{"id":3506,"date":"2006-01-13T00:01:58","date_gmt":"2006-01-12T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3506"},"modified":"2024-08-16T12:55:14","modified_gmt":"2024-08-16T10:55:14","slug":"unschuldszustand","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/01\/13\/unschuldszustand\/","title":{"rendered":"Unschuldszustand"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wie ein Roadmovie beginnt, endet f\u00fcr Richard und Gloria bereits nach einem Kapitel in einem einsamen Haus auf dem Land. Nicht nur die Geschichte ist rasant, auch die Sprache h\u00e4lt sich nicht mit \u00fcberfl\u00fc\u00dfigen semantischen Verzierungen auf. In besagtem Landhaus treffen die Fl\u00fcchtigen auf ihr Spiegelbild, die Geschwister Clarissa und Phillip. Im Sog dieser hypnotischen Prosa entwickelt sich zwischen den Wahlverwandten ein Kammerspiel. Patricia Brooks zeigt die r\u00e4umliche Enge, die stickige Luft des Lebendig-Eingemauert-Seins. Zu der Charakteristik eines literarischen Tabus z\u00e4hlt die aktive Einhegung des Themas, hier wird sie forciert betrieben. Wie in allen ihren B\u00fcchern ist auch hier nicht nur der Plot, sondern auch das Lesen selber ein Abenteuer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unl\u00e4ngst verk\u00fcndete die sogenannte Pop-Literatur das gesellschaftliche Ende von Schuld und Scham, damit solle dann auch das Gr\u00fcbeln als Ursprungsgestus des Erz\u00e4hlens zugunsten eines lockeren Plaudertons \u00fcberwunden werden. Dieser fr\u00f6hliche Unschuldszustand ist freilich nicht jeder Autorin verg\u00f6nnt, die heute schreibt; besonders dann nicht, wenn ihn biografische Umst\u00e4nde fast zwangsl\u00e4ufig vor die alten Fragen nach Sinn und Gerechtigkeit zitieren. Diese Typen leidet an den Schuldgef\u00fchlen der \u00dcberlebenden, derer, die immer nur zugeschaut haben. Patricia Brooks l\u00e4\u00dft in ihrem <em>Garten der Geschwister<\/em> ganz eigene Blumen des B\u00f6sen wachsen, bis diese Schlingpflanzen unentwirrbar ineinander verwachsen sind. Ihr Roman ist ein atemberaubender Text \u00fcber das Befangensein in alten Strukturen, auf der T\u00e4ter\u2013 und auf der Opferseite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><b>Garten der Geschwister.<\/b> Roman<b> <\/b>von Patricia Brooks, Molden 2006<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3547\" title=\"bild\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild-192x300.jpg\" alt=\"\" width=\"192\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild-192x300.jpg 192w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/bild.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40451\">Portr\u00e4t<\/a> der Autorin. Ein Kollegengespr\u00e4ch mit Patricia Brooks finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36771\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Was wie ein Roadmovie beginnt, endet f\u00fcr Richard und Gloria bereits nach einem Kapitel in einem einsamen Haus auf dem Land. Nicht nur die Geschichte ist rasant, auch die Sprache h\u00e4lt sich nicht mit \u00fcberfl\u00fc\u00dfigen semantischen Verzierungen auf. 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