haben wir Jomkipur?&#8220; (Vers\u00f6hnungstag.) &#8222;<em>Aesoi<\/em>&#8222;, sagt der Jude und legt die F\u00fc\u00dfe wieder auf die Bank, ehe er die Antwort gibt.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">salcia landmann zitierte in ihrem buch \u00bbJ\u00fcdische Witze\u00ab noch zahlreiche andere. der j\u00fcdische witz ist sch\u00e4rfer, tiefer und noch paradoxer als der anderer v\u00f6lker, weil er nicht nur verhaltensweisen einzelner menschen, sondern die verh\u00e4ltnisse insgesamt im blick hat, auch in form des gebildeten j\u00fcdischen volkswitzes. witze sind waffen der benachteiligten und verlierer, die sich sonst kaum wehren k\u00f6nnen. wir finden im j\u00fcdischen witz originelle projektionen, unerwartete zusammenh\u00e4nge, die wesentliches sichtbar machen, das aussetzen konventioneller logik, viel geistesgegenwart und list, die der von tricksterfiguren \u00e4hnelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">in der bibel gibt es noch kaum witze, aber bereits j\u00fcdische selbstkritik. bemerkenswert ist die sp\u00e4tere j\u00fcdische selbstironie, die schon freud registrierte. \u00bbDer Kantor der Gemeinde will f\u00fcr die Mitgift seiner Tochter drei Jahresgeh\u00e4lter Vorschu\u00df haben. Die Gemeinde findet das Gesch\u00e4ft riskant. Vielleicht stirbt der Kantor vorher. &#8222;La\u00dft es uns drauf ankommen.&#8220;, bittet der Kantor. &#8222;Vielleicht habt <em>ihr <\/em>Gl\u00fcck und ich lebe dann noch, und sollte ich vorher sterben \u2012 nun, dann hab eben <em>ich<\/em> Gl\u00fcck gehabt.&#8220;\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ein j\u00fcdischer witz aus dem einstigen russisch polen geht so: \u00bbEin Mann aus Che\u0142m ging suchend um eine Laterne herum. Er suchte und suchte. Fragt ihn ein Passant: Habt Ihr was verloren? \u2212 Ja, einen Rubel. \u2212 Hier, bei der Laterne? \u2212 Nein, etwas weiter weg. \u2212 Warum sucht Ihr dann hier? \u2212 Weil es hier hell genug ist.\u00ab che\u0142m, die polnische schildb\u00fcrgerstadt, kann \u00fcberall sein, aber auch weisheit: \u00bb&#8220;Chaim, was bist du heute zum Gottesdienst gekommen? Du hast doch gesagt, Du glaubst nicht an Gott!&#8220; &#8222;Das ist wahr, ich glaube nicht an ihn. Aber wei\u00df ich denn, ob ich recht habe?&#8220;\u00ab der wirklich ungl\u00e4ubige glaubt auch an seinen unglauben nicht. am j\u00fcdischen denken k\u00f6nnen wir sehen, auf welche weise bildung, mit und neben der religion, eine bedr\u00e4ngte und verfolgte kultur \u00fcber zwei jahrtausende hinweg \u00fcberleben l\u00e4\u00dft. das tiefere und zumal paradoxe moderne denken wurde erheblich j\u00fcdisch gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">j\u00fcdische witze klingen teilweise, wie wenn sie anekdoten w\u00e4ren, die wirklich geschehen sind. \u00bbRothschild ist sehr besch\u00e4ftigt. Ein Besucher kommt. Rothschild, ohne aufzublicken: &#8222;Nehmen Sie einen Stuhl!&#8220; Nach einigen Minuten sagt der ungeduldige Besucher: &#8222;Ich bin der Herr von Thurn <em>und <\/em>Taxis.&#8220; Rothschild: \u00bbNehmen Sie <em>zwei<\/em> St\u00fchle.&#8220;\u00ab \u00bbDer Philosoph Geiger a\u00df mit einem katholischen Priester. &#8222;Wann werden Sie endlich das alte Vorurteil aufgeben und anfangen, nichtrituell zu essen?&#8220; &#8222;Auf Ihrer Hochzeit, Hochw\u00fcrden&#8220;, entgegnete Geiger.\u00ab, \u00bb&#8220;Reb Koppel ist gestorben. Gehst Du zu seinem Begr\u00e4bnis?&#8220; &#8222;Warum sollte ich? Wird er zu meinem kommen?