{"id":29197,"date":"2005-05-09T00:01:46","date_gmt":"2005-05-08T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29197"},"modified":"2022-02-27T16:22:13","modified_gmt":"2022-02-27T15:22:13","slug":"kollegengespraeche-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/05\/09\/kollegengespraeche-2\/","title":{"rendered":"Kollegengespr\u00e4che \u00b7 Revisited"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Vorbemerkung der Redaktion: <span style=\"color: #333333;\">F\u00fcr das Projekt <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/kollegen.htm\">Kollegengespr\u00e4che<\/a><\/span> hat A.J. Weigoni einen Austausch zwischen Schriftstellern angeregt. Auf KUNO ist diese Reihe wieder aufgelebt, daher bringen wir gern den Austausch zwischen Arletta Szmorhun\u00a0und Peter Paul Wiplinger.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Szmorhun<i>:\u00a0In vielen Gedichten unterziehen Sie die in \u00d6sterreich herrschenden Verh\u00e4ltnisse einer scharfen Kritik. Zur Verdeutlichung m\u00f6chte ich ein paar Verse anf\u00fchren: \u201eAuf Schritt und Tritt begegnet mir \u00fcberall in \u00d6sterreich der Alltagsfaschismus\u201c, \u201eversteckt und offen Antisemitismus\u201c, \u201eso viel Verlogenheit, so viel Dummheit in diesem \u00d6sterreich.\u201c Recht k\u00fchne Worte, zu den G\u00fcnstlingen des Staatsapparats geh\u00f6ren Sie wohl nicht?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><\/i>Peter Paul Wiplinger:\u00a0Diese \u201escharfe Kritik\u201c ist notwendig, weil es diese zu kritisierenden herrschenden, ja be-herrschenden \u201eZust\u00e4nde\u201c in \u00d6sterreich gab und gibt. Was man so indifferent als \u201eZust\u00e4nde\u201c bezeichnet, das ist jedoch mit verursachenden und handelnden oder nicht-handelnden Personen und Institutionen, mit der Politik, mit der Gesellschaft, mit dem Staat, mit dem ganzen \u00d6ffentlichen Leben verbunden. Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gibt es in \u00d6sterreich &#8211; so wie auch in Polen und anderen L\u00e4ndern; das ist eine unleugbare und leicht feststellbare Tatsache. Antisemitismus gibt es sogar dort, wo es gar keine Juden gibt. Laut einer demoskopischen Umfrage (vor einiger Zeit) wollen mehr als 30 % der \u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung nicht neben Juden wohnen. Da kann wohl von einem Miteinander gar nicht die Rede sein. \u00dcbrigens wurde die Frage der Restitution f\u00fcr arisiertes j\u00fcdisches Eigentum mehr als 50 Jahre lang verschleppt. Die den Holocaust \u00fcberlebenden, weil rechtzeitig emigrierten j\u00fcdischen \u00d6sterreicher wurden nach 1945 weder von der Regierung, noch von sonst jemandem eingeladen, wieder in ihr Heimatland \u00d6sterreich zur\u00fcckzukehren. Der Landeshauptmann von K\u00e4rnten und FP\u00d6-Parteivorsitzende, Dr. J\u00f6rg Haider, sprach \u00f6ffentlich von einer \u201eordentlichen Besch\u00e4ftigungspolitik im Dritten Reich\u201c und sprach vor ehemaligen Angeh\u00f6rigen der Waffen-SS von dieser NS-Verbrecherorganisation (N\u00fcrnberger-Tribunal) als einer vorbildhaften Wertegemeinschaft. Und dies ohne da\u00df ein Sturm der Entr\u00fcstung durch unser Land gegangen w\u00e4re. Auch in einem sp\u00e4teren Wahlkampf gab es von ihm eindeutig antisemitische Aussagen, eine von den Zuh\u00f6rern beklatschte Verh\u00f6hnung des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Darf sich ein Schriftsteller in Staat und Gesellschaft ohne Einschr\u00e4nkungen einmischen oder gibt es Grenzen, die er nicht \u00fcberschreiten sollte? Oder etwas gelinder gesagt: Ist ein Schriftsteller ausschlie\u00dflich der Literatur verpflichtet oder gehen seine Verpflichtungen weit \u00fcber die Grenzen der Literatur hinaus?