{"id":34569,"date":"2021-12-10T00:01:48","date_gmt":"2021-12-09T23:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34569"},"modified":"2022-02-19T17:56:56","modified_gmt":"2022-02-19T16:56:56","slug":"leben-n-werk","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/10\/leben-n-werk\/","title":{"rendered":"Leben&#8217;n&#8217;Werk, eine Verlustanzeige"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Auch ich werde sterben, und meine Werke werden verschwinden; es hat sich gelohnt, sie zu schaffen, aber es ist \u00fcberfl\u00fcssig, sich ihretwegen Sorgen zu machen. Sie leben ihr eigenartiges Leben, wie und solange sie es k\u00f6nnen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Imre Kert\u00e9sz<\/span><\/p>\n<div style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=34569&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AJ54-e1522578589501.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AJ54-e1522578589501.jpg 3024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AJ54-e1522578589501-225x300.jpg 225w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/AJ54-e1522578589501-768x1024.jpg 768w\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Selbstironie pur, der rheinische Ungar A.J. Weigoni im Trikot von Helmut Rahn &#8211; Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni gab der Lyrik das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\"><span style=\"color: #ff0000;\">Sprechen<\/span><\/a> zur\u00fcck, ihre Entschiedenheit und Sch\u00e4rfe, ihren Charme und Witz. Er war kein dichtender Denker, sondern ein nachdenklicher Dichter. Ihn hat nicht die Philosophie interessiert, wohl aber die sparten\u00fcbergreifende Zusammenarbeit mit K\u00fcnstlern wie <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Tom T\u00e4ger<\/a><\/span>, <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=208\">Peter Meilchen<\/a><\/span> und <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12766\">Haimo Hieronymus<\/a><\/span> fasziniert. Diese Artisten arbeiteten mehrperspektivisch und interdisziplin\u00e4r, sie betrieben mit der Literatur, assistiert von den Schauspielern <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14028\">Marion Haberstroh<\/a><\/span> und <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25412\">Kai M\u00f6nnich<\/a><\/span>, eine multimediale <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/vordenker.de\/metaphon.htm\">H\u00f6rspielerei<\/a><\/span> zwischen Performance, Theater und Lesung, und setzen Elemente der Minimalmusik ebenso ein, wie die des Jazz. Wie man einem <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a><\/span> entnehmen kann, hat eine fr\u00fche Erfahrung den Lyriker Weigoni &#8211; im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; <em>gepr\u00e4gt<\/em>, sein erstes taugliches Gedicht hat er mit beweglichen Lettern in einer Druckerei selbst gesetzt und gedruckt. Er kam sp\u00e4ter darauf zur\u00fcck. Bei der k\u00fcnstlerischen Gestaltung des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/10\/das-lyrische-gesamtwerk-fini\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Lyrik-Schubers<\/span><\/a> waren <em>Gebrauchsspuren<\/em> geradezu Voraussetzung. Man kann den Auftrag der Farbe auf dem jeweiligen Cover haptisch nachvollziehen, der Schuber selber ist genietet. Und es gibt keinen Grund diese Handarbeit zu verstecken, die Aura des Handgemachten pa\u00dft zum Genre der Lyrik wie ein Handschuh.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Die Zeit wird erlebt wie etwas, das man ausscheidet.