{"id":30568,"date":"2015-10-25T00:01:24","date_gmt":"2015-10-24T22:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30568"},"modified":"2022-02-19T15:23:12","modified_gmt":"2022-02-19T14:23:12","slug":"berauschendes-buchstabengestoeber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/25\/berauschendes-buchstabengestoeber\/","title":{"rendered":"Berauschendes Buchstabengest\u0153ber"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> F\u00fcr das Projekt <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/kollegen.htm\">Kollegengespr\u00e4che<\/a> hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern eine leicht modifizierte \u00dcbernahme aus der Reihe &#8222;Der lyrische Mittwoch&#8220; zwischen Sebastian Schmidt und A.J. Weigoni.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Schein einer konsistenten Grauwirkung die genaue Betrachtung entgegensetzen und dann im Text nichts weiter finden als das Flirren von \u201eBuchstabengest\u0153ber\u201c. Die Worte haben ihre Festigkeit im Gef\u00fcge verloren und wurden instrumentalisiert zu Gummigeschossen auf die Netzhaut der Text\u00fcberflieger. Noch immer aktuell dieser Gedanke, nicht nur im Bereich der Lyrik, sondern beispielsweise auch \u00fcbertragen auf die verst\u00fcmmelten Salven der Werbesprache. Mit deutlichen Bildern und n\u00fcchternen Worten zieht das lyrische Ich Bilanz, erkennt die M\u00f6glichkeiten der Sprache, aber bescheinigt ihr \u201edurchfall\u201c. Die Suche nach dem vermeintlich Wirklichen h\u00e4lt an, aber sie findet statt im Tr\u00fcben, ihr Ausgang bleibt vorerst offen, doch manche Tendenz zeichnet sich bereits ab\u00a0\u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>***<\/b><\/p>\n<p><em>\u2021 Zwischenbefund \u2021<\/em><\/p>\n<p><em>die Sprache<\/em><br \/>\n<em>hat das<\/em><br \/>\n<em>Sagen<\/em><br \/>\n<em>:<\/em><br \/>\n<em>progressive Paralyse<\/em><br \/>\n<em>anhaltender Satzdurchfall<\/em><br \/>\n<em>Worte<\/em><br \/>\n<em>wertloser als<\/em><br \/>\n<em>abgestempelte Fahrkarten<\/em><br \/>\n<em>welche wenigstens eindeutige<\/em><br \/>\n<em>Richtungen bestimmen<\/em><br \/>\n<em>raschelndes Papier<\/em><br \/>\n<em>berauschendes Buchstabengest\u0153ber<\/em><br \/>\n<em>nach Wirklichkeit wird<\/em><br \/>\n<em>weiterhin im Nebel gestochert<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>***<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sebastian Schmidt:<\/strong> H\u00f6rt man sich den Vortrag von \u201e\u2021 Zwischenbefund \u2021\u201c an, hat man das Gef\u00fchl, Du hauchst den Worten und dem Gedicht ein Eigenleben ein. Warum hast Du dich dazu entschieden, Deine Gedichte f\u00fcr das H\u00f6ren aufzuarbeiten? Was bewirkt der Vortrag, das dem Geschriebenen abgeht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A.\u00a0J. Weigoni:<\/strong>\u00a0Dem Radio gilt meine lebensl\u00e4ngliche Leidenschaft. Schon als Kind habe ich begeistert vor dem Lautsprecher gesessen, um mir beispielsweise \u201eJim Knopf und die Wilde 13\u201c anzuh\u00f6ren. Mir bereitet es immer noch eine grosse Freude, wenn das geschriebene Wort zu Fleisch wird. Da komme ich mit meiner Arbeit vom H\u00f6rspiel, also einem Medium, das bereits 80 Jahre alt ist, in diesem Genre steht das Wort h\u00e4ufig im Mittelpunkt. Allerdings betone ich das Wort\u00a0<i>Spiel<\/i>\u00a0im H\u00f6rspiel. Das Spielen scheint mir der K\u00f6nigsweg zum Verst\u00e4ndnis der neuen Medien zu sein. Computer, Studios und Software sind keine Werkzeuge, sondern Spielzeuge, wobei die alten Medien als Navigationshilfen dienen.<\/p>\n<p><strong>?<\/strong>\u00a0Wie beeinflusst das Deine Art, Gedichte zu schreiben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>!