{"id":36736,"date":"2024-07-13T00:01:42","date_gmt":"2024-07-12T22:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36736"},"modified":"2025-12-31T07:40:45","modified_gmt":"2025-12-31T06:40:45","slug":"vom-radioempfaenger-zum-digital-audio-broadcasting","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/07\/13\/vom-radioempfaenger-zum-digital-audio-broadcasting\/","title":{"rendered":"Vom Radioempf\u00e4nger zum Digital Audio Broadcasting"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u201e\u2026 you&#8217;re gonna hear me on your radio\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Joe Jackson<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Medium Radio war f\u00fcr das Werk von A.J. Weigoni von zentraler, identit\u00e4tsstiftender Bedeutung und pr\u00e4gte sowohl seinen \u00e4sthetischen Ansatz als auch seine k\u00fcnstlerische Produktion ma\u00dfgeblich. Der \u00c4ther fungierte f\u00fcr Weigoni nicht nur als blo\u00dfer \u00dcbertragungskanal, sondern als \u00e4sthetisches Modell, das sein Werk zur \u201eakustischen Kunst\u201c transformierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00e4gung erfolgte in der Kindheit. Weigoni sch\u00e4tzte das Radio als Zauberinstrument des Wortes sowie als akustische Probeb\u00fchne der Poesie. Diese fr\u00fche Faszination f\u00fcr das rein Akustische legte den Grundstein f\u00fcr sein sp\u00e4teres Selbstverst\u00e4ndnis als \u201eSprechsteller\u201c \u2013 ein Begriff, der die untrennbare Verbindung von geschriebenem Text und gesprochenem Wort als poetische Performance betont.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einfluss des Mediums Radio auf das Werk von A.J. Weigoni ist bedeutend und facettenreich. Weigoni, der f\u00fcr seine innovative Rhetorik und seinen einzigartigen Stil bekannt ist, hat das Radio als Medium genutzt, um seine Inhalte einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen. Das Radio diente ihm als direktes Experimentierfeld. Er entwickelte innovative Formate wie die \u201eLiteraturClips\u201c (kurze, pr\u00e4gnante Audiost\u00fccke), die er bereits 1911 auf CD ver\u00f6ffentlichte, bevor der Begriff \u201eH\u00f6rbuch\u201c zum Standard wurde. Zu seinen bedeutenden Radioarbeiten z\u00e4hlen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;RedenRedenReden&#8220;: Ein Live-H\u00f6rspiel, das als Boxkampf-Parodie konzipiert war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Reality Radio&#8220;: Ein medienp\u00e4dagogisches Projekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Zur Sprache bringen\u2026&#8220;, eine O-Ton-Collage die einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen zeigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Se\u00f1ora Nada&#8220;, auch hier entzog sich A.J. Weigoni den Gattungszuschreibungen. Einerseits ist <em>Se\u00f1ora Nada <\/em>ein lyrisches Monodram, andererseits kommt es in der Regie von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/07\/gewahrte-erinnerung\/\">Ioona Rauschan<\/a> in der Form eines H\u00f6rspiel daher. Es lebt vor allem durch die Komposition von Tom T\u00e4ger und der Rezitation von Marina Rother.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wortspielhalle&#8220;, ein ein transmediales Projekt (mit Sophie Reyer).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_47037\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-image-47037 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"547\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1.jpeg 800w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-300x205.jpeg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/TomTa\u0308ger-1-768x525.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47037\" class=\"wp-caption-text\">Tonstudio an der Ruhr, historische Aufnahme \u2013 Das Urheberrecht f\u00fcr dieses Photo liegt Andreas Mangen.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einfluss des Radios f\u00fchrte dazu, dass Weigoni die Grenzen zwischen Literatur und Musik aufl\u00f6ste. In seiner langj\u00e4hrigen Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tom T\u00e4ger entstanden in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/05\/tonstudio-an-der-ruhr\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a> Werke, die atmosph\u00e4rische Klangwelten mit lyrischen Texten verschmolzen, oft in Cooperartion dem Label der <em>Edition Das Labor<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Radio erm\u00f6glicht eine stimmliche Praxis, die bei Weigoni zentral ist. Seine F\u00e4higkeit, Emotionen und Stimmungen ausschlie\u00dflich durch Stimme und Sprache zu vermitteln, hat sich tiefgreifend auf seine k\u00fcnstlerische Gestaltung ausgewirkt. Der \u00c4ther erlaubte es ihm, ohne die physische Pr\u00e4senz eines Publikums zu kommunizieren. Dadurch gewann er zahlreiche Zuh\u00f6rer, die seine Ansichten und Kunst sch\u00e4tzten, aber m\u00f6glicherweise nie seine Live-Auftritte besucht h\u00e4tten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Themen, die