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Michel Butor<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_53963\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-image-53963 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-187x300.jpeg 187w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-560x899.jpeg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-260x417.jpeg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover-160x257.jpeg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Gedichte_Cover.jpeg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-53963\" class=\"wp-caption-text\">Coverphoto: Leonard Billeke<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Herkunft bestimmt nicht unweigerlich die Zukunft. Weigoni kam nicht nur aus einfachen Verh\u00e4ltnissen, er verf\u00fcgte \u00fcber die Gnade der Geburt, ein waschechtes Proletarierkind zu sein. Seine Seele hat diese Herkunftsscham nie ganz \u00fcberwunden und er litt bis zum Ende daran. \u201eDer Habitus pr\u00e4zisiert die Herkunft\u201c, schrieb Pierre Bourdieu. Schreiben war f\u00fcr diesen Romancier eine Haltung zur Welt. Das \u00dcberschreitungsmoment trieb ihn an, er wurde hinausgetrieben \u00fcber die Grenzen seines Ichs in Regionen, die ihm unbekannt waren und in denen er sich transzendieren konnte. Schreiben hatte f\u00fcr ihn mit einem Erkenntnisvorgang zu tun, mit einem Versuch, Welt zu versprachlichen, die ihm davor stumm und r\u00e4tselhaft war. In seinem Werk verdichten sich Erfahrungen, die auf Umbr\u00fcche der Zeit zwischen dem Untergang der alten BRD und den Beginn der Globalsierung verweisen: der Zerfall \u00f6konomischer Sicherheiten, die Erosion der Familie, die schroffe Entwertung tradierter Geschlechterrollen. Die Sprache spielt f\u00fcr ihn eine gro\u00dfe Rolle dabei, Herrschaftsverh\u00e4ltnisse zu entlarven. Er hat von sich selbst nie viel Aufhebens gemacht, kaum gibt es einen <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Lyriker<\/a><\/span>, der so selten Ich sagt. Es war eine frei gew\u00e4hlte Aussenseiterposition, Weigoni war ein Geheimtipp und erfolglos im Sinne von nicht popul\u00e4r.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Die Fiktion ist an Plausibilit\u00e4t gebunden, die Wirklichkeit nicht.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Emmanuel Carr\u00e8re<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine K\u00fcnstlerbiographie ist selten eine gelungene Geschichte. Hier wird ein Schriftstellerleben gew\u00fcrdigt, das in sch\u00f6nster Eigensinnigkeit und jenseits literarischer Moden voran geschritten ist. KUNO erinnert an eine k\u00fcnstlerische Autonomwerdung, die aus einer Kultur des \u00dcberlebens sch\u00f6pfen mu\u00dfte. Nach einen Autounfall durch eine Nahtoderfahrung in den 1970-er Jahren auch durch \u00e4u\u00dferliche Narben gepr\u00e4gt, thematisierte Weigoni seine eigene Begrenztheit, sein Zusammentreffen mit der eigenen Verg\u00e4nglichkeit, mit seinem Tod. Pointiert lie\u00dfe sich formulieren, da\u00df Weigoni mit allen seinen B\u00fcchern und H\u00f6rb\u00fcchern an einem einzigen gro\u00dfen Text schrieb. Seit 1975 erkundete er als Arch\u00e4ologe des modernen Bewu\u00dftseins in Gedichten, H\u00f6rspielen, Erz\u00e4hlungen und Romanen die psychischen Deformationen der Unterprivilegierten und zeigte die Hilflosigkeit randst\u00e4ndiger Figuren vor der Wirklichkeit. Seine Gedichte, H\u00f6rspiele und Prosa standen quer zum herrschenden Literatur-Betrieb und zu \u00fcberkommenen Sichtweisen. So konstituiert sich aus dem Mosaik seiner Texte eine Gegengeschichte des Rheinlands, eine literarische Geschichtsschreibung von unten. Die Literaturb\u00fcrokraten haben lange nicht wahrhaben, da\u00df dieser Schriftsteller mit seiner Art, die Sprache aufs Genaueste zu vermessen, nicht nur ein kritischer Begleiter der Moderne, sondern auch ein Sprachakrobat sonder Gleichen war. Weigoni geh\u00f6rte zu den Menschen, die sich gefunden und in ihrem Anderssein akzeptiert haben und daraus sch\u00f6pfen konnten. Dieser Homme des lettres bezeichnete sich selbstironisch gern als ein sp\u00e4tes &#8222;Resultat der Massenalphabetisierung&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Als k\u00f6nnte man die Zeit totschlagen, ohne die Ewigkeit zu verletzen.