{"id":36738,"date":"2024-08-31T00:01:53","date_gmt":"2024-08-30T22:01:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36738"},"modified":"2025-12-26T15:34:33","modified_gmt":"2025-12-26T14:34:33","slug":"intermediale-konzepte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/08\/31\/intermediale-konzepte\/","title":{"rendered":"Intermediale Konzepte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>A.J. Weigoni hat ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, die Grenzen der Poesie zu erweitern und neue Ausdrucksformen zu erschlie\u00dfen, die die Leser sowohl emotional als auch intellektuell ansprechen. Diese innovative Herangehensweise ist entscheidend f\u00fcr die Weiterentwicklung der Poesie in der digitalen \u00c4ra.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni (eigentlich Andr\u00e1s Jaromir Weigoni, 1956\u20132021) war ein deutschsprachiger Dichter, Performer und Multimediak\u00fcnstler, der eine zentrale Rolle in der Erweiterung der Poesie \u00fcber traditionelle textbasierte Formen hinaus spielte. Seine Bedeutung f\u00fcr transmediale Projekte in der Poesie lag vor allem in der konsequenten \u00dcberschreitung medialer Grenzen: Er verband Lyrik mit Klangkunst, H\u00f6rspiel, Performance, Musik und visuellen Elementen, um Poesie als inter- und transmediales Ph\u00e4nomen zu begreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er sah Poesie nicht als rein schriftliches Medium, sondern als akustisches und performatives Ereignis. In Projekten wie <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/10\/14\/senora-nada\/\">Se\u00f1ora Nada<\/a><\/em> (ein lyrisches Monodram) arbeitete er mit Komponisten wie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/04\/10\/das-hungertuch-fuer-tom-taeger\/\">Tom T\u00e4ger<\/a> zusammen, um Sprache als Klangph\u00e4nomen zu erforschen \u2013 eine Form der auditiven Poesie, die Musik, Minimalmusik, Jazz-Elemente und gesprochene Wortkunst verschmilzt. Seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass er Gedichte nicht als rein textliche Gebilde begriff, sondern als Schnittstelle zwischen Literatur, Klangkunst und neuen Medien. \u00dcber die Plattform <em>KUNO<\/em> und die <em>Edition Das Labor<\/em> f\u00f6rderte er die Sichtbarkeit transmedialer Poetik durch Rezensionsessays und Kooperationen mit anderen K\u00fcnstlern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zentrale Aspekte seines transmedialen Wirkens waren die Pionierarbeit bei <em>LiteraturClips<\/em> und H\u00f6rb\u00fcchern. Bereits 1991 realisierte Weigoni seine sogenannten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2001\/03\/26\/literaturclips-replica\/\"><em>LiteraturClips<\/em><\/a> auf CD, lange bevor Begriffe wie \u201eKlangbuch\u201c oder mediale Lyrik-Adaptionen etabliert waren. Ab 1995 intensivierte er in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tom T\u00e4ger die Verschmelzung von Wort und Klang, was in umfangreichen H\u00f6rbuch-Gesamteditionen seiner Lyrik m\u00fcndete. Er nutzte das Radio und Tonstudios und Blogs als \u201eakustische Probeb\u00fchnen der Poesie\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gemeinsam mit Sophie Reyer entwickelte er das transmediale Projekt \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\">Wortspielhalle<\/a>\u201c, f\u00fcr das beide mit dem <em>lime-lab<\/em>-Preis ausgezeichnet wurden.\u00a0Das Projekt erforscht eine \u201eludische Wende\u201c in der Lyrik, bei der Poesie als zweckfreies Spiel \u00fcber Zuf\u00e4lle und mediale M\u00f6glichkeiten verstanden wird. Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert das Projekt den Austausch zwischen verschiedenen k\u00fcnstlerischen Sparten (z. B. Performance und Schriftstellerei) und \u00f6ffnete die Poesie f\u00fcr eine neue Handlungsfreiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni reflektierte h\u00e4ufig \u00fcber die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Sprache und das Schreiben selbst. Diese Reflexion ist zentral f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der modernen Poesie und ihrer Entwicklung im digitalen Zeitalter. Er experimentierte fr\u00fch mit der Materialisierung von Literatur im digitalen Raum. Ein Beispiel f\u00fcr seine posthum fortgef\u00fchrten Projekte ist ein \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Langstreckenpoem<\/a>\u201c, das unter anderem als digitaler Abrei\u00dfkalender konzipiert ist und so die Poesie in den Alltag der Rezipienten integriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni spielte eine bedeutende Rolle in der transmedialen Poesie, einem Bereich, der sich mit der Verschmelzung von Poesie und digitalen Medien auseinandersetzt. F\u00fcr Weigoni war die Poesie des 21. Jahrhunderts inh\u00e4rent syn\u00e4sthetisch. Er verkn\u00fcpfte enzyklop\u00e4disches Wissen mit sprachspielerischen Elementen, um beim H\u00f6rer oder Leser einen \u201eBedeutungsgenerator\u201c zu aktivieren, der weit \u00fcber die rein intellektuelle Textaufnahme hinausgeht.