<\/strong>\u00a0Da muss ich auf Reset dr\u00fccken. Ausgangspunkt war die\u00a0<i>Literaturclips<\/i>-CD. Wir haben zum einen arri\u00e8regardistische Arbeiten gemacht, zum anderen ein altes Aufnahmemedium, den Kunstkopf mit einer zu dieser Zeit neuen Aufnahmetechnik, sprich DAT gekoppelt. Damit konnten wir dann praktisch Road-Radio machen und jeden Raum in ein Aufnahmestudio verwandeln. Wir erarbeiteten Soundscapes um der Poesie neue Klangr\u00e4ume zu er\u00f6ffnen. Die Notwendigkeit der Literaturclip-CD (damals war der Claim H\u00f6rbuch noch nicht abgesteckt und wir ver\u00f6ffentlichten die CD beim Punk-Label Constrictor) ergab sich damals schon aus dem Verfall der klassischen H\u00f6rkultur (Stichwort\u00a0<i>Begleitprogramm<\/i>) und dem fortschreitenden Verdr\u00e4ngungsprozess auf dem durch Hochtechnologie gepr\u00e4gten Medienmarkt. Das Medium \u201eH\u00f6rbuch\u201c kn\u00fcpft an die\u00a0<i>Oral History\u00a0<\/i>an und versetzt uns zur\u00fcck an den Ursprung aller Dichtung, ihr Verwurzelt-Sein in Kult, Beschw\u00f6rung, Magie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?<\/strong>\u00a0Beziehst Du die m\u00f6glichen akustischen Umsetzungen bereits in den Prozess des Schreibens ein oder trennst Du Textentstehung und Vertonung voneinander?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Das l\u00e4sst sich schl\u00fcssig an einem Beispiel beschreiben: \u201e<a title=\"A. J. Weigoni - Schland\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SMFU2_5xl-E&amp;feature=c4-overview&amp;playnext=1&amp;list=TLhL1uvtEAuyg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schland<\/a>\u201c ist die mir wichtigste Arbeit, weil hier Bildende Kunst, Komposition und die Darstellende Kunst sinnf\u00e4llig ineinander gegriffen haben. \u00bbSchland\u00ab ist ein Zeitfetzen. Ein akustischer Raum in einem r\u00e4umlichen Beh\u00e4ltnis, dem \u201eneuen\u201c DeutSchland, einem fiktiven Staat, tiefste Provinz. Er folgt dem poetischen Kernsatz: \u201eNur die Fiktion ist noch wirklich, weil die Wirklichkeit durch mannigfaltige Wahrheiten verunstaltet wurde.\u201c Mit dem K\u00fcnstler Peter Meilchen arbeitete ich an einem St\u00fcck, das sich zwischen bildender Kunst, Theater und Performance bewegte. Die bisherigen Auff\u00fchrungen best\u00e4tigten: Schland ist nicht nur ein Acker in Herdringen, auf dem Milchproduzenten umherlaufen, Schland ist \u00fcberall. Es geht (ganz im Sinne Poe\u2019s: \u201eMan sieht es und sieht doch hindurch\u201c.) um den Blick, das Sehen, die Kurzsichtigkeit. Im Gegensatz zum oft beliebigem High-Tech-Bilderschaschlik, wurde Schland mit einem scheinbar antiquierten Bildtr\u00e4ger gedreht: Super 8 S\/W-Material. Peter Meilchens Nachbearbeitung mit Tipp-Ex, Tinte, Farbstiften und das partielle Zerkratzen der Filmoberfl\u00e4che kommentiert und verfremdet den Film zugleich. Genauso wie der Blick manipuliert wird, wurde die Tonspur bearbeitet. Wir h\u00f6ren als Continuum: Zikaden aus dem Mittelmeerraum, K\u00fche vom Niederrhein, Kuhglocken aus dem Zillertal und Unken aus dem Aquazoo. Die heile Welt als virtuelles Ereignis. (<em>Anmerkung Se. S.:<\/em>\u00a0<a title=\"A. J. Weigoni - Schland\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SMFU2_5xl-E&amp;feature=c4-overview&amp;playnext=1&amp;list=TLhL1uvtEAuyg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier klicken<\/a>\u00a0zum Ansehen und Anh\u00f6ren)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>?<\/b> Neben Deinem Schaffen als K\u00fcnstler arbeitest Du als Literaturp\u00e4dagoge. Auch dort findet sich die N\u00e4he zur Kunst, doch wie kann man sich die Arbeit eines Literaturp\u00e4dagogen genau vorstellen?