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schriftsteller, so wie jeder Staatsb\u00fcrger und somit auch er, darf sich nicht nur, sondern sollte und mu\u00df sich einmischen in das politische Leben, in die \u201eres publica\u201c, in den Staat; vorallem wenn dieser in Fragen der Menschenrechte gegen die von ihm selbst unterzeichnete Menschenrechtskonvention durch Gesetze, Verordnungen oder in der Anwendungspraxis versto\u00dft. Beispiel: Asylpolitik. Nat\u00fcrlich gibt es dabei Grenzen, n\u00e4mlich die der Beachtung der Gesetze, der Verfassung und der Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit. &#8211; Nein, der Schriftsteller ist nicht nur ausschlie\u00dflich der Literatur verpflichtet, weil er ja so etwas wie eine \u00d6ffentliche Person ist und somit Vorbildcharakter, Vorbildwirkung und auch eine daraus resultierende Verantwortung besitzt, der er sich bewu\u00dft sein sollte, sein mu\u00df. Dar\u00fcber hinaus ist er bef\u00e4higt, Gedankenprozesse auszudr\u00fccken und Bilder von der Wirklichkeit zu zeichnen, inklusive ihrer Interpretation. Der Schriftsteller\/ die Schriftstellerin hat die Aufgabe, jeder Form von Propaganda, vorallem der die Wirklichkeit oft verzerrenden oder sie verleugnender politischen Propaganda, also der Staatspropaganda, entgegenzutreten. Diese Aufgabe haben auch immer wieder Intelleketuelle und SchriftstellerInnen erf\u00fcllt; wie zum Beispiel Vaclav Havel und \u00c1rp\u00e1d G\u00f6ncz, beide sp\u00e4ter Staatspr\u00e4sidenten ihrer L\u00e4nder Tschechien und Ungarn. Leider gibt es auch die weit verbreitete modernistische \u201el\u2019art pour l\u2019art\u201c-Ansicht und Auffassung, da\u00df der Schriftsteller, die Schriftstellerin nur ihrem eigenen Werk verpflichtet und ihm gegen\u00fcber verantwortlich ist. Ich teile diese Auffassung nicht, weil ich den Schriftsteller nicht darauf reduzieren kann und will, da er f\u00fcr mich auch ein politisch denkender und handelnder Mensch zu sein hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>In Ihrem Beitrag Literatur und Widerstand. Vom verlorenen Engagement des Schriftstellers weisen Sie auf das neue Outfit der Literatur hin \u2013 Literatur als Staatsspektakel der Politik. Hei\u00dft das, dass die Schreibenden unter dem Druck der Verh\u00e4ltnisse handeln, dass sie zu politischen Kommentatoren werden?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In meinem appellativen Text <i>\u201eLiteratur und Widerstand. Vom verlorenen Engagement des Schriftstellers\u201c <\/i>gehe ich auf die (vorhin) geschilderte Problematik n\u00e4her ein. Ich spreche aber darin nicht von \u201eLiteratur als Staatsspektakel der Politik\u201c. Das ist es nicht. Sondern es geht um den &#8211; von mir beklagten und angeprangerten &#8211; R\u00fcckzug des Schriftstellers\/ der Schriftstellerin aus dem politischen, d.h. aus dem \u00f6ffentlich-gesellschaftlichen Bereich; und auch aus dem des Staates, der Staatsmacht, der Politik. Dies nicht aufgrund einer Verweigerung(shaltung), sondern eher im Zusammenhang mit Desinteresse und Ignoranz und einer f\u00fcr mich fast narzistischen Hinwendung zu seiner eigenen Person und zur Darstellungsschau seiner selbst als mediales Eventereignis. Nat\u00fcrlich gibt es diesen Anpassungsdruck aufgrund einer politischen und\/oder doch vielmehr marktorientierten Erwartungshaltung und damit verbunden ein entsprechendes Anpassungsstreben und eine gewisse Anpassung, und manche Schriftsteller\/Innen werden auch zu politischen Kommentatoren; und dies sowohl auf der einen Seite wie auf der anderen, auf jener des politischen Establishments, als auch jener der Gegner(schaft). Doch der \u201eFreie Markt\u201c, die Zwangslogik der \u201eFreien Marktwirtschaft\u201c (Quantit\u00e4t statt Qualit\u00e4t, Rentabilit\u00e4t und Profit) sind f\u00fcr Verlage und Autoren sowie f\u00fcr das Buchgesch\u00e4ft \u00fcberhaupt viel zwingender. Und die Entwicklung geht in diese Richtung, in Europa (EU) und in der globalisierten Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wie w\u00fcrden Sie die Aufgabe eines Schriftstellers definieren? Was hei\u00dft f\u00fcr Sie \u201aEngagement\u2019? Gibt es eine \u201aengagierte\u2019 Literatur? Ist es ein nur politischer Begriff?