&#8220;\u00ab bei heine und kafka findet man einfl\u00fcsse des j\u00fcdischen witzes. allen, geborener konigsberg, verbindet aufkl\u00e4rung und witz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">NARR UND TRICKSTER<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">weisheit lebt auch von intensit\u00e4ten und umkehrungen. kafka berichtete in einem brief: \u00bbEin Weiser, dessen Weisheit sich vor ihm selbst versteckte, kam mit einem Narren zusammen und redete ein Weilchen mit ihm, \u00fcber scheinbar fernliegende Sachen. Als nun das Gespr\u00e4ch zu Ende war und der Narr nach Hause gehen wollte \u2212 er wohnte in einem Taubenschlag \u2212, f\u00e4llt ihm da der andere um den Hals, k\u00fc\u00dft ihn und schreit: danke, danke, danke. Warum? Die Narrheit des Narren war so gro\u00df gewesen, da\u00df sich dem Weisen seine Weisheit zeigte.\u00ab ich denke hier an den \u00bbGottesnarr\u00ab oder \u00bbNarr Gottes\u00ab genannten asketischen wanderprediger rabbi muschallam sussja aus den \u00bbErz\u00e4hlungen der Chassidim\u00ab von martin buber. jean paul wies darauf hin, wer nicht den mut habe, auf seine eigne art n\u00e4rrisch zu sein, sei schwerlich auf seine art klug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbDas bucklige M\u00e4nnlein\u00ab aus dem gleichnamigen lied der volksliedsammlung \u00bbDes Knaben Wunderhorn\u00ab von achim von arnim und clemens brentano, das benjamin in seiner \u00bbBerliner Kindheit um neunzehnhundert\u00ab aufrief, \u00e4hnelt in seinem ambivalenten verhalten einem gnom, also bergunderdgeist, oder kobold, naturundhausgeist. das bucklichte m\u00e4nnlein ist ein unruhestifter, zugleich aber offenbar selbst seelisch verwundet, wodurch das eine das andere bedingt. das lied endet mit: \u00bbLiebes Kindlein, ach ich bitt, \/ Bet f\u00fcrs bucklicht M\u00e4nnlein mit!\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">benjamin schrieb: \u00bbIch denke mir, das jenes &#8222;ganze Leben &#8222;, von dem man sich erz\u00e4hlt, da\u00df es vorm Blick eines Sterbenden vorbeizieht, aus solchen Bildern sich zusammensetzt, wie sie das M\u00e4nnlein von uns allen hat. Sie flitzen rasch vorbei, wie jene Bl\u00e4tter der straff gebundenen B\u00fcchlein, die einmal Vorl\u00e4ufer unsrer Kinemathographen waren. Mit leisem Druck bewegte sich der Daumen an ihrer Schnittfl\u00e4che entlang, dann werden sekundenweise Bilder sichtbar, die sich voneinander fast nicht unterschieden.\u00ab auch das bucklige m\u00e4nnlein kommt aus dem unbewu\u00dften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">kracauer bemerkte: \u00bbEs gibt keine echte Clownerie, die nicht die Bestimmung h\u00e4tte, die herk\u00f6mmlichen Weltverh\u00e4ltnisse umzukehren.\u00ab weitere komisch und rebellisch kluge wesen sind clown, possenrei\u00dfer, harlekin, schalk. allen ist in vielen seiner rollen schelmisch. es wurde immer mal wieder vermutet, da\u00df auch don qijote ein listiger schelm sein k\u00f6nne, der seinen traum, der ihn l\u00e4cherlich macht, bewahrt, indem er eine abgelebte zeit zur\u00fcck ins leben ruft, um weiter tr\u00e4umen zu k\u00f6nnen. heine erkl\u00e4rte, miguel de cervantes habe die gr\u00f6\u00dfte satire gegen die begeisterung geschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">kinder und narren sagen die wahrheit, hei\u00dft es. till eulenspiegel, umherstreifender narr und sp\u00f6tter aus dem 14. jahrhundert, der die menschen beim worte nahm, was auch aphoristiker tun, und dessen streiche sein werk waren, werden in christa und gerhard wolfs \u00bbTill Eulenspiegel. Erz\u00e4hlung f\u00fcr den Film\u00ab folgende spr\u00fcche zugeschrieben: \u00bbEin armer Mann hat den Wind alleweil von vorn.\u00ab, \u00bbFra\u00df bringt mehr um als das Schwert.\u00ab, \u00bbAuch des Kaisers Speisen werden zu Kot!\u00ab, \u00bbWer sich zum Lamm macht, den jagen die W\u00f6lfe.\u00ab, \u00bbM\u00f6nche, M\u00e4use, Motten, Maden scheiden selten ohne Schaden.\u00ab, \u00bbBezahlte Tollheit hei\u00dft die Welt Vernunft.\u00ab, \u00bbEin Schelm gibt mehr als er hat!\u00ab, \u00bbWas zwei wissen, das erfahren hundert!\u00ab, \u00bbEin junger Engel wird oft ein alter Teufel.