{"id":30135,"date":"2015-06-20T00:01:40","date_gmt":"2015-06-19T22:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=30135"},"modified":"2022-03-07T14:40:29","modified_gmt":"2022-03-07T13:40:29","slug":"der-heilige-unernst-das-tanz-theater-des-manuel-quero","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/06\/20\/der-heilige-unernst-das-tanz-theater-des-manuel-quero\/","title":{"rendered":"Der heilige Unernst, das Tanz-Theater des Manuel Quero"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Name Manuel Quero steht f\u00fcr Aufbruch und Innovation. Statt das Publikum als Kunstendabnehmer zu behandeln, l\u00e4dt er zur Teilhabe an einem Experiment ein. Stets war dieser Choreograph f\u00fcr komplexe Fragestellungen offen:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Die Kunstprozesse werden partizipativer, interdisziplin\u00e4rer und internationaler \u2013 wie kann ich das in bestehenden Strukturen abbilden?<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seinen Weg zum Tanz fand Quero \u00fcber das Schauspiel, was m\u00f6glicherweise erkl\u00e4rt, warum Mimik und Gestik derart wichtig f\u00fcr seine Choreographien sind. Er versucht stets, an Extreme heranzugehen, sucht auf der einen Seite nach dem Besonderen, scheut andererseits nicht das Risiko, g\u00e4ngige Klischees zu nutzen und zu bedienen. Seine Choreografien sind hochkomplexe Gebilde, in denen K\u00f6rper, Bewegungen, Sprache und Musik eng ineinandergreifen und stets auf mehreren Ebenen rezipiert werden k\u00f6nnen. Dabei geht er sehr intuitiv vor und l\u00e4\u00dft sich in seinen Bewegungen ma\u00dfgeblich von der Musik und ihrem Rhythmus beeinflussen. Tanz erfasst das gesamte Spektrum aller erfahrbaren Emotionen zwischenmenschlicher Beziehungen. Sehnsucht, Flucht, Hoffnung, Resignation. Leidenschaft oder Hass. Tanz ist f\u00fcr Quero ein Medium der Erfahrungsbildung, der Lebenskunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Bauformen der Choreographie<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinen letzten Arbeiten hat er sich vorwiegend dem Thema der Ausgrenzung gewidmet. Besonders reizvoll fand er es, hierf\u00fcr das Zeitalter des Barock als Handlungshintergrund zu nutzen, in dem man zwischenmenschliche Z\u00e4nkereien, R\u00e4nkespiele und Eitelkeiten mit Puderquaste und Goldglanz zu \u00fcberdecken versuchte. Verh\u00fcllt in die pomp\u00f6sen Reifr\u00f6cke dieser Zeit, lie\u00df er die T\u00e4nzer sich in Neid und Egoismus gegeneinander ausspielen, zeigte sie aber auch in der daraus resultierenden Einsamkeit und Tristesse. Immer wieder neu stellt sich\u00a0Quero die Frage, was Tanz ist, hungrig nach dem suchend, was er noch nicht kennt. Die Zuschauer sollten stets im Unklaren bleiben, ob das am\u00fcsante Treiben auf der B\u00fchne ihnen nicht eigentlich einen Spiegel vorh\u00e4lt und einen ironischen Seitenhieb auf die eigenen Marotten und Verhaltensweisen darstellt.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Vereint in aufmerksamer Versenkung<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Arnsberg steht nun Urauff\u00fchrung <em>An der Neige<\/em> an. Der Versuch, Tanz sprachlich darzustellen, ihn lautmalerisch zu verschriften, dient nicht nur dazu, der fl\u00fcchtigen Bewegung Dauer zu verleihen. Die Notation, die Tanzschrift, basiert auf der Reflexion \u00fcber Tanz, sie ist ein Mittel der Tanzanalyse und darin ein kreativer Entwurf des Tanzes, der nach bestimmten Pr\u00e4missen notiert wird. Die Darstellung des Tanzes in der Schrift, der graphischen Pr\u00e4sentation, entwirft ihn quasi neu. Das Papier stellt potentiell als Anschlussstelle bereit f\u00fcr Gedanken, Sprache, Schrift. Hinter der Vielzahl der Akteure und Ereignisse verbergen sich Strukturen, die sie hervorbringen, und die sich mit Pierre Bourdieu als k\u00fcnstlerisches Kr\u00e4ftefeld bezeichnen lassen. Dieses