{"id":29293,"date":"2020-06-07T00:01:00","date_gmt":"2020-06-06T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29293"},"modified":"2022-02-20T17:00:30","modified_gmt":"2022-02-20T16:00:30","slug":"dichtermut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/07\/dichtermut\/","title":{"rendered":"\u00bbDichtermut\u00ab \u2014 \u00bbBl\u00f6digkeit\u00ab"},"content":{"rendered":"<h5 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">\u00dcber zwei Gedichte von Friedrich H\u00f6lderlin<\/span><\/h5>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufgabe der folgenden Untersuchung l\u00e4\u00dft sich in die \u00c4sthetik der Dichtkunst nicht ohne Erkl\u00e4rung einordnen. Diese Wissenschaft als reine \u00c4sthetik hat ihre vornehmsten Kr\u00e4fte der Ergr\u00fcndung der einzelnen Gattungen der Dichtkunst zugewendet, unter ihnen am h\u00e4ufigsten der Trag\u00f6die. Einen Kommentar hat man fast nur den gro\u00dfen Werken der Klassik angedeihen lassen, wo er au\u00dferhalb der klassischen Dramatik auftrat ist er wohl in h\u00f6herem Grade philologisch als \u00e4sthetisch gewesen. Es soll hier ein \u00e4sthetischer Kommentar zweier lyrischer Dichtungen versucht sein, und diese Absicht verlangt einige Vorbemerkungen \u00fcber die Methode. Die innere Form, dasjenige, was Goethe als Gehalt bezeichnete, soll an diesen Gedichten aufgewiesen werden. Die dichterische Aufgabe, als Voraussetzung einer Bewertung des Gedichts, ist zu ermitteln. Nicht danach kann die Bewertung sich richten, wie der Dichter seine Aufgabe gel\u00f6st habe, vielmehr bestimmt der Ernst und die Gr\u00f6\u00dfe der Aufgabe selbst die Bewertung. Denn diese Aufgabe wird aus dem Gedichte selbst abgeleitet. Sie ist auch als Voraussetzung der Dichtung zu verstehen, als die geistig-anschauliche Struktur derjenigen Welt, von der das Gedicht zeugt. Diese Aufgabe, diese Voraussetzung soll hier als der letzte Grund verstanden sein, der einer Analysis zug\u00e4nglich ist. Nichts \u00fcber den Vorgang des lyrischen Schaffens wird ermittelt, nichts \u00fcber Person oder Weltanschauung des Sch\u00f6pfers, sondern die besondere und einzigartige Sph\u00e4re, in der Aufgabe und Voraussetzung des Gedichts liegt. Diese Sph\u00e4re ist Erzeugnis und Gegenstand der Untersuchung zugleich. Sie selbst kann nicht mehr mit dem Gedicht verglichen werden, sondern ist vielmehr das einzig Feststellbare der Untersuchung. Diese Sph\u00e4re, welche f\u00fcr jede Dichtung eine besondere Gestalt hat, wird als das Gedichtete bezeichnet. In ihr soll jener eigent\u00fcmliche Bezirk erschlossen werden, der die Wahrheit der Dichtung enth\u00e4lt. Diese \u00bbWahrheit\u00ab, die gerade die ernstesten K\u00fcnstler von ihren Sch\u00f6pfungen so dringend behaupten, soll verstanden sein als Gegenst\u00e4ndlichkeit ihres Schaffens, als die Erf\u00fcllung der jeweiligen k\u00fcnstlerischen Aufgabe. \u00bbJedes Kunstwerk hat ein Ideal a priori, eine Notwendigkeit bei sich, da zu sein.\u00ab (Novalis) Das Gedichtete ist in seiner allgemeinen Form synthetische Einheit der geistigen und anschaulichen Ordnung. Diese Einheit erh\u00e4lt ihre besondere Gestalt als innere Form der besonderen Sch\u00f6pfung.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff des Gedichteten ist ein Grenzbegriff in doppelter Hinsicht. Er ist Grenzbegriff zun\u00e4chst gegen den Begriff des Gedichts. Das Gedichtete unterscheidet sich als Kategorie \u00e4sthetischer Untersuchung von dem Form-Stoff-Schema entscheidend dadurch, da\u00df es die fundamentale \u00e4sthetische Einheit von Form und Stoff in sich bewahrt und anstatt beide zu trennen, ihre immanente notwendige Verbindung in sich auspr\u00e4gt. Dies kann im folgenden, da es sich um das Gedichtete einzelner Gedichte handelt, nicht theoretisch, sondern nur am einzelnen Fall bemerkt werden. Und zu einer theoretischen Kritik des Form- und Stoff-Begriffs in der \u00e4sthetischen Bedeutung ist auch hier nicht der Ort. In der Einheit von Form und Stoff teilt also das Gedichtete eines der wesentlichsten Merkmale mit dem Gedicht selbst. Es ist selbst nach dem Grundgesetz des k\u00fcnstlerischen Organismus gebaut. Vom Gedicht unterschieden ist es als ein Grenzbegriff, als Begriff seiner Aufgabe, nicht schlechthin noch durch ein prinzipielles Merkmal. Vielmehr lediglich durch seine gr\u00f6\u00dfere Bestimmbarkeit: nicht durch einen quantitativen Mangel an Bestimmungen, sondern durch das potentielle Dasein derjenigen, die im Gedicht aktuell vorhanden sind und andrer. Das Gedichtete ist eine Auflockerung der festen funktionellen Verbundenheit, die im Gedichte selbst waltet, und sie kann nicht anders entstehen als durch ein Absehen von gewissen Bestimmungen; indem hierdurch das Ineinandergreifen, die Funktionseinheit der \u00fcbrigen Elemente sichtbar gemacht wird. Denn es ist durch das aktuelle Dasein aller Bestimmungen das Gedicht derart determiniert, da\u00df es nur noch als solches einheitlich auffa\u00dfbar ist. Die Einsicht in die Funktion setzt aber die Mannigfaltigkeit der Verbindungsm\u00f6glichkeiten voraus. So besteht die Einsicht in die F\u00fcgung des Gedichts in dem Erfassen seiner immer strengeren Bestimmtheit. Auf diese h\u00f6chste Bestimmtheit im Gedicht hinzuf\u00fchren, mu\u00df das Gedichtete von gewissen Bestimmungen absehen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Durch dieses Verh\u00e4ltnis zur anschaulichen und geistigen Funktionseinheit des Gedichts zeigt sich das Gedichtete als Grenzbestimmung gegen dieses. Zugleich ist es aber Grenzbegriff gegen eine andere Funktionseinheit, wie denn stets ein Grenzbegriff als Grenze zwischen Begriffen nur m\u00f6glich ist. Diese andere Funktionseinheit ist nun die Idee der Aufgabe, entsprechend der Idee der L\u00f6sung, als welche das Gedicht ist. (Denn Aufgabe und L\u00f6sung sind nur in abstracto trennbar.) Diese Idee der Aufgabe ist f\u00fcr den Sch\u00f6pfer immer das Leben. In ihm liegt die andere extreme Funktionseinheit. Das Gedichtete erweist sich also als \u00dcbergang von der Funktionseinheit des Lebens zu der des Gedichts. In ihm bestimmt sich das Leben durch das Gedicht, die Aufgabe durch die L\u00f6sung. Es liegt nicht die individuelle Lebensstimmung des K\u00fcnstlers zum Grunde, sondern ein durch die Kunst bestimmter Lebenszusammenhang. Die Kategorien, in denen diese Sph\u00e4re, die \u00dcbergangssph\u00e4re der beiden Funktionseinheiten, erfa\u00dfbar ist, sind noch nicht vorgebildet und haben am n\u00e4chsten vielleicht eine Anlehnung an die Begriffe des Mythos. Grade die schw\u00e4chsten Leistungen der Kunst beziehen sich auf das unmittelbare Gef\u00fchl des Lebens, die st\u00e4rksten aber, ihrer Wahrheit nach, auf eine dem Mythischen verwandte Sph\u00e4re: das Gedichtete. Das Leben ist allgemein das Gedichtete der Gedichte \u2014 so lie\u00dfe sich sagen; doch je unverwandelter der Dichter die Lebenseinheit zur Kunsteinheit \u00fcberzuf\u00fchren sucht, desto mehr erweist er sich als St\u00fcmper. Diese St\u00fcmperei als \u00bbunmittelbares Lebensgef\u00fchl\u00ab, \u00bbHerzensw\u00e4rme\u00ab, als \u00bbGem\u00fct\u00ab verteidigt, ja gefordert zu finden, sind wir gewohnt. An dem bedeutenden Beispiel H\u00f6lderlins wird deutlich, wie das Gedichtete die M\u00f6glichkeit der Beurteilung der Dichtung gibt, als durch den Grad der Verbundenheit und Gr\u00f6\u00dfe seiner Elemente. Beide Kennzeichen sind untrennbar. Denn je mehr eine schlaffe Ausdehnung des Gef\u00fchls die innere Gr\u00f6\u00dfe und Gestalt der Elemente (die wir ann\u00e4hernd als mythisch bezeichnen) ersetzt, desto geringer wird die Verbundenheit, desto mehr entsteht \u2014 sei es ein liebenswertes, kunstloses Naturerzeugnis, sei es ein kunst- und naturfremdes Machwerk. Das Leben liegt als letzte Einheit dem Gedichteten zum Grunde. Je fr\u00fcher aber die Analyse des Gedichts, ohne auf Gestaltung der Anschauung und Konstruktion einer geistigen Welt zu sto\u00dfen, auf das Leben selbst als sein Gedichtetes f\u00fchrt, desto \u2014 im engeren Sinne \u2014 stofflicher, formloser, unbedeutender erweist sich die Dichtung. W\u00e4hrend die Analysis der gro\u00dfen Dichtungen nicht zwar auf den Mythos, aber auf eine durch die Gewalt der gegeneinanderstrebenden mythischen Elemente gezeugte Einheit als eigentlichen Ausdruck des Lebens sto\u00dfen wird.