{"id":34426,"date":"2016-07-28T00:01:19","date_gmt":"2016-07-27T22:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=34426"},"modified":"2022-03-10T05:57:25","modified_gmt":"2022-03-10T04:57:25","slug":"lost-in-laberland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/07\/28\/lost-in-laberland\/","title":{"rendered":"Lost in Laberland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Speck ist fett. Sehr fetter Speck ist R\u00fcckenspeck. Speck ist Bindegewebe, das aus Adipozyten aufgebaut ist. Adipozyten verbinden sich \u00fcber netzartige Strukturen mit ihren Nachbarzellen, nachdem sie sich aus Steatoblasten entwickelt haben. Steatoblasten stammen aus intraembryonalen Mesenchymzellen. Mesenchym kann man aus dem Griechischen ableiten als das <i>Mittenhineingegossene<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Speck-Literatur ist weniger fett und entsprechend leicht verdaulich. Sie ist ein den Literaturkapitalismus \u00fcberwucherndes malignes Konformit\u00e4tsgewebe, das von <i>Key Account Managern<\/i> und ihren vasallischen Diplomautoren aufgebaut wurde und ausgebaut wird. Schreibgeschulte Literaturkader verbinden sich \u00fcber netzartige Strukturen mit anderem Bildungsb\u00fcrgertum, nachdem sie sich aus benzodiazepinenem Sprachvalium entwickelt haben. Das Sprachvalium stammt vermutlich aus einem (extraembryonalen?) Selbstbespiegelungsmesenchym.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kritisieren ist delikat, besonders dann, wenn der Kritiker bislang keinen Beweis erbracht hat, das von ihm Kritisierte besser hinzubekommen als die Ziele (Opfer) seiner Polemik es verm\u00f6gen (in Form eines langen und fiktionalen Textes). Und Literatur ist eine pers\u00f6nliche Angelegenheit. Suum cuique. Andererseits: als Autor eines Essays, der schlechthin polemisch sein soll, darf der Kritiker mehr als nur Fragen stellen. In einer Auslegung sehr frei nach Volker Pispers: Kulturkritik ist eine Art moderner Ablasshandel. Wenn dann irgendwann einmal nach dem Zusammenbruch des Literaturkapitalismus jemand daherkommt und den Kritiker fragt: Welche Funktion hatten Sie denn in dem Ausbeutersystem, wo den Leuten nichts als schrecklich fade verlagsimperialistische Normliteratur zugemutet wurde, na, was hatten Sie f\u00fcr eine Funktion? Dann sagt der Kritiker: Halt, Moment! Und holt den Karton mit den (aus schierer Gewohnheit un\u00f6kologisch auf Papier gedruckten) KUNO-Essay-Manuskripten aus dem Keller: Hier, ich war im Widerstand!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist los mit der deutschen Prosa unserer Tage? Mit unertr\u00e4glicher Leichtigkeit kommt sie daher, plappert, labert drauf los, in Alltagssprache mit Wiedererkennungsfaktor; hier und dort sondert sie zu Ergriffenheitstr\u00e4nen r\u00fchrende S\u00e4tze f\u00fcr die Ewigkeit ab (<i>Dass ich mich am Morgen dann doch nicht \u00fcbergeben muss, irritiert mich kurz, aber wenn einem nicht \u00fcbel ist, dann ist einem eben nicht \u00fcbel.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn1\">1<\/a>) und oft kommt sie mutig daher, radikal (herrlich schmutzig auch und selten \u00fcberdies lustig) und exploriert die letzten Tabus der Gegenwart, ungeheuerliche Provokationen wagend, die meistens aus Genitalbereichen keimen und die Reiz-Reaktions-Maschine der Kleinb\u00fcrgerhirne mit Schwei\u00dfausbr\u00fcchen und sinkendem Blutdruck so richtig in Fahrt bringt: <i>moral disgust!<\/i> (<i>Mit dem Finger drin rumprorkeln, so viel Schleim wie m\u00f6glich rausbuddeln, dran schnuppern.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn2\">2<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wenn einem \u00fcbel ist, ist einem eben \u00fcbel.<br \/>\nAction kommt vor (<i>Adrenalin flutete seinen K\u00f6rper.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn3\">3<\/a><i>)<\/i> und auch knallige Bilder (<i>Ich ging nach Hause, trank zwei Flaschen Wein. Weinte bestimmt dreieinhalb aus, kotzte die Toilette voll und hoffte, dass mein Herz mit rauskommt. Ich wollte es durch die Speiser\u00f6hre pressen und in die Keramiksch\u00fcssel speien.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn4\">4<\/a>) und dann \u2026 immer wieder \u2026 Selbstbespiegelungsinnerlichkeitsprosa auf moderne Art (<i>Du warst zu gut f\u00fcr ihn, du bist die Beste. Irgendwann wird einer kommen, der das wei\u00df und sch\u00e4tzt; einer, der gut bumsen kann und gut singen. Peng. Puff. B\u00e4ngb\u00e4ng.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn5\">5<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat sich eben noch immer nicht ausgehandket, nur die Reflexionstiefe versandet, die Ausdrucksformen werden bodens\u00e4tzig. Handke \u00fcbrigens mag ein Bewohner des Elfenbeinturms sein, doch f\u00fcr ihn sei Erz\u00e4hlen, wie er einmal in einem Interview sagte, <i>eine Offenbarung<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn6\">6<\/a> \u2013 immerhin! &#8211; sogar wenn er sich an Toiletten versucht oder sich beim Pilzesammeln im Wald verirrt. F\u00fcr junge Speckautoren ist die Toilette nur noch zum Reinkotzen gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Literatur erschafft M\u00f6glichkeitsr\u00e4ume. Wie kommt das Herz in die Speiser\u00f6hre? Bitte, von unten hinein? Umgekehrt ist es kein M\u00f6glichkeitsraum sondern eine M\u00f6glichkeit. Obschon, das Bild ist schillernd: Herzerbrechen. Ein Reflex. Was mir Schaden zuf\u00fcgt muss raus. Wenn Angst die Seele aufisst, warum soll Trauer (und Wut, \u00fcber die Kr\u00e4nkung zum Beispiel, bei Nora Gantenbrink geht es um Liebeskummer) nicht das Herz erbrechen. Kardiemesis. Dass der beste S\u00e4nger und Stecher eines sch\u00f6nen Tages auf die Beste treffe, ist w\u00fcnschenswert, damit aus zwei Flaschen Wein nicht mehr drei werden. Mit ein bisschen altmodischer Liebe dazu wird es besonders sch\u00f6n. Und beim Sex wird der K\u00f6rper reichlich mit Adrenalin verw\u00f6hnt. Beim Lesen aktueller Bestseller eher nicht. Diese Texte laden zuweilen ein zum rumprorkeln und schnuppern, sind indes ohne nachhaltigen Erinnerungswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Befindlichkeit und Emotionsdrangsal. Gleichwohl sind sie mehr oder minder welthaltig. Die Welthaltigkeit &#8211; was immer das ist (wir k\u00f6nnen es uns ungef\u00e4hr vorstellen) &#8211; eines Romans ist keine Frage des Plots, sondern des Stils und seiner weltaufschlie\u00dfenden Kraft. <i>Ern\u00fcchterungsstil<\/i> nannte Iris Radisch im Jahr 2010 w\u00e4hrend einer Momentaufnahme junger Literatur in der Zeit<a title=\"\" href=\"#_edn7\">7<\/a> die neue Diktion des lebensnahen Tieffluges im zeitgen\u00f6ssischen Roman. Welthaltigkeit ist Relevanz. Und das verkauft sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie geht das? Relevant schreiben? Mit der Welthaltigkeit ist es so eine Sache \u2026 Wie erz\u00e4hlt man von ihr?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 2003 enttarnte Katharina D\u00f6bler (schon wieder: Die Zeit<a title=\"\" href=\"#_edn8\">8<\/a>) <i>die Popliteraten, einst als \u00dcberwinder literarischer Langeweile mit skeptischer Freude begr\u00fc\u00dft<\/i>, als <i>Oberfl\u00e4chensurfer, Digitalrealisten und metaphysische Nullen, die vielleicht so was wie einen ordentlichen kapitalistischen Realismus zustande bringen, aber nicht viel mehr.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierbei ist offenbar weder von den nonkonformistischen amerikanischen <i>Beat writers<\/i> um Kerouac noch vom 68er Fiedler-Pop die Rede, sondern vom Simili-Pop der zweiten (dritten?) Generation. Jene Popliteraten orientierten sich beileibe nicht immer (aber viel zu oft) an der Welthaltigkeit, f\u00fcr die in den fr\u00fchen 1990er Jahren unter vielen anderen Matthias Altenburg, Maxim Biller und Feridun Zaimoglu Position bezogen hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pop geht anders. Es lohnt ein Blick in ein bescheidenes B\u00fcchlein aus dem Jahr 2002:\u00a0 <i>Der deutsche Pop-Roman<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn9\">9<\/a><i>. <\/i>Moritz Ba\u00dfler stellt darin die These auf, dass in den neunziger Jahren die Autoren angetreten seien, die Gegenwart zu <i>archivieren<\/i>; sie h\u00e4tten den alten Gegensatz zwischen Ich und Welt hinter sich gelassen und schrieben einfach auf, was ist. Reporter also. Chronisten jene, die ihren dauerhaften Platz in der Geschichte finden (aber das <i>werden wir dann mal sehen<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn10\">1<\/a>0 \u2026 (<i>Kein Problem \u2013 Wir sind ja nicht blind!