{"id":36720,"date":"2024-03-12T00:01:57","date_gmt":"2024-03-11T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36720"},"modified":"2026-01-08T14:00:32","modified_gmt":"2026-01-08T13:00:32","slug":"ein-relais-zwischen-raeumen-zeiten-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/12\/ein-relais-zwischen-raeumen-zeiten-und-medien\/","title":{"rendered":"Ein Relais zwischen R\u00e4umen, Zeiten und Medien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das transmediale Format fordert sowohl K\u00fcnstler als auch Zuschauer heraus, konventionelle Denkweisen zu hinterfragen. Es erm\u00f6glicht eine Reflexion \u00fcber die Grenzen traditioneller Erz\u00e4hlstrukturen und f\u00f6rdert Innovation in der Kunst.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das literarische Projekt &#8222;Wortspielhalle&#8220; stellt eine faszinierende Zusammenarbeit zwischen der \u00f6sterreichischen Autorin und Komponistin Sophie Reyer und dem deutsch-ungarischen Schriftsteller und H\u00f6rspielmacher A. J. Weigoni dar. Erschienen 2014 als Buch mit beigef\u00fcgter CD in der Edition Das Labor (M\u00fclheim an der Ruhr), es handelt sich um eine Sprechpartitur, erg\u00e4nzt durch Inventionen des K\u00fcnstlers Peter Meilchen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Werk wurde mit dem F\u00f6rderpreis <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/02\/26\/lime_lab\/\">lime_lab<\/a> im Rahmen des steirischen herbst ausgezeichnet, der experimentelle, medien\u00fcberschreitende H\u00f6rspiele f\u00f6rdert. &#8222;Wortspielhalle&#8220; ist somit nicht nur ein gedrucktes Buch, sondern ein transmediales Experiment, das Sprache, Klang und Performance vereint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;Wortspielhalle&#8220; von Reyer und Weigoni stellt ein wegweisendes Experiment an der Schnittstelle von Literatur, Akustik und digitaler Vernetzung dar. In einer \u00c4ra, die zunehmend von \u201eberechnender bin\u00e4rer Intelligenz\u201c gepr\u00e4gt ist, setzen die Autoren der algorithmischen Vorhersehbarkeit eine radikale, spielerische Sprachkunst entgegen. Zentrales Element ist die Auseinandersetzung mit der Bi-Textualit\u00e4t und dem Einfluss k\u00fcnstlicher Intelligenz auf unser Denken. Reyer und Weigoni nutzen das \u00b4Wortspiel` nicht als blo\u00dfen Kalauer, sondern als Methode, um die festgefahrenen Strukturen der Sprache aufzubrechen. Es geht darum, die \u201eDialektik der Aufzehrung\u201c \u2013 den Verlust von Bedeutungstiefe in der digitalen Kommunikation \u2013 durch poetische Verdichtung zu kontern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sophie Reyer, geboren 1984 in Wien, ist eine vielseitige K\u00fcnstlerin: Sie schreibt Prosa, Lyrik, Theaterst\u00fccke und Libretti, komponiert elektronische Musik und tritt als Soundpoetin auf. Ihre Arbeiten \u00fcberschreiten oft Genregrenzen und integrieren visuelle sowie akustische Elemente.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J.Weigoni (1958\u20132021), geboren in Budapest und sp\u00e4ter in D\u00fcsseldorf ans\u00e4ssig, war ein experimenteller Lyriker, Prosaist und H\u00f6rspielautor. Bekannt f\u00fcr seine Arbeit mit Sprache als akustischem Material, produzierte er zahlreiche H\u00f6rspiele und Performances. Beide K\u00fcnstler teilen eine Affinit\u00e4t zur Heterophonie \u2013 der Vielstimmigkeit \u2013 und zur Dekonstruktion traditioneller Formen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Sprechpartitur ist das Buch explizit f\u00fcr die performative Umsetzung konzipiert. Die Texte sind nicht nur zum Lesen, sondern zum Vorlesen, Sprechen und H\u00f6ren gedacht. Die beigef\u00fcgte CD enth\u00e4lt Aufnahmen enth\u00e4lt Aufnahmen aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/05\/tonstudio-an-der-ruhr\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a>, die die akustische Dimension unterstreichen. Peter Meilchens <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> \u2013 visuelle Elemente \u2013 erg\u00e4nzen das Ganze zu einem multimedialen Ensemble. Das Projekt positioniert sich als Gegenprogramm zur Banalit\u00e4t des Alltags. In Zeiten digitaler Kommunikation und k\u00fcnstlicher Intelligenz betont es die \u201eheterophone Stimmgewalt\u201c der menschlichen Sprache \u2013 ihre Vielstimmigkeit und Innovationskraft. Wie bei einem H\u00f6rspiel gelten Regeln, die neu erfunden werden m\u00fcssen. Sprache wird hier als Material behandelt, das geschnitzt, gest\u00f6pselt und performt wird, um Intuition und Konstruktion in Balance zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;Wortspielhalle&#8220; ist ein Paradebeispiel f\u00fcr transmediale Literatur im 21. Jahrhundert. Sie \u00fcberschreitet die Grenzen des Buches, indem es Text, Klang, Performance und visuelle Kunst verkn\u00fcpft. In einer Epoche, in der Literatur zunehmend digital und interaktiv wird, erinnert das Projekt an die urspr\u00fcngliche Verbindung von Lyrik und Musik \u2013 von der antiken Leier