{"id":3095,"date":"2022-01-18T00:01:19","date_gmt":"2022-01-17T23:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3095"},"modified":"2022-11-20T13:13:06","modified_gmt":"2022-11-20T12:13:06","slug":"1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/01\/18\/1\/","title":{"rendered":"1"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blinklicht: Fasten Seat Belt. Turbinen wirbeln das erste Laub \u00fcber die Startbahn. Der Jet faucht an trapezf\u00f6rmiger Funktionsarchitektur vorbei, die an ein K\u00fchlhaus erinnert, weiss und steril. Langsam, stetig entgleitet ihnen der Heimatboden unter den F\u00fcssen. Eine Kehre markiert den Wendepunkt am letzten Ort des Ortlosen. Es geht den Weggef\u00e4hrten um das Getriebensein, um schweigendes Blau, um den unergr\u00fcndlichen Raum, um Abreise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zoom. Nataly und Max fliehen vor dem geregelten Leben. Das Flugzug erreicht seine Reisegeschwindigkeit. Die Landschaft wird unter den Wolken zu bunten Farbtupfern, \u00fcber den Wolken zu einer ultramarinen Verheissung. Schattenwesen erblicken das Licht der Welt. Gedanken fliegen auf goldenen Fl\u00fcgeln\u2026 in einem traumsch\u00f6nen Moment leuchtet der alte Zauber noch einmal kurz auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit tieferen Einsichten in die Welt und ihre Zusammenh\u00e4nge erkennen sie Licht als sichtbare elektromagnetische Schwingung. Es beginnt die Konfrontation des Individuums mit der Natur, deren Sch\u00f6nheit und Schrecken es nicht kalkulieren kann, die es entz\u00fcckt oder \u00e4ngstigt, erhebt oder zerst\u00f6rt. Vor dem Sprechen liegt das ungl\u00e4ubige Staunen; bis es in Gedachtes umgesetzt wird, dauert es eine Weile. Mit gl\u00e4ubigem Staunen kann man jeder Faszination erliegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Action. Langsam, stetig entfernen sich auch ihre Gedanken vom gewohnten Rhythmus, und grosse Fragezeichen versperren die R\u00fcckkehr. Fragezeichen, die sich in dem Satz aufrichten: \u201eDort, wohin wir wollen, was wollen wir \u00fcberhaupt dort?\u201c Neben diesen gibt es andere, unfassbare. Sie sollen bei dieser Reise hinter den Spiegel diskret verschwiegen werden. Elaboriertes Achselzucken. Der Inhalt des Koffers bet\u00e4ubt ihre Sinne, so dass sie Postkarten mit Fragezeichen bemalen und die Welthaltigkeit befragen. Nachdem diese Widerspr\u00fcchlichkeiten ihr Recht abgegolten haben, blicken sie \u00fcber die Altstadt von Iskenderiya, trinken den Mokka bis zum Kardamomrest aus, lehnen sich zur\u00fcck\u2026 und warten darauf, anzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Exerzitien der urteilsf\u00e4higen Klarsicht. Der Himmel wird zu einer Blue Box in gleichm\u00e4ssig tiefem Blau, vor der kulissenhaft Objekte gestellt worden sind. Zwischen Art\u2013Deco\u2013Hotels am Strand steht eine Batterie von Frachtcontainern, als h\u00e4tte dort ein Tanker seine Bruttoregistertonnen abgeladen. Nataly und Max lassen die Penetranz des Postkartenhimmels als in sich stimmiges Klischee auf sich wirken und ertr\u00e4umen sich den Pharos des hellenistischen \u00c4gyptens. Gedanklich st\u00f6bern sie im Schrein des Wissens, der Mutter aller Bildungsmythen, dem Gef\u00e4ss der Erinnerung, der Bibliothek von Alexandria, in welcher ein Buchbestand von mehr als 420.000 Rollen lag; der Traum vom Kraftzentrum der Geistesfreiheit wurde aus dem Universum des Wissens in das 21. Jahrhundert transferiert. Der kreisf\u00f6rmige Nachfolgebau ragt genau an der Stelle schr\u00e4g aus dem Boden, an welcher der Standort der alten Bibliothek vermutet wird. Schwere Granitplatten umh\u00fcllen das Geb\u00e4ude; als seien es moderne Hieroglyphen wurden Buchstaben aus unterschiedlichen Alphabeten in die Aussenh\u00fclle eingraviert. Die neue Bibliotheca Alexandrina am \u00f6stlichen Abschnitt der Corniche gleicht einer verspiegelten Chromscheibe, einem Fundst\u00fcck am Strand, herangesp\u00fclt aus den Tiefen der Zeit, von der Gischt umwogt, halb versunken im Sand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vignetten<\/strong>, Novelle von A.J. Weigoni, Edi\u00adtion Das Labor, M\u00fclheim an der Ruhr 2009.<\/p>\n<div id=\"attachment_47142\" style=\"width: 206px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-image-47142 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover-196x300.jpeg 196w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/VignettenCover.jpeg 623w\" sizes=\"auto, (max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-47142\" class=\"wp-caption-text\">Covermotiv, Schreibstab von Peter Meilchen<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constanze Schmidt zur <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/11\/18\/wellenbewegungen\/\">Novelle<\/a> und zum <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Label<\/a>. Ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/01\/18\/literaturgeografie\/\">Nachwort<\/a> von Enrik Lauer. KUNO \u00fcbernimmt einen Artikel der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/09\/09\/bruchstuckhafte-morsezeichen\/\">Lyrikwelt<\/a> und aus dem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/09\/lachfalten-im-gesicht-der-zeit\/\">Poetenladen<\/a>. Betty Davis konstatiert <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/06\/18\/ein-fein-gesponnenes-psychogramm\/\">Ein fein gesponnenes Psychogramm<\/a>. \u00dcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2009\/12\/18\/novelle_revisited\/\">Reanimierung<\/a> der Gattung Novelle und die Weiterentwicklung zum Buch \/ Katalog-Projekt <em>630<\/em> finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46549\">hier<\/a> einen Essay. Einen weiteren Essay zur Ausstellung <em>50 Jahre Krumscheid \/ Meilchen<\/em> lesen Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21518\">hier<\/a>. Mit einer <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/hungertuch\/taeger2001.htm\">Laudatio<\/a> wurde der Hungertuch-Preistr\u00e4ger Tom T\u00e4ger und seine Arbeit im Tonstudio an der Ruhr gew\u00fcrdigt. Eine W\u00fcrdigung des Lebenswerks von Peter Meilchen findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12763\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Blinklicht: Fasten Seat Belt. Turbinen wirbeln das erste Laub \u00fcber die Startbahn. Der Jet faucht an trapezf\u00f6rmiger Funktionsarchitektur vorbei, die an ein K\u00fchlhaus erinnert, weiss und steril. Langsam, stetig entgleitet ihnen der Heimatboden unter den F\u00fcssen. 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