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufgabe des Schriftstellers\/der Schriftstellerin ist in erster Linie die, Literatur, und zwar m\u00f6glichst gute Literatur, zu machen. Diese Literatur kann deskriptiven, also erz\u00e4hlerischen Charakter haben, also Wirklichkeit darstellen und beschreiben. Dar\u00fcber hinaus aber kann sie auch Wirklichkeit hinterfragen, Zusammenh\u00e4nge aufzeigen, Wirklichkeit interpretieren, einordnen in die fragmentarische Ganzheit von Ich und Welt, von Individuum und Gesellschaft, von Privatheit und \u00d6ffentlichkeit. Sie kann die Sicht und den Willen des Autors\/der Autorin zum Ausdruck bringen, sie kann Grenzen und Begrenzungen aufzeigen, aber auch aufheben, zum Beispiel jene von Raum und Zeit. Sie kann das Bild einer authentischen Person oder eines Ereignisse wiedergeben, sie kann aber auch paradigmatisch den Menschen und das Menschsein ansprechen, die Schicksalhaftigkeit und das Exemplarische der menschlichen Existenz \u00fcberhaupt darstellen. Dar\u00fcber hinaus kann auch die eigene Position des Autors in seinem Werk artikuliert werden in der Sicht- und Darstellung(sweise) von Personen und Ereignissen, vom eigenen Ich und der Welt. Innerhalb und au\u00dferhalb des Werkes gibt es die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein Engagement, d.h. die Parteiergreifung f\u00fcr dieses oder jenes; oder eben f\u00fcr einen ethischen Standpunkt, f\u00fcr Menschenrechte zum Beispiel, f\u00fcr Demokratie, gegen Machtmi\u00dfbrauch, gegen die Ausbeutung der Dritten Welt, f\u00fcr Aufkl\u00e4rung und Toleranz, gegen den Krieg. \u201eEngagement\u201c ist kein politischer Begriff, sondern eine Haltung und Praxis, n\u00e4mlich jene des Nicht-Wegsehens, der Nicht-Gleichg\u00fcltigkeit, der Nicht-Teilnamslosigkeit am Schicksal, an den Zust\u00e4nden von Mensch, Gesellschaft, Staat und Welt. Ebenso impliziert Engagement den Willen zur positiven Ver\u00e4nderung und den Mitgestaltungsanspruch auf der Basis eines Mitgestaltungsrechtes. Denn dies ist praktizierte Demokratie, ein menschliches und gesellschaftliches Grundrecht. Abgeleitet dieses Handlungsrecht aus dem der Meinungsfreiheit, aus dem Kanon der \u201eB\u00fcrgerlichen Freiheiten\u201c, auf die jeder Staatsb\u00fcrger laut Verfassung ein Recht hat. Engagement ist Handeln, ist ein Recht und ein innerer Auftrag zugleich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Sie gelten als Schriftsteller, der mit seinem Wort die Welt verbessern will. Seit Jahrhunderten versucht die Literatur diese Welt, die Menschen besser zu machen. Glauben Sie, dass es Ihnen eben gelingt, das Unm\u00f6gliche m\u00f6glich zu machen, d.h. dem Menschen von heute seinen Zustand des Ausgesetztseins zu vergegenw\u00e4rtigen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, es w\u00e4re zu naiv zu glauben, da\u00df man mit dem Wort, mit dem literarischen Wort \u201edie Welt verbessern\u201c kann; und das glaube auch ich nicht, auch wenn manche Menschen von mir glauben, da\u00df ich das glaube. Nein, man kann mit dem Wort \u201edie Welt\u201c nicht verbessern, aber man kann manches in ihr &#8211; meist nur Details &#8211; verbessern, vielleicht zum Guten wenden. Zum Beispiel bei und in einem Akt der Vers\u00f6hnung, beim Sichbem\u00fchen um Frieden, beim vorher n\u00f6tigen Eingest\u00e4ndnis der eigenen Fehler oder der eigenen Schuld, beim Bekenntnis der Wahrheit, bei der Bitte um Vergebung. Umgekehrt allerdings kann die Welt und das menschliche Leben sehr leicht und sehr schnell und unwiderruflich durch ein Wort &#8211; nicht durch Literatur! &#8211; zum Schlechteren gewendet werden. Beispiel: Adolf Hitlers und seiner Helfershelfer (Goebbels) Hetzpropaganda, Stalins Erm\u00e4chtigungen f\u00fcr Todesurteile und die Verbannung in die Gulags f\u00fcr Millionen von Menschen. Und so