<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn11\">1<\/a>1)). So kommt 100% Welt ins Buch. Falls es ehrenhafte Reporter und Geschichtsschreiber sind, die beim eifrigen Aufschreiben dessen, was ist, nicht allzu sehr die Realit\u00e4t verdrehen. Sagen wir interpretieren, die Welt plausibel deuten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es hat sich ausgepopt. Mit nur einem p. Pop ist dem molekularen Tod geweiht, noch nicht skelettiert wie die Beatniks, wie Kerouac und Burroughs und Ginsberg, wenn nicht verfl\u00fcssigt so mumifiziert, Miasma, das dem einen oder anderen Nachwuchsautor dann und wann um die Lippenbekenntnisse weht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dietmar Dath, eher der totalen Fiktion verpflichtet &#8211; Welthaltigkeitspop ist auch gar nicht sein Genre (obwohl, der Esel <i>Storikal<\/i> \u2013 und nicht nur der &#8211; im Science-Fiction-Fabel-Hybrid <i>Die Abschaffung der Arten<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn12\">1<\/a>2 ist schon beinahe wieder Pop), Dath geht tiefer, er notiert nicht, was ist &#8211; er <i>denkt<\/i> die Welt: <i>In meinem Sinn ist heute alle Literatur aus den reichen L\u00e4ndern, die sich mit dem auseinandersetzt, was hier tats\u00e4chlich los ist, Popliteratur<\/i>.<a title=\"\" href=\"#_edn13\">1<\/a>3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gr\u00fcnder des Informationsdienstes Inside.com, Kurt Andersen (und der ist Amerikaner \u2013 dort wird traditionell Welthaltigkeit pur geschrieben, aber immerhin prall, saftig; <i>Die Amis haben Philip Roth, und wir? Haben Peter Handke. &#8211; <\/i>Noch einmal Katharina D\u00f6bler), sieht aktuell keine jungen Rebellen am Werk, sondern <i>reaktion\u00e4re Spie\u00dfer wie in den f\u00fcnfziger Jahren.<\/i> Die spie\u00dfigen Leser konnten sie damals noch schocken, Burroughs &amp; Compagnie, mit dem Cut-Up-Werk <i>Naked Lunch<\/i> oder mit <i>On The Road<\/i>, dem ersten Roadmovie als Roman.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt zum Fiedler-Pop. Die Fiedler-Debatte von 1968 f\u00fchrt uns nach Deutschland zur\u00fcck: Leslie Fiedler (ebenso Amerikaner wie Kurt Andersen) ruft zun\u00e4chst in einem 1968 an der Universit\u00e4t zu Freiburg gehaltenen Vortrag die literarische Postmoderne aus und fordert die Abl\u00f6sung der elit\u00e4ren Hochkultur durch eine Literatur, die den Alltag mit einbezieht. <i>Cross the Border \u2013 Close the Gap<\/i>; f\u00fcr die deutschen Post-Tr\u00fcmmer-, Post-Kahlschlags-, Post-Aufarbeitungs- und Post-Sinnfragen-Literaten sowie f\u00fcr deren Anh\u00e4nger (und Gegner) ver\u00f6ffentlicht unter dem Titel <i>Das Zeitalter der neuen Literatur<\/i> in <i>Christ und Welt<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn14\">1<\/a>4. Au\u00dfer vielleicht Martin Walser und Reinhard Baumgart brachte das Manifest des grenz\u00fcberschreitenden L\u00fcckenschlie\u00dfers aus Philip Roths Heimatland niemanden nachhaltig aus der gerade einsetzenden Subjektivit\u00e4t. Der Literaturwissenschaftler Jost Hermand verurteilte unaufgeregt 1971 Pop als triviales, volksverdummendes Produkt der Kulturindustrie<a title=\"\" href=\"#_edn15\">1<\/a>5. Wir beachten den Begriff <i>Industrie<\/i>. Was dann war, was kam, war die Neue Innerlichkeit (Orientierungspunkte: 1970 Thomas Bernhard: <i>Das Kalkwerk<\/i>, 1972 Peter Handke: <i>Wunschloses Ungl\u00fcck<\/i>, 1973 Karin Struck: <i>Klassenliebe<\/i>, 1977 Botho Strau\u00df: <i>Die Widmung<\/i>, 1979 <i>Rolf Dieter Brinkmann<\/i>: Rom, Blicke \u2013 u.\u2002v.\u2002a.\u2002m.). Roth und Fiedler stammen \u00fcbrigens aus Newark, New Jersey, ebenso wie der Komiker Jerry Lewis und der Musiker Paul Simon. Auch die Essenzen Gloria Gaynor und Whitney Houston wurden in Newark in ihre Existenzen geworfen. Scheint eine richtige Wiege der Kultur zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zur Literatur: Pop ist nicht mehr? Das kann gar nicht sein! &#8211; Es ist immer Pop, irgendwo, werden Sie vielleicht einwenden und fragen (aufgepasst: Schwurbelsatz): Was ist mit der <i>Neuen Deutschen Welle<\/i> der Popliteratur, mit ihrer programmatischen Fundst\u00fcck-\u00c4sthetik, losgetreten mit <i>Irre<\/i> (Goetz) \u2013 oder war es <i>Mai, Juni, Juli<\/i> (Lottmann)? \u2013 oder war es doch <i>Faserland<\/i> des (allerdings schweizerischen) Autors Christian Kracht? (Hildesheim, nein \u2013 Axel-Springer-Konzern-Aufsichtsratssohn, ja! Und Schloss Salem (dort riecht es intensiver nach Speck als in Hildesheim, wenngleich nicht so sehr nach Literatur: Intellektuelle findet man da nicht) &#8211; <i>Nicht nur ich, so durfte man endlich sagen, finde die Entscheidung zwischen einer gr\u00fcnen und einer blauen Barbour-Jacke schwieriger als die zwischen CDU und SPD.<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn16\">1<\/a>6 <i>&#8211; <\/i>es klang lustig, also war es Pop \u2026 zu Krachts Ehrenrettung sei darauf hingewiesen, dass er selbst sich von der Bezeichnung Popliteratur distanziert und immer distanziert hat) &#8211; was ist mit Stuckrad-Barre? Was mit Alexa Hennig von Lange (Architektentochter, ja &#8211; Hildesheim, nein \u2026 bei Harald Schmidt war sie immer gut)? Mit Rebecca Casati? Benjamin Lebert? Joachim Lottmann? Sibylle Berg? Namen, die noch heute pr\u00e4sent sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Benjamin von Stuckrad-Barre (Ist die \u00c4hnlichkeit von <i>Soloalbum<\/i> mit Nick Hornbys <i>High Fidelity<\/i> eigentlich beabsichtigt?), der metaperspektivlose Junge Wilde, der nach eigenen Angaben nicht in der Lage ist, sich auf einen 90-Minuten Kinofilm zu konzentrieren, und von der Einf\u00fchrung in die Bibliotheksbenutzung der Uni Hamburg intellektuell \u00fcberfordert war<a title=\"\" href=\"#_edn17\">1<\/a>7, ist mittlerweile ein kronloyaler Hofdichter der Springerpresse (was noch str\u00e4flicher ist als seine Werbekampagne f\u00fcr die Bekleidungsfirma Peek &amp; Cloppenburg \u2013 die Anz\u00fcge f\u00fcr das Foto-Shooting waren drei Nummern zu gro\u00df, n\u00e4mlich 52). 2012 schrieb er &#8211; im Auftrag der Axel Springer AG! &#8211; anl\u00e4sslich des 100. Geburtstages von Axel Springer ein Jubil\u00e4ums-Theaterst\u00fcck \u00fcber den Verlagsgr\u00fcnder. Der Schwank sollte m\u00f6glichst viele bewundernswerte Z\u00fcge des Verlagsgr\u00fcnders betonen (Vision\u00e4r! &#8211; Tycoon! &#8211; u.s.w.) und wurde vom Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias D\u00f6pfner bei einem Festakt der Springer-Witwe zum Geschenk gemacht. Das ist putzig \u2013 aber nicht Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alexa Hennig von Lange, die Schreiben als etwas <i>Selbstverst\u00e4ndliches<\/i> empfindet, etwas <i>Wundersch\u00f6nes wie Essen, Trinken oder Atmen<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn18\">1<\/a>8<i>,<\/i> erz\u00e4hlt jetzt psychopoetologisch, denn von Pop hat die Bim-Bam-Bino-Literatin nach eigenem Bekunden genug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Rebecca Casati kam nach ihrer bisher einzigen Kurzgeschichte <i>Auenstra\u00dfe<\/i> und ihrem bisher einzigen Roman <i>Hey Hey Hey<\/i> nichts mehr. Und <i>Hey Hey Hey <\/i>klingt zwar ein bisschen wie <i>hey hey hey ich war der Goldene Reiter<\/i>, ist aber so weit von Pop entfernt wie Funk vom schweizgen\u00f6ssischen Alphornblasen (es sei denn es bl\u00e4st Eliana Burki<a title=\"\" href=\"#_edn19\">1<\/a>9).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Benjamin Lebert (Journalistensohn, ja \u2013 S\u00fcddeutsche Zeitung, ja!): ein <i>kleiner Supermann<\/i>, dem Maxim Biller attestiert, er k\u00f6nne <i>die Schw\u00e4rze eines n\u00e4chtlichen Himmels so verzweifelt sch\u00f6n und traurig beschreiben, dass man denkt, es h\u00e4tte noch nie ein anderer vor ihm getan<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn20\">2<\/a>0. Schreiben als Qual und Notwendigkeit, und ein Plan B: <i>Wenn ich nicht mehr schreiben k\u00f6nnte, w\u00fcrde ich mich zum G\u00e4rtner ausbilden lassen<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn21\">2<\/a>1. Warum nicht. <i>Crazy<\/i>, das war 1999, die autobiographische Welthaltigkeit als Kindheits- und Jugenderfahrungen eines Halbseitenspastikers, durch clownesken feuilletonistischen Wirbel in die Pop-Schublade geweht. <i>This <\/i><i>is<\/i><i> so contemporary!