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Henry David Thoreau<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In jeder Biographie gibt es Br\u00fcche. Im Oktober 2007 setzten Dachdecker bei Schwei\u00dfarbeiten den Dachstuhl \u00fcber seiner Wohnung in Brand. Das Feuer griff auf seine Wohnung \u00fcber. Was die Flammen nicht vernichteten, wurde von den C-Strahl-Rohren der Feuerwehr unbrauchbar gemacht. Auf einen Schlag waren seine Bibliothek mitsamt Recherchematerial vernichtet. Er hat versucht seine eigenen Erlebnisse literarisch zu verarbeiten, diese Versuche sind gescheitert. Schreiben bedeutet Entbehrungen, f\u00fcr eine Weile gl\u00e4nzte Weigoni mit gesch\u00e4ftssch\u00e4digender Zur\u00fcckhaltung. Er mu\u00dfte lernen, bei Null anzufangen, nicht von eigener Erfahrung oder einer Recherche auszugehen, sondern buchst\u00e4blich mit nichts zu beginnen und zu begreifen, da\u00df das Schreiben f\u00fcr ihn ein Akt des Zuh\u00f6rens ist. Zuh\u00f6ren erfordert enorme Konzentration und sie fordert das, was Meister Eckhart als <em>Abgeschiedenheit<\/em> bezeichnet hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Leben heisst &#8211; dunkler Gewalten \/ Spuk bek\u00e4mpfen in sich. \/ Dichten\u2013 Gerichtstag halten \/ \u00dcber sein eignes Ich.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Henrik Ibsen<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_47142\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-image-47142 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-caption-text\">Titelmotiv: Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die im Alltag kaum noch wahrgenommenen Dinge vermochte Weigoni so darzustellen, da\u00df man sie wie zum ersten Mal betrachten konnte. Nicht nur der Inhalte und die Strukturen dieser Novelle sind durch Pr\u00e4zision und Gewissenhaftigkeit gekennzeichnet, sondern jeder einzelne Satz. Mit den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12899\"><em>Vignet<\/em><em>ten<\/em><\/a><\/span> definierte Weigoni im Alleingang eine Literaturgattung neu. Er praktizierte damit mehr als das Schreiben, diese Novelle ist ein Sich-Einschreiben in die Welt. Er hat eine Prosa geschrieben, der das Unaussprechliche in Worte verpackt. Mit seinem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen schafft er es, die Trauer, Depression und Schuldgef\u00fchle einer sonst so strukturierten und starken Frau zu beschreiben, der von heute auf morgen der Boden unter den F\u00fcssen weggezogen wird. Die verschiedenen Blickwinkel dieser Novelle zeigen die Vielschichtigkeit der Themen Tod sowie Trauer auf und Weigoni schlu\u00dffolgert, da\u00df nicht, wie leichtfertig behauptet, geteiltes Leid halbes Leid darstellt, er betrachtet die Dunkelheit und Trostlosigkeit der Welt immer aus den Kammern seines Herzens heraus. In diesem 64-seitigen Band funkelt die fabulatorische Lust des Schriftstellers in Prosa auf, zugleicht zeigt sich hier der letzte Romancier des skeptischen Weltb\u00fcrgertums. Diese Novelle war mehr als ein Vorspiel, sie war eine klug konzipierte Hinf\u00fchrung zu den l\u00e4ngeren Erz\u00e4hlstrecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Morgen entschwindet mit schimmerndem Fl\u00fcgel \/ Wieder wie gestern und heute die Zeit.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Franz Schubert<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_44223\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-image-44223 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz-194x300.jpeg 194w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Cyberspasz.jpeg 657w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 100vw, 194px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-44223\" class=\"wp-caption-text\">Covermontage: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das mittlere Prosawerk ist als &#8218;Konzeptalbum&#8216; bezeichnet worden. Die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Zombies<\/span><\/em><\/a> sind das Produkt eines literarischen Experiments. Untote als Metapher des verdr\u00e4ngten B\u00f6sen im Menschen sind nur