weiter. Nein, die Literatur kann das Unm\u00f6gliche &#8211; die Welt zu verbessern &#8211; nicht m\u00f6glich machen. Aber sie kann aufrufen zur Wachsamkeit gegen\u00fcber dem Mi\u00dfbrauch der Macht, sie kann mahnen zur Toleranz, zur Vernunft und sich gegen Fanatismus und Unterdr\u00fcckung (der Meinungsfreiheit\/ der Lebensfreiheit) stellen. Sie kann Widerstand leisten. Dummheit kann sie aber nicht beseitigen, Verdummung nicht aufhalten. Sie kann aber M\u00f6glichkeiten schaffen f\u00fcr eine andere, eine rationalere anstatt einer blind-emotionalen Weltsicht. Das kann sie anbieten und das tut sie auch. Vielleicht kann sie den einzelnen oder einzelne Menschen bessern im Sinne einer Sensibilisierung und Aufkl\u00e4rung. Das ist mit ein Auftrag und ein Ziel von Literatur, kann das jedenfalls &#8211; auch wenn es kein Gebot ist &#8211; sein. &#8211; \u201eDem Menschen von heute seinen Zustand des Ausgesetztseins zu vergegenw\u00e4rtigen\u201c ist nichts Unm\u00f6gliches, das schafften und schaffen viele AutorInnen in Vergangenheit (Existentialismus\/Camus\/Sartre) und Gegenwart. Mir selber wird dieses \u201eAusgesetztsein\u201c (Verlorensein) in und mit und an meinen Gedichten klar und es wird auch an vielen Stellen in meinen Gedichten angesprochen und artikuliert. Gleichzeitig aber wird aber dann auch von mir das \u201ePrinzip Hoffnung\u201c (Ernst Bloch) hochgehalten, sozusagen als Leuchtturm im Dunkel des eigenen Lebens und der menschlichen Existenz \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Ihre Gedichte sind oft als ausgebliebene Bew\u00e4ltigung der braun beschmierten Vergangenheit zu deuten. Sie lassen die Wunden dieser Vergangenheit nicht heilen, sie lassen sie schmerzen und bluten. In Ihrem Beitrag 50 Jahre danach schreiben Sie : \u201eEs ist ein Teil meines Lebens. Ich bin dadurch gepr\u00e4gt und etwas ist davon noch immer in mir.\u201c K\u00f6nnen Sie sich an diese Vergangenheit erinnern, Sie waren damals ein Kind?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich widerspreche ganz entschieden der im ersten Satz von Punkt 6 ausgesprochenen Behauptung und ihrer Formulierung (\u201eausgebliebene Bew\u00e4ltigung\u201c) und r\u00fccke diese Aussage bzw. Fragestellung in die richtige Position. N\u00e4mlich: Es gibt keine \u201eBew\u00e4ltigung\u201c der \u201ebraun beschmierten Vergangenheit\u201c (NS-Herrschaft und ihre Verbrechen sowie den verbrecherischen Krieg) durch Literatur, durch Gedichte, auch und schon gar nicht durch meine. Ich habe auch gar keinen Versuch zu einer literarischen Bew\u00e4ltigung dahingehend unternommen. Nein, diese meine Gedichte (und Fotografien), wie sie im Fotogedichtband <i>\u201eFarbenlehre\u201c<\/i> aufscheinen, sind das Zeugnis meiner Konfrontation mit der NS-Herrschaft und dem Holocaust, konkret mit dem ehemaligen KZ-Mauthausen. Und es ist das Ergebnis einer individuellen Trauerarbeit. Zu den \u201eWunden dieser Vergangenheit\u201c: Das sind die Wunden der Opfer, der Holocaust-\u00dcberlebenden! Ihnen w\u00fcnsche ich &#8211; bei aller Skepsis, ob dies \u00fcberhaupt jemals in einem solchen Leben m\u00f6glich ist &#8211; eine Heilung ihrer Wunden, vielleicht in Form der Vernarbung. Etwas anderes aber ist es, immer wieder an diese durch den NS-Terror zugef\u00fcgten Lebenswunden und an die Opfer zu erinnern und dazu beizutragen, da\u00df dieser grauenhaften Abschnitt in der Menschheitsgeschichte und die Schuld der T\u00e4ter und Mitt\u00e4ter nicht mit Verdr\u00e4ngen und Vergessen(wollen) zugedeckt wird. &#8211; Zu meiner Erinnerung an diese Zeit: Die gibt es und sie ist noch immer sehr lebendig in mir und in Erinnerungsbildern abrufbar. Noch immer h\u00f6re ich das \u201eHeil Hitler!\u201c-Geschrei der Volkssch\u00fcler vor unserem Haus, die von der Lehrerin oder dem Direktor in einer langen Zweierreihe bis zur Ecke von Kirchengasse und Marktplatz gef\u00fchrt wurden und auf den \u201eHeil Hitler!