{"id":36931,"date":"2009-07-19T00:01:11","date_gmt":"2009-07-18T22:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36931"},"modified":"2021-12-01T06:45:26","modified_gmt":"2021-12-01T05:45:26","slug":"das-hungertuch-fuer-woon-jung-chei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/07\/19\/das-hungertuch-fuer-woon-jung-chei\/","title":{"rendered":"Das Hungertuch f\u00fcr Woon-Jung Chei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Woon-Jung Chei aus Seoul erh\u00e4lt f\u00fcr ihre Arbeit als Kulturvermittlerin das Hungertuch 2009<\/span><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-75681 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Woon\u2013Jung-Chei.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>Woon-Jung Chei wurde in Seoul geboren. Sie studierte Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t in D\u00fcsseldorf und nahm danach das Studium der Sozialwissenschaften an der Gerhard-Mercator-Universit\u00e4t in Duisburg auf. Neben zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen in deutschen und koreanischen Literaturzeitschriften und Anthologien hat auch sie unz\u00e4hlige B\u00fccher in Deutschland ver\u00f6ffentlicht. Ihr Anliegen ist es, dem deutschen Publikum eine Hilfe zum besseren Verst\u00e4ndnis dieser fremden Kultur zu bieten. F\u00fcr diese Kulturvermittlung bedient sich Chei aus unterschiedlichen Quellen und f\u00e4chert die kulturellen Facetten ihres Landes sehr unterschiedlich auf.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihren Texten beschreibt Chei die Kultur in Korea als Spiegelbild, aber auch als notwendigen Gegenpol, des Existenzkampfes. Sie gew\u00e4hrt Einblicke in die Religion der koreanischen Gesellschaft, hier zeichnet sie die Koexistenz von modernen sowie der \u00e4ltesten Religionen der Welt nach. So sind der Konfuzianismus aus China, der Buddhismus aus Indien und das Christentum vertreten. Das Interessante ist, dass diese Religionen miteinander vermischt existieren. Jeder Bewohner aus dem &#8222;Land der Morgenstille&#8220;, ist mehr oder weniger Konfuzianer. Dies zeigt sich darin, dass die Verhaltensweisen ebenso wie die gesellschaftliche Moral stark vom Konfuzianismus beeinflusst sind. Der Grund f\u00fcr diesen Einflu\u00df ist darin zu sehen, dass die Jahrhunderte der letzten K\u00f6nigsdynastie stark von diesem Gedankengut durchdrungen waren. Grundprinzipien dieser Religion sind Ehrerbietung und Rangordnung. Chei beschreibt, dass die Rangordnung f\u00fcr kein Volk auf der Welt wichtiger ist, als f\u00fcr Koreaner.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Kulturanthropologin erforscht Chei die koreanische Fr\u00fchgeschichte und bietet dem Leser ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Kultur des Schamanismus, sowie sein Blickfeld und die Urteilsf\u00e4higkeit bez\u00fcglich der koreanischen Kultur zu erweitern. In dieser Agrargesellschaft war der Schamanismus fest verwurzelt, da er durch seine enge Bindung an die Natur und deren Ph\u00e4nomene die Bev\u00f6lkerung durch den gesamten Jahresablauf begleitete. Selbst in der modernen Industriegesellschaft haben einige Br\u00e4uche \u00fcberlebt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In koreanischen M\u00e4rchen pr\u00fcft Chei Mythen, die sich eindeutigen Gattungstrennung nach M\u00e4rchen, Fabeln, Legenden oder Sagen widersetzen. Diese Mythen sind nicht nur erd-, sondern auch wasser-, feuer- und himmelsverbunden, was auf die bedeutenden Einfl\u00fcsse der taoistischen Naturphilosophie verweist. In zahlreichen M\u00e4rchen tauchen G\u00f6tter, Geister, Prinzessinnen und Prinzen auf; sie erscheinen oft auf wundersame Weise und bringen eine L\u00f6sung f\u00fcr unl\u00f6sbar erscheinende Probleme.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u00dcbersetzerin ist ihre kongeniale \u00dcbertragungen \u00bbDie Sterne \u00fcber dem Land der V\u00e4ter\u00ab von Ko Un hervorzuheben. In diesem Band finden wir Erinnertes und aus Empfindungen Imaginiertes, R\u00fcckblicke bis in die fr\u00fchen Wanderjahre, in die Zeit der ersten Auflehnung gegen das Milit\u00e4rregime nach dem zweiten\u00a0 Weltkrieg und darin eingebettet die Utopie oder besser Hoffnung, es werde der Tag des Festes kommen, der Wiedervereinigung des so lange in S\u00fcd und Nord zerst\u00fcckelten \u203aLandes der V\u00e4ter\u2039.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Chei ist auch selbst als Lyrikerin hervorgetreten. Ihre Poesie beeindruckt durch ihre Abkehr von k\u00fcnstlicher Komplexit\u00e4t, sie basiert auf nat\u00fcrlicher Einfachheit. Chei schreibt aus ihrem koreanischen Hintergrund heraus \u00fcber die Freiheit, die Liebe und den Tod. Dabei macht die gegenseitige Befruchtung \u00f6stlicher und westlicher Kultur einen besonderen Reiz ihrer Lyrik aus.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1148 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch-230x300.jpg 230w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/hungertuch.jpg 384w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 2001 wurde mit dem <em>Hungertuch<\/em> vom rheinischen Kunstf\u00f6rderer Ulrich Peters ein K\u00fcnstlerpreis gestiftet, der in den Jahren seines Bestehens von K\u00fcnstlern an K\u00fcnstler verliehen wird. Es gibt im Leben unterschiedliche Formen von Erfolg. Zum einen gibt es die Auszeichnung durch Preise und Stipendien, zum anderen die Anerkennung durch die Kolleginnen und Kollegen. Letzteres manifestiert sich in diesem K\u00fcnstlerpreis.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"right\">Die Dokumentation des Hungertuchpreises ist in der erweiterten Taschenbuchausgabe erschienen:\u00a0 <strong>Twitteratur<\/strong>, Genese einer Literaturgattung. Herausgegeben von Matthias Hagedorn, Edition Das Labor 2019.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>ein Essay \u00fcber die neue Literaturgattung <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22423\"><em>Twitteratur<\/em><\/a>. Und ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/09\/06\/recap-hungertuchpreis\/\">Recap<\/a> des Hungertuchpreises. Eine Liste der bisherigen Preistr\u00e4ger finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?page_id=368\">hier<\/a>.<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Woon-Jung Chei aus Seoul erh\u00e4lt f\u00fcr ihre Arbeit als Kulturvermittlerin das Hungertuch 2009 Woon-Jung Chei wurde in Seoul geboren. 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