<\/i> &#8211; h\u00e4tte Tino Sehgals ausrufen lassen. Leberts j\u00fcngste Titel <i>Im Winter dein Herz<\/i> und <i>Mitternachtsweg<\/i> (die Figuren sind reifer, die Erz\u00e4hltechniken sind altvertraut &#8211; es geht um einen Klinikaufenthalt (Psychiatrie, aha! New Wave Gedankensplitter: <i>An der Umgehungsstra\u00dfe, kurz vor den Mauern unserer Stadt, steht eine Nervenklinik, wie sie noch keiner gesehen hat<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn22\">2<\/a>2), um Winterschlaf (nicht Abfall) f\u00fcr alle, eine schneidige Tankstellenkassiererin, um eine Reise im Suzuki Samurai zum Ende des Winters; Winter als griffige Metapher der allgemeinen K\u00e4lte unter den Menschen \u2013 im schimmelreiterinspirierten <i>Mitternachtsweg<\/i> taucht schon wieder eine sch\u00f6ne Frau auf, die diesmal eine Wiederg\u00e4ngerin ist (ihr K\u00f6rper ist geruchlos!) aber in einer Wohnung lebt) sind solide Unterhaltung, nicht bis in letzte Tiefen ausgearbeitet aber durchwinkbar mit den Worten Gottfried Benns aus seinem ber\u00fchmten Marburger Vortrag (allerdings) \u00fcber die <i>Probleme der Lyrik<\/i>: <i>Mittelm\u00e4\u00dfige Romane sind nicht so unertr\u00e4glich; sie k\u00f6nnen unterhalten, belehren, spannend sein [\u2026]<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn23\">2<\/a>3.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob eine Geschichte gef\u00e4llt oder nicht, ist Sache des pers\u00f6nlichen Geschmacks. Aber ein wahrer Popstar schreibt keine mittelm\u00e4\u00dfigen Romane. Er macht Pop. Und der muss <i>grooven<\/i>, ansonsten ist er seines Etikettes nicht w\u00fcrdig (die offizielle Duden-Definition von <i>grooven<\/i> sagt alles).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joachim Lottmann: Zu seinem vorletzten Werk <i>Endlich Kokain<\/i> hat Gerrit Bartels schon alles geschrieben<a title=\"\" href=\"#_edn24\">2<\/a>4, mit einer Treffsicherheit, die dem Autor von <i>Lost in Laberland <\/i>niemals gelingen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2015 dann <i>Happy End, <\/i>ein Monolog wider Willen \u00fcber alles und nichts. Eben. Ein Literat im Literaturbetrieb, selbstreferenziell, ein geschw\u00e4tziges Geschreibe, das krampfhaft originell sein m\u00f6chte und alles andere ist als Popliteratur und schon gar kein Schl\u00fcsselroman.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sibylle Berg (der Autor dieser Zeilen liebte sie einst &#8211; sie: <i>Ich habe mich von der ersten Sekunde mit ihm wohlgef\u00fchlt, bin gerne neben ihm gelaufen und hatte keine Angst vor ihm. Aber erregt hat er mich nicht. Vermutlich schlie\u00dft eine Behaglichkeit Ekstase aus.<\/i> Er (nicht der Autor dieser Zeilen, versteht sich), nach dem allmorgendlichen Onanieren: <i>Nur die Teenager von der youpornsite verstehen mich.<\/i>), die charismatische Autorin (man muss sie live sehen! &#8211; sie ist wahrscheinlich die einzige Schriftstellerin im deutschsprachigen Raum, deren Person uns verheerender mit ihrer exzentrischen Sch\u00f6nheit irritiert und mit ihrer fatalen Aura kontaminiert als die Strahlkraft ihrer fr\u00fchen B\u00fccher und Glossen es jemals vermochte), die seit jeher Wunden sucht, um einen ihrer grazilen manik\u00fcrten Finger darauf und hinein zu legen, stochert in ihrem Roman <i>Der Tag, als meine Frau einen Mann fand<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn25\">2<\/a>5 nicht als Erste in marketingtechnischen Feuchtgebieten (<i>[\u2026] verdammt, ist dieses Sperma schwer wegzuputzen [\u2026]<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn26\">2<\/a>6. Sex die ganze Nacht, noch einmal jung sein, und so weiter; verschlagworten k\u00f6nnte man die Story mit der Frage: <strong>Sex oder Liebe? (Liebe und Sex w\u00e4re die Antwort und Beschreibung einer idealen Beziehung.) Das ist bei weitem nicht mehr so originell und einzigartig wie Bergs humorig-zynische Misanthropie \u00e0 la bonne heure <i>Ein paar Leute suchen das Gl\u00fcck und lachen sich tot<\/i><\/strong><a title=\"\" href=\"#_edn27\"><strong>2<\/strong><\/a>7<strong>. Und das ist schlimm. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Faserland<\/i> wird bis heute von einigen Literaturgelehrten, Kritikern und sonstigen Fachleuten als ein Schl\u00fcsselwerk deutscher Popliteratur der 90er Jahre angesehen (f\u00fcr Moritz Ba\u00dfler ist es DAS Schl\u00fcsselwerk (<i>Gr\u00fcndungsph\u00e4nomen<\/i>) des zweiten Literatur-Pop), wobei es zumindest dem Autor des vorliegenden bescheidenen Essays m\u00fc\u00dfig erscheint, eine konsistente Entwicklung &#8211; also eine korrekte Chronologie \u2013 des Mysteriums des literarischen Pop nachzuzeichnen. Manche sehen, seit seinem 1987 erschienenen Das-ist-kein-Buch-das-ist-das-Leben-Knaller <i>Mai, Juni, Juli<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn28\">2<\/a>8, in Joachim Lottmann den Patenonkel (oder den Vater?) der deutschsprachigen Popliteratur \u2013 andere wiederum haben seit 1983 in Rainald Goetz ihren Subversionsguru gefunden. Wir ahnen die D\u00e4mmerung des Ichzeit-Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sp\u00e4testens seit <i>Tristesse Royale<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn29\">2<\/a>9 sollte klar sein, wie der Abgesang auf die j\u00fcngste Welle der Popliteratur ausgesehen hat. Akzeptieren wir es einfach: Die Lebensuhr von Pop und Neo-Pop ist so abgelaufen wie die Sohlen der mehr als 50 Paar Schuhe, die Jean B\u00e9liveau w\u00e4hrend seiner elfj\u00e4hrigen Weltumwanderung verbraucht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und eigentlich ist es wieder Christian Kracht, wenn wir &#8211; folgend der These in der Bachelorarbeit von Nils Diewald (und Moritz Ba\u00dfler zustimmend) &#8211; annehmen, <i>Faserland<\/i> sei wahrlich das erste Kapitel der neuen deutschen Popliteratur gewesen, der hier den Schlusspunkt setzte: <i>1979<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn30\">3<\/a>0 \u2013 erschienen 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1979 ist <i>ein lakonischer Roman \u00fcber den Mangel an Sinn, an weltumspannenden Ideen<\/i> (Elke Heidenreich), der die Obsession mit den Markenartikeln, die der Autor amerikanischen Erz\u00e4hlern wie Bret Easton Ellis abgeschaut hat, zwar als Stilmittel weiterf\u00fchrt, jedoch m\u00fcssen die kostbaren hellbraunen Halbschuhe von Berluti diesmal nach und nach lumpigen Filzsandalen weichen. Hier verliert der Materialismus an Bedeutung. In <i>1979<\/i> werden die in Faserland noch vergeblich gesuchten <i>Auswege aus dem Pop<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn31\">3<\/a>1 gefunden. Durch die Beschreibung des Umbruchs im Iran vernichtet Kracht (literarisch) die Pop-Welt. Wem dies zu weit hergeholt erscheint, sei insofern zugestimmt, als eine Gattung nicht einfach so verschwindet; eine k\u00fcnstlerische Richtung kann nat\u00fcrlich nie g\u00e4nzlich f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kracht ist nicht nur ein <i>Neopop-Eichendorff<\/i> (Ingo Arend<a title=\"\" href=\"#_edn32\">3<\/a>2), er ist gleicherma\u00dfen ein <i>agent provocateur<\/i>, der, diesen Eindruck gewinnt man, mit Reizvokabeln arbeitet, um seine ehemaligen Lehrer zu \u00e4rgern: <i>SPD-Nazi<\/i> in <i>Faserland<\/i>, das gigantische <i>Hakenkreuz<\/i> aus Eis und Fels auf dem Berg Kailasch in <i>1979<\/i>. Kracht schreibt nicht f\u00fcr die Literaturb\u00fcrokraten, weder in <i>Faserland<\/i> noch in <i>1979<\/i>; in <i>Faserland<\/i> schenkt er Details wie den <i>fetten Wursth\u00e4nden von Betriebsr\u00e4ten<\/i> Beachtung, nennt die Hippies <i>bl\u00f6de Hippies<\/i> und \u00fcberhaupt ist alles und jeder <i>bl\u00f6d<\/i>. Und dann wiederum sieht sich der Ich-Erz\u00e4hler <i>pl\u00f6tzlich [\u2026] in meiner <\/i>(seiner) <i>ganzen widerlichen Erb\u00e4rmlichkeit<\/i>. Unter seinen grob holprigen, simplen, teils \u00fcberheblich d\u00fcmmlich frechen S\u00e4tzen ist eine Tiefenstruktur vergraben. In 1979 streut er noch massiver die Insignien der Dekadenz. Ist Kracht, dem es gelingt, Gegenwart zur Kenntlichkeit zu entstellen, das nicht ausreichend gew\u00fcrdigte Genie der zeitgen\u00f6ssischen Literatur?