\u201c-Gru\u00df der LehrerInnen gemeinsam mit ihrem \u201eHeil Hitler!\u201c-Schrei antworteten. Noch immer h\u00f6re ich die Lautsprecherdurchsagen \u00fcber den Platz hallen. Noch immer sehe ich M\u00e4nner in Uniformen und die Hakenkreuzfahnen an den H\u00e4usern. Und ich erinnere mich an den Augenblick, als meine beiden \u00e4lteren Br\u00fcder in den Krieg mu\u00dften und sich von den Eltern und der Familie verabschiedeten. Und noch immer sp\u00fcre ich die Angst, die in uns und rund um uns verbreitet war. Das ist die andere Medaille der \u201efr\u00f6hlichen Kindheit\u201c!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Ist die Kindheit f\u00fcr einen Schriftsteller immer etwas Unausl\u00f6schliches, etwas so tief Pr\u00e4gendes, dass er sich davon nicht losl\u00f6sen kann?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kindheit ist &#8211; so hoffe und glaube ich &#8211; doch f\u00fcr jeden Menschen etwas Unausl\u00f6schliches, etwas Unausl\u00f6schbares, weil sie wie nichts sonst im Leben sp\u00e4ter und f\u00fcr das ganze sp\u00e4tere Leben etwas Pr\u00e4gendes ist. Ob SchriftstellerInnen hier einen besonderen Status einnehmen, kann ich nicht beurteilen, aber es ist sicher, da\u00df die Erinnerung ein besonderes und ein gro\u00dfes Reservoir f\u00fcr das literarische Sicherinnern darstellt. Das belegt die sogenannte \u201eErinnerungsliteratur\u201c vieler Autorinnen und Autoren durch alle Zeiten hindurch. Und man mu\u00df sich von der Erinnerung an seine eigene Kindheit auch nicht losl\u00f6sen, von manchen negativen oder einengenden Pr\u00e4gungen jedoch schon, um eine entwickelte, eigenst\u00e4ndige Pers\u00f6nlichkeit zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wann haben Sie Ihre gro\u00dfe Leidenschaft zur Literatur entdeckt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe keine \u201egro\u00dfe Leidenschaft zur Literatur\u201c. Ich habe eine gro\u00dfe Leidenschaft f\u00fcr das Leben! F\u00fcr meines und f\u00fcr jede Art von Lebewesen \u00fcberhaupt. Und mich interessiert der Mensch: in seinen M\u00f6glichkeiten, in seiner Begrenzung, in seiner Dimension, in seinem Ausgeliefertsein, in seiner Freude, in seinem Schmerz, in seiner Verzweiflung, in seiner Hoffnung, in seiner Liebe, in seinem Lieben; in seiner Abgr\u00fcndigkeit, in seiner unvorstellbaren Grausamkeit, in seinem Streben nach dem Guten, in seiner Aufopferung, in seinem Leiden, in seinem Sterben, in seinem Tod. Das ist es, was mich interessiert, worin ich Einblick haben m\u00f6chte und Einblick nehme, um Mensch und Leben zu verstehen, verstehen zu k\u00f6nnen; und damit auch die Frage beantworten zu k\u00f6nnen bzw. einer Antwort n\u00e4herzukommen auf die Frage, wer ich bin. Nein, Leidenschaft zur\/f\u00fcr Literatur habe ich nicht, aber sie ist f\u00fcr mich wichtig als Widerspiegelung des ewigen Themenkreises vom Menschsein, von der menschlichen Existenz, im philosophisch-ontologischen Sinn, aber auch in der empirisch-existenziellen Erfahrung, auch der des eigenen Ichs. Und deshalb habe ich doch eine Leidenschaft, nicht die f\u00fcr die fertige Literatur, f\u00fcr das literarische Produkt, sondern f\u00fcr das Schreiben dieser &#8211; meiner &#8211; Literatur. Da gibt es eine gro\u00dfe Leidenschaft, auch ein Mich-Ausliefern an diesen Sog von Frage und Antwort, da gibt es auch eine Rangordnung, die darin besteht, alles in meinem Leben dieser Zielsetzung unterzuordnen. Da gibt es die Lust am Schreiben, aber auch die Disziplin der t\u00e4glichen Arbeit. Denn Schriftstellersein ist ein Beruf. Und K\u00fcnstlersein bedeutet Verpflichtung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Ihre Produktivit\u00e4t als Dichter und Kunstfotograf ist beachtlich, woher nehmen Sie Energie zum Schreiben, brauchen Sie einen Ausl\u00f6ser um schaffen zu k\u00f6nnen? Sind Dichten und Fotografieren verwandte K\u00fcnste? Wo w\u00e4ren eventuelle Affinit\u00e4ten zu