der Anfang im narrativen Muster des Autors der sich mit <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Cyberspasz<\/span><\/em><\/a> schl\u00fc\u00dfig fortsetzt. Die Vermessung der menschlichen Abgr\u00fcnde werden zur Grundfrage des narrativen Gesamtwerkes. Diese Erz\u00e4hlungen, Novellen und Romane sind in einem sehr klassischen Sinn prall gef\u00fcllt mit Lebensinhalt. Weigonis schriftstellerisches Lebensprojekt zielte auf die Errichtung eines Gesamtwerks, dessen einzelne Texte nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern eine organische Einheit bilden, er betreibt keine blutleeren Studien, sondern liefert Geschichten mit einem Matrjoschka-Charakter, in virtuos ineinander verschachtelten, zwischen historischen Ereignissen springenden Erz\u00e4hlp\u00e4ckchen f\u00fchrte dieser Romancier s\u00e4mtliche Schicksale und Handlungsstr\u00e4nge weiter aus. Es ist ein Oszillieren zwischen Hoch und Tief, zwischen Ironie und Ausnahmezustand. Die Lekt\u00fcre ist ein Parforceritt, der die Gattung wie den denkenden Leser zu neuen Ufern f\u00fchren will, es geht um die Beschreibung post-humaner Lebensformen, um die Fantasie im Dienste einer vision\u00e4ren Zukunftsvorstellung, die in den Gegebenheiten des Hier und Jetzt wurzelt. Ihre volle Wirkung entfalten die Texte in rhizomatischer Narrativik, soda\u00df man von einer gut durchstrukturierten Gesamtkomposition sprechen kann. Der Feingehalt an Surrealem, das als Spurenelement jeder einzelnen Erz\u00e4hlungen der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=52\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Zombies<\/span>\u00a0<\/em><\/a>innewohnt\u00a0steigt\u00a0in <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=229\"><em><span style=\"color: #ff0000;\">Cyberspasz <\/span><\/em><\/a>zu beachtlicher Konzentration an. Es ist eine schonungslose Hingabe ans Erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Ich habe mich zwischen zwei Jahrhunderten befunden wie am Zusammenfluss zweier Fl\u00fc\u00dfe. Ich habe mich in ihre rei\u00dfenden Wasser geworfen und mich mit Bedauern vom alten Ufer entfernt, an dem ich geboren wurde, bin aber mit grosser Hoffnung auf das unbekannte neue Ufer zugeschwommen.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Fran\u00e7ois-Ren\u00e9 de Chateaubriand<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_50088\" style=\"width: 204px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammelgebiet_Cover-1-e1523975024523.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-50088\" class=\"wp-image-50088 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Sammelgebiet_Cover-1-194x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"194\" height=\"300\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-50088\" class=\"wp-caption-text\">Sondermarke zum 20. Jahrestag der DDR, abgestempelt am 9. November 1989<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Prosa bildet das Leben nicht nur ab, sie wird selbst zu verschriftlichtem Leben, indem sie die Realit\u00e4t in eine konsistente \u00e4sthetische Form \u00fcberf\u00fchrt und damit aus den zeitlichen, k\u00f6rperlichen, sozialen oder politischen Determinierungen l\u00f6st. In seinem ersten Roman <em>Abgeschlossenes Sammelgebiet<\/em> stellt Weigoni die Welt auf die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/11\/09\/jahrestag-des-mauerfalls\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Verg\u00e4nglichkeitsprobe<\/span><\/a>. Zwischen November 1989 und M\u00e4rz 1990 komprimiert sich deutsche Geschichte unter dem Druck der Ereignisse. Das Rheinland wird zum Showroom globaler Zusammenh\u00e4nge. Die Inhumanit\u00e4t eines Zeitalters ist integrales Element einer Kunst, die dagegen ihre humanen Gegenkr\u00e4fte aufbietet. Weigoni vergegenw\u00e4rtigt diese Ph\u00e4nomene bis an die Schwelle unserer Gegenwart. Die Gattung des historischen Dramas wird auf seinen <em>historischen<\/em> Hintergrund hin ausgeleuchtet. Er richtet auf die <em>Wandlungen<\/em> der Protagonisten, die er als Analogon zum \u201e<em>Wandel<\/em> in Geschichte und Gesellschaft\u201c begreift, wie er durch die 1989-Revolution ausgel\u00f6st. Immanuel Kant hatte als \u201eWiderstandsrecht\u201c gegen staatliche Herrschaft nur die \u201eFreiheit der Feder\u201c, nicht aber die physische und bewaffnete Gewalt gutgeheissen, eine \u00dcberzeugung, die der Kriegsdienstverweigerer Weigoni mit ihm teilt. Die Tyrannei der Fremdbestimmung ruft das Widerstandsrecht &#8211; und damit die friedliche Revolution auf den Plan. Der Sprache kommt vor allem der Bewu\u00dftseinswandel zu, den Weigoni als einen Erkenntnisproze\u00df verstand. Die doppelte Optik der zeitlichen Bez\u00fcge, also die Spiegelung der Gegenwart im Gewand historischen Geschehens, wird auf R\u00fcgen anschaulich. In diesem Roman bringt er fiktive Realit\u00e4t und reale Fiktion in immer neuen Mischungsverh\u00e4ltnissen zum erz\u00e4hlerischen Siedepunkt, indem er die Spirale immer weiterdreht, dem Realismus immer neue ironische Dimensionen abringt. Literatur wird zu einem Passierschein in eine M\u00f6glichkeitswelt. Auf einer Metaebene ist es eine analytische Erz\u00e4hlung des unwahrscheinlichen Jahres in der Bundesrepublik. Dieser Roman ist die Geschichte einer Erl\u00f6sung durch das Erz\u00e4hlen. Prosa wie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=24403\"><span style=\"color: #ff0000;\">Abgeschlossenes Sammelgebiet<\/span><\/a> kann man wom\u00f6glich nur eingeschr\u00e4nkt mit Befriedigung lesen, man sollte ihn geniessen, die Heftigkeiten des Texts ertragen, man muss sich ihren Besonderheiten ausliefern, ihre Bewegungen mitvollziehen, zur Not der inneren Weigerung zum Trotz. Der Ri\u00df durch die Gesellschaft und in den zwischenmenschlichen Beziehungen wird in dieser Prosa deutlich. Es sind Figuren, die von der Norm abweichen ihre Identit\u00e4t beruht auf ihrem Dialekt. Es war seine Lust, die Paradoxien des Daseins durchzuspielen und dabei jede Art von Gewissheit zu pulverisieren: Wir sind, was uns unterl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Deutschland soll umerzogen werden zur Demokratie. Wann h\u00e4tte je Erziehung ein gew\u00fcnschtes Resultat gehabt?<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Irmgard Keun<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch sein zweiter Roman <em>Lokalhelden<\/em> l\u00e4\u00dft sich als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34388\"><span style=\"color: #ff0000;\">Heimatroman<\/span><\/a> deuten. Das Rheinland ist eine Erz\u00e4hlung, in der die unterschiedlichsten, teilweise auf unertr\u00e4gliche Weise idiosynkratischen Menschen ihren Platz haben und die dennoch als Ganzes funktioniert. Diese fortschreitende Zerfaserung der Plausibilit\u00e4t vermag Weigoni mittels mikroskopisch genauer Schilderung der Lebenswirklichkeit der Reinl\u00e4nder auszugleichen. Wir lesen eine Vivisektion des Rheinlands und seiner Bewohner, diese Region ist ein Soziotop in grundzuversichtlicher Buntheit, es bedarf Mut, sich hier auf das Abstrakte, Unwahrscheinliche und Ungef\u00e4llige einzulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #999999;\">Stets ist das Rheinland gr\u00f6\u00dfer als die eigene, begrenzte Perspektive.<\/span><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_49946\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-49946\" class=\"wp-image-49946 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie-210x300.jpg 210w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie-768x1098.