<i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Pop zur\u00fcck zum Speck: Nach dem Literatur-Pop reloaded aber lange bevor Florian Kesslers prominente Arztsohnpolemik in der Zeit erschien war (<i>Lassen Sie mich durch<\/i> \u2026<a title=\"\" href=\"#_edn33\">3<\/a>3), wurde unter der Hand \u00fcber die Entstehung einer neuen Schreibelite gemunkelt. Kesslers These: deutsche Gegenwartsliteratur ist so brav und konformistisch (und \u2013 nicht von Kessler: ideenlos, talentschwach, fade, flach, unsinnlich, vulg\u00e4r, allt\u00e4glich, steril und \u2013 ja: lebensfern, abseits der Realit\u00e4t \u2013 bei aller Welthaltigkeit! Geht das? Doch, das geht: wem ist nicht schon aufgefallen, dass verdammt wenige Protagonisten in den jungen Romanen \u00fcberhaupt etwas arbeiten! &#8211; die existieren einfach \u2026) weil die Absolventen der Schreibschulen von Leipzig und Hildesheim alle aus demselben saturierten Milieu kommen. Manager- und Richters\u00f6hne (Thomas Pletzinger, Leif Randt) \u2026 &#8211; und Arzts\u00f6hne (ist Florian Kessler realiter ein Arztsohn? (\u2026 ja, Spross eines Neurologieprofessors \u2026) \u2013 das h\u00f6rt sich in der Tat bereits nach einer Berufsbezeichnung an: Was machst du so im Leben? Ich bin Arztsohn! (manchmal schreib ich nebenher so \u2026 Texte \u2026)) &#8211; Bundestagsdirektorent\u00f6chter (Juli Zeh) \u2026 Professorenkinder (Nora Bossong) \u2026 zu viele Menschen (Autoren\/Autorinnen) aus \u2013 besser gesagt: vor einem \u00fcbereinstimmenden sozialen Hintergrund. Wie es in einem Lebensraum, einem Milieu aussieht, wenn die Ausgewogenheit der Arten aus dem Gleichgewicht ger\u00e4t, kann in der Biologie dargestellt werden: die \u00c4quit\u00e4t, vom lateinischen <i>aequitas<\/i>, Gleichheit, ist ein Ma\u00df zur Beschreibung der Biodiversit\u00e4t in einem bestimmten Biotop. W\u00fcrden wir die \u00c4quit\u00e4t eines sorgf\u00e4ltig analysierten deutschen Autoren-Habitats durch den Shannon-Index ausdr\u00fccken wollen, w\u00e4re das Ergebnis durch gesunden Menschenverstand vorhersehbar: Kesslers These, die Schreibschulen (Hildesheim, Deutsches Literaturinstitut Leipzig) als Inzuchtmechanismen f\u00fcr das Verlegtwerden, seien das Problem, ist nicht g\u00fcltig; Charlotte Roche und Frank Sch\u00e4tzing und Uwe Tellkamp und die Mehrheit der verlegten Autoren und Autorinnen dort drau\u00dfen doch wohl auch nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein spontaner Blick auf die <i>Spiegel-Bestseller-Liste<\/i> (KW 7 \/ 2016) f\u00f6rdert unter den Top-Ten gerade mal einen Diplomschriftsteller zu Tage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Rubrik Hardcover, der K\u00f6nigsklasse, gesellt sich Pubertier-Forschung auf Mario-Barth-Niveau von Jan Weiler zu D\u00f6rte Hansen (Jahrgang 1964 &#8211; Ottensen, Musikschule, Barmbeker Tischlerei, fremdgehender Mann, Bauernhaus, Zahnarzttante und so weiter), gefolgt von Joachim Meyerhoff (Jahrgang 1967 &#8211; Arztsohn, ja &#8211; Hildesheim, nein) &#8211; mit dem letzten Teil einer versuchten Trilogie \u00fcber sich selbst (Kindheit in der Psychiatrie &#8211; nicht als Patient! &#8211; Vater Leiter der Klinik, Gro\u00dfmutter Diva, Villa, viel Alkohol, und so weiter, wie erwartet alles welthaltig), Gerd Winter aka Horst Evers (Jahrgang 1967), der diesmal alles au\u00dfer irdisch ist \u2026 und endlich, hier ist er, noch vor dem sterbenden (der sterbende Mann Theo Schadt besucht im Netz Suizidforen!) und vielleicht dadurch schw\u00e4chelnden Martin Walser: ein lakonischer Rolf B\u00f6ttcher aka Bov Bjerg (Diplomschriftsteller vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig \u2013 Jahrgang 1965) mit dr\u00f6ge banalem Ringen um die abgenutzte Frage aller Fragen: DAS soll es sein, das Leben? &#8211; im <i>Auerhaus<\/i>, das seinen Namen dem Madness-Song <i>Our House<\/i> verdankt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Selbstmordversuch, ein in der K\u00fcche kiffender homosexueller zuk\u00fcnftiger Elektriker, alles zeitlos und so \u2026 Sie wissen schon.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus einer Rezension \u00fcber <i>Auerhaus<\/i> auf booknerds.de: <i>Auerhaus fasziniert. Nicht etwa aufgrund des Inhalts, sondern eher aufgrund des Wie<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn34\">3<\/a>4.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(In der Kalenderwoche 10 fand sich immerhin <i>Vom Ende der Einsamkeit<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn35\">3<\/a>5 von Benedict Wells (weit oben auf der <i>Spiegel-Liste<\/i> \u2013 seinen Roadmovie-Roman mit Selbstfindungstrip hat dieser Autor auch schon hinter sich \u2013 aber diesmal: sch\u00f6ner Lesestoff.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Florian Kesslers Artikel ist kein Sehnsuchtsreflex nach der guten alten Zeit, denn eine Flucht zur\u00fcck entlastet niemanden vom SpeckLit-Verdacht: Goethe war Juristensohn, Friedrich Schillers Vater war Offizier und Wundarzt, den Direktorensohn Brecht lassen wir einfach links liegen und wagen einen weiten Sprung (unverzeihlich viele f\u00e4hige Autoren auslassend) bis zum Auftritt des promovierten Historikers und Mediziners Rainald Goetz, dessen erster Roman <i>Irre<\/i> laut Maxim Biller Auftakt zu einer neuen literarischen Epoche nach der \u00c4ra der Gruppe 47 und der Postmoderne war<a title=\"\" href=\"#_edn36\">3<\/a>6. Goetz, seit jeher cleverer stirnschlitzender Medienexperte, hatte und hat Popstarqualit\u00e4ten. 1983: da begann sie also, die irre Ichzeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allein an der Oberfl\u00e4che kratzend, langatmig (hoffentlich nicht geschw\u00e4tzig) und dennoch bei weitem nicht gen\u00fcgend Facetten und Protagonisten beleuchtend (und eventuell zu sehr poplastig), kommen wir einer ersten Erkenntnis nahe. Schade: SpeckLit, so bildlich und saftig sich die Metapher aus triefendem Bindegewebe als Einleitung zum vorliegenden Text eignete, kann weder als Erkl\u00e4rung noch Entschuldigung dienen f\u00fcr eine Literatur, die Leserinnen und Leser anzu\u00f6den beginnt. Schreibschulen sind oder schaffen nur Produktionsbedingungen f\u00fcr neue Literatur. Gro\u00dfb\u00fcrgerliches Milieu als Petrischale f\u00fcr unter chronischer Erlebnisarmut leidende Dandy-Autoren kann nicht f\u00fcr Kreativlosigkeit verantwortlich sein. Alpha-Aktivit\u00e4t ist unabh\u00e4ngig von der sozialen Herkunft, von Markentreue, Alkohol und sonstigen Drogen (die meisten peitschen sie sogar an). Alphawellen zwischen 14 und 8 Hz treten im Gehirn in gel\u00f6ster, entspannter Grundhaltung, beim Tagtr\u00e4umen und Visualisieren auf. Joanne K. Rowling musste sicher nicht eine <i>Hogwarts School of Witchcraft and Wizardry<\/i> besuchen, um sich den Harry Potter auszudenken. Wer viel erlebt, hat nicht unweigerlich viel zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt es nicht gen\u00fcgend Denkr\u00e4ume f\u00fcr verh\u00e4tschelte <i>Maulhelden und K\u00f6nigskinder<\/i> (Maxim Biller)? \u2026 au\u00dfer \u2026 in Berlin! Berlin sei f\u00fcr junge Autoren ein unvermeidbarer Ort, schrieb E-Book-Predigerin Dana Buchzik vor gut zwei Jahren in der Zeitung, die behauptet, die Welt zu sein.<a title=\"\" href=\"#_edn37\">3<\/a>7<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ach so: Sp\u00e4ter Einschub, bevor es in Vergessenheit ger\u00e4t: Reinhard Baumgart (der stammte aus Breslau) war Arztsohn. Ach das war vor der Hildesheimer Schreibschule.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend man in Amerika nach New York gehe, um dort seine <i>Great American Novel<\/i> zu schreiben, z\u00f6gen die Deutschen in die Hauptstadt, um sich dort ihren Deb\u00fcts mit mal weniger, meist mehr Berlin-Bezug zu widmen. Ein literarisches Zentrum also, ein Denkraum, wo sie sich alle widmen, die Zwanziger und Endzwanziger, Drei\u00dfiger und Enddrei\u00dfiger der Ichzeit 2.0. Roman Ehrlich oder Helene Hegemann hei\u00dfen sie. Auch die Vierziger. Wie Tilman Rammstedt. <i>Mein Leben als F\u00f6n<\/i>. (Hei\u00dfe Luft? Und das bei Piper.) Auch Bachmann-Preis. Nat\u00fcrlich nicht als F\u00f6n. Oder sie hei\u00dfen Kevin Kuhn, ein Mittdrei\u00dfiger und Absolvent einer freien Waldorfschule. Und \u2013 wie h\u00e4tten wir etwas Originelleres erwarten k\u00f6nnen: In Kuhns bislang einzigem Roman <i>Hikikomori<\/i> ist Till, der Protagonist, ein Waldorfsch\u00fcler, Tills Vater (Sch\u00f6nheits-)Chirurg, die Mutter irgendeine Kuratorin. <i>Wow!