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Von dieser Natur des Gedichteten als Bezirkes gegen zwei Grenzen zeugt die Methode seiner Darstellung. Ihr kann es nicht um den Nachweis sogenannter letzter Elemente zu tun sein. Denn solche gibt es innerhalb des Gedichteten nicht. Vielmehr ist nichts andres als die Intensit\u00e4t der Verbundenheit der anschaulichen und der geistigen Elemente nachzuweisen und zwar zun\u00e4chst an einzelnen Beispielen. Aber eben in diesem Nachweis mu\u00df sichtbar sein, da\u00df es sich nicht um Elemente, sondern um Beziehungen handelt, wie ja das Gedichtete selbst eine Sph\u00e4re der Beziehung von Kunstwerk und Leben ist, deren Einheiten selbst durchaus nicht erfa\u00dfbar sind. Das Gedichtete wird sich so als die Voraussetzung des Gedichts, als seine innere Form, als k\u00fcnstlerische Aufgabe zeigen. Das Gesetz, nach dem alle scheinbaren Elemente der Sinnlichkeit und der Ideen sich als Inbegriffe der wesentlichen, prinzipiell unendlichen Funktionen zeigen, wird das Identit\u00e4tsgesetz genannt. Damit wird die synthetische Einheit der Funktionen bezeichnet. Sie wird in ihrer jeweils besonderen Gestalt als ein Apriori des Gedichts erkannt. Die Ermittelung des reinen Gedichteten, der absoluten Aufgabe, mu\u00df nach allem Gesagten das rein methodische, ideelle Ziel bleiben. Das reine Gedichtete w\u00fcrde aufh\u00f6ren Grenzbegriff zu sein: es w\u00e4re Leben oder Gedicht. \u2014 Ehe die Anwendbarkeit der Methode f\u00fcr die \u00c4sthetik der Lyrik \u00fcberhaupt, vielleicht auch f\u00fcr fernere Bezirke gepr\u00fcft ist, verbieten sich weitere Ausf\u00fchrungen. Erst dann kann sich klar ergeben, was Apriori des einzelnen Gedichts, was ein solches des Gedichts \u00fcberhaupt oder gar andrer Dichtungsarten, oder selbst der Dichtung \u00fcberhaupt ist. Deutlicher aber wird sich zeigen, da\u00df \u00fcber lyrische Dichtung das Urteil, wenn nicht zu beweisen, so doch zu begr\u00fcnden ist.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Gedichte H\u00f6lderlins, \u00bbDichtermut\u00ab und \u00bbBl\u00f6digkeit\u00ab, wie sie uns aus der Reife- und Sp\u00e4tzeit \u00fcberkommen sind, werden nach dieser Methode untersucht. Sie wird im Verlaufe die Vergleichbarkeit der Gedichte erweisen. Eine gewisse Verwandtschaft verbindet sie, soda\u00df man von verschiedenen Fassungen sprechen k\u00f6nnte. Eine Fassung, die zwischen die fr\u00fcheste und sp\u00e4teste geh\u00f6rt (\u00bbDichtermut\u00ab zweite Fassung) bleibt als unwesentlicher hier unbesprochen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Betrachtung ergibt f\u00fcr die erste Fassung eine betr\u00e4chtliche Unbestimmtheit des Anschaulichen und Unverbundenheit im einzelnen. So ist der Mythos des Gedichts vom Mythologischen noch durchwuchert. Das Mythologische erweist sich als Mythos erst in dem Ma\u00dfe seiner Verbundenheit. An der inneren Einheit von Gott und Schicksal ist der Mythos erkennbar. Am Walten der <i>anank\u00ea<\/i>. Ein Schicksal ist H\u00f6lderlin in der ersten Fassung seines Gedichtes Gegenstand: der Tod des Dichters. Er besingt die Quellen des Mutes zu diesem Tode. Dieser Tod ist die Mitte, aus der die Welt des dichterischen Sterbens entspringen sollte. Das Dasein in jener Welt w\u00e4re der Mut des Dichters. Aber hier ist nur der wachsamsten Ahnung ein Strahl dieser Gesetzlichkeit aus einer Welt des Dichters f\u00fchlbar. Sch\u00fcchtern erhebt sich erst die Stimme, einen Kosmos zu singen, dem der Tod des Dichters den eignen Untergang bedeutet. Der Mythos bildet sich vielmehr aus der Mythologie. Der Sonnengott ist der Ahn des Dichters und sein Sterben ist das Schicksal, an dem der Tod des Dichters, erst gespiegelt, wirklich wird. Eine Sch\u00f6nheit, deren innere Quelle wir nicht kennen, l\u00f6st die Gestalt des Dichters \u2014 kaum minder die des Gottes \u2014 auf, anstatt sie zu formen. \u2014 Noch begr\u00fcndet sich der Mut des Dichters seltsam aus einer andern, fremden Ordnung. Aus der Verwandtschaft der Lebendigen. Von ihr gewinnt er Verbundenheit mit seinem Schicksal. Was hat dem dichterischen Mut die Volksverwandtschaft zu bedeuten? Nicht f\u00fchlbar wird im Gedicht das tiefere Recht, aus dem der Dichter seinem Volk, den Lebendigen, sich anlehnt und ihnen verwandt f\u00fchlt. Wir wissen diesen Gedanken einen der tr\u00f6stenden der Dichter, wissen ihn besonders teuer H\u00f6lderlin. Dennoch kann jene Naturverbundenheit allem Volke uns hier nicht begr\u00fcndet sein als Bedingung dichterischen Lebens. Warum feiert \u2014 und mit h\u00f6herem Recht \u2014 der Dichter nicht das Odi profanum? Dies darf, mu\u00df gefragt werden, wo die Lebendigen noch keine geistige Ordnung begr\u00fcnden. \u2014 H\u00f6chst erstaunlich greift, mit beiden Armen, der Dichter in fremde Weltordnungen, nach Volk und Gott, seinen eignen, den Mut der Dichter in sich aufzurichten. Aber der Gesang, das Innerliche des Dichters, die bedeutende Quelle seiner Tugend, erscheint, wo er genannt ist, schwach, ohne Gewalt und Gr\u00f6\u00dfe. Das Gedicht lebt in der griechischen Welt, eine dem Griechischen angen\u00e4herte Sch\u00f6nheit belebt es und von der Mythologie der Griechen ist es behrrscht. Das besondere Prinzip griechischer Gestaltung ist aber nicht rein entfaltet. \u00bbDenn seitdem der Gesang sterblicher Lippen sich | Friedenatmend entwand, frommend in Leid und Gl\u00fcck I Unsre Weise der Menschen I Herz erfreute &#8230;\u00ab. Diese Worte enthalten die Ehrfurcht vor der Gestalt des Dichterischen, die Pindar \u2014 und mit ihm den sp\u00e4ten H\u00f6lderlin \u2014 erf\u00fcllte, nur sehr geschw\u00e4cht. Auch die \u00bbS\u00e4nger des Volks\u00ab, jedem \u00bbhold\u00ab, dienen, so gesehen, nicht, einen anschaulichen Weltgrund diesem Gedicht zu legen. In der Gestalt des sterbenden Sonnengottes bezeugt sich am deutlichsten eine in allen Elementen unbezwungene Zweiheit. Noch spielt die idyllische Natur entgegen der Gestalt des Gottes ihre besondere Rolle. Die Sch\u00f6nheit \u2014 anders gesprochen \u2014 ist noch nicht restlos Gestalt geworden. Es flie\u00dft auch die Vorstellung des Todes nicht aus reinem gestalteten Zusammenhang. Der Tod selbst ist nicht \u2014 wie er sp\u00e4ter verstanden ist \u2014 Gestalt in ihrer tiefsten Bindung, er ist Verl\u00f6schen des plastischen, heroischen Wesens in der