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie-717x1024.jpg 717w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/CoverLokalhelden-Kopie.jpg 832w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-49946\" class=\"wp-caption-text\">Covermotiv: Jo Lurk<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Roman <em>Lokalhelden<\/em> ist Spiel mit Fakt, Fiktion und Weltverbesserungsleidenschaft, es geht &#8211; analog zur Wirklichkeit &#8211; auch um ein Scheitern des Erz\u00e4hlens von Menschen, die in die Wirklichkeit hineingescheitert sind. Die Rheinl\u00e4nder sind Nebenfiguren im Roman ihres Lebens. Weigonis Blick auf das Rheinland erinnert daran, dass es sich auch bei einer Mentalit\u00e4tslandschaft nicht um eine tote Materie handelt. Dieser Roman wirkt so detailversessen wie das Modell f\u00fcr die Landschaft einer Spielzeugeisenbahn. Der hochpatenter Worterfindungsreichtum hat bei diesem Stilbl\u00fctennotierer damit zu tun, dass er auf die Dinge anders sieht als seine Umgebung. Seit den <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2010\/01\/18\/der-sudelbuchschreiber\/\"><em>Zombies<\/em><\/a><\/span> schreibt er gegen die Windm\u00fchlen verkrusteter Erinnerungsbl\u00f6cke und verlogener Lebensnarrative an. Weil die Rheinl\u00e4nder kein Aussen mehr kennen, sondern nurmehr sich selbst, gibt es am Ende nur noch die\u00a0Wahl zwischen Verzweiflung und Selbstoptimierung. Die Einwohner leben ein Eingeschlossensein im Selbstwiderspruch. Als schreibender Bewohner einer Grenzregion sieht Weigoni &#8222;<span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=47226\">Heimat<\/a><\/span>&#8220; als eine fiktive, von jeglicher Staatlichkeit nicht erreichbare Zone an, als etwas, das sich jeder je nach seinen Bed\u00fcrfnissen selber schafft. Rheinl\u00e4nder bewegen sich oft in zwei Existenzr\u00e4umen zugleich, wovon sich der eine \u00fcber den Dialekt definiert, der andere dagegen \u00fcber die nationale Zugeh\u00f6rigkeit. Weigoni besitzt ein absolutes Geh\u00f6r f\u00fcr die Ausdrucksweise der Rheinl\u00e4nder, ganz besonders f\u00fcr die Aneinanderreihung von Phrasen. Seine Reflexionen \u00fcber das Leben im Rheinland scheinen aus der Sicht eines liebenden Exilierten geschrieben zu sein. Die von ihm geschilderten Typen schwanken best\u00e4ndig zwischen Weltl\u00e4ufigkeit und \u00fcberschaubarem Ort. Wenn etwas originell im Rheinland ist, dann ist es die Sprache, der Dialekt steht dem Niederl\u00e4ndischen n\u00e4her als dem Hoch- und selbst dem Niederdeutschen. Zwar spricht heute kaum noch jemand Dialekt, aber die sprachliche Umpr\u00e4gung hallt nach. Wie fr\u00fcher das Hochdeutsche, ist heute der Dialekt eine halbe Fremdsprache und dient im Alltag dazu, alte Spruchweisheiten zu verk\u00fcnden. Der Roman lebt\u00a0 weniger von der Handlung, als vielmehr von den Figuren und Weigonis besonderer Erz\u00e4hlweise. Er besticht vor allem durch die pr\u00e4zisen und liebevollen Beschreibungen der Umgebungen und Zust\u00e4nde, durch die eigensinnigen Charaktere und all die skurrilen und irrwitzigen kleinen Geschichten, die er erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Das Buch endet dort, wo es eigentlich beginnen k\u00f6nnte: der Liebe zur Heimat bei gleichzeitiger Entfremdung von ihr.<\/em> <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Romane sind Geschichte(n) aus reiner Gegenwart und bieten ein R\u00f6ntgenbild der deutschen Gesellschaft. Weigoni hat mit dem Gesamtwerk ein Gesellschaftsepos geschaffen, das mit allen Erwartungen bricht. Es ist ein Prosa, das mit allen Erwartungen bricht, konservativen genau wie linksliberalen, es geht um Entt\u00e4uschung und Verachtung, die ihr vorausgeht. Und \u00fcber die Sehnsucht, die in beidem enthalten ist. Als Knacknuss hat Weigoni der Edition seinen letzten Roman \u00fcberlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">I<\/span><span style=\"color: #888888;\">ch bekenne mich zu keinem anderen Ziel, als mich selbst zu erkennen; dieses Suchen f\u00fchrt mich in so unendliche Tiefen, zu unendlich verschiedenen Fragestellungen, da\u00df mein Lernen keinen anderen Erfolg hat, als da\u00df ich f\u00fchle, wieviel mir zu lernen bleibt.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Michel de Montaigne<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_11299\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-11299\" class=\"wp-image-11299 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/YongWeigoni-1024x682.