<\/i> Bahnbrechende imaginative Dimensionen. Schwache Alphawellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach nur vier beispielhaft genannten Autoren (was nicht repr\u00e4sentativ sein kann \u2013 <i>mea culpa<\/i>, durch Ignoranz und Bildungsl\u00fccken des Autors sowie Unlust, einen pseudowissenschaftlichen M\u00f6chtegern-Aufsatz zu schreiben), haken wir getrost (oder voreilig?) das Konzept eines f\u00f6rderlichen Denkraumes (am Beispiel Berlins) ebenso ab wie die Schreib-Akademien und den Fluch der Gruppe 47 (die sich, folgen wir Hans Mayer, wie von Geisterhand aufl\u00f6ste (ohne sich jemals f\u00f6rmlich beendet zu haben: es gab sie einfach deshalb nicht mehr, weil Hans Werner Richter, in <i>passiver Aktivit\u00e4t<\/i> nach Martin Seel, keine Einladungskarten mehr verschickte (<i>Stay low, stay quiet, keep it simple<\/i> (Dean Koontz))), weil sie <i>f\u00fcr den Markt \u00fcberfl\u00fcssig geworden<\/i> war<a title=\"\" href=\"#_edn38\">3<\/a>8).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Landsberger Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger bietet die M\u00f6glichkeit von 10 hoch 36 unterschiedlichen Ergebnistexten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie viele dieser Ergebnistexte (Gedichte? Kurzprosa?) graben tiefere Spuren beim Leser als ein gewichtiger Teil der j\u00fcngeren deutschen Poesie und Prosa? Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch Maxim Biller fragte einmal: <i>Warum ist die deutsche Gegenwartsliteratur so unglaublich langweilig?<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn39\">3<\/a>9<i> <\/i>Seit der Vertreibung der Juden aus der deutschen Literatur durch die Nationalsozialisten, behauptet Biller, seien die deutschen Schriftsteller, Kritiker und Verleger jahrzehntelang fast nur noch unter sich gewesen. Und heute bestimmten die Enkel der Nazi-Generation noch immer, was gelesen wird. Soll hei\u00dfen, deutsche Literatur ist momentan so schwach, weil sie so deutsch ist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re eine Ausstellung denkbar: <i>lesens(un)wert<\/i> \u2013 eine Gegen\u00fcberstellung lesenswerter (das sagt man doch so) <i>Emigrantenprosa<\/i> (frei nach Biller) und einer Auswahl aus jungen Romanen <i>made in Berlin<\/i> und retortiger Recycling-Kunststoff-Prosa aus Schreibakademieeinerlei. Und augenblicklich w\u00e4re die (beim Feuilleton) angesagte Gegenwartsliteratur in der Rolle der Verfolgten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Es gibt keine Literatur mehr. Das, was heute in Deutschland so hei\u00dft, wird von niemandem gekauft und gelesen, au\u00dfer von Lektoren und Rezensenten, den Autoren selbst und einigen letzten, versprengten Bildungsb\u00fcrgern. Es ist eine Literatur, [\u2026 ] die nur mehr auf den Seiten der Feuilletons und Kulturspalten stattfindet<\/i>.<a title=\"\" href=\"#_edn40\">4<\/a>0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interessanteste an den Au\u00dfenseitern sei ihre Innenseite, meinte Jean Genet einmal. Es stimmt schon: In der jungen deutschen Literatur k\u00f6nnte man auf den Gedanken kommen, man begegne zu vielen Insidern die ihre Au\u00dfenseite interessant finden. Ginsberg und Kerouac pflegten bewusst die Au\u00dfenseiterrolle. Die Selbstdarstellung junger Autoren unserer Tage ist wichtiger geworden als der Inhalt ihrer Werke. Diese Selbstinszenierung ist ein Charakteristikum des Pop, doch somit sind sich die Artisten allesamt \u00e4hnlich; sie sind <i>Masse<\/i> geworden, also <i>Pop<\/i> in der semantischen Bedeutung: <i>popul\u00e4r<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich D\u00fcrrenmatt lehnte es lebensl\u00e4nglich ab, seine Autobiographie zu schreiben, fabrizierte aber eine Ansammlung von Momentaufnahmen, unterbrochen von Gedanken und Fiktionsfetzen, und nannte es <i>Stoffe<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn41\">4<\/a>1<i> <\/i>\u2026 Stoffe ist ein vortrefflicher Begriff. Es gibt so viele Stoffe da drau\u00dfen, \u00fcber die Reflexionen lohnend w\u00e4hren, Stoffe, die man ausarbeiten k\u00f6nnte. Da m\u00fcssen wir doch nicht wissen, ob eine dubiose Ich-Erz\u00e4hlerin einen Mann mit dem Mund befriedigen kann oder eben nicht (Nora Gomringer, Bachmann-Preistr\u00e4gerin 2015!<a title=\"\" href=\"#_edn42\">4<\/a>2 \u2013 und Mitgr\u00fcnderin des Bamberger Poetry Slam 2001). Und ausgerechnet aus dieser Slam-Szene kamen doch immer Impulse. Wie damals aus dem jungen deutschen Hip-Hop, seit Anfang der neunziger Jahre (des vergangenen Jahrhunderts \u2013 so dramatisch das klingt), als der aus dem Untergrund herauskam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispiel weil Kult:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Ich komm&#8216; aus einer Mittelschicht.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Die gibt&#8217;s in Deutschland sicherlich.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Oben war&#8217;n wir nich&#8216; und unten nich&#8216;<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2013&#8211; (Einschub: Kein Arztsohn. Keine Professorentochter.)<i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Und heute ist das schlimm.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Doch was du lernst aus diesen Dingen<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>kann dir keine Schule beibringen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Was kennt man vom Leben,<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>wenn man Leute Freunde nennt,<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>die ihren Joint an Kinder weitergeben<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn43\">4<\/a>3<i>.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was kennt man vom Leben? Erfinde dir eins. Dann hast du was zu schreiben. Es muss nicht immer gleich eine definitive Bestandsaufnahme Deutschlands sein.<i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Die Langeweile ist der Hauptfeind unserer Generation<\/i> seufzten seinerzeit die Protagonisten des popkulturellen Quintetts in <i>Tristesse Royale<\/i>. <i>Deshalb<\/i> ist die Literatur dieser Generation langweilig. <i>Diese<\/i> Genration <i>ist<\/i> Langeweile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald sich dann jemand daran setzt, Literatur als Chance zu nutzen, Welt zu modellieren, entz\u00fcnden sich Funken der Hoffnung f\u00fcr den Leser. Es gibt da zum Beispiel die <i>Florida-Rooms<\/i>, beziehungsweise Ann Cotten, jung, Migrationshintergrund sozusagen (na bitte, Herr Biller) \u2013 nun gut aber Ann Cotten lebt in Berlin (Denkraum oder nicht) und liefert deutschsprachige Lyrik und Prosa vom Feinsten (<i>Denn der Realismus ist ein Pferd, sage ich, ein Pferd!<\/i>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den <i>Florida-Rooms<\/i> z\u00e4hlt Ann Cotten die R\u00e4usche, die Emphasen, die Einsichten und die Depressionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein. Literatur l\u00e4sst keinen Platz f\u00fcr Depressionen, wir lassen nur den Rausch und die Emphase gelten. Und wenn wir \u00fcber Depression schreiben m\u00f6chten, dann slammen wir die Sache so durch, dass am Ende etwas Gro\u00dfes (mindestens etwas Mittelm\u00e4\u00dfiges) herauskommt, sei es eine neue Frage, sei es Einsicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00f6ren wir auf, Pop zu sein. Str\u00f6mungen werden heutzutage im Buchmesserhythmus festgemacht, Generationen werden konstruiert, Genres und deren Superstars vom modernen Kulturmarketing laut und wechselhaft ausgerufen wie der aktuelle Bananenpreis an einem beliebigen Fr\u00fcchtestand des Viktualienmarktes. Pop(Literatur) ist immer da, wird vom Feuilleton jedes Mal heraufbeschworen, wenn da Werke auftauchen, die anders sind als die richtige, die <i>echte<\/i> Literatur. Jede Generation hat ihre Pop-Epoche und ihre Ichzeit. Pop ist ganz einfach das, was mit Traditionen bricht. <i><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Der Popintellektuelle wei\u00df nichts und er erlebt nichts, nicht einmal demonstrieren tut er: Er h\u00f6rt nur Musik. Und hier schlie\u00dft sich der Kreis zu den Hipstern, die [\u2026] etwas f\u00fcr die damalige Zeit Neues und Rebellisches fanden[\u2026]. Wandten sich die Beats gegen die squares, die Spie\u00dfer, so sind ihre Sch\u00fcler, Nachfolger und Enkel heute selbst nichts anderes als squares [\u2026] &#8211; sie reproduzieren lediglich alte Verhaltensweisen, die einst rebellisch und ein bisschen weise waren, heute aber nichts anderes als bequem, gew\u00f6hnlich und stereotyp sind &#8211; spie\u00dfig eben. Und also wurden sie Werbetexter<\/i>.