unbestimmten Sch\u00f6nheit der Natur. Raum und Zeit dieses Todes sind noch nicht im Geiste der Gestalt als Einheit entsprungen. Die gleiche Unbestimmtheit des formenden Prinzips, die so stark sich gegen das beschworne Griechentum abhebt, bedroht das ganze Gedicht. Die Sch\u00f6nheit, die fast stimmungsm\u00e4\u00dfig die sch\u00f6ne Erscheinung des Gesanges der Heiterkeit des Gottes verbindet, diese Vereinzelung des Gottes, dessen mythologisches Schicksal nur eine analogische Bedeutung f\u00fcr den Dichter aufbringt, sie entspringen nicht der Mitte einer gestalteten Welt, deren mythisches Gesetz der Tod w\u00e4re. Sondern eine nur schwach gef\u00fcgte Welt stirbt mit der sinkenden Sonne in Sch\u00f6nheit. Das Verh\u00e4ltnis der G\u00f6tter und Menschen zur dichterischen Welt, zur raumzeitlichen Einheit, in der sie leben, ist nicht intensiv, auch nicht rein griechisch, durchgestaltet. Es mu\u00df v\u00f6llig erkannt werden, da\u00df das Gef\u00fchl des Lebens, eines ausgebreiteten und unbestimmten Lebens, das garnicht konventionsfreie Grundgef\u00fchl dieser Dichtung ist, da\u00df also daher die stimmungsvolle Verbindung ihrer in Sch\u00f6nheit vereinzelten Glieder sich herschreibt. Das Leben als unbezweifelte \u2014 liebliche vielleicht, vielleicht erhabene \u2014 Grundtatsache bestimmt noch (Gedanken auch verschleiernd) diese Welt H\u00f6lderlins. Davon zeugt auf seltsame Art auch die sprachliche Bildung des Titels, da eine eigent\u00fcmliche Unklarheit jene Tugend auszeichnet, der man den Namen ihres Tr\u00e4gers beigibt, uns so auf eine Tr\u00fcbung ihrer Reinheit durch allzugro\u00dfe Lebensn\u00e4he dieser Tugend hinweisend. (Vergl. die Sprachbildung: Weibertreue) Ein fast fremder Klang f\u00e4llt der Schlu\u00df mit Ernst in die Kette der Bilder \u00bbUnd dem Geiste sein Recht nirgend gebricht\u00ab, diese gewaltige Mahnung, die dem Mute entsprungen ist, steht hier allein, und nur die Gr\u00f6\u00dfe eines Bildes findet aus einer fr\u00fchern Strophe sich zu ihr \u00bbuns &#8230; | Aufgerichtet an goldnen | G\u00e4ngelbanden, wie Kinder, h\u00e4lt.\u00ab Die Verbundenheit des Gottes mit Menschen ist nach starren Rhythmen in ein gro\u00dfes Bild gezwungen. Aber in seiner Vereinzelung vermag es nicht, den Grund jener verbundenen M\u00e4chte zu deuten und verliert sich. Erst die Gewalt der Umwandlung wird es deutlich und auszusprechen schicklich machen: das dichterische Gesetz hat sich dieser h\u00f6lderlinschen Welt noch nicht erf\u00fcllt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Was innerster Zusammenhang jener dichterischen Welt bedeutet, die angedeutet die erste Fassung enth\u00e4lt, und wie Vertiefung die Umw\u00e4lzung der Struktur bedingt, wie von der gestalteten Mitte her notwendig Gestaltung von Vers zu Vers dringt, dies ergibt die letzte Fassung. Die unanschauliche Lebensvorstellung, ein unmythischer, schicksalloser Lebensbegriff aus einer geistig unbetr\u00e4chtlichen Sph\u00e4re, wurde als bindende Voraussetzung des fr\u00fcheren Entwurfes gefunden. Wo Vereinzelung der Gestalt, Beziehungslosigkeit des Geschehens war, tritt nun die anschaulich-geistige Ordnung, der neue Kosmos des Dichters. Schwer ist es, einen m\u00f6glichen Zugang zu dieser v\u00f6llig einheitlichen und einzigen Welt zu gewinnen. Die Undurchdringlichkeit der Beziehungen stellt jedem andern als f\u00fchlenden Erfassen sich entgegen. Die Methode verlangt, von Verbundnem von Anfang an auszugehen, um Einsicht in die F\u00fcgung zu gewinnen. Vom Gestaltzusammenhange her vergleiche man den dichterischen Aufbau beider Fassungen, so der Mitte der Verbundenheiten langsam zustrebend. Es wurde die unbestimmte Zugeh\u00f6rigkeit von Volk und Gott zu einander (wie auch zum Dichter) fr\u00fcher schon erkannt. Dagegen steht die gewaltige Zugeh\u00f6rigkeit der einzelnen Sph\u00e4ren im letzten Gedicht. Die G\u00f6tter und die Lebendigen sind im Schicksal des Dichters ehern verbunden. Aufgehoben ist die hergebrachte und einfache \u00dcberordnung der Mythologie. Vom Gesang, der sie \u00bbder Einkehr zu\u00ab f\u00fchrt, ist gesagt, da\u00df er \u00bbHimmlischen gleich\u00ab Menschen f\u00fchre \u2014 und die Himmlischen selbst. Aufgehoben ist also der eigentliche Grund der Vergleichung, denn der Fortgang sagt: auch die Himmlischen, und sie nicht anders als die Menschen, f\u00fchrt der Gesang. Die Ordnung der G\u00f6tter und Menschen ist hier \u2014 in der Mitte des Gedichts \u2014 seltsam gegen einander gehoben, die eine geglichen durch die andere. (Wie zwei Waagschalen: man bel\u00e4\u00dft sie in ihrer Gegenstellung, doch hebt sie vom Waagebalken.) Damit tritt sehr vernehmlich das formale Grundgesetz des Gedichteten auf, der Ursprung jener Gesetzlichkeit, deren Erf\u00fcllung der letzten Fassung das Fundament gibt. Dieses Gesetz der Identit\u00e4t besagt, da\u00df alle Einheiten im Gedicht schon in einer intensiven Durchdringung erscheinen, niemals die Elemente rein erfa\u00dfbar sind, vielmehr nur das Gef\u00fcge der Beziehungen, in dem die Identit\u00e4t des einzelnen Wesens Funktion einer unendlichen Kette von Reihen ist, in denen das Gedichtete sich entfaltet. Das Gesetz, nach dem sich alle Wesenheiten im Gedichteten als Einheit der prinzipiell unendlichen Funktionen zeigen, ist das Identit\u00e4tsgesetz. Kein Element kann irgend bezugsfrei sich aus der Intensit\u00e4t der Weltordnung, die im Grunde gef\u00fchlt ist, herausheben. An allen einzelnen F\u00fcgungen, der innern Form der Strophen und Bilder wird dies Gesetz sich erf\u00fcllt zeigen, um schlie\u00dflich in der Mitte aller dichterischen Beziehungen dies zu bewirken: die Identit\u00e4t der anschaulichen und geistigen Formen unter- und miteinander \u2014 die raumzeitliche Durchdringung aller Gestalten in einem geistigen Inbegriff, dem Gedichteten, das identisch dem Leben ist. \u2014 Hier aber mu\u00df nur die gegenw\u00e4rtige Gestalt dieser Ordnung genannt sein: die vom Mythologischen weitabliegende Ausgleichung der Sph\u00e4ren der Lebendigen und der Himmlischen (so nennt H\u00f6lderlin sie meist). Und es erhebt sich nach den Himmlischen, sogar nach Nennung des Gesanges, nochmals \u00bbder F\u00fcrsten | Chor nach Arten\u00ab. So da\u00df hier, um die Mitte des Gedichts, Menschen, Himmlische und F\u00fcrsten, gleichsam abst\u00fcrzend aus ihren alten Ordnungen, zu einander gereiht sind. Da\u00df aber jene mythologische Ordnung nicht entscheidet, da\u00df ein ganz andrer Kanon der Gestalten dieses Gedicht durchzieht, liegt am erleuchtetsten in der Dreiteilung, in der F\u00fcrsten noch einen Platz neben Himmlischen und Menschen behaupten. Diese neue Ordnung der dichterischen Gestalten \u2014 der G\u00f6tter und der Lebendigen \u2014 beruht in der Bedeutung, die beide f\u00fcr das Schicksal des Dichters haben wie f\u00fcr die sinnliche Ordnung seiner Welt. Gerade deren eigentlicher Ursprung, wie H\u00f6lderlin ihn sah, kann sich erst am Ende als das Beruhende aller Beziehungen ergeben, und was fr\u00fcher sichtbar ist, ist nur die Verschiedenheit der Dimensionen dieser Welt und dieses Schicksals, die sie an G\u00f6ttern und Lebendigen annehmen, und eben: das v\u00f6llige Leben dieser einst so abgesonderten Gestaltenwelten im dichterischen Kosmos. Das Gesetz, das formal und allgemein die Bedingung f\u00fcr den Bau dieser dichterischen Welt zu sein schien, beginnt nun aber, fremd und gewaltig, sich zu entfalten. \u2014 Alle Gestalten gewinnen, im Zusammenhang des dichterischen Schicksals Identit\u00e4t, da\u00df sie darin mit einander aufgehoben in einer Anschauung sind, und so selbstherrlich sie erscheinen, schlie\u00dflich zur\u00fcckfallen in die Gesetztheit des Gesanges. Die wachsende Bestimmtheit gesteigerter Gestalten wird in den \u00c4nderungen gegen die erste Fassung am eindringlichsten erkannt. Es wird sich die Konzentration der poetischen Kraft an jeder Stelle Raum schaffen und der strenge Vergleich wird den Grund noch der geringsten Abweichung als den einheitlichen erkennen lassen. Dabei mu\u00df sich denn \u00fcber die innere Absicht, auch wo die erste Fassung nur schw\u00e4chlich ihr folgte, das Wichtige ergeben. Das Leben im Gesange, im unwandelbaren dichterischen Schicksal, das Gesetz der h\u00f6lderlinschen Welt ist, verfolgen wir am Gestaltzusammenhang.