spannt sich zwischen den Polen einer poetischen und einer klanglichen Aufzeichnungslogik auf und geht \u00fcber in den Drang sich zu bewegen. Seine G\u00e4nge-Parade zeigt Beladene, Leidende, Malade, Menschen, die es fast gegen ihren Willen vorw\u00e4rts schiebt und treibt \u2013 und ab und zu sich hoffnungsvoll Streckende. Der \u00dcbergang zu ausgreifenden Formationen im Raum wird verdunkelt durch Assoziationen an Witwen, wenn der T\u00e4nzer sich den schwarzen Umhang \u00fcber den Kopf zieht. Es gelingt dem Choreographen, die abstrakte Formensprache mit leidenschaftlicher Expressivit\u00e4t aufzuladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heute, Samstag, den 20. Juni 2015 &#8211; <i>An der Neige\u2026,<\/i> Urauff\u00fchrung. Tom T\u00e4ger vertont ein Sprech-Ohr-ratorium von A.J. Weigoni und Manuel Quero choreographiert es. Der Bogen, M\u00f6hnestr. 58, in Neheim ab 20:00 Uhr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>***<\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_95553\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-95553\" class=\"wp-image-95553 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/07\/Manuel_Quero-300x221.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"221\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/07\/Manuel_Quero-300x221.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/07\/Manuel_Quero-500x368.jpg 500w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/07\/Manuel_Quero-160x118.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2003\/07\/Manuel_Quero.jpg 509w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-95553\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Dieter Meth<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der am 28.4.1970 in Barcelona geborene Manuel Quero arbeitete drei Jahre lang bei verschiedenen Stra\u00dfentheatern, bevor er 1996 begann, an der Folkwang\u2013Hochschule Modernen Tanz zu studieren. Er wirkte in dieser Zeit u.a. in Produktionen von Malou Airaudo, Henrietta Horn und Jean Sasportes mit. Nach Abschluss seines Studiums 1999 wechselte er in das Folkwang Tanzstudio (FTS) unter der Leitung von Henrietta Horn, wo er sich sowohl in vielen ihrer St\u00fccke, als auch in Werken anderer Choreographen solistisch hervortat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine eigene choreographische Arbeit begann er 1998 mit \u201cLiebkosungen\u201d , dem im Jahr darauf die St\u00fccke \u201cDiagonale\u201d und \u201cSnake\u201d folgten. Alle drei Choreographien wurden als Beitr\u00e4ge zum \u201cJunge Choreographen\u201d\u2013Abend an der Folkwangschule gezeigt. Im Jahr 2001 erhielt er den Auftrag, eine Choreographie mit Studenten f\u00fcr den Schulabend der Hochschule zu kreieren. Es entstand \u201cMal so, mal so\u201d. \u2018F\u00fcr das Folkwang Tanzstudio entstand 2002 \u201cThe Maids of Honour\u201d . Gleichzeitig entwickelte er das Solo\u2013Videoprojekt \u201cWaldgespr\u00e4ch\u201d, dem 2003 das Duett \u201cFlucht vor sich\u201d folgte. Im Fr\u00fchjahr 2003 arbeitete er mit Samir Akika in dessen Multimediaprojekt \u201cSharks\u201d. 2004 entstanden die Produktionen \u201cMonotonos\u201d und \u201cFreneticas\u201d. 2005 choreographierte er f\u00fcr das Tanztheater Freiburg\/Heidelberg \u201cLondon Bridge\u201d. 2007 entstand f\u00fcr das Staatstheater Kassel das St\u00fcck \u201cSucht\u201d, desweiteren f\u00fcr seine Compagnie \u201cDra\u2013men woman\u201d. 2010 Er\u00f6ffnung \u201cRuhr 2010. 2010 \u201cWoyzeck\u201d von Yehuda Almagor f\u00fcr das Teatron Teater. 2011 \u201cEu estive aqui\u201d, von Mark Sieczkarek. 2011 \u201cDoppelg\u00e4nger\u201d von Yehuda Almagor f\u00fcr das TeatronTeater.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Name Manuel Quero steht f\u00fcr Aufbruch und Innovation. 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