<a title=\"\" href=\"#_edn44\">4<\/a>4<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und immer so weiter. Aus den Popautoren werden marktbedienende H\u00f6flinge einer Literaturindustrie, ihre Sch\u00fcler, Nachfolger und Enkel werden sich als neue <i>Junge Wilde<\/i> oder <i>Milde<\/i> erheben, um wiederum vom Markt neutralisiert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so kommen also die <i>Jungen Milden<\/i> von 2016 auf dem PROSANOVA zusammen und feiern \u2013 sich selbst: es ist das gr\u00f6\u00dfte Festival f\u00fcr junge Literatur im deutschsprachigen Raum. <i>Vom 29. Mai bis zum 1. Juni trifft sich in Hildesheim wieder die junge Literaturszene zu Text, Tanz und Gespr\u00e4ch. In \u00fcber 40 Veranstaltungen feiern 70 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler ihr pers\u00f6nliches Bekenntnis zur Literatur<\/i>. Prosit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was heute stattfindet ist eine Inflation von fettigem Dauer-Pop, sozusagen, von viel Gelaber um nichts (das sehen wir ja an vorliegendem Beitrag \u2013 er ist zu lang, zugegeben). Wir zerbrechen uns die K\u00f6pfe \u00fcber Welthaltigkeit, \u00fcber Probleme, die keine sind, \u00fcber Realismus, den wir in unsere Texte bringen nur aus dem vordergr\u00fcndigen und verachtenswerten Antrieb <i>en vogue <\/i>sein zu wollen, derweil verrecken (in der westlichen Kultur im \u00fcbertragenen Sinn) unz\u00e4hlige Talente, die keinen Verleger finden oder sich keine \u00d6ffentlichkeitsarbeit leisten k\u00f6nnen, um im Self-Publishing-Brei und in den endlosen Weiten des Internet gesehen zu werden. Wir haben zu viel reale (Schei\u00df-)Welt in einer traurigen Farce von Gegenwartsliteratur, die nichts aussagt. \u00d6dnis beschreibt \u00d6dnis, dokumentiert unsere nichtsnutzige Ichzeit im Zeichen des diabolischen Dollar, von Angebot und Nachfrage, ohne sie zu verarbeiten. Um \u00fcber die Realit\u00e4t etwas <i>Relevantes<\/i> auszusagen, gen\u00fcgt es nicht, sie einfach aufzuschreiben. Jede Literatur <i>ist<\/i> wie ihre Zeit und eben in diesem Zustand darf sie nicht verharren. Literatur muss sich bewegen und uns bewegen, sollte Welt erschaffen, Welten, gerne zwei, drei, viele davon. Ja, wirklich, ein Schriftsteller darf\u00a0 Geschichten <i>erdichten<\/i>. Wenn ein Roman (nicht-selbstreferenziell) ausgedacht wurde, ist dies heute beinahe ein Vorwurf. Selbstredend bildet Literatur (wie jede Kunst) immer ihre Gegenwart (die Welt) ab, aber indem sie etwas nie Dagewesenes erschafft. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Werk f\u00fcr Werk entsteht die Projektion von Welt als Puzzle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Chloe, Frau des Rasmus und Protagonistin in Sibylle Bergs Roman <i>Der Tag, als meine Frau einen Mann fand<\/i>, w\u00fcnscht sich gleich am Anfang <i>etwas zu erleben, das ich nicht schon hundertmal erlebt habe<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn45\">4<\/a>5.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur zu. Leserinnen und Leser w\u00fcnschen sich etwas zu lesen, das sie nicht schon hundertmal gelesen haben, davon d\u00fcrfen wir doch ausgehen. Postmodernes Schreiben kann an alten Formen festhalten oder sie wieder aufnehmen, aber es muss die Formen \u00fcber ein intertextuelles Spiel mit ihnen wieder in Distanz r\u00fccken (Muss es immer welthaltig sein? &#8211; m\u00f6chten wir die Welt, die wir schon kennen, in unseren B\u00fcchern haben?). Eine geh\u00f6rige Portion Au\u00dfenseiterliteratur t\u00e4te gut, selbstreferenziell wenn es denn unbedingt sein muss, selbstreferenziell nicht nur als Ich-Erz\u00e4hler in seinem eigenen Erfahrungshorizont versackend, sondern so, wie es die Germanistik formuliert: Autoreferentialit\u00e4t ist mehr als der (wom\u00f6glich in irgendeinem zeitgen\u00f6ssischen Penn\u00e4ler-Argot) \u00fcber sich labernde Ich-Erz\u00e4hler &#8211; Fiktivit\u00e4t und Selbstbezug bedingen den Aufbau der jeweiligen fiktionalen Welt mit eigener Referenzialit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hierbei hilft weder die Flucht in vermeintlich aktuelle Themen der digital totalvernetzten Gesellschaft (zum Beispiel <i>Ruhm<\/i> von Daniel Kehlmann) noch hochintellektuelle Genderdiskurse (Thomas Meinecke, Elfriede Jelinek u.v.a.m.). Das Sammeln und Generieren von Merkmalen, Ausdrucksmitteln (Verhalten, Musik, auch Marken) und geographische wie zeitliche Verortung einer bestimmten Generation macht fraglos einen Teil zeitgen\u00f6ssischen Schreibens aus, wenn aber Literatur nicht dar\u00fcber hinaus geht, bleibt sie beim Archivieren, was sinnvollerweise dem Journalismus \u00fcberlassen werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein richtig guter Roman ist zeitlos. Er kann zwar (nein, er wird in jedem Fall) einen bestimmten Zeitgeist spiegeln, aber man kann ihn immer wieder lesen. Er spielt in einer ausgekl\u00fcgelten Welt, die mehr ist als das zur Ironie verkommene Hintergrundgeflimmer in einem TV-Nachrichten-Studio.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mittlerweile oft falsch verstandene Autoreferentialit\u00e4t ist in sofern gef\u00e4hrlich, als gerade in Deutschland liebend gerne der Fehler begangen wird, den Ich-Erz\u00e4hler mit dem Verfasser einer <i>Story<\/i> gleichzusetzen beziehungsweise zu verwechseln. Da wird man aufgrund eben eines Argots, das als Stilmittel eingesetzt wurde, eines bestimmten Kleidungsst\u00fcckes (Barbour-Jacke?), des Wohnortes (Berlin?) oder sonst eines Kriteriums in eine bestimmt Schublade gesteckt und kommt dort auch so schnell nicht wieder raus, weil alles was man im Anschluss daran sagt und tut so hineininterpretiert wird, das es zu dem angeh\u00e4ngten Profil passt. Wenn ein Autor \u00fcber seine Erfahrung beim Spielen mit Playmobil oder sp\u00e4ter mit seinem ersten VW Golf berichtet (die <i>Generation Golf<\/i> wurde hier gar nicht explizit erw\u00e4hnt \u2013 lassen wir es dabei), begibt er sich selber in eine Schublade und l\u00e4sst es zu, dass er auf eine Str\u00f6mung reduziert wird (von der Kritik sowie von seinen Lesern). Falls die reale, durch \u00fcbertriebene Selbstinszenierung reichlich publik gemachte, Erlebniswelt des Autors sich noch dazu mit jener des Protagonisten im Buch deckt, k\u00f6nnte man von einer Auto-Etikettierung sprechen? Selbsverschubladung?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland: Schubladenland.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrhaftige Literatur (Was ist das? Und wer kann diese Frage beantworten?) findet sich wahrscheinlich in den Schubladen guter Autoren &#8211; die niemand kennt weil sie nicht verlegt werden (das wurde weiter oben schon festgestellt) &#8211; und nicht auf der <i>Spiegel-Bestseller-Liste<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, es gibt keine genaue Definition des Begriffs Literatur, die eindeutig und g\u00fcltig ist. Wenn Literatur (welches andere Wort sollten wir weiterhin verwenden, au\u00dfer diesem schwammigen) sich im Universum irrelevanter Geschw\u00e4tzigkeit profilieren uns etwas vermitteln m\u00f6chte, muss es zwischen ihr und dem Leser einen gemeinsamen Code und Kontext geben. Code und Kontext unterscheiden sich f\u00fcr jeden Leser abh\u00e4ngig von seiner Pers\u00f6nlichkeitsstruktur, seiner Lesekompetenz, der Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, der Alterszugeh\u00f6rigkeit, der Bildungszugeh\u00f6rigkeit sowie der momentanen Rezeptionssituation. Das h\u00f6rt sich nach einem wissenschaftlichen Konzept an. Ist es auch. Germanistik. Code und Kontext ehemaliger Schloss-Salem-Sch\u00fcler und hildesheimer PROSANOVA-Teilnehmer schafft nur wenig Schreiber-Leser-Interdependenz au\u00dferhalb dieser Gruppen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wir haben zu viel <i>Markt<\/i>. <i>Wie gerne man auch alle die tausend Gebrechen eingestehen mag, an welchen unsre Literatur kr\u00e4nkelt<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn46\">4<\/a>6 (so der \u00f6sterreichische Benediktinerm\u00f6nch, Schriftsteller und Literaturtheoretiker Michael Leopold Enk von der Burg \u2013 1829!), so ist der <i>Markt<\/i>, mehr noch als nicht-\u00fcberwundener Pop und die speckige Langeweile einer Generation (und die Verwissenschaftlichung durch Literaturkritik und Literaturwissenschaft), das <i>Maligne Gliom<\/i> der Literatur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Handelsherren und <i>Pfeffers\u00e4cke <\/i>in Verlagen machen aus dem Wort ein wirtschaftliches Gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Buchverlage der Gegenwart sind quasi Deko-Kasperletheater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entscheidung, ob ein Buch ver\u00f6ffentlicht wird oder nicht, obliegt nicht mehr einer Person, die sich Verleger nennt (nannte), traditionsgem\u00e4\u00df einer <i>Pers\u00f6nlichkeit<\/i> also, sondern dem <i>Key Account Manager<\/i>. Schon mal was von WKZ geh\u00f6rt? Kleine Verlage k\u00f6nnen davon herzlich wenig vergeben. Kaum Chancen also, bei einer jungen Talentschmiede gro\u00df rauszukommen, denn der vielleicht genialste junge Autor wird seinen Jahrhundertroman niemals im Eingangsbereich bei Thalia auf dem Bestseller-Tisch wiederfinden. Handelsketten, Verlagskooperationen und Literaturagenten spalten den Buchmarkt. Da ist eine Art Korruption am Werk, wenn es nicht Marketing hei\u00dfen w\u00fcrde. Ganz bestimmte Schreiber, welche den Verlagen Millionen einbringen, werden hofiert und es haben sich ganze Schreibfabriken entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hannes Hintermeier orakelt in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gar von der <i>\u00d6konomisierung ganzer geistiger Landstriche<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn47\">4<\/a>7.