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-11299\" class=\"wp-caption-text\">Andr\u00e1s (A. J.) Weigoni (* 18. Januar 1956 in Budapest\/Ungarn, Flucht mit den Eltern nach dem Volksaufstand; \u2020 26. Januar 2021 in D\u00fcsseldorf)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Leben, sein Tod, sein Werk setzten sich aus Zweifel an der Sprache zusammen. Er lebte und arbeitete von diesem\u00a0Zweifel ausgehend. Und es f\u00fcgt sich, da\u00df er aus diesem\u00a0Zweifel ein Werk<b> <\/b><span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=19055\"><em>geschnitzt<\/em><\/a><\/span> hat. Sein Ehrgeiz richtete sich immer auf das Ganze. Im Zusammenspiel der einzelnen Medien zeigt sich Weigoni nicht nur als Neusch\u00f6pfer, sondern auch als grandioser Mediendiagnostiker, denn stets geraten seine Figuren durch die neuen Medien &#8211; die ihnen eigentlich bei der Verst\u00e4ndigung helfen sollen &#8211; in Situationen, in denen sie Opfer der T\u00fccken des jeweiligen Kommunikationsmediums werden. Weigoni hat sich in seiner Prosa damit besch\u00e4ftigt, welch ungeheure Macht die Bilder auf das neuzeitliche Bewu\u00dftsein haben, und in den filigranen Netzen seiner Prosa, die oft zwischen hyperpr\u00e4zisen Beschreibungen und philosophisch angehauchten Erkl\u00e4rungsans\u00e4tzen ins Flirren kommt, die Wirkungen medial bestimmter Imagination aufzugreifen versucht. In einem Markt, der l\u00e4ngst nicht mehr funktioniert, wie er einst funktionierte, durfte dieser Paradievogel freier fliegen als je\u00a0zuvor. Weigoni sah Literatur als Utopie, als eine M\u00f6glichkeit das Unsagbare in Schrift zu fassen, Schreiben war f\u00fcr ihn eine Sinngebung des Sinnlosen. Er hat nie f\u00fcr eine Ideologie, f\u00fcr ein politisches Programm pl\u00e4diert, die Erziehbarkeit des Menschen hielt er mit der Erfahrung seiner fremdbestimmten Arbeit als P\u00e4dagoge f\u00fcr eine Illusion, er hat niemanden belehren wollen, wie man das Leben bestehen soll. Aber er hat seine Ratlosigkeit virtuos <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26212\">artikuliert<\/a>.<\/span> Der Literaturp\u00e4dagoge zeigt sich als poeta rhetoricus, der verstanden werden will und mit dem, was er schreibt, eine konkrete <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25505\">Wirkungsabsicht<\/a><\/span> verbindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Weiterleben ist nicht nur retrospektiv angelegt, sondern immer auch um Hinterlassenschaft bem\u00fcht.<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Christian Poetini<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_60290\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-60290\" class=\"wp-image-60290 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-195x300.jpg 195w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-664x1024.jpg 664w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-560x863.jpg 560w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-260x401.jpg 260w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover-160x247.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/VorlassCover.jpg 722w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-60290\" class=\"wp-caption-text\">Cover: Originalpraphik Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er ist der gro\u00dfe Unbekannte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. A.J. Weigoni war ein <em>homo poeticus<\/em>, mit Blick auf das Zeitgeschehen schrieb er Lyrik, Prosa und best\u00e4tigte sich im <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=63\"><span style=\"color: #ff0000;\">klangakustischen Bereich<\/span><\/a>. Seine Grundlage war eine \u00e4sthetische Langzeitperspektive, damit befand er sich am kunstautonomen Pol des literarischen Feldes. Falls Freiheit wirklich hei\u00dft \u201eeine Sache beginnen\u201c, dann handelte es sich bei ihm um einen ziemlich freien Menschen. Weigoni sah in der Poesie die