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Nach den Ergebnissen der \u201ePisa\u201c-Studie fragt man sich, wie der Welt etwas hinzugef\u00fcgt werden kann und die mediale \u201e\u201dWirklichkeit aus zweiter Hand\u201c reflektiert werden sollte. Die Frage einer Sinnenschulung angesichts des unterstellten Erfahrungsverlustes durch permanenten Medienkonsum wirft viele verborgene Ratlosigkeiten auf. Mit literaturp\u00e4dagogischen Kursen versuche ich die fluide Intelligenz abseits von Routinen zu schulen. Aus dem suchenden Gedankenspiel eines Navigierens in einem Raum der M\u00f6glichkeiten speist sich ein Lernen, das andauernd den Entwurf mit der Reflexion konfrontiert und das zwischen Nachdenklichkeit und Idee agiert. Kopf und Hand gehen eine Verm\u00e4hlung ein, wie es das Lernen nur selten zul\u00e4sst, weil bekanntermassen das tr\u00e4ge Wissen aus den B\u00fcchern meist nicht die n\u00e4chste Lernkontrolle \u00fcberdauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?<\/strong>\u00a0Was zeichnet erfolgreiche Literaturp\u00e4dagogik aus?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0<a title=\"A. J. Weigoni - Literaturp\u00e4dagogik\" href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/mpaed.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Literaturp\u00e4dagogische Vermittlungsarbeit<\/a>\u00a0vermittelt sich im Spannungsgeflecht eines Paradoxons: Sie muss die Rezeption mit Wissen um die Kunst ausstatten, und zugleich neben dieses Wissen treten, um im H\u00f6ren und Erleben \u00e4sthetische Erfahrung zu erm\u00f6glichen. Auf diese Weise f\u00f6rdert die Literaturp\u00e4dagogik die nach \u201ePisa\u201c stark gefragten Kompetenzen zum Verstehen einer komplexen Wirklichkeit, auch wenn \u00e4sthetische Bildung autonom ist, frei von kommerzieller Verwertung. Literaturp\u00e4dagogik ist ein Synonym f\u00fcr das Probieren, das Erforschen, das Improvisieren und das Erfinden, sie schliesst die Jugendlichen mit dem k\u00fcnstlerischen Erfahrungspotenzial zusammen. Zugleich bindet sie die resultierenden H\u00f6rst\u00fccke aus dem suchenden Spiel an die Symbolwelten der Jugendlichen zur\u00fcck und macht Jugendkulturen damit verst\u00e4ndigungsf\u00e4hig. Wichtig ist, dass man beim Lernen die Frustschwelle nach oben treibt. Medienkompetenz umfasst aus meiner Sicht vier Punkte: Medienkunde, Medienkritik, Mediennutzung und eigenst\u00e4ndige Mediengestaltung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?<\/strong>\u00a0Welche Rolle sprichst Du der Literatur demnach in der Erziehung zu?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Im Zeitalter der so genannten\u00a0<i>Neuen Medien<\/i>\u00a0erreicht man Kinder und Jugendliche schwer mit B\u00fcchern. Wir erleben einen zunehmenden kulturellen Analphebetismus, den auch die Indifferenz verursacht, zu der die modernen Vereinf\u00e4ltigungsmedien verleiten. User leben eine Kultur der Ungeduld. Sie wissen, wie man etwas findet, aber sie wissen eigentlich nicht, was sie finden m\u00f6chten. Das Betriebssystem f\u00fcr die elektronischen Medien ist das Lesen. Das Betriebssystem f\u00fcr das Lesen ist die Sprachkompetenz. Das Betriebssystem f\u00fcr das H\u00f6ren ist Aufmerksamkeit; eine knappe Ressource. Wer nicht hysterisch \u00fcber Kunst und neue Medien sprechen will, braucht nicht in einen naiven Realismus zu verfallen. Es gibt auch dazu eine Alternative, die nicht minder rational ist: die medienarch\u00e4ologisch genaue Analyse jener \u00c4nderungen der Wirklichkeit, die sich auf dem Weg von den einstigen Analogmedien wie Rundfunk oder Telefon zum Digitalmedium Computer ereignet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?<\/strong>\u00a0Aus Deiner Feder stammen mittlerweile viele Verse und Zeilen. Dennoch deuten die \u201ePr\u00e6gnarien\u201c in die Richtung, in die schon die musikalisch begleitete Vertonung Deines Monodrams \u201eSe\u00f1ora Nada\u201c wies: Die \u00d6ffnung und Verschmelzung der verschiedenen K\u00fcnste f\u00fcr\u2011\u00a0und ineinander, mehr und mehr weg vom lediglich Gedruckten. Siehst Du darin eine M\u00f6glichkeit, der Poesie wieder mehr Geh\u00f6r zu verschaffen?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Wenn man in die Mediengeschichte schaut, hat nie ein Medium ein anderes verdr\u00e4ngt, sie existieren alle noch, selbst die Schallplatte findet neue Liebhaber. In einer Welt, die von Globalisierung, Quotenabh\u00e4ngigkeit und Fusionen bestimmt wird, droht eine Nivellierung des Individuellen. Zu Beginn des 21.