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl es auf dem Gebiet der zeitgen\u00f6ssischen Literatur vieles zu entdecken gibt, was \u00e4sthetisch und relevant ist, kommt dies beim breiten Publikum kaum an. Man denke etwa an die neue Liebe f\u00fcr das Wundersame, an den aufkeimenden magischen Realismus (damit ist nicht die Entgrenzung von Kunst und Alltagswelt gemeint, die laut Theodor W. Adorno nur um den Preis der Banalisierung und des Qualit\u00e4tsverlusts m\u00f6glich ist) oder das wiederentdeckte utopische Denken bei einer jungen Autorengeneration.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bewegt sich (und uns) auf dem <i>Buchmarkt<\/i> 2016? Der neue Roman von Thea Dorn ist da! Den neuen Walser hatten wir schon. <i>Der \u00dcberl\u00e4ufer<\/i>, ein Post-Mortem-Roman von Siegfried Lenz (geschrieben 1951? &#8211; ein Gespensterroman?). <i>Die Ohrfeige<\/i> von Abbas Khider, ein Fl\u00fcchtlingsroman geschrieben von einem Fl\u00fcchtling (von wegen Uckermark). Gespannt sein d\u00fcrfen wir auf den neuen Schm\u00f6ker von Juli Zeh (\u2026 in einem Spiegel-Interview von 2007: <i>Ich verstehe, dass mein Stil viele nervt<\/i>.)(Die Quellenangabe kann hier entfallen, so wichtig\u00a0 war dieses Interview nicht.) <i>Vor dem Fest<\/i> von Sa\u0161a Stani\u0161i\u0107 ist bereits Ende 2015 erschienen (noch einmal Uckermark, diesmal richtig \u2013 wirklich). Und sehr viel mehr, \u00fcber das sich dann so fabelhaft feuilletonieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Buch zu empfehlen ist ebenso delikat wie das Kritisieren. Doch sei an dieser Stelle auf das Comeback von Benjamin von Stuckrad-Barre (und das ist \u2013 nach der anf\u00e4nglichen Kritik \u2013 jetzt kein Widerspruch) hingewiesen: <i>Panikherz<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn48\">4<\/a>8 \u2013 wieder eine gewaltige Portion Selbstbespiegelung und trotzdem ein sogenanntes gutes Buch. Die atmosph\u00e4rische Darstellung von Los Angeles sowie Udo Lindenberg als Freund und Retter \u2013 ein Lesevergn\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein beeindruckender wie zerrissener Text \u00fcber Entgrenzung, Identit\u00e4t und Selbstsuche im Zeitalter kultureller Globalisierung, ist <i>Schlafg\u00e4gner<\/i> von Dorothee Elmiger (Jahrgang 1985). Vertiefung und Transzendenz, Herausforderung und Auseinandersetzung k\u00f6nnen wir hier lesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder: die Wiederaufnahme eines Projektes. Krista Maria Sch\u00e4dlich hat zusammen mit Hans Joachim Sch\u00e4dlich eine alte, unvollendete Geschichte rekonstruiert &#8211; aus dem Konvolut, das seit Jahren im Deutschen Literaturarchiv Marbach liegt &#8211; sowie anhand der Korrespondenz von Hans Joachim Sch\u00e4dlich mit dem Hinstorff Verlag in den Jahren 1971 bis 1976 erg\u00e4nzt. Das Ergebnis: <i>Catt. Ein Fragment<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn49\">4<\/a>9. Hier arbeitet jemand. Eine Schriftstellerin f\u00e4hrt Taxi.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oder dieses abgedrehte St\u00fcck: <i>Die megascharfe Maus von Milo<\/i><a title=\"\" href=\"#_edn50\">5<\/a>0.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Homer ist, wenn man trotzdem lacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Laberland ist gro\u00df. Die funkelnden Juwelen der Schreibkunst, sie verstecken sich immer und \u00fcberall unter all dem Stra\u00df, der uns von\u00a0 einer m\u00e4chtigen Buchindustrie als <i>echte Steine<\/i> untergeschoben wird \u2013 man muss sie finden, in Kleinverlagen (selten unter den <i>Major Labels<\/i>) und Dank des Internet in den Weltweiten des Web \u2026 und das ist die M\u00fche und Zeit (und die wenigen Entt\u00e4uschungen nach falscher F\u00e4hrte) wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und im \u00dcbrigen: was soll der Stress? Der Professor f\u00fcr Informatik und Journalistik Kris Hammond, <i>CTO<\/i> des Unternehmens <i>Narrative Science<\/i> in Chicago, das das System <i>Quill<\/i> entwickelt hat, eine Art digitaler Journalist, prophezeite in der New York Times, dass in f\u00fcnf Jahren ein Computerprogramm den Pulitzer Preis gewinnen werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist denn jetzt wirklich ein Florida-Raum? Ist das nicht einfach ein Wintergarten? Ein <i>Sunroom<\/i>. Und der nutzt den Glashauseffekt. In einem Glashaus heizt sich bekanntlich der Innenraum \u00fcber das Niveau der Umgebungstemperatur auf. Wuchsbedingungen bestimmter Pflanzen k\u00f6nnen auf diese Weise in Treibh\u00e4usern optimiert werden. Wenn wir nun ganz viele <i>Florida-Rooms<\/i> bauten, insbesondere spezielle f\u00fcr Schriftstellerinnen und Schriftsteller (ebenso f\u00fcr deren Kritiker), karg m\u00f6bliert, heimelig warm dann (erh\u00f6ht W\u00e4rme die Alpha-Aktivit\u00e4t?), die Leichtigkeit selbst, sonnendurchflutet \u2026 darinnen Dichter und Dichterinnen br\u00fcten \u2026 und alle Gro\u00dfverlage entlie\u00dfen ihre Key Account Manager \u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schreiben. Einer muss es doch tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber in einem Glashaus sollte man nicht (mehr) mit Steinen werfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Denis_Ullrich-e1520668311146.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-47232\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Denis_Ullrich-e1520668311146.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"180\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Essay wurde beim KUNO-Essaypreis 2013 mit einer lobenden Erw\u00e4hnung bedacht. Die Begr\u00fcndung findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\">hier.<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Die Redaktion verlieh Denis Ullrich f\u00fcr einen weiteren fulminanten <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26608\">Text<\/a> den KUNO\u2013Essay\u2013Preis 2015.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Die Gattung des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Essays<\/a> h\u00e4lt das freie Denken aufrecht, ohne, da\u00df der literarische Anspruch verlorengeht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">1<\/a> \u00a0 Leif Randt: <i>Schimmernder Dunst \u00fcber Coby County &#8211; <\/i>Berlin Verlag, 2011<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">2<\/a> \u00a0 Charlotte Roche: <i>Feuchtgebiete \u2013 <\/i>Dumont, 2008<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">3<\/a> \u00a0 Frank Sch\u00e4tzing: <i>Breaking News &#8211; <\/i>Kiepenheuer &amp; Witsch, 2014<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">4<\/a> \u00a0 Nora Gantenbrink: <i>Verficktes Herz &#8211; <\/i>Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2013<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">5<\/a> \u00a0 a.a.O (Fn. 4)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">6<\/a><i> Eine herbstliche Reise zu Peter Handke nach Paris. Ein Gespr\u00e4ch mit Ulrich Greiner<\/i> &#8211; Die Zeit Nr. 48, 25. November 2010<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">7<\/a><i> \u00a0 Zur Lage der Literatur<\/i> &#8211; Die Zeit Nr. 40, 30. September 2010<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">8<\/a><i> Frische Luft! Wie viel Welthaltigkeit braucht die Literatur?