einzige M\u00f6glichkeit, die Grausamkeit des Lebens zu ertragen oder gar zu \u00fcberwinden. Er hielt sie nicht nur f\u00fcr ein unvergleichliches Instrument der Erkenntnis, weil sie uns den fragw\u00fcrdigen Charakter des Begriffs <i>Wahrheit<\/i> enth\u00fcllt, sondern auch f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Stimulans zum Leben. Durch Kunst allein k\u00f6nne der Mensch beweisen, da\u00df er Mensch sei. Mit seiner lyrischen Sprachgestaltung hat er die Pr\u00e4ferenz f\u00fcr einen gegenwartsbezogenen Realismus unterlaufen. Seine Identit\u00e4t war die des Schreibens, als &#8222;vielseitig gescheiterte Pers\u00f6nlichkeit&#8220; regelte er daher seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/01\/18\/nackte-fakten-verkleidete-fiktionen\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Vorlass<\/span><\/a> selbst. Was f\u00fcr ihn z\u00e4hlte, war das Werk, in dem der Schaffensprozess zum Abschlu\u00df gekommen ist. Sein Ableben setzt einen Schlu\u00dfstein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">A.J. Weigoni ist von uns gegangen, seine B\u00fccher aber leben, sind der Trost, der den Lesern niemand mehr nehmen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0***<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend:<\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignright\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=34569&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie.jpeg 550w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-136x300.jpeg 136w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Billie-463x1024.jpeg 463w\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"266\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Billy trifft Bibliophilie. Photo: Jesko Hagen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Alle <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=395\"><span style=\"color: #ff0000;\">Gedichtb\u00e4nde<\/span><\/a> sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\"><span style=\"color: #ff0000;\">H\u00f6rbuch<\/span><\/a> <strong>Gedichte<\/strong> in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Eine Werk\u00fcbersicht \u00fcber die akustische Kunst finden Sie in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/metaphon.htm\"><span style=\"color: #ff0000;\">MetaPhon<\/span><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Auch die Prosa ist in einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=1016\"><span style=\"color: #ff0000;\">Schuber<\/span><\/a> erh\u00e4ltlich. Und nur darin enthalten ist das H\u00f6rbuch <strong>630<\/strong> und der Band\u00a0 <strong>Vorlass.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch ich werde sterben, und meine Werke werden verschwinden; es hat sich gelohnt, sie zu schaffen, aber es ist \u00fcberfl\u00fcssig, sich ihretwegen Sorgen zu machen. Sie leben ihr eigenartiges Leben, wie und solange sie es k\u00f6nnen. Imre Kert\u00e9sz A.J. Weigoni&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2021\/12\/10\/leben-n-werk\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":97851,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1152,44,1289,1151,52,35],"class_list":["post-34569","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-frank-michaelis","tag-haimo-hieronymus","tag-kai-monnich","tag-marion-haberstroh","tag-peter-meilchen","tag-tom-tager"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34569","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34569"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34569\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98622,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34569\/revisions\/98622"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97851"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34569"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34569"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34569"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}