{"id":33969,"date":"2016-12-02T00:01:20","date_gmt":"2016-12-01T23:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=33969"},"modified":"2021-06-08T16:44:00","modified_gmt":"2021-06-08T14:44:00","slug":"begegnungen-mit-ibrahim-rugova","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/12\/02\/begegnungen-mit-ibrahim-rugova\/","title":{"rendered":"Begegnungen mit Ibrahim Rugova"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich an Ibrahim Rugova denke, so sehe ich ihn vor mir als einen schm\u00e4chtigen Mann, der stets etwas gebeugt ging und fast zerbrechlich wirkte; immer mit seinem Markenzeichen: einem Schaltuch, um seinen Hals gewunden; und mit der unvermeidlichen Zigarette in der Hand. Stets wirkte er wie in seine Gedanken versunken. Wenn er kurz aufsah und einen ansah, durch seine etwas altmodischen Brillen mit den dicken Gl\u00e4sern, so konnte man fast so etwas wie eine melancholische Traurigkeit in seinem Gesichtsausdruck wahrnehmen. Und wenn er schon einmal l\u00e4chelte, was nur selten der Fall war, dann war dieses L\u00e4cheln wie das eines Menschen, der sich bei seinem L\u00e4cheln ertappt f\u00fchlte. Ibrahim Rugova war ein scheuer, ja ein wie in sich eingeschlossen wirkender Mensch. Aber er war zugleich einer, der ein Ziel hatte, dieses unerm\u00fcdlich und unnachgiebig verfolgte; und dabei etwas bewirkte und am Ende das erreichte, was er angestrebt hatte. Und heute, zehn Jahre nach seinem Tod, gedenken wir seiner in Verbundenheit, ja sogar mit einer gewissen Ehrfurcht; denn er war trotz seiner augenscheinlichen k\u00f6rperlichen Zerbrechlichkeit ein gro\u00dfer und starker Mann, ohne den sein Land nicht das w\u00e4re, was es heute ist: ein um seine Selbstst\u00e4ndigkeit ringender, aber diese Selbst\u00e4ndigkeit erreicht habender Staat. Und das ist diesem Mann Ibrahim Rugova, dem Literaturwissenschaftler, dem Universit\u00e4tsprofessor und geistigen F\u00fchrer, dem sp\u00e4teren Pr\u00e4sidenten des Kosovo zu verdanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stets betonte Rugova das Prinzip der Gewaltlosigkeit. Dies weil er ein \u00fcberzeugter Humanist war, der auch bei seinen staatspolitischen Zielen nie das Menschliche, das menschliche Ma\u00df, die menschlichen Grundrechte aus den Augen verlor. Er wu\u00dfte, da\u00df der Kampf, vor allem mit einem m\u00e4chtigen und skrupellosen Gegner (Slobodan Milo\u0161evi\u0107), kein Spaziergang war; er kannte Unterdr\u00fcckung und Gewalt. Er wu\u00dfte, wie weit und wie schwierig der Weg in die Befreiung, in die Freiheit sein w\u00fcrde und war. Er ging diesen Weg, mit seinen Weggef\u00e4hrten. Und das Ziel wurde schlie\u00dflich erreicht; auch wenn noch viel zu tun ist, um dem Kosovo international jenen realen Status zu geben, den Rugova angestrebt hat und den ein souver\u00e4ner Staat einfach braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, seit ich Rugova in Struga\/Makedonien sowie in Bled\/Slowenien bei Schriftstellertagungen begegnet bin. Aber immer noch sehe ich ihn vor mir, wie er zwischen dem ehemaligen Goli Otok-H\u00e4ftling Branko Hofmann und dem in Triest lebenden ehemals von den Nazis verfolgten Boris Pahor im Boot mir gegen\u00fcber sitzt. Man ruderte uns hin\u00fcber zur Insel mitten im See. Und dann gingen wir gemeinsam langsam die Stufen der steilen Steintreppe hinauf. Es war m\u00fchsam, so wie der politische Weg, den Ibrahim Rugova sein Leben lang gegangen ist. Dieses Hinaufgehen war beschwerlich; aber Ibrahim Rugova ging entschlossen und zielbewu\u00dft; und er l\u00e4chelte dabei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-image-19169 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Photo: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">W\u00fcrdigung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wenn ich an Ibrahim Rugova denke, so sehe ich ihn vor mir als einen schm\u00e4chtigen Mann, der stets etwas gebeugt ging und fast zerbrechlich wirkte; immer mit seinem Markenzeichen: einem Schaltuch, um seinen Hals gewunden; und mit der unvermeidlichen&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2016\/12\/02\/begegnungen-mit-ibrahim-rugova\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":19169,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1142],"class_list":["post-33969","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33969"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33969\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}