{"id":35473,"date":"2012-11-16T00:01:00","date_gmt":"2012-11-15T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=35473"},"modified":"2021-10-27T08:48:39","modified_gmt":"2021-10-27T06:48:39","slug":"die-totengeister-des-digitalen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/16\/die-totengeister-des-digitalen\/","title":{"rendered":"Die Totengeister des Digitalen"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Freiheit ist keine App aus dem World Wide Web<\/span><\/em><\/p>\n<p class=\"paragraph\" style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Die \u00c4rzte<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Gespenst geht um im Internet, das Gespinst der Vernetzung. Nurmal kurz angenommen, das Internet w\u00e4re ein reales Abbild der Geistesverfa\u00dfung, dann fehlt den Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor allem: Ein Bewu\u00dftsein f\u00fcr die Realit\u00e4t. Mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\"><em>Cyberspasz, a real virtuality<\/em><\/a> dekodiert A.J. Weigoni die Postmoderne: Wo sie <em>post<\/em> ist und er geschichtliche, ideologische Differenzen hinter sich l\u00e4\u00dft. Und wo sie <em>modern<\/em> ist, will sagen, mit einem Schu\u00df Utopie ausgestattet ist. Dieser Romancier betritt die Grauzone zwischen realit\u00e4tstr\u00e4chtiger Fiktion und fiktional zuger\u00fcsteter Realit\u00e4t, seine Novellen schildern das Leben des Robo Sapiens. sind eine gleicherma\u00dfen halluzinatorische wie hellsichtige Bestandsaufnahme einer sich unaufhaltsam ver\u00e4ndernden Realit\u00e4t \u2013 und unserer Hilflosigkeit bei dem Versuch, mit diesen Ver\u00e4nderungen Schritt zu halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst wenn uns die Computerprogramme das Denken abnehmen, erscheinen Zweifel angebracht. Kreativit\u00e4t, Innovation und k\u00fcnstlerische Sch\u00f6pfung ist nur im Kontext des brillanten Individuums denkbar, das durch den \u201cdigitalen Maoismus\u201d, wie ihn das Internet hervorbringt. Hieraus leitet sich f\u00fcr Jaron Lanier ein weiterer Kritikpunkt ab: Freie und OpenSource\u2013Software habe auch versagt, weil sie einigen wenigen Firmen erm\u00f6glicht habe, gro\u00dfe, zentralisierte Dienste und Datenbanken zu entwickeln, um im Folgenden von der Verarbeitung und Ausbeutung der Nutzerdaten zu profitieren. <em>In Cyberspasz<\/em>, spielt Weigoni die Wirksamkeit der Asimov\u2019schen Gesetze der Robotik durch und der Leser erkennt, da\u00df der Sprung der k\u00fcnstlichen Intelligenz zum Bewu\u00dftsein und damit zum Verlangen nach Selbstbestimmung unabwendbar ist. Wie bereits in den Erz\u00e4hlungen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\">Zombies<\/a> eingeleitet, beschreibt nur au\u00dferordentlich klarsichtig das m\u00f6gliche Ende einer Gesellschaft, so wie wir sie kannten. In seinen Erz\u00e4hlungen geht es immer wieder um den Wert der Freiheit des Einzelnen, um Ausbeutung, um Individualismus und Selbstbestimmung in Systemen, religi\u00f6sen wie politischen, die auf Gleichschaltung ausgelegt sind. Weigonis verkn\u00fcpfte Prosa ist zugleich eine Erz\u00e4hlung \u00fcber die Niederlage des Einzelnen in seinem Aufbegehren gegen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, dabei steht das heroische und autonome Individuum im Zentrum vieler popul\u00e4rkultureller Selbstbeschreibungen der europ\u00e4ischen Gesellschaft. Im Gegensatz zu dieser Narration verweist <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\"><em>Cyberspasz<\/em><\/a> auf die Unm\u00f6glichkeit autonomer Handlungen im gesellschaftlichen Gef\u00fcge. Es ist ein best\u00e4ndiges Rauschen von Stimmen in der Prosa von Weigoni, der mit liebensw\u00fcrdigen Einf\u00e4llen bezaubert und mit seinem Sprachwitz \u00fcberzeugt. Ein Finder und Erfinder von Geschichten, in der gro\u00dfen wie der kleinen Form.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine neue Generation von Searchbots steht an, intelligente Agenten, die Verhaltensmuster in den Aktionen der Benutzer beobachten und auswerten; sie programmieren sich selbst. Je h\u00e4ufiger der Anwender ein lernf\u00e4higes Bot benutzt, desto besser kann der digitale Diener auf die Gewohnheiten und W\u00fcnsche seines Herrn eingehen. Dem Leser wird eine ganze Bandbreite der M\u00f6glichkeiten geboten, die naturgem\u00e4\u00df zahlreiche Gelegenheiten zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine bereitstellt. Das \u201edigitale Panoptikum\u201c kennt nicht nur unsere \u00e4u\u00dferen Lebensumst\u00e4nde, sondern kann direkt in unsere Seele blicken. Der Emanzipationsgedanke f\u00fcr die Maschine ist umso aktueller, als eine Position um den Hirnforscher Wolf Singer erahnen l\u00e4\u00dft, wie weit in dessen Vorstellungen der Mensch vornehmlich nach mechanischen Kriterien funktioniert und demzufolge als willensunfreie Maschine konditioniert ist. Prekarier aller L\u00e4nder \u2013 verkabelt Euch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">* * *<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Cyberspasz, a real virtuality<\/strong>, Novellen von A. J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2012.<\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermonatge: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">KUNO \u00fcbernimmt Artikel von Jo Wei\u00df aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/10\/05\/turbokapitalistischer-realismus\/\">Kultura-extra<\/a>, von Karl Feldkamp aus <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/08\/09\/alles-klappt-in-ihrem-leben-doch-nichts-gluckt\/\">Neue Rheinische Zeitung<\/a> und von <span class=\"vcard author\"><span class=\"fn\">Christine Kappe<\/span><\/span> <span data-offset-key=\"cphj4-0-0\">aus der vom Netz gegangenen<\/span> <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/01\/ein-buch-ist-eine-stadt-2\/\">fixpoetry<\/a>. Betty Davis sieht in <em>Cyberspasz<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/12\/26\/eine-ebenso-poetische-wie-praezise-geschichtsprosa\/\">pr\u00e4zise Geschichtsprosa<\/a>. Margaretha Schnarhelt erkennt in der <em>real virtuality<\/em> eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/30\/cyberzomb\/\">hybride Prosa<\/a>. Enrik Lauer deutet diese Novellen als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/09\/01\/der-cyberspace-als-wille-und-vorstellung\/\">Schopenhauer<\/a>s Nachwirken im Internet. In einem Essay betreibt KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/16\/dystopische-zukunftsforschung\/\">dystopische Zukunftsforschung<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit ist keine App aus dem World Wide Web Die \u00c4rzte Ein Gespenst geht um im Internet, das Gespinst der Vernetzung. Nurmal kurz angenommen, das Internet w\u00e4re ein reales Abbild der Geistesverfa\u00dfung, dann fehlt den Menschen zu Beginn des 21.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/16\/die-totengeister-des-digitalen\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":44223,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-35473","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35473\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}