\u00a0Jahrhunderts bildet die Poesie als literarische Ausdrucksform einen Gegenpol zur mentalen Versteppung und vermittelt geistige Orientierung. Meine lyrischen Textkompressionen bieten die M\u00f6glichkeit, sich die Kodierungen der Nachrichten\u2011\u00a0und Informationskan\u00e4le, der Bild-, Ton\u2011\u00a0und Filmarchive in intensiver Textausdeutung zu erschliessen. Die Produktion \u201eSe\u00f1ora Nada\u201c, auf die Du hinweist, kommt in der klassischen Form eines Funkmonologs daher und f\u00e4llt damit scheinbar klang\u00e4sthetisch weit hinter die Arbeiten etwa eines G\u00fcnter Eich zur\u00fcck \u2026 ich bevorzuge es, durch Inhalte zu provozieren und nicht durch Dolby-Surround. Im digitalen Zeitalter geht der Schrift der Sinn und damit die Sinnlichkeit immer mehr verloren; so scheint es. Ich suche die Poesie im \u00e4ltesten \u201eLiteraturclip\u201c, den die Menschheit kennt: dem Gedicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?<\/strong>\u00a0Verr\u00e4tst Du uns, welche weiteren Projekte Du vor diesem Hintergrund geplant hast und was uns von Dir zuk\u00fcnftig erwarten wird? Wird es eventuell auch wieder Literaturclips geben wie den ganz vorz\u00fcglichen \u201e<a title=\"A. J. Weigoni - Schwebebahn\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/schwebebahn.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Schwebebahn<\/a>\u201c?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Es wird mit den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27376\">Schmauchspuren<\/a> in 2015 einen neuen Gedichtband geben, zumindest sind dann die 10 Jahre um, die ich brauche, um einen Band mit Lyrik zu vollenden. Und es ist wahrscheinlich, dass ich mit Tom T\u00e4ger im Tonstudio an der Ruhr dieses Kompositum als n\u00e4chstes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28660\">H\u00f6rbuch<\/a> aufnehmen werde. Lyrik ist die vitalste Form der Sprache. Inh\u00e4rentes Programm des n\u00e4chsten Buches wird es sein, die Sprache, die uns von der Welt trennt, durchl\u00e4ssig zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>?\u00a0<\/strong>Zum Abschluss noch ein Frage, die sich auf Deine Expertise als erfahrenen Dichter und Literaturp\u00e4dagogen bezieht. Hast Du einen Tipp, den Du jungen und angehenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern geben kannst, um langfristig die Qualit\u00e4t der eigenen Arbeiten zu steigern, sich eventuell auch zu motivieren, in schwierigen Situationen weiterzumachen?<br \/>\n<strong>!<\/strong>\u00a0Zuerst und immerwieder: Lesen! Das ist die Basis von allem weiteren. Als Lyriker sollte man im 21.\u00a0Jahrhundert nicht den Irrtum begehen, Poesie ersch\u00f6pfe sich in der Etikettierung medial gefilterter Wirklichkeit. Zum Schreiben geh\u00f6rt Demut, ein Schriftsteller kann nicht leben, ohne zu schreiben\u00a0\u2013 und ohne zu leben, kann er nicht schreiben. Die Sprache ist das Werkzeug des Schriftstellers und der Schriftsteller ist das Werkzeug der Sprache. Solange man als Schriftsteller seine Integrit\u00e4t bewahrt, ist alles in Ordnung. Wenn ich, um meine Integrit\u00e4t als Schriftsteller bewahren zu k\u00f6nnen, fremdbestimmt arbeiten muss, ist das ein Beitrag zur Sozialhygiene. Als vielseitig gescheiterte Pers\u00f6nlichkeit habe ich das Gl\u00fcck, mit geistig und k\u00f6rperlich behinderten Menschen arbeiten zu d\u00fcrfen. Dies erlebe ich als Balance, einerseits kann ich mein k\u00fcnstlerisches Ich ausleben, andererseits meine Verpflichtung gegen\u00fcber der Gesellschaft erf\u00fcllen. Haltung ist jedoch nicht die autonome Entscheidung des denkenden Subjekts, sondern immer auch Sache der medialen Vorgaben. Seit 1989 ergeben sich gesellschaftliche Fragestellungen, die einen kooperativen Arbeitsstil erfordern, bei