bis zur modernen Soundpoesie. Diese Poesie widersteht der Standardisierung und feiert die Freiheit der Sprache als Tochter der Freiheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Werk wurde nicht nur preisgekr\u00f6nt, sondern auch in Ausstellungen pr\u00e4sentiert (z. B. anl\u00e4sslich \u201e<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/01\/50-jahre-krumscheid-meilchen-der-bogen\/\">50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/a>\u201c im Kunstverein Linz) und in Plattformen wie KUNO oder MetaPhon weiterverbreitet. Ausz\u00fcge sind als LiteraturClips und Audioaufnahmen verf\u00fcgbar, was die performative Natur unterstreicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Mixed-Media-Projekt demonstrierte es fr\u00fchzeitig, wie eine \u201eStoryworld\u201c \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le hinweg konsistent gestaltet werden kann. Jedes Medium erf\u00fcllt dabei eine eigene Funktion. Die beiliegende CD zur Erweiterung der Texte in den akustischen Raum. Dieser Ansatz inspirierte nachfolgende Projekte dazu, den Vorteil jedes Mediums (Video, Audio, Foto, interaktive Elemente) optimal zu nutzen, statt Inhalte nur zu kopieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die &#8222;Wortspielhalle&#8220; ist ein Manifest f\u00fcr die Freiheit des Wortes. In einer Welt, in der Algorithmen bestimmen, was wir lesen und wie wir kommunizieren, schaffen Reyer und Weigoni einen autonomen Raum \u2013 eine \u201eHalle\u201c, in der Sprache wieder unberechenbar, klangvoll und menschlich sein darf. Zehn Jahre nach seiner Ver\u00f6ffentlichung bleibt die &#8222;Wortspielhalle&#8220; ein inspirierendes Beispiel f\u00fcr kollaborative, experimentelle Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Zeit, in der Sprache oft reduziert und algorithmisch vereinfacht wird, mahnt das Projekt: Die wahre Kraft der Worte liegt in ihrer Vielstimmigkeit und ihrem Spiel. Sophie Reyer und A. J. Weigoni haben mit &#8222;Wortspielhalle&#8220; einen Raum geschaffen, der einl\u00e4dt, hineinzutreten und mitzuspielen. Es zeigt, wie Literatur durch Klang und Spiel vitalisiert werden kann \u2013 eine Halle, in der Worte nicht verstummen, sondern nachhallen und neue R\u00e4ume er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor zehn Jahren erschien: <strong>Wortspielhalle<\/strong>, eine Sprechpartitur von Sophie Reyer &amp; A.J. Weigoni, mit Inventionen von Peter Meilchen, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2014<\/p>\n<div id=\"attachment_98578\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-image-98578 size-full\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Wortspielhalle_Cover-e1645551555962.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98578\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Fr\u00fchlingel von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Die Sprechpartitur wurde mit dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22035\">lime_lab<\/a> ausgezeichnet. Einen Artikel zum Konzept von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophie_Reyer\">Sophie Reyer<\/a> und A.J. Weigoni lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19038\">hier<\/a>. Vertiefend zur Lekt\u00fcre empfohlen sei auch\u00a0das Kollegengespr\u00e4ch\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\">:2= Verweisungszeichen zur Twitteratur<\/a>\u00a0von Reyer und Weigoni zum Projekt\u00a0<em>Wortspielhalle<\/em>. Eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/19\/hoeherwertige-konfiguration\/\">h\u00f6herwertige Konfiguration<\/a> entdeckt Constanze Schmidt in dieser Collaboration. Holger Benkel lauscht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/29\/zikaden-und-haeher\/\">Zikaden und H\u00e4her<\/a>n nach. <span data-offset-key=\"7ldlg-0-0\">Ein weiterer Blick beleuchtet die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/20\/erkenntnisinstrument\/\">Inventionen<\/a> von Peter Meilchen. <\/span>Ein Essay fasst das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/04\/14\/bi-textualitaet\/\"><em>transmediale Projekt <\/em><\/a><em>Wortspielhalle<\/em> zusammen<em>. <\/em>Ein Portr\u00e4t von Sophie Reyer findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18115\">hier<\/a>. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>. Alle <em>LiteraturClips<\/em> dieses Projekts k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?author=124\">hier<\/a> abgerufen werden. H\u00f6ren kann man einen Auszug aus der <em>Wortspielhalle<\/em> in der Reihe <a href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/wortspielhalle.htm\">MetaPhon<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das transmediale Format fordert sowohl K\u00fcnstler als auch Zuschauer heraus, konventionelle Denkweisen zu hinterfragen. Es erm\u00f6glicht eine Reflexion \u00fcber die Grenzen traditioneller Erz\u00e4hlstrukturen und f\u00f6rdert Innovation in der Kunst. 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