<\/i> &#8211; Die Zeit Nr. 25, 12. Juni 2003<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">9<\/a><i> \u00a0 <\/i>Moritz Ba\u00dfler: <i>Der deutsche Pop-Roman. Die Neuen Archivisten<\/i> \u2013 C.H.Beck, 2002<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">1<\/a> 0 Um 100% Welt in einen beliebigen Text zu bekommen, kann man dank<br \/>\nIntertextualit\u00e4t auf so ziemlich alles verweisen \u2026 hier: Fettes Brot: <i>Mal<br \/>\nsehen<\/i> &#8211; Album: <i>Au\u00dfen Top Hits, innen Geschmack<\/i> \u2013 Format: Vinyl LP, Label:<br \/>\nAlternation Records (EMI), 1995<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">1<\/a> 1 a.a.O (Fn. 10)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">1<\/a> 2 Dietmar Dath: <i>Die Abschaffung der Arten<\/i> &#8211; Suhrkamp, 2008<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">1<\/a> 3 Interview in zitty, 20. Oktober 2006<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">1<\/a> 4 <i>Das Zeitalter der neuen Literatur<\/i> &#8211; Christ und Welt, 13. und 20. September<br \/>\n1968<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\">1<\/a> 5 Jost Hermand: <i>Pop International. Eine kritische Analyse<\/i> \u2013 Athen\u00e4um, 1971<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\">1<\/a> 6 Christian Kracht: <i>Faserland<\/i> &#8211;\u00a0 Kiepenheuer &amp; Witsch, 1995<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\">1<\/a> 7 Benjamin von Stuckrad-Barre: <i>Soloalbum<\/i> &#8211; Kiepenheuer &amp; Witsch, 1998<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\">1<\/a> 8 Interview mit Ijoma Mangold &#8211; ZEITmagazin Nr. 17\/2011<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\">1<\/a> 9 Eliana Burki: <i>Heartbeat<\/i> <i>(Funky Swiss Alphorn)<\/i> &#8211; CD, Label: Suonix, 2008<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\">2<\/a> 0 Maxim Biller: <i>Meine Schuld<\/i> &#8211; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Februar 1999<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\">2<\/a> 1 Interview mit Paulina Henkel &#8211; planet-interview.de, 28. M\u00e4rz 2009<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\">2<\/a> 2 Joachim Witt: <i>Goldener Reiter<\/i> \u2013 Album: <i>Silberblick<\/i> &#8211; Vinyl LP, Label: WEA,<br \/>\n1980<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\">2<\/a> 3 Gottfried Benn: <i>Probleme der Lyrik<\/i> [Marburger Vortrag] &#8211; Limes Verlag, 1951<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\">2<\/a> 4 Gerrit Bartels: <i>Die Kaputten von heute<\/i> &#8211; Der Tagesspiegel, 2. Juni 2014<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\">2<\/a> 5 Sibylle Berg: <i>Der Tag, als meine Frau einen Mann fand<\/i> &#8211; Carl Hanser Verlag,<br \/>\n2015<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\">2<\/a> 6 a.a.O (Fn. 25)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\">2<\/a> 7 Sibylle Berg: Ein paar Leute suchen das Gl\u00fcck und lachen sich tot \u2013 Reclam,<br \/>\n1997<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\">2<\/a> 8 Joachim Lottmann: <i>Mai, Juni, Juli<\/i> &#8211; Kiepenheuer &amp; Witsch, 1987<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\">2<\/a> 9 Joachim Bessing (Hg.), Christian Kracht, Eckhart Nickel, Alexander von<br \/>\nSch\u00f6nburg, Benjamin von Stuckrad-Barre: <i>Tristesse Royale: Das popkulturelle<br \/>\nQuintett<\/i> \u2013 Ullstein, 1999<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\">3<\/a> 0 Christian Kracht: <i>1979<\/i> \u2013 Kiepenheuer &amp; Witsch, 2001<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\">3<\/a> 1 Nils Diewald: <i>Faserland ist abgebrannt<\/i> &#8211; Bachelorarbeit im Studiengang<br \/>\nGermanistik an der Universit\u00e4t Bielefeld, 2005<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\">3<\/a> 2 Ingo Arend betreibt ein lesenswertes Blog: <i>\u00c4sthetik und Demokratie<\/i> &#8211;<br \/>\nwww.ingo-arend.de<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\">3<\/a> 3 <i>Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn!<\/i> &#8211; Die Zeit Nr. 4, 16. Januar 2014<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\">3<\/a> 4 Chris Popp auf booknerds.de, 25. November 2015<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\">3<\/a> 5 Benedict Wells: <i>Vom Ende der Einsamkeit<\/i> \u2013 Diogenes, 2016<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\">3<\/a> 6 Maxim Biller: <i>Unsere literarische Epoche. Ichzeit.<\/i> &#8211; Frankfurter Allgemeine<br \/>\nSonntagszeitung, 1. Oktober 2011<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\">3<\/a> 7 <i>Idealistisch angepasst<\/i> \u2013 Die Welt, 5. Oktober 2013<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\">3<\/a> 8 Hans Mayer: <i>Woran starb die Gruppe 47?<\/i> In: Heinz Ludwig Arnold (Hg.): <i>Die<br \/>\nGruppe 47. Ein kritischer Grundriss<\/i> &#8211; edition text+kritik, 1980<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\">3<\/a> 9 Maxim Biller: <i>Letzte Ausfahrt Uckermark<\/i> &#8211; Die Zeit Nr. 9, 20. Februar 2014<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\">4<\/a> 0 Maxim Biller: <i>Soviel Sinnlichkeit wie der Stadtplan von Kiel<\/i> &#8211; In: <i>Maulhelden<br \/>\nund K\u00f6nigskinder. Zur Debatte \u00fcber die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.<br \/>\n<\/i>Hrsg. von Andrea K\u00f6hler und Rainer Moritz, Leipzig, 1998<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\">4<\/a> 1 Friedrich D\u00fcrrenmatt: <i>Labyrinth: Stoffe I-III<\/i> und <i>Turmbau: Stoffe IV-IX<\/i>,<br \/>\nDiogenes Verlag, 2002<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\">4<\/a> 2 In: <i>Klagenfurter Texte. Die Besten 2015 &#8211; Die 39. Tage der deutschsprachigen<br \/>\nLiteratur in Klagenfurt<\/i> &#8211; hrsg. von Hubert Winkels, Piper, 2015<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\">4<\/a> 3 Cora E: <i>Schl\u00fcsselkind<\/i> &#8211; Format: Vinyl 12&#8243; Single, Label: MZEE Records, 1996<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\">4<\/a> 4 Maxim Biller: <i>Die Beat-Story<\/i> &#8211; in: <i>Die Tempojahre<\/i> &#8211; Deutscher Taschenbuch<br \/>\nVerlag, 1991<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\">4<\/a> 5 a.a.O Fn. (25)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\">4<\/a> 6 Michael Leopold Enk von der Burg: <i>Ueber den Umgang mit uns selbst<\/i> \u2013 Verlag<br \/>\nCarl Gerold, 1829<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\">4<\/a> 7 Hannes Hintermeier: <i>Nicht der Verlag, der Handel entscheidet<\/i> &#8211;\u00a0 Frankfurter<br \/>\nAllgemeine Zeitung, 16. M\u00e4rz 2010<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\">4<\/a> 8 Benjamin von Stuckrad-Barre: <i>Panikherz<\/i> &#8211; Kiepenheuer &amp; Witsch, 2016<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\">4<\/a> 9 Hans Joachim Sch\u00e4dlich: <i>Catt. Ein Fragment<\/i>. Hrsg. und mit einem<br \/>\nNachwort von Krista Maria Sch\u00e4dlich &#8211; Verbrecher Verlag, 2015<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\">5<\/a> 0 Uli Hannemann: <i>Die megascharfe Maus von Milo<\/i> \u2013 Berlin Verlag, 2016<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Speck ist fett. Sehr fetter Speck ist R\u00fcckenspeck. Speck ist Bindegewebe, das aus Adipozyten aufgebaut ist. Adipozyten verbinden sich \u00fcber netzartige Strukturen mit ihren Nachbarzellen, nachdem sie sich aus Steatoblasten entwickelt haben. Steatoblasten stammen aus intraembryonalen Mesenchymzellen. Mesenchym kann&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/07\/28\/lost-in-laberland\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":116,"featured_media":98720,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1893],"class_list":["post-34426","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-dennis-ullrich"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34426","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/116"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34426"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34426\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":102158,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34426\/revisions\/102158"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98720"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34426"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34426"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34426"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}