{"id":36740,"date":"2024-08-09T00:01:33","date_gmt":"2024-08-08T22:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36740"},"modified":"2025-12-30T13:20:19","modified_gmt":"2025-12-30T12:20:19","slug":"vom-homo-ludens-zum-homo-poeticus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/08\/09\/vom-homo-ludens-zum-homo-poeticus\/","title":{"rendered":"Vom homo ludens zum homo poeticus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Projekt <em>Wortspielhalle<\/em> gilt als innovatives Beispiel f\u00fcr transmediale und experimentelle Literatur im 21. Jahrhundert. Die Autoren kombinieren hier Sprache, Klang und Performance zu einem hybriden Format, das \u00fcber das traditionelle Buch hinausgeht und als Partitur f\u00fcr gesprochene Auff\u00fchrungen konzipiert ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <em>Wortspielhalle<\/em> ist von Sophie Reyer \u00a0und A.J. Weigoni als \u201eSprechpartitur\u201c angelegt, was die Texte aus der rein stillen Lekt\u00fcre in den performativen und akustischen Raum \u00fcberf\u00fchrt. Es verbindet literarische Lyrik mit musikalischen Strukturen und vereint elementare Fragen der Kommunikation mit einem innovativen literarischen Ansatz. Durch ihre intermedialen Strategien und ihre sprachliche Komplexit\u00e4t hat sie das Potenzial, sowohl literarisch als auch gesellschaftlich bedeutend zu sein. Indem sie das Publikum aktiviert und zur Reflexion anregt, leistet das Werk einen wichtigen Beitrag zur zeitgen\u00f6ssischen Lyrik und zur Diskussion \u00fcber die Rolle von Text und Sprache in der modernen Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Das Autorenduo deutet den Begriff \u201ek.u.k.\u201c (kaiserlich und k\u00f6niglich) zu \u201eKunst und Klang\u201c um und nutzt dies als Ausgangspunkt f\u00fcr eine \u00e4sthetische Dekonstruktion.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sophie Reyer hat sich nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Komponistin und performative K\u00fcnstlerin einen Namen gemacht. Durch ihren multidisziplin\u00e4ren Hintergrund bringt sie eine fundierte Perspektive auf die Verbindung von Lyrik und Musik in <em>Wortspielhalle<\/em>. Diese Verbindung ermutigt zur Kritik etablierter Formate in der Literatur und regt dazu an, auch den interkulturellen Dialog zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni ist bekannt als Sprechsteller, was bedeutet, dass er sich als H\u00f6rspielmacher auf die Kunst des Sprechens und der verbalen Kommunikation spezialisiert hat. Er beherrscht die Techniken, um die Stimme an verschiedene Kontexte anzupassen und Emotionen auszudr\u00fccken. Eine deutliche Artikulation ist wichtig, um Botschaften effektiv zu kommunizieren. Seine F\u00e4higkeit, Emotionen in seiner Kommunikation zu integrieren, macht seine Botschaften authentisch und ansprechend.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Literaturtheoretisch versteht sich das Werk als R\u00fcckbesinnung auf das Spielerische. In einer von Zw\u00e4ngen gepr\u00e4gten Welt soll die Poesie einen Freiraum f\u00fcr menschliche Bet\u00e4tigung schaffen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Werk dekonstruiert und rekonstruiert Sprache durch Wortspiele, Heterophonie (mehrstimmige, \u00fcberlagerte Sprechweisen) und rhythmische Strukturen. Es entstehen Miniaturen, die ein Netz aus Relais und Schnittstellen weben \u2013 Verbindungen zwischen Gegenst\u00e4nden, Perspektiven, R\u00e4umen und Zeiten. Dies schafft eine \u201evisuell-klangliche\u201c Tonmalerei, die Poesie und Musik neu ausbalanciert. Es verbindet literarische Traditionen mit modernen Formen wie <em>Twitteratur<\/em> oder digitaler Kollaboration. Das Werk positioniert sich als intellektuelle, verdichtete Literatur gegen Alltag und Massenkommunikation. Es fordert Aufmerksamkeit durch Gewitztheit, Verdichtung und philosophische Tiefe, w\u00e4hrend es