\u00a0Seine transmedialen Projekte sind oft stark in kulturellen und \u00e4sthetischen Diskursen verankert. Weigoni gelingt es, gesellschaftliche Fragen und Themen durch poetische Formen zu thematisieren, wodurch er eine breitere \u00f6ffentliche Relevanz erreicht. Seine Arbeiten repr\u00e4sentierten einen innovativen Umgang mit Sprache und Technologie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Gedichtb\u00e4nde sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<div id=\"attachment_98422\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-image-98422\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Gedichte_Cover-312x500.jpeg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"642\" \/><p id=\"caption-attachment-98422\" class=\"wp-caption-text\">Das Portr\u00e4tfoto des Covers stammt von Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong> Lesen Sie auch die W\u00fcrdigungen von Jens Pacholsky: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters, <\/a>Holger Benkel:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">rettungsversuche der literatur im digitalen raum, <\/a>Christine Kappe, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12532\">Ein Substilat<\/a>, Sebastian Schmidts <a href=\"http:\/\/textbasis.wordpress.com\/2013\/07\/24\/der-lyrische-mittwoch-folge-17-a-j-weigoni-%E2%80%A1zwischenbefund%E2%80%A1\/\">Der lyrische Mittwoch.<\/a> Ein Essay \u00fcber das akutische <a href=\"http:\/\/www.buecher-wiki.de\/index.php\/BuecherWiki\/WeigoniGedichte\">Gesamtwerk<\/a> bei buecher-wiki. Eine \u00dcbersetzung von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32798\"><em>Ichzerlegung eines Wesensfallenstellers<\/em><\/a> durch <em>Lilian Gergely <\/em>finden Sie im Literaturmagazin <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30797\">Transnational No.3<\/a> \u2013 last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni \u00fcber das Schreiben von Gedichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Die Sprechpartitur <em>Wortspielhalle<\/em> wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet. Einen Artikel zum Konzept von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophie_Reyer\">Sophie Reyer<\/a> und A.J. Weigoni lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">hier<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen sei auch\u00a0das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Reyer und Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/19\/hoeherwertige-konfiguration\/\">h\u00f6herwertige Konfiguration<\/a> entdeckt Constanze Schmidt in dieser Collaboration. Holger Benkel lauscht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/29\/zikaden-und-haeher\/\">Zikaden und H\u00e4her<\/a>n nach. Ein weiterer Blick beleuchtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> von Peter Meilchen. Ein Essay fasst das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\"><em>transmediale Projekt <\/em><\/a><em>Wortspielhalle<\/em> zusammen<em>. <\/em>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Alle <em>LiteraturClips<\/em> dieses Projekts k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=124\">hier<\/a> abgerufen werden. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Probeh\u00f6ren kann man Ausz\u00fcge der <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/schmauchspuren.html\">Schmauchspuren<\/a>, von <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/neige.html\">An der Neige<\/a> und des Monodrams <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\">Se\u00f1ora Nada<\/a> in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17799\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>A.J. Weigoni hat ma\u00dfgeblich dazu beigetragen, die Grenzen der Poesie zu erweitern und neue Ausdrucksformen zu erschlie\u00dfen, die die Leser sowohl emotional als auch intellektuell ansprechen. Diese innovative Herangehensweise ist entscheidend f\u00fcr die Weiterentwicklung der Poesie in der digitalen \u00c4ra.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/08\/31\/intermediale-konzepte\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98422,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1152,306,52,394,35],"class_list":["post-36738","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-frank-michaelis","tag-leonard-billeke","tag-peter-meilchen","tag-sophie-reyer","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36738"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36738\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106944,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36738\/revisions\/106944"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98422"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}