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gehen in gewichtig sehr abgehobnen Ordnungen G\u00f6tter und Sterbliche in entgegengesetztem Rhythmus durch das Gedicht. Im Fortgang und im Zur\u00fcckgehen von der Mittelstrophe wird dies deutlich. Eine h\u00f6chst geordnete, wenn schon verborgne Abfolge der Dimensionen wird vollzogen. Die Lebendigen sind, jeweils deutlich, in dieser Welt H\u00f6lderlins, die Erstreckung des Raumes, der gebreitete Plan, in dem (wie noch sichtbar werden wird) sich das Schicksal erstreckt. In Hoheit \u2014 oder an Orientalisches gemahnender Weitl\u00e4ufigkeit \u2014 setzt der Anruf ein \u00bbSind denn nicht dir bekannt viele Lebendigen?\u00ab Welche Funktion hat der Eingangsvers der ersten Fassung? Die Verwandtschaft des Dichters mit allen Lebendigen war angerufen als Ursprung des Mutes. Und es blieb nichts, als ein Bekannt-Sein, ein Kennen der Vielen. Die Frage nach dem Ursprung dieser Bestimmtheit der Menge durch den Genius, dem sie \u00bbbekannt\u00ab ist, f\u00fchrt in die Zusammenh\u00e4nge des Folgenden. Viel, sehr viel \u00fcber den Kosmos H\u00f6lderlins ist in diesen folgenden Worten gesagt, die \u2014 wieder fremd wie aus \u00f6stlicher Welt und doch wieviel urspr\u00fcnglicher als die griechische Parze \u2014 dem Dichter Hoheit geben. \u00bbGeht auf Wahrem dein Fu\u00df nicht, wie auf Teppichen?\u00ab Die Umwandlung des Gedichtanfanges in seiner Bedeutung f\u00fcr die Art des Mutes setzt sich fort. Die Anlehnung an die Mythologie weicht dem Zusammenhang des eigenen Mythos. Denn hier hie\u00dfe es an der Oberfl\u00e4che bleiben, wollte man nur die Umsetzung der mythologischen Anschauung in eine n\u00fcchterne des Gehens erkennen; oder nur erkennen, wie die Abh\u00e4ngigkeit in der Urfassung (\u00bbN\u00e4hrt zum Dienste denn nicht selber die Parze dich?\u00ab) zu einer Setzung in der zweiten wird (\u00bbGeht auf Wahrem dein Fu\u00df nicht &#8230;?\u00ab). \u2014 Analog war das \u00bbverwandt\u00ab der ersten Fassung zu einem \u00bbbekannt\u00ab gesteigert: eine Aktivit\u00e4t aus einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis geworden. \u2014 Sondern entscheidend ist die Umsetzung dieser Aktivit\u00e4t selbst wiederum ins Mythische, aus dem die Abh\u00e4ngigkeit im fr\u00fchern Gedicht flo\u00df. Es gr\u00fcndet sich aber der mythische Charakter dieser Aktivit\u00e4t darin, da\u00df sie selbst gem\u00e4\u00df dem Schicksal verl\u00e4uft, ja seinen Vollzug schon in sich begreift. Wie alle Aktivit\u00e4t des Dichters in schicksalsgem\u00e4\u00df bestimmte Ordnungen greift und so in diesen Ordnungen ewig aufgehoben ist und sie selber aufhebt, daf\u00fcr zeugt die Existenz des Volkes, ihre N\u00e4he zum Dichter. Sein Kennen der Lebendigen, ihr Dasein beruht auf der Ordnung, die im Sinne des Gedichtes die Wahrheit der Lage zu nennen ist. Die M\u00f6glichkeit des zweiten Verses mit der unerh\u00f6rten Spannkraft seines Bildes, setzt die Wahrheit der Lage als Ordnungsbegriff der h\u00f6lderlinschen Welt notwendig voraus. Die r\u00e4umliche und geistige Ordnung erweisen sich verbunden durch eine Identit\u00e4t des Bestimmenden mit dem Bestimmten, die ihnen gemeinsam eignet. Diese Identit\u00e4t ist in beiden Ordnungen nicht die gleiche sondern die identische und durch sie durchdringen sie sich zur Identit\u00e4t miteinander. Denn entscheidend ist f\u00fcr das r\u00e4umliche Prinzip: es erf\u00fcllt in der Anschauung die Identit\u00e4t des Bestimmenden mit dem Bestimmten. Die Lage ist f\u00fcr diese Einheit Ausdruck; der Raum ist zu fassen als Identit\u00e4t von Lage und Gelegnem. Allem Bestimmenden im Raum ist immanent dessen eigne Bestimmtheit. Jede Lage ist im Raum allein bestimmt und allein in ihm bestimmend. Wie nun im Bilde des Teppichs (da eine Ebene f\u00fcr ein geistiges System gesetzt ist) zu erinnern ist an seine Musterhaftigkeit, die geistige Willk\u00fcr des Ornamentes im Gedanken zu sehen ist \u2014 und also das Ornament eine wahre Bestimmung der Lage ausmacht, sie absolut macht \u2014 so wohnt der beschreitbaren Ordnung der Wahrheit selbst die intensive Aktivit\u00e4t des Ganges als innere plastisch zeitliche Form ein. Beschreitbar ist dieser geistige Bezirk, welcher gleichsam den Schreitenden mit jedem Willk\u00fcrschritte im Bereich des Wahren notwendig bel\u00e4\u00dft. Diese geistig-sinnlichen Ordnungen machen in ihrem Inbegriff die Lebendigen aus, in denen alle Elemente dichterischen Schicksals in einer innern und besondern Form gelagert sind. Die zeitliche Existenz in der unendlichen Erstreckung, die Wahrheit der Lage, bindet die Lebendigen an den Dichter. Im gleichen Sinne erweist sich die Verbundenheit der Elemente in der Beziehung von Volk und Dichter noch in der Endstrophe. \u00bbGut auch sind und geschickt einem zu etwas wir\u00ab. Nach einem (vielleicht allgemeinen) Gesetz der Lyrik erreichen die Worte ihren anschaulichen Sinn im Gedicht, ohne den \u00fcbertragnen daran zu geben. So durchdringen sich in dem Doppelsinn des Wortes \u00bbgeschickt\u00ab zwei Ordnungen. Bestimmend und bestimmt erscheint der Dichter unter den Lebendigen. Wie in dem Partizipium \u00bbgeschickt\u00ab eine zeitliche Bestimmung die r\u00e4umliche Ordnung im Geschehen, die Eignung, vollendet, ist nochmals in der Zweckbestimmung: \u00bbeinem zu etwas\u00ab diese Identit\u00e4t der Ordnungen wiederholt. Als m\u00fc\u00dfte durch die Ordnung der Kunst die Belebung doppelt deutlich werden, ist alles andere ungewi\u00df gelassen und die Vereinzelung innerhalb gro\u00dfer Erstreckung in dem \u00bbeinem zu etwas\u00ab angedeutet. Nun ist erstaunlich, wie an dieser Stelle, da doch das Volk auf das h\u00f6chste abstrakt bezeichnet ist, aus dem Innern dieser Zeile eine fast Neugestalt des konkretesten Lebens sich erhebt. Wie als innerstes Wesen des S\u00e4ngers das Schickliche sich finden wird, als seine Grenze gegen das Dasein, so erscheint dies hier vor den Lebendigen als das Geschickte; da\u00df die Identit\u00e4t entsteht, in einer Form: Bestimmendes und Bestimmtes, Mitte und Erstreckung. Die Aktivit\u00e4t des Dichters findet an den Lebendigen sich bestimmt, die Lebendigen aber bestimmen in ihrem konkreten Dasein \u2014 \u00bbeinem zu etwas\u00ab \u2014 sich an dem Wesen des Dichters. Als Zeichen und Schrift der unendlichen Erstreckung seines Schicksals besteht das Volk. Dieses Schicksal selbst ist, wie