Weigoni behandelt, sind oft direkt von gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten beeinflusst, die im Radio leicht adressiert werden k\u00f6nnen. Themen wie Gesellschaftskritik, Identit\u00e4t und Wandlungen der Sprache finden im Radio einen optimalen Raum, da dieses Medium oft aktuell und zeitnah ist. Das Radio hat Weigoni auch die M\u00f6glichkeit gegeben, experimentelle Formen der Kunst und Rhetorik zu nutzen. Durch die Kombination von Sprache, Musik und Ger\u00e4uschen konnte er neue narrative Wege erkunden und seine Inhalte dynamischer gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Einfluss des Mediums Radio auf sein Werk war erheblich und durchdringend \u2013 es bildete einen zentralen Bestandteil seiner k\u00fcnstlerischen und p\u00e4dagogischen Aktivit\u00e4ten \u00fcber Jahrzehnte hinweg. Radio diente ihm nicht nur als Verbreitungsplattform, sondern als integraler Bestandteil seiner literarischen Experimente, bei denen er Sprache akustisch erkundete, Genres vermischte und medienkritische Reflexionen einflie\u00dfen lie\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das transmediale Projekt Wortspielhalle erhielt er gemeinsam mit Sophie Reyer den lime_lab. Dieses Labor ist ein tempor\u00e4res transdisziplin\u00e4res Labor zur Entwicklung experimenteller, medien\u00fcberschreitender H\u00f6rspiele und versteht sich als Experimentierraum f\u00fcr Sprache, Technik und Sound \u2013 mit dem Ziel, k\u00fcnstlerische M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die auditive Kunstproduktion auszuloten. Es unterst\u00fctzt Projekte, die neue Erz\u00e4hlformen im Sog des beschleunigten Medienwandels im Dialog mit anderen k\u00fcnstlerischen Genres suchen. Das Medium Radio war f\u00fcr A.J. Weigoni nicht nur ein Werkzeug zur Verbreitung seiner Texte, es hatte einen zentralen Einfluss auf seine k\u00fcnstlerische Entwicklung und thematische Ausrichtung. Es bot ihm die Plattform, um seine Stimme und Gedanken mit einer breiten Zuh\u00f6rerschaft zu teilen und seinen einzigartigen Stil weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zehn Jahren erschien: <strong>Wortspielhalle<\/strong>, eine Sprechpartitur von Sophie Reyer &amp; A.J. Weigoni, mit Inventionen von Peter Meilchen, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2014<\/p>\n<div id=\"attachment_98578\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-image-98578 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wortspielhalle_Cover-e1645551555962.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Ein Fr\u00fchlingel von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Die Sprechpartitur wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet. Einen Artikel zum Konzept von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophie_Reyer\">Sophie Reyer<\/a> und A.J. Weigoni lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">hier<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen sei auch\u00a0das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Reyer und Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/19\/hoeherwertige-konfiguration\/\">h\u00f6herwertige Konfiguration<\/a> entdeckt Constanze Schmidt in dieser Collaboration. Holger Benkel lauscht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/29\/zikaden-und-haeher\/\">Zikaden und H\u00e4her<\/a>n nach. <span data-offset-key=\"7ldlg-0-0\">Ein weiterer Blick beleuchtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> von Peter Meilchen. <\/span>Ein Essay fasst das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\"><em>transmediale Projekt <\/em><\/a><em>Wortspielhalle<\/em> zusammen<em>. <\/em>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Alle <em>LiteraturClips<\/em> dieses Projekts k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=124\">hier<\/a> abgerufen werden. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026 you&#8217;re gonna hear me on your radio\u201c Joe Jackson Das Medium Radio war f\u00fcr das Werk von A.J. Weigoni von zentraler, identit\u00e4tsstiftender Bedeutung und pr\u00e4gte sowohl seinen \u00e4sthetischen Ansatz als auch seine k\u00fcnstlerische Produktion ma\u00dfgeblich. Der \u00c4ther fungierte f\u00fcr&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/07\/13\/vom-radioempfaenger-zum-digital-audio-broadcasting\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":98578,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1152,36,1289,38,1151,394,35],"class_list":["post-36736","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-frank-michaelis","tag-ioona-rauschan","tag-kai-monnich","tag-marina-rother","tag-marion-haberstroh","tag-sophie-reyer","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36736"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":106971,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36736\/revisions\/106971"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98578"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}