\u00ab und \u00bbErzwungene Liebe und gemalte Wangen dauern nicht.\u00ab literarisch findet man eulenspiegel fr\u00fch als figur eines mittelniederdeutschen volksbuchs sowie von hans sachs, sp\u00e4ter bei gerhart hauptmann, erich k\u00e4stner und daniel kehlmann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">es k\u00f6nnte bei till eulenspiegel so sein wie bei salomo und jesus. er hat sprichworte aufgegriffen und verwendet und manche seiner eigenen spr\u00fcche wurden als sprichworte \u00fcberliefert. auch bei eulenspiegel gibts berichte, die eine reale figur vermuten lassen, die sich dann mit erfundenem, sagenhaftem, literarischem vermischte. solche anarchisch provokanten personen, die \u00f6ffentlich aussprechen, was viele insgeheim ahnen, waren und sind oft wunschfiguren des volkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">ebenso vereinen trickster, schicksalskr\u00e4fte au\u00dferhalb der g\u00f6ttlichen ordnung, die weltensch\u00f6pfer, kulturbringer, seltsames wort, wei\u00dfe und schwarze magier, narren, betr\u00fcger, t\u00e4uscher und teufel in einer person sind, wie der griechische prometheus, nordische loki oder nordamerikanisch indianische coyote, sch\u00f6pferische, narrenhafte und teuflische eigenschaften, eine h\u00f6chst moderne mischung. gesch\u00f6pft wird aus dem vulkanischen inneren. und indem sich die urkr\u00e4fte des chaos und der tiefe nie v\u00f6llig beherrschen lassen, zerst\u00f6ren sch\u00f6pfer auch. folgerichtig waren viele sch\u00f6pferg\u00f6tter, der ambivalenz der menschlichen seele folgend, zugleich zerst\u00f6rungsg\u00f6tter oder selber der zerst\u00f6rung ausgesetzt. prometheus und loki stehen einander n\u00e4her als man gemeinhin glaubt. die unbewu\u00dften kr\u00e4fte im menschen sind die trickster der seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div id=\"attachment_90252\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/03\/Twitter-Bird-e1628051330581.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90252\" class=\"wp-image-90252 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2006\/03\/Twitter-Bird-300x209.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"209\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-90252\" class=\"wp-caption-text\">Markenzeichen von Twitter: der blaue Vogel \u201eLarry\u201c<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192<\/strong> Ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/03\/06\/twitteratur-die-kunst-der-verkuerzung\/\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Manchmal beginnt ein Urknall eher unscheinbar. Und zeitgleich zum 7. Welttag der Poesie. Twitter wird am 21. M\u00e4rz 2006 unter dem Namen twttr gegr\u00fcndet und gewann weltweit rasch an Popularit\u00e4t: Der erste Tweet wurde am 21. M\u00e4rz 2006 durch&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/03\/21\/kurze-saetze\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":36,"featured_media":103220,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3995,94,1934,501],"class_list":["post-36936","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-hippokrates","tag-holger-benkel","tag-jack-dorsey","tag-roland-barthes"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36936","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/36"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36936"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36936\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":105552,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36936\/revisions\/105552"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103220"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36936"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36936"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36936"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}