sp\u00e4ter deutlich wird, der Gesang. Und so als Symbol des Gesanges hat das Volk den Kosmos H\u00f6lderlins zu erf\u00fcllen. Das gleiche erweist die Verwandlung, die aus \u00bbDichtern des Volks\u00ab \u00bbZungen des Volks\u00ab schuf. Vorbedingung dieser Dichtung ist, immer mehr die einem neutralen \u00bbLeben\u00ab entlehnten Gestalten in Glieder einer mythischen Ordnung zu verwandeln. Gleich stark sind in dieser Wendung Volk und Dichter dieser Ordnung einbezogen. Besonders f\u00fchlbar wird in diesen Worten die Abkehr des Genius in seiner Herrschaft. Denn es ist der Dichter, mit ihm das Volk, aus dem er singt, ganz in den Kreis des Gesanges hinein versetzt, und eine fl\u00e4chenhafte Einheit des Volkes mit seinem S\u00e4nger (im dichterischen Schicksal) ist von neuem der Abschlu\u00df. Nun erscheint \u2014 d\u00fcrfen wir es byzantinischen Mosaiken vergleichen? \u2014 entpers\u00f6nlicht das Volk, wie in der Fl\u00e4che gedr\u00e4ngt um die flache gro\u00dfe Gestalt seines heiligen Dichters. Dies Volk ist ein andres, wesensbestimmteres als das der ersten Fassung; eine andere Lebensvorstellung entspricht ihm: \u00bbDrum, mein Genius, tritt nur | Bar ins Leben und sorge nicht!\u00ab Das \u00bbLeben\u00ab liegt hier au\u00dferhalb des dichterischen Daseins, es ist in der neuen Fassung nicht Voraussetzung, sondern Gegenstand einer mit m\u00e4chtiger Freiheit vollzognen Bewegung: der Dicher <i>tritt ins<\/i> Leben, er wandelt nicht in ihm fort. Die Einordnung des Volkes in jene Lebensvorstellung der ersten Fassung ist zu einer Schicksalverbundenheit der Lebendigen mit dem Dichter geworden. \u00bbWas geschiehet, es sei alles gelegen dir!\u00ab Die fr\u00fchere Fassung hat an dieser Stelle \u00bbgesegnet\u00ab. Es ist der gleiche Vorgang einer Verlagerung des Mythologischen, der \u00fcberall die innere Form der Umarbeitung ausmacht. \u00bbGesegnet\u00ab ist eine vom Transzendenten, herk\u00f6mmlich Mythologischen abh\u00e4ngige Vorstellung, die nicht vom Zentrum des Gedichtes her (etwa dem Genius) verstanden ist. \u00bbGelegen\u00ab greift v\u00f6llig wieder ins Zentrum zur\u00fcck, es bedeutet ein Verh\u00e4ltnis vom Genius selbst, in dem das rhetorische \u00bbsei\u00ab dieser Strophe aufgehoben wird durch die Gegenwart dieser \u00bbGelegenheit\u00ab. Die r\u00e4umliche Erstreckung ist von neuem gegeben und gleichen Sinnes wie vorher. Wieder geht es um die Gesetzlichkeit der guten Welt, in der die Lage zugleich das Gelegene durch den Dichter ist, wie ihm das Wahre beschreitbar sein mu\u00df. H\u00f6lderlin beginnt einmal ein Gedicht: \u00bbSei froh! Du hast das gute Los erkoren\u00ab. Wo der Erkorne gemeint ist; dem besteht nur das Los und also das gute. Gegenstand dieser identischen Beziehung zwischen Dichter und Schicksal sind die Lebendigen. Die Bildung \u00bbSei zur Freude gereimt\u00ab legt die sinnliche Ordnung des Klanges zum Grunde. Und es ist im Reim auch hier die Identit\u00e4t zwischen Bestimmendem und Bestimmtem gegeben, wie etwa die Struktur der Einheit erscheint als halbe Doppelheit. Nicht substanziell sondern funktional ist die Identit\u00e4t als Gesetz gegeben. Nicht die Reimworte selbst sind genannt. Denn selbstverst\u00e4ndlich bedeutet \u00bbzur Freude gereimt\u00ab <i>auf<\/i> Freude gereimt so wenig, \u00bbwie gelegen dir\u00ab das \u00bbdu\u00ab selbst zu einem Gelagerten, R\u00e4umlichen macht. Wie das Gelegene als ein Verh\u00e4ltnis vom Genius erkannt wurde (nicht <i>zu<\/i> ihm), so ist der Reim eine Beziehung von der Freude (nicht <i>zu<\/i> ihr). Vielmehr hat jene Bilddissonanz, der in \u00e4u\u00dferstem Nachdruck eine lautliche anklingt, die Funktion, die innewohnende geistige Zeitordnung der Freude sinnbar, lautbar zu machen, in der Kette eines unendlich erstreckten Geschehens, das den unendlichen M\u00f6glichkeiten des Reimes entspricht. So rief die Dissonanz im Bilde des Wahren und des Teppichs die Beschreit-barkeit als einende Beziehung der Ordnungen hervor, wie die \u00bbGelegenheit\u00ab die geistig-zeitliche Identit\u00e4t (die Wahrheit) der Lage bedeutete. Diese Dissonanzen heben im dichterischen Gef\u00fcge die aller r\u00e4umlichen Beziehung einwohnende zeitliche Identit\u00e4t und damit die absolut bestimmende Natur des geistigen Daseins innerhalb der identischen Erstreckung hervor. Tr\u00e4ger dieser Beziehung sind vorwiegend deutlich die Lebendigen. Eine Bahn und schickliches Ziel mu\u00df gerade nach den Extremen der Bildhaftigkeit jetzt anders sichtbar sein, als nach dem idyllischen Weltf\u00fchlen, das in fr\u00fcherer Zeit diesen Versen voranging: \u00bboder was k\u00f6nnte denn | Dich beleidigen, Herz, was | Da begegnen, wohin du sollst?\u00ab An dieser Stelle darf, die wachsende Gewalt, mit der die Strophe sich dem Ende zuf\u00fchrt, wahrzunehmen, die Interpunktion beider Entw\u00fcrfe verglichen werden. Wie in der folgenden Strophe Sterbliche mit gleicher Bedeutung wie Himmlische dem Gesang gen\u00e4hert werden, ist nun erst ganz begreiflich, da sie sich erf\u00fcllt vom dichterischen Schicksal fanden. Seiner Eindringlichkeit nach verstanden zu werden, mu\u00df dies alles verglichen sein mit dem Grade von Gestalt, den in der urspr\u00fcnglichen Fassung H\u00f6lderlin dem Volke verlieh. Da es erfreut wurde vom Gesang, verwandt dem Dichter war und von Dichtern des Volks gesprochen werden durfte. Allein hierin d\u00fcrfte die strengere Gewalt eines Weltbildes schon vermutet werden, das die fr\u00fcher schon nur von fern erstrebte schicksalhafte Bedeutung des Volkes gefunden hat, in einer Anschauung, die es zur sinnlich-geistigen Funktion des dichterischen Lebens macht.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Neue Bestimmtheit gewinnen diese Verh\u00e4ltnisse, die besonders in Hinsicht der Funktion der Zeit noch dunkel geblieben sind, indem ihre eigent\u00fcmliche Umwandlung an der Gestalt der G\u00f6tter verfolgt wird. Durch die innere Gestalt, die in dem neuen Weltbau ihnen eignet, wird das Wesen des Volkes \u2014 als durch seinen Gegensatz \u2014 genauer ermittelt. So wenig die erste Fassung eine Bedeutung der Lebendigen kennt, deren innere Form ihr Dasein als einbezogen in das dichterische Schicksal, bestimmt und bestimmend, wahr im Raum, ist \u2014 so wenig ist in ihr eine besondere Ordnung der G\u00f6tter erkennbar. Es geht aber durch die neue Fassung eine Bewegung in plastisch-intensiver Richtung, und diese lebt in den G\u00f6ttern am st\u00e4rksten. (Neben der Richtung, die, im Volke dargestellt, die r\u00e4umliche Richtung auf das unendliche Geschehen hat.) Es sind die G\u00f6tter zu h\u00f6chst besondern und bestimmten Gestalten geworden, an denen das Gesetz der Identit\u00e4t v\u00f6llig neu gefa\u00dft ist. Die Identit\u00e4t der g\u00f6ttlichen Welt und ihre Beziehung zum Schicksal des S\u00e4ngers ist verschieden von der Identit\u00e4t in der Ordnung der Lebendigen. Dort war ein Geschehen in seiner Bestimmtheit durch und f\u00fcr den Dichter als aus ein und derselben Quelle flie\u00dfend erkannt. Der Dichter erlebte das Wahre. So war das Volk ihm bekannt. In der g\u00f6ttlichen Ordnung aber liegt, wie sich zeigen wird, eine besondere innere Identit\u00e4t der Gestalt vor. Diese Identit\u00e4t fand man angedeutet schon im Bilde des Raumes und etwa in der Bestimmung der Fl\u00e4che durch das Ornament. Aber zum