archaische Elemente (z. B. Zirpen, Singen) mit zeitgen\u00f6ssischer Reflexion verkn\u00fcpft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die literarischen Texte werden durch \u201eInventionen\u201c des K\u00fcnstlers Peter Meilchen erg\u00e4nzt, was den Charakter eines Gesamtkunstwerks unterstreicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Texte in <em>Wortspielhalle<\/em> sind oft verkn\u00fcpft mit Codes aus Nachrichten- und Informationskan\u00e4len sowie visuellen und akustischen Elementen. Diese vielschichtigen Bedeutungen laden den Leser zum tieferen Verst\u00e4ndnis von Kommunikationsstrukturen und deren gesellschaftlicher Relevanz ein. Die Sprechpartitur f\u00f6rdert ein Bewusstsein f\u00fcr die Art und Weise, wie Sprache konstruiert und interpretiert wird, und stellt die Verbindung zwischen verschiedenen Medien und deren Einfluss auf die Kommunikation in Frage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Multi-Media-Projekt <em>Wortspielhalle<\/em> markiert einen Beitrag zur avancierten, grenzen\u00fcberschreitenden Poesie, die Sprache nicht nur liest, sondern h\u00f6rt und performt. Die Arbeit zeichnet sich durch ihre innovative Form und ihren intermedialen Ansatz aus, der die Grenzen zwischen Literatur, Klangkunst und darstellendem Spiel \u00fcberschreitet. Sie wird als Sprechpartitur pr\u00e4sentiert, was bedeutet, dass die Texte nicht nur zum Lesen, sondern auch zur Auff\u00fchrung und Interpretation gedacht sind. Dies f\u00f6rdert eine Interaktion zwischen Text, Sprache und Performance, die das Erlebnis f\u00fcr das Publikum intensiviert. Die Verwendung von Tempo- und Harmoniewechseln l\u00e4sst unterschiedliche Interpretationen und emotionale Reaktionen zu. Solche experimentellen Ans\u00e4tze k\u00f6nnen die Wahrnehmung des Geschriebenen grundlegend ver\u00e4ndern und er\u00f6ffnen den Raum f\u00fcr Neues im literarischen Schaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zehn Jahren erschien: <strong>Wortspielhalle<\/strong>, eine Sprechpartitur von Sophie Reyer &amp; A.J. Weigoni, mit Inventionen von Peter Meilchen, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2014<\/p>\n<div id=\"attachment_98578\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-image-98578 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wortspielhalle_Cover-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Fr\u00fchlingel von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Die Sprechpartitur wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet. Einen Artikel zum Konzept von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophie_Reyer\">Sophie Reyer<\/a> und A.J. Weigoni lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">hier<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen sei auch\u00a0das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Reyer und Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/19\/hoeherwertige-konfiguration\/\">h\u00f6herwertige Konfiguration<\/a> entdeckt Constanze Schmidt in dieser Collaboration. Holger Benkel lauscht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/29\/zikaden-und-haeher\/\">Zikaden und H\u00e4her<\/a>n nach. <span data-offset-key=\"7ldlg-0-0\">Ein weiterer Blick beleuchtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> von Peter Meilchen. <\/span>Ein Essay fasst das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\"><em>transmediale Projekt <\/em><\/a><em>Wortspielhalle<\/em> zusammen<em>. <\/em>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Alle <em>LiteraturClips<\/em> dieses Projekts k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=124\">hier<\/a> abgerufen werden. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt Wortspielhalle gilt als innovatives Beispiel f\u00fcr transmediale und experimentelle Literatur im 21. Jahrhundert. 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