suchen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, wenn ich zur\u00fcckblicke, vorallem auf die letzten Jahre, so ist tats\u00e4chlich sehr viel entstanden, vorallem in meiner Literatur und ihrer Anordnung in B\u00fcchern. Zum Beispiel die \u201eWerkausgabe\u201c meiner Gedichte aus dem gesamten Schaffenszeitraum von 1960-2002. Das sind 5 B\u00e4nde mit ca. 920 Seiten Lyrik! Daneben sind noch andere B\u00fccher in fremdsprachigen \u00dcbersetzungen erschienen. Das war ein Jahrzehnt Arbeit. Nat\u00fcrlich frage ich mich, ob das \u00fcberhaupt einen Sinn gehabt hat oder einen Sinn hat, vorallem weil ich wei\u00df, da\u00df niemand diese B\u00fccher, diese Gedichte wirklich braucht, jedenfalls nicht f\u00fcr sein und zu seinem Leben. Diese Literatur ist \u00fcberfl\u00fcssig, ein Luxusgut. Nur f\u00fcr mich war es notwendig, diese Literatur zu machen und mich mit ihr sp\u00e4ter zu konfrontieren, sie noch einmal durchzudenken, aufzuarbeiten, zu korrigieren, ihr eine endg\u00fcltige Fassung, eine Endfassung, zu geben, sie abzuschlie\u00dfen, als eine erf\u00fcllte Lebensaufgabe, die man hinter sich hat und hinter sich l\u00e4\u00dft. Ich m\u00f6chte mich so auch von meinen Gedichten verabschieden. Ich brauche sie nicht mehr. Ich will sie und sie sollen mich in die vielleicht noch ein wenig verbliebene Freiheit meines Lebens entlassen. Ich habe viel Energie, Arbeit, Zeit, ja Substanz meines Ichs in diese Gedichte investiert, f\u00fcr sie aufgewendet. Sie haben mich auch viel gekostet, ich habe einen Preis in meinem Leben f\u00fcr sie bezahlt. Deshalb ist auch mein Verh\u00e4ltnis zu ihnen, zu meiner Literatur, zu meinem Schreiben ein kritisches, ein Spannungsverh\u00e4ltnis. Immer wieder vermeine ich, da\u00df das ganze Schreiben in meinem Leben und sein Ergebnis nichts anderes war als vergeudetes Leben. Deshalb bin ich manchmal \u201eb\u00f6se\u201c auf meine Gedichte und auf meine Literatur. Ich trage das ihnen nach, da\u00df sie mir so viel genommen haben, wei\u00df aber zugleich auch, da\u00df sie mir sehr viel, eigentlich alles gegeben haben. Ohne meine Gedichte w\u00e4re ich nichts, ohne sie h\u00e4tte ich zwar ein Leben, aber keine Identit\u00e4t. Woher ich die Kraft dazu genommen habe? Aus meiner entwickelten Lebenshaltung und Lebenskultur des Widerstandes, des \u201eTrotzdem!\u201c. Das literarische Schaffen &#8212; vorallem in der Lyrik &#8211; ist bei aller Spontaninspiration doch ein sehr hartes, auch ein einsames \u201eGesch\u00e4ft\u201c, das mich immer wieder auf mich selbst zur\u00fcckwirft, mich infragestellt, mich gef\u00e4hrdet und mir zugleich Halt gibt, mir meine Abgr\u00fcnde aufzeigt und zugleich (vielleicht vermeintliche) Sicherheit schenkt. Mit dem Fotografieren ist es ganz etwas anderes. Das ist reine Freude am Augenblick &#8211; in der konkreten Bedeutung dieses Wortes \u201eAugenblick\u201c. Ich sehe und schaue sehr gerne und ich denke oft in Bildern. Bilder haben keine lineare Folgestruktur, sondern alles ist gleichzeitig da, simultan, in einem Augenblick. Aneinandergereihte Bilder in der Beobachtung ergeben eine Bilderszenerie wie in einem Film. Zum Beispiel bei Autofahrten, Spazierg\u00e4ngen, St\u00e4dteerkundungen, Museumsbesuchen; aber auch im intimen Erlebnis der Liebe, der Liebesbegegnung. Ich erinnere mich immer in Bildern. Worte, das Gesagte vergesse ich sehr leicht und schnell und fast immer. Das Sehen und Schauen und dieses mit Hilfe der Fotografie festhalten, das ist f\u00fcr mich wie das \u00d6ffnen eines Fensters zur Welt, das erm\u00f6glicht mir intensive Anteilnahme, das bringt die Welt von drau\u00dfen auch zu mir nach innen. Ich liebe es zu fotografieren, ich mag gelungene Bilder, wenn das fotografische Abbild so geworden ist wie die Wirklichkeit oder noch besser, eindringlicher, bedeutungsvoller, eben Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Hinter Ihren knappen Worten sp\u00fcrt man oft Zorn, Hass und Schmerz, k\u00f6nnten