dem man sich gegenseitig Hilfestellung leistet und nicht engste Rivalen\u2011\u00a0und Reviergrenzen aufbaut. Inzwischen nennt man dies\u00a0<i>Netzwerk<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>! <\/strong>Gerade die Ausf\u00fchrungen zur Kombination von Poesie und Technik machen deutlich, dass sich die Dichtung nicht ersch\u00f6pft in einem Nebenher zum Jetzt, sondern dass im Mittendrin, durch Anwendung und Bezugnahme, eine Poesie m\u00f6glich ist, die \u00fcber das Gedruckte und zu kurze Aufmerksamkeitsspannen hinausgeht, indem sie mehr einfordert und daf\u00fcr mehr zur\u00fcckgibt. \u2013 Wenn Sie mehr aus dem Schaffen A. J. Weigonis erleben m\u00f6chten, bieten die folgenden Links reichlich Material: Eine wunderbare Arbeit, <a href=\"http:\/\/www.inklusive-medienarbeit.de\/zu-wort-kommen-lassen-ein-gastbeitrag-von-a-j-weigoni\/\">Zur Sprache bringen<\/a>, die Kunst und Einf\u00fchlsamkeit gegen\u00fcber behinderten Menschen verbindet und so unsere Wahrnehmung herausfordert und dadurch erweitert, kann\u00a0<a title=\"A. J. Weigoni - Zur Sprache bringen\" href=\"http:\/\/vordenker.de\/weigoni\/zursprache.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0geh\u00f6rt werden. Ein Auszug aus dem erw\u00e4hnten lyrischen Monodram <em>Se\u00f1ora Nada<\/em> liegt\u00a0<a title=\"A. J. Weigoni - Se\u00f1ora Nada\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/taeger\/senora_nada.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><strong>Gedichte<\/strong>, H\u00f6rbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\"><strong>Pr\u00e6gnarien<\/strong>, H\u00f6rbuch von Philipp Bracht, Frank Michaelis und A.J. Weigoni. Eine limitierte Auflage von 50 Exemplaren ist versehen mit einem Original von Haimo Hieronymus. Edition Das Labor, M\u00fchleim an der Ruhr 2013<\/p>\n<div id=\"attachment_98556\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-98556\" class=\"wp-image-98556 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Praegnarien_Cover-212x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-98556\" class=\"wp-caption-text\">Auf dem Cover finden wir pa\u00dfgenau hingetuschte Portr\u00e4ts.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>H\u00f6rproben \u2192 <\/strong>Probeh\u00f6ren kann man die <em>Pr\u00e6gnarien<\/em> auf <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/clips\/prae_last7.mp3\">MetaPhon<\/a>. Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=_xE7BPCey68\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u2192 <\/strong>Lesen Sie auch die W\u00fcrdigung von Jens Pacholsky: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\" data-cke-saved-href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=16348\">H\u00f6rb\u00fccher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters<\/a>.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192\u00a0<\/strong>Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: F\u00fcr das Projekt Kollegengespr\u00e4che hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern eine leicht modifizierte \u00dcbernahme aus der Reihe &#8222;Der lyrische Mittwoch&#8220; zwischen Sebastian Schmidt und&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/10\/25\/berauschendes-buchstabengestoeber\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":129,"featured_media":98422,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628,1152,1016,1286],"class_list":["post-30568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni","tag-frank-michaelis","tag-philipp-bracht","tag-sebastian-schmidt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/129"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30568"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98566,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30568\/revisions\/98566"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98422"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}