Beherrschenden einer Ordnung geworden f\u00fchrt sie eine Versachlichung des Lebendigen herauf. Es entsteht eine eigent\u00fcmliche Verdopplung der Gestalt (die sie mit r\u00e4umlichen Bestimmungen verbindet) indem eine jede in sich nochmals ihre Konzentration vorfindet, eine rein immanente Plastik als Ausdruck ihres Daseins in der Zeit in sich tr\u00e4gt. In dieser Richtung der Konzentration streben die Dinge zum Dasein als reine Idee und bestimmen das Schicksal des Dichters <i>in<\/i> der reinen Welt der Gestalten. Die Plastik der Gestalt wird als das Geistige erwiesen. So ist der \u00bbdenkende Tag\u00ab aus dem \u00bbfr\u00f6hlichen\u00ab geworden. Der Tag ist durch ein Beiwort nicht in seiner Eigenschaft gekennzeichnet, sondern es wird ihm die Gabe beigelegt, welche gerade die Bedingung der geistigen Identit\u00e4t des Wesens ist: das Denken. Es erscheint nun der Tag in dieser neuen Fassung auf das h\u00f6chste gestaltet, ruhend, mit sich selbst einstimmend im Bewu\u00dftsein, als eine Gestalt von innerer Plastik des Daseins, der die Identit\u00e4t des Geschehens in der Ordnung der Lebendigen entspricht. Von den G\u00f6ttern her erscheint der Tag als gestalteter Inbegriff der Zeit. Von dem gewinnt es nun als gleichsam einem Beharrenden einen viel tieferen Sinn, da\u00df der Gott ihn g\u00f6nnt. Diese Vorstellung, der Tag sei geg\u00f6nnt, ist sehr streng zu trennen von einer hergebrachten Mythologie, die den Tag schenken l\u00e4\u00dft. Denn hier ist schon, was mit bedeutenderer Gewalt sich sp\u00e4ter zeigt, angedeutet: da\u00df die Idee zur Versachlichung der Gestalt f\u00fchrt und da\u00df die G\u00f6tter ganz ihrer eignen Plastik anheimgegeben sind, den Tag nur g\u00f6nnen oder mi\u00dfg\u00f6nnen k\u00f6nnen, da an Gestalt der Idee sie am n\u00e4chsten sind. Wieder darf hier auf die Steigerung der Absicht im rein Lautlichen: durch Alliteration hingedeutet werden. Die bedeutende Sch\u00f6nheit, mit der hier der Tag zum plastischen und eben zugleich kontemplativen Prinzip erhoben wird, findet im Anfang des \u00bbChiron\u00ab sich gesteigert wieder: \u00bbWo bist du, Nachdenkliches! das immer mu\u00df | Zur Seite gehn zu Zeiten, wo bist du, Licht?\u00ab Die gleiche Anschauung hat den zweiten Vers der f\u00fcnften Strophe sehr innerlich verwandelt und auf das h\u00f6chste verfeinert gegen die entsprechende Stelle der fr\u00fcheren Fassung. Ganz im Gegensatz zur \u00bbfl\u00fcchtigen Zeit\u00ab, zu den \u00bbVerg\u00e4nglichen\u00ab ist in der Neufassung dieser Zeile das Beharrende, die Dauer in der Gestalt der Zeit und der Menschen entwickelt worden. Die \u00bbWende der Zeit\u00ab erfa\u00dft offenbar noch den Augenblick der Beharrung, gerade das Moment innerer Plastik in der Zeit. Und da\u00df dieses Moment innrer zeitlicher Plastik zentral ist, dies kann wie die zentrale Bedeutung der andern bisher erwiesenen Erscheinungen erst sp\u00e4ter ganz deutlich werden. Den gleichen Ausdruck hat das folgende \u00bbuns die Entschlafenden\u00ab. Wieder ist der Ausdruck tiefster Identit\u00e4t der Gestalt (im Schlafe) gegeben. Es ist schon hier an das heraklitische Wort zu erinnern: Im Wachen sehen wir zwar den Tod, im Schlafe aber den Schlaf. Um diese plastische Struktur des Gedankens in seiner Intensit\u00e4t handelt es sich, wie hierf\u00fcr das kontemplativ erf\u00fcllte Bewu\u00dftsein den letzten Grund bildet. Die gleiche Identit\u00e4tsbeziehung, die hier im intensiven Sinne zur zeitlichen Plastik der Gestalt f\u00fchrt, mu\u00df im extensiven Sinne zu einer unendlichen Gestaltform f\u00fchren, zu einer gleichsam eingesargten Plastik, in der die Gestalt mit dem Gestaltlosen identisch wird. Die Versachlichung der Gestalt in der Idee bedeutet zugleich: ihr immer unbegrenzteres und unendliches Umsichgreifen, die Vereinigung der Gestalten in der Gestalt schlechthin, zu der die G\u00f6tter werden. Es ist durch sie der Gegenstand gegeben, an dem das dichterische Schicksal sich begrenzt. Die G\u00f6tter bedeuten dem Dichter die unerme\u00dfliche Gestaltung seines Schicksals, wie die Lebendigen noch die weiteste Erstreckung des Geschehens als im Bereiche dichterischen Schicksals verb\u00fcrgen. Diese Bestimmung des Schicksals durch Gestaltung macht die Gegenst\u00e4ndlichkeit des dichterischen Kosmos aus. Zugleich aber bedeutet sie die reine Welt zeitlicher Plastik im Bewu\u00dftsein; die Idee wird in ihr herrschend; wo vordem das Wahre der Aktivit\u00e4t des Dichters einbeschlossen war, tritt es nun beherrschend in sinnlicher Erf\u00fclltheit auf. In der Formung dieses Weltbildes wird immer strenger jede Anlehnung an konventionelle Mythologie getilgt. F\u00fcr das entlegnere \u00bbAhne\u00ab tritt der \u00bbVater\u00ab ein, der Sonnengott ist in einen Gott des Himmels verwandelt. Die plastische, ja architektonische Bedeutung des Himmels ist unendlich viel gr\u00f6\u00dfer als die der Sonne. Zugleich aber ist hier deutlich, wie fortschreitend den Unterschied zwischen Gestalt und Gestaltlosem der Dichter aufhebt; und der Himmel bedeutet so sehr eine Ausdehnung, als auch zugleich eine Verringerung der Gestalt, im Vergleich mit der Sonne. Die Gewalt dieses Zusammenhanges erhellt das folgende \u00bbAufgerichtet an goldnen | G\u00e4ngelbanden, wie Kinder, h\u00e4lt.\u00ab Wieder mu\u00df die Starrheit und Unzug\u00e4nglichkeit des Bildes an orientalisches Sehen gemahnen. Indem mitten im ungestalteten Raume die plastische Verbindung mit dem Gott gegeben \u2014 ihrer Intensit\u00e4t nach durch die Farbe betont, die einzige, die die neue Fassung enth\u00e4lt \u2014 wirkt diese Zeile auf das seltsamste fremd und fast ert\u00f6tend. Das architektonische Element ist so stark, da\u00df es der Beziehung, die im Bilde des Himmels gegeben war, entspricht. Die Gestalten der dichterischen Welt sind unendlich und doch begrenzend zugleich; es mu\u00df dem inneren Gesetz zufolge die Gestalt eben so sehr im Dasein des Gesanges aufgehoben sein und in ihn eingehen, wie die bewegten Kr\u00e4fte der Lebendigen. Auch der Gott mu\u00df am Ende dem Gesange zum Besten dienen und sein Gesetz vollstrecken, wie das Volk Zeichen seiner Erstreckung sein mu\u00dfte. Dies erf\u00fcllt sich am Ende: \u00bbund von den Himmlischen | Einen bringen.\u00ab Die Gestaltung, das innerlich plastische Prinzip, ist so gesteigert, da\u00df das Verh\u00e4ngnis der toten Form \u00fcber den Gott hereingebrochen ist, da\u00df \u2014 um im Bilde zu sprechen \u2014 die Plastik von innen nach au\u00dfen umschlug und nun v\u00f6llig der Gott zum Gegenstande wurde. Die zeitliche Form ist von innen nach au\u00dfen gebrochen als Bewegtes. Der Himmlische wird gebracht. Hier liegt ein h\u00f6chster Ausdruck von Identit\u00e4t vor: der griechische Gott ist seinem eignen Prinzip, der Gestalt, ganz anheimgefallen. Der h\u00f6chste Frevel ist gedeutet: <i>hybris<\/i>, die ganz nur dem Gott erreichbar, bildet zur toten Gestalt ihn um. Sich selbst Gestalt geben, das hei\u00dft <i>hybris<\/i>. Der Gott h\u00f6rt auf, den Kosmos des Gesanges zu bestimmen, dessen Wesen vielmehr\u2014 mit Kunst \u2014 erw\u00e4hlt sich frei das Gegenst\u00e4ndliche: er bringt den Gott, da G\u00f6tter schon zum versachlichten Sein der Welt im Gedanken geworden sind. Es ist schon hier die bewundrungsw\u00fcrdige F\u00fcgung der letzten Strophe zu erkennen, in der das immanente