Sie ohne diese Gef\u00fchle schreiben? Kurt Adel z.B. nennt Ihr Buch Gitter \u201eden au\u00dferordentlich eindrucksvollen Gedichtband eines gequ\u00e4lten Menschen\u201c. Was qu\u00e4lt Sie eigentlich? [Kurt Adel: Die Literatur \u00d6sterreichs an der Jahrtausendwende. Frankfurt am Main 2003, S. 46]<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, meine Gedichte sind emotionsgeladen. Die Erregung, die leidenschaftliche, ungebremste Emotion, das starke Gef\u00fchl sind die Triebfedern in meinen Gedichten, da\u00df sie entstehen und da\u00df sie so werden, wie sie sind. In den politischen Gedichten, in jenen, in denen ich mich \u00fcber emp\u00f6rende Gesinnungen, Verhaltensweisen, Handlungen oder Handlungsdefizite, \u00fcber Gesellschaftskonventionen und Gesellschaftsl\u00fcgen, \u00fcber politische Propaganda, \u00fcber menschenverachtende Staatsmacht und Machtmi\u00dfbrauch, \u00fcber die Lethargie des indifferenten Zeitgenossen bei dessen gleichzeitig auf der Lauer liegender Aggressivit\u00e4t gegen alles, was schw\u00e4cher ist als er selbst, aufrege, da kommt mir der Zorn hoch und er schl\u00e4gt manchmal auch in Ha\u00df um, in dem Sinne, da\u00df mir solche \u201eZust\u00e4nde\u201c, sprich Menschen und deren Praktiken, verha\u00dft sind. Der Schmerz aber ist dort, wo etwas tief nach innen geht, nicht so sehr im Sinne von pers\u00f6nlicher Verletzung und Verletztbarkeit, vielmehr dann und dort, wo die Unab\u00e4nderlichbarkeit menschlichen Schicksals ins Leben eingreift und den Menschen an den Rand seiner eigenen Existenz(f\u00e4higkeit) dr\u00e4ngt: im (oft sinnlosen) Leiden, im Sterben und im Tod; beim Verlust geliebter Menschen, in der Familie oder auch sonst; beim Zusammenbruch einer aufgebauten Liebes- und Lebensbeziehung, in der ausweglosen Einsamkeit. Und dies nicht nur beim eigenen Betroffensein, sondern in Momenten tiefen Mitgef\u00fchls. Schmerz und Trauer, Verzweiflung und Hoffnunslosigkeit sind immer wieder an solchen Schnittpunkten im Leben sp\u00fcrbar, man ist solchen Empfindungen ausgeliefert und man ist gef\u00e4hrdet, mu\u00df aber lernen, damit zu leben und dabei nicht unterzugehen. Das Gedichteschreiben ist f\u00fcr mich dabei eine gro\u00dfe und wichtige Hilfe und ein Schutz. Was aber am meisten mich qu\u00e4lt ist die Einsamkeit. Diese ist unausl\u00f6schbar und brennt von Zeit zu Zeit wie ein verzehrendes Feuer im Innern; und da hilft dann auch kein Gedichteschreiben mehr, im Gegenteil: diese machen mir die eigene Einsamkeit, dieses Im-Leben-Verlorensein, die Ausweglosigkeit, diese unstillbare Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, nach Lebensf\u00fclle und Lebenserf\u00fcllung, nach dem Ganzen und Vollkommenen, nach Unbegrenztheit, nach der Zeitlosigkeit ohne Ende durch den Tod, erst nur noch viel schmerzhafter, weil klarer und in Worten ausgedr\u00fcckt, bewu\u00dft. Zugleich aber decken die W\u00f6rter, deckt das Gedicht aber den Schmerz auch zu. Gedichteschreiben bringt zuerst eine Intensivierung des Gef\u00fchls, dann aber Linderung. So, als w\u00e4re das Gedichteschreiben ein Begr\u00e4bnisakt, als w\u00e4re damit etwas beendet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Versuchen Sie manchmal Dinge, die Ihnen im Leben zusto\u00dfen, und die Sie sich nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, mithilfe der Poesie zu erkl\u00e4ren?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein. Das Leben hat seine eigene \u201eLogik\u201c oder \u201eIrrationalit\u00e4t\u201c. Und die Poesie hat nicht die Aufgabe, Erkl\u00e4rungen (f\u00fcr unaufl\u00f6sbare Lebensr\u00e4tsel) zu finden und zu formulieren. Das Leben ist das eine, die Poesie etwas anderes. Wenn ich mir im Leben dieses oder jenes, die Entscheidung eines Menschen zum Beispiel (gegen mich) nicht erkl\u00e4ren kann, dann brauche ich Information, dann mu\u00df ich nachfragen. In diesem Rahmen kann ich zu Erkl\u00e4rungen kommen. Aber insgesamt ist das Leben, ist die menschliche Existenz, das Wie und Warum eines Lebens und im Leben nicht erkl\u00e4rbar. Es w\u00fcrde auch nicht viel helfen, im Sinne von mit dem Leben gut zurechtkommen, bei der Lebensbew\u00e4ltigung. Die Gefahren und die Gef\u00e4hrdung sind einfach gegeben, genauso wie der rettungslose Untergang. Es gibt keinen Ausweg aus dem Dilemma.