{"id":3091,"date":"2012-04-10T00:01:05","date_gmt":"2012-04-09T22:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=3091"},"modified":"2019-09-29T21:04:00","modified_gmt":"2019-09-29T19:04:00","slug":"standortvermessungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/04\/10\/standortvermessungen\/","title":{"rendered":"Standortvermessungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Enfant.4c.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3092\" title=\"Enfant.4c\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Enfant.4c.jpeg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"211\"\/><\/a>Mit seinen Gedichten bewegt sich Wolf Doleys im Widerspruch zum Literaturbetrieb, er will den Ursprung, er will ihn jedoch bewu\u00dft. Das hat die Konsequenz, da\u00df die Unschuld immer schon verloren ist, wenn er sich schreibend \u00fcber die Verse beugt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doleys Gedichtband \u00bbins blaue springen\u00ab, enth\u00e4lt bereits im Kern die sp\u00e4teren theoretischen \u00dcberlegungen, seinen Kampf gegen das Kleinb\u00fcrgertum und die Konsumgesellschaft, wird hier zur lyrischen Klammer, die sein Denken zusammenspannt. Manchmal scheint es, als wolle dieser Autor in der Entwicklungsgeschichte des lyrischen Ichs die Welt an den Enterhaken nehmen. Das Schreiben ist f\u00fcr Doleys immer auch die Emanzipation von der papiernen Welt, ist das Verlassen des akademischen Kreislaufs, der zyklisch strukturierten Welt, ist das Hineingehen in die Linearit\u00e4t und damit der Eintritt in die Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In \u00bbEntfant perdu\u00ab packt der vielseitige Intellektuelle Doleys sein avanciertes Wissen und seine klugen Reflexionen zum Thema \u201elinke Utopie\u201c in ein Form und st\u00f6bert in einem Metaphernhaushalt der viele Facetten des Zeitgeistes aufweist. Seine Beschreibung dieser Experimente ist in ihrer Klarheit hinrei\u00dfend und schient ein fernes Echo auf Ernst Blochs \u00bbDas Prinzip Hoffnung\u00ab zu sein. Wenn man seine Essays liest, meint man, die Moderne beginnt, wo der Ursprung, die Herkunft historisch und zugleich vergessen wird; sie leugnet die Verwurzelung in ewig gleicher \u00dcberlieferung und behauptet eine Geburt aus eigener Kraft. Doleys pustet den Denkerstaub von Intellektuellen beiseite, die den Vogelflug einer verg\u00e4nglichen Idee mit der unverg\u00e4nglichen Faktizit\u00e4t der Geschichte verwechseln. Hier ist ein Eigendenker zugange, der den stilistischen Posaunenton als sp\u00e4texpressionistisch entlarvt. Seine Essays sind vagabundierende Gedankenz\u00fcge, anregend und schillernd, immer geistreich und nie langweilig. Doleys ist ein Fischer am Ufer der Kulturgeschichte. Unerm\u00fcdlich zieht er sein Netz durch den Strom der \u00dcberlieferung, und geduldig f\u00e4ngt er ungew\u00f6hnliche Gedanken ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Entfant perdu<\/strong> von Wolf Doleys,&nbsp;Edition Lichtenberg, Odenthal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seinen Gedichten bewegt sich Wolf Doleys im Widerspruch zum Literaturbetrieb, er will den Ursprung, er will ihn jedoch bewu\u00dft. 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