Ziel aller Gestaltung dieses Gedichts sich zusammenfa\u00dft. Die r\u00e4umliche Erstreckung der Lebendigen bestimmt sich in dem zeitlich innerlichen Eingreifen des Dichters: so erkl\u00e4rte sich das Wort \u00bbgeschickt\u00ab; in der gleichen Vereinzelung, in der das Volk zu einer Reihe von Funktionen des Schicksals geworden ist. \u00bbGut auch sind und geschickt einem zu etwas wir\u00ab \u2014 ist der Gott Gegenstand in seiner toten Unendlichkeit geworden, der Dichter ergreift ihn. Die Ordnung von Volk und Gott als aufgel\u00f6st in Einheiten wird hier zur Einheit im dichterischen Schicksal. Es ist die vielfache Identit\u00e4t, in der Volk und Gott wie die Bedingungen sinnlichen Daseins aufgehoben sind, offenbar. Einem andern geb\u00fchrt die Mitte dieser Welt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Durchdringung der einzelnen Anschauungsformen untereinander und ihre Verbundenheit in und mit dem Geistigen, als Idee, Schicksal u.s.f. ist im einzelnen weit genug verfolgt. Nicht um die Ermittlung der letzten Elemente kann es sich am Ende handeln, denn das letzte Gesetz dieser Welt ist eben die Verbundenheit: als Einheit der Funktion von Verbindendem und Verbundenem. Aber ein besonders zentraler Ort dieser Verbundenheit mu\u00df noch aufgewiesen werden, in dem die Grenze des Gedichteten gegen das Leben am weitesten vorgeschoben ist, an dem die Energie der innern Form sich um so m\u00e4chtiger erweist, je flutender und formloser das bedeutete Leben ist. An diesem Orte wird die Einheit des Gedichteten sichtbar, am weitesten werden die Verbundenheiten \u00fcberschaut und die Abwandlung beider Gedichtfassungen, die Vertiefung der ersten in der letzten erkannt. \u2014 Von einer Einheit des Gedichteten in der ersten Fassung darf nicht gesprochen werden. Der Ablauf wird von der ausf\u00fchrlichen Analogie des Dichters mit dem Sonnengott unterbrochen, danach aber kehrt er nicht wieder mit ganzer Intensit\u00e4t zu dem Dichter zur\u00fcck. Es liegt in dieser Fassung, in ihrer ausf\u00fchrlichen Sondergestaltung des Sterbens, auch ihrem Titel nach, noch die Spannung zwischen zwei Welten \u2014 der des Dichters und jener \u00bbWirklichkeit\u00ab, in der der Tod droht, die hier nur eingekleidet als G\u00f6ttlichkeit erscheint. Sp\u00e4ter ist die Zweiheit der Welten verschwunden, mit dem Sterben ist die Eigenschaft des Mutes dahin-gefallen, im Ablauf ist nichts als das Dasein des Dichters gegeben. Die Frage, worauf die Vergleichbarkeit dieser in allem einzelnen wie im Ablauf so v\u00f6llig unterschiednen Entw\u00fcrfe beruht, ist also dringend. Wiederum kann nicht die Gleichheit eines Elementes, sondern nur die Verbundenheit in einer Funktion die Vergleichbarkeit der Gedichte erweisen. Diese Funktion liegt in dem einzig aufweisbaren Funktionsinbegriff, dem Gedichteten. Das Gedichtete beider Fassungen \u2014 nicht in seiner Gleichheit, deren keine besteht, sondern in seiner \u00bbVergleichheit\u00ab \u2014 soll verglichen werden. Beide Gedichte sind in ihrem Gedichteten verbunden und zwar in einem Verhalten zur Welt. Dieses ist der Mut, der, je tiefer er verstanden ist, desto weniger eine Eigenschaft, sondern eine Beziehung von Mensch zu Welt und von Welt zu Mensch wird. Das Gedichtete der ersten Fassung kennt den Mut nur erst als Eigenschaft. Mensch und Tod stehen sich gegen\u00fcber, beide starr, keine anschauliche Welt ist ihnen gemeinsam. Zwar im Dichter, in seinem g\u00f6ttlich-nat\u00fcrlichen Dasein, war versucht, schon eine tiefe Beziehung zum Tode zu finden; doch nur mittelbar durch die Vermittelung des Gottes, dem der Tod \u2014 mythologisch \u2014 eigen war und dem der Dichter \u2014 mythologisch wiederum \u2014 angen\u00e4hert wurde. Es war das Leben noch Vorbedingung des Todes, die Gestalt entsprang der Natur. Die entschlossene Formung von Anschauung und Gestalt aus einem geistigen Prinzip war vermieden, so blieben sie ohne Durchdringung. Die Gefahr des Todes war in diesem Gedichte \u00fcberwunden durch Sch\u00f6nheit. W\u00e4hrend der sp\u00e4teren Fassung alle Sch\u00f6nheit herflie\u00dft aus \u00dcberwindung der Gefahr. Fr\u00fcher endete H\u00f6lderlin mit der Aufl\u00f6sung der Gestalt, w\u00e4hrend der reine Grund der Gestaltung am Ende der neuen Fassung erscheint. Und diese ist nun aus einem geistigen Grunde gewonnen. Die Zweiheit: Mensch und Tod konnte so nur in einem l\u00e4\u00dflichen Lebensgef\u00fchl beruhen. Sie blieb nicht bestehen, da das Gedichtete sich zu tiefrer Verbundenheit zusammenschlo\u00df und ein geistiges Prinzip \u2014 der Mut \u2014 von sich aus das Leben gestaltete. Mut ist Hingabe an die Gefahr, welche die Welt bedroht. In ihm liegt eine besondere Paradoxie verborgen, von der aus erst das Gef\u00fcge des Gedichteten der beiden Fassungen ganz verstanden wird: dem Mutigen besteht die Gefahr und dennoch achtet er sie nicht. Denn er w\u00e4re feige, w\u00fcrde er sie achten; und best\u00fcnde sie ihm nicht \u2014 er w\u00e4re nicht mutig. Dieses seltsame Verh\u00e4ltnis l\u00f6st sich, indem dem Mutigen selbst die Gefahr nicht droht, jedoch der Welt. Mut ist das Lebensgef\u00fchl des Menschen, der sich der Gefahr preisgibt, dadurch sie in seinem Tode zur Gefahr der Welt erweitert und \u00fcberwindet zugleich. Die Gr\u00f6\u00dfe der Gefahr entspringt im Mutigen \u2014 erst indem sie ihn trifft, in seiner ganzen Hingabe an sie, trifft sie die Welt. In seinem Tode aber ist sie \u00fcberwunden, hat die Welt erreicht, der sie nicht mehr droht; in ihm ist Freiwerden und Stabilierung zugleich der ungeheuren Kr\u00e4fte \u2014 die t\u00e4glich als begrenzte Dinge den Leib umgeben. Im Tode sind schon diese Kr\u00e4fte umgesprungen, die dem Mutigen drohten als Gefahr, sind in ihm beruhigt. (Dies ist die Versachlichung der Kr\u00e4fte, die schon das Wesen der G\u00f6tter dem Dichter n\u00e4herte.) Die Welt des toten Helden ist eine neue mythische, mit Gefahr ges\u00e4ttigt: dies eben ist die Welt der zweiten Gedichtfassung. In ihr durchaus ist ein geistiges Prinzip herrschend geworden: die Einswerdung des heldischen Dichters mit der Welt. Der Dichter hat den Tod nicht zu f\u00fcrchten, er ist Held, weil er die Mitte aller Beziehungen lebt. Das Prinzip des Gedichteten \u00fcberhaupt ist die Alleinherrschaft der Beziehung. In diesem besondern Gedicht als Mut gestaltet: als innerste Identit\u00e4t des Dichters mit der Welt, deren Ausflu\u00df alle Identit\u00e4ten des Anschaulichen und Geistigen dieser Dichtung sind. Das ist der Grund, in dem immer wieder die gesonderte Gestalt sich aufhebt in der raumzeitlichen Ordnung, in der sie als gestaltlos, allgestalt, Vorgang und Dasein, zeitliche Plastik und r\u00e4umliches Geschehen aufgehoben ist. Vereint sind im Tode, der seine Welt ist, alle erkannten Beziehungen. In ihm ist h\u00f6chste unendliche Gestalt und Gestaltlosigkeit, zeitliche Plastik und r\u00e4umliches Dasein, Idee und Sinnlichkeit. Und jede Funktion des Lebens in dieser Welt ist Schicksal, w\u00e4hrend, in der ersten Fassung herk\u00f6mmlich das Schicksal das Leben bestimmte. Das ist das orientalische, mystische, die Grenzen \u00fcberwindende Prinzip, das in diesem Gedicht so offenbar immer wieder das griechische gestaltende Prinzip aufhebt, das einen geistigen Kosmos schafft aus reinen Beziehungen der Anschauung, des sinnlichen Daseins, in dem das Geistige nur Ausdruck der Funktion ist, die zur Identit\u00e4t strebt. Die Umwandlung der Zweiheit von Tod und Dichter in die Einheit einer toten dichterischen Welt, \u00bbmit Gefahr ges\u00e4ttigt\u00ab, ist die Beziehung, in der das Gedichtete der beiden Gedichte steht. An dieser Stelle erst ist nun die Betrachtung der dritten, mittleren Strophe m\u00f6glich geworden. Offenbar ist, da\u00df der Tod in der Gestalt der \u00bbEinkehr\u00ab in die Mitte der Dichtung versetzt wurde, da\u00df in dieser Mitte der Ursprung des Gesanges ist, als des Inbegriffs aller Funktionen, da\u00df hier die Ideen der \u00bbKunst\u00ab, des \u00bbWahren\u00ab entspringen als Ausdruck der beruhenden Einheit. Was \u00fcber die Aufhebung der Ordnung von Sterblichen und Himmlischen gesagt war, erscheint in diesem Zusammenhang v\u00f6llig gesichert. Zu vermuten ist, da\u00df die Worte \u00bbein einsam Wild\u00ab die Menschen bezeichnen und dies stimmt sehr wohl zu dem Titel dieses Gedichtes. \u00bbBl\u00f6digkeit\u00ab \u2014 ist nun die eigentliche Haltung des Dichters geworden. In die Mitte des Lebens versetzt, bleibt ihm nichts, als das reglose Dasein, die v\u00f6llige Passivit\u00e4t, die das Wesen des Mutigen ist; als sich ganz hinzugeben der Beziehung. Sie geht von ihm aus und auf ihn zur\u00fcck. So ergreift der Gesang die Lebendigen und so sind sie ihm bekannt \u2014 nicht mehr verwandt. Dichter und Gesang sind im Kosmos des Gedichts nicht unterschieden. Er ist nichts als Grenze gegen das Leben, die Indifferenz, umgeben von den ungeheuren sinnlichen M\u00e4chten und der Idee, die in sich sein Gesetz bewahren. Wie sehr er die unber\u00fchrbare Mitte aller Beziehung bedeutet, enthalten die beiden letzten Verse am m\u00e4chtigsten. Die Himmlischen sind zu Zeichen des unendlichen Lebens geworden, das aber gegen ihn begrenzt ist: \u00bbund von den Himmlischen | Einen bringen. Doch selber | Bringen schickliche H\u00e4nde wir.\u00ab So ist der Dichter nicht mehr als Gestalt gesehen, sondern allein noch als Prinzip der Gestalt, Begrenzendes, auch seinen eignen K\u00f6rper noch Tragendes. Er bringt seine H\u00e4nde \u2014 und die Himmlischen. Die eindringliche Z\u00e4sur dieser Stelle ergibt den Abstand, den der Dichter vor aller Gestalt und der Welt haben soll, als ihre Einheit. Der Aufbau des Gedichts ist ein Beweis der Einsicht dieser Schillerschen Worte: \u00bbDarin &#8230; besteht das eigentliche Kunstgeheimnis des Meisters, da\u00df er den Stoff durch die Form vertilgt &#8230; Das Gem\u00fct des Zuschauers und Zuh\u00f6rers mu\u00df v\u00f6llig frei und unverletzt bleiben, es mu\u00df aus dem Zauberkreise des K\u00fcnstlers rein und vollkommen wie aus den H\u00e4nden des Sch\u00f6pfers gehn.\u00ab<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Absichtlich war im Laufe der Untersuchung das Wort \u00bbN\u00fcchternheit\u00ab vermieden worden, das so oft zur Charakteristik nahe gelegen h\u00e4tte. Denn erst jetzt sollen H\u00f6lderlins Worte von dem \u00bbheilig n\u00fcchternen\u00ab genannt sein, deren Verst\u00e4ndnis nun bestimmt ist. Man hat bemerkt, da\u00df diese Worte die Tendenz seiner sp\u00e4ten Sch\u00f6pfungen enthalten. Sie entspringen der innigen Sicherheit, mit der diese im eignen geistigen Leben stehen, in dem nun die N\u00fcchternheit erlaubt, geboten, ist, weil es in sich heilig ist, jenseits aller Erhebung im Erhabnen steht. Ist dieses Leben noch das des Griechentums? So wenig ist es das, wie das Leben eines reinen Kunstwerks \u00fcberhaupt das eines Volkes sein kann, so wenig wie es das eines Individuums ist und keines als sein eignes, das wir im Gedichteten finden. Dies Leben ist in Formen des griechischen Mythos gebildet, aber \u2014 das ist entscheidend \u2014 nicht in ihnen allein; gerade das griechische Element ist in der letzten Fassung aufgehoben und ausgeglichen gegen ein andres, das (zwar ohne ausdr\u00fcckliche Rechtfertigung) das orientalische genannt war. Fast alle \u00c4nderungen der sp\u00e4tern Fassung streben in dieser Richtung, in den Bildern wie auch in der Einf\u00fchrung der Ideen und endlich einer neuen Bedeutung des Todes, die alle gegen die in sich ruhende geformt begrenzte Erscheinung sich als unbegrenzte erheben. Da\u00df hierin, vielleicht nicht nur f\u00fcr die Erkenntnis H\u00f6lderlins, eine entscheidende Frage sich verbirgt, kann in diesem Zusammenhang nicht erwiesen werden. Die Betrachtung des Gedichteten aber f\u00fchrt nicht auf den Mythos, sondern \u2014 in den gr\u00f6\u00dften Sch\u00f6pfungen \u2014 nur auf die mythischen Verbundenheiten, die im Kunstwerk zu einziger unmythologischer und unmythischer, uns n\u00e4her nicht begreiflicher Gestalt geformt sind. Aber g\u00e4be es ein Wort, das Verh\u00e4ltnis jenes innern Lebens, aus dem das letzte Gedicht entsprang, zum Mythos zu erfassen, so w\u00e4re es jenes H\u00f6lderlinsche \u2014 einer noch sp\u00e4tern Zeit als dies Gedicht angeh\u00f6rig \u2014 \u00bbDie Sagen, die der Erde sich entfernen, | &#8230; | Sie kehren zu der Menschheit sich\u00ab.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} --><\/p>\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<p><!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":14220} --><\/p>\r\n<div class=\"wp-block-image\">\r\n<figure class=\"alignleft\">\r\n<div id=\"attachment_14220\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14220\" class=\"wp-image-14220\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/220px-Hoelderlin_1792.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"294\" \/><p id=\"caption-attachment-14220\" class=\"wp-caption-text\">Friedrich H\u00f6lderlin, Pastell von Franz Karl Hiemer, 1792<\/p><\/div>\r\n<\/figure>\r\n<\/div>\r\n<p><!-- \/wp:image -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph --><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong><strong>eiterf\u00fchrend \u2192<\/strong>\u00a0Ulrich Bergmann hat das St\u00fcck \u201eDer Tod des Empedokles\u201c neu gelesen und fand ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/03\/25\/der-ueberbau-der-freiheit\/\">Gedicht<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong>\u00a0Lesen Sie auch Friedrich H\u00f6lderlins Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14232\">\u00dcber die Verfahrungsweise des poetischen Geistes<\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber zwei Gedichte von Friedrich H\u00f6lderlin Die Aufgabe der folgenden Untersuchung l\u00e4\u00dft sich in die \u00c4sthetik der Dichtkunst nicht ohne Erkl\u00e4rung einordnen. Diese Wissenschaft als reine \u00c4sthetik hat ihre vornehmsten Kr\u00e4fte der Ergr\u00fcndung der einzelnen Gattungen der Dichtkunst zugewendet, unter&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/06\/07\/dichtermut\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":98124,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[220,428],"class_list":["post-29293","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-friedrich-holderlin","tag-walter-benjamin"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29293"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98874,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29293\/revisions\/98874"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/98124"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}