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass Schriftsteller Splitter aus ihrer Erfahrungswelt aufgreifen, die dann als poetisch verfremdete Sprachbilder in ihren Hervorbringungen wieder auftauchen. Ist Ihre Poesie vor allem als Reaktion auf die Ausw\u00fcchse der \u00e4u\u00dferen Wirklichkeit oder vielmehr als eine Auseinandersetzung mit Ihrer Innenwelt zu deuten?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich spielt die Erfahrungswelt f\u00fcr den Schriftsteller, f\u00fcr den Dichter, so auch f\u00fcr mich eine gro\u00dfe Rolle. Diese Erfahrungswelt, sowohl Umwelt als auch Ich-Welt mit all ihren Konditionen und Relationen, ist ja das Reservoir aus dem man sch\u00f6pft. Dies gilt auch und im besonderen f\u00fcr mich und meine Literatur. Sie ist kein frei (schwebendes) Konstrukt, sie hat immer mit (erlebter) Wirklichkeit zu tun, ist Reaktion auf sie, immer aber mehr als blo\u00dfe Reaktion. Und es geht hier nicht um \u201eSplitter\u201c, sondern um ein Ganzes, um eine ganzheitliche Beziehung zwischen Mensch und Welt mit all ihren Kanten und Ecken, Risken, Unerkl\u00e4rbarkeiten, Verletzungen, Verwundungen, Fragen und Antwortlosigkeiten. Nichts davon taucht als \u201everfremdete Sprachbilder\u201c auf, jedenfalls nicht bei mir. Immer wird Wirklichkeit angesprochen, ausgesprochen, wiedergegeben, nicht verfremdet aber oft chiffriert, so da\u00df der Akt der Rezeption auch ein solcher der Dechiffrierung sein mu\u00df, um Inhalt und Aussage zu verstehen, verstehen zu k\u00f6nnen. Beides zugleich kennzeichnet die Dimension meiner Lyrik: Innen- und Au\u00dfenwelt. Und immer sind beide miteinander in Ber\u00fchrung, auch in Konfrontation, in Unvereinbarkeit, im Widerspruch. An diesen Schnittpunkten (Buchtitel eines Gedichtbandes!) geschieht Ereignishaftes und Bedeutungsvolles, sowohl im Leben wie im Gedicht. Hier entscheidet sich manches, immer Wesentliches, Folgenhaftes. An Schnittpunkten aber gibt es auch Begegnungen und Trennungen, Sich-Finden und Einander-Verlorengehen, vorallem in der Liebesbeziehung. Schnittpunkte sind auch Schmerzpunkte, Punktierungen, die das Leben am Menschen vornimmt. Zur\u00fcck bleiben Spuren (Titel eines Gedichtbandes!), Spuren von Eingriffen, Narben von Verwundungen; Lebenst\u00e4towierungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>\u00dcbertragen Sie Ihre Erfahrungen mit der Au\u00dfenwelt eins zu eins in Ihre Lyrik oder werden sie vorerst entsprechend bearbeitet? Wo und wann setzt bei Ihnen der k\u00fcnstlerische Prozess ein?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u201eEins-zu-Eins\u201c-\u00dcbertragung von Leben auf Lyrik gibt es nicht, sie w\u00e4re Abklatsch (des Lebens), nichts K\u00fcnstlerisches, nur ein Abdruck, der weder mit Wirklichkeit noch mit Kunst\/Literatur etwas zu tun hat. Immer geht es beim intellektuellen Denkproze\u00df und beim k\u00fcnstlerischen Gestaltungsproze\u00df und Zuordnung und Einordnung, um Analyse und Interpretation und dann um Neuordnung und Neugestaltung zu einem anderen, neuen Ganzen: dem literarischen Kunstwerk. Das hat man als Dichter zu leisten, den Unterschied herauszuarbeiten, der zwischen dem blo\u00df Dahin- und Dahergesagten, dem Gerede, und dem Gedicht besteht. Dabei kann der \u201ek\u00fcnstlerische Proze\u00df\u201c in einem einzigen Augenblick und durch einen einzigen aufflackernden Gedankenbruchteil, durch ein den dichterischen Proze\u00df ausl\u00f6sendes Wort oder eine kurze Wortfolge, meist dann die erste Zeile in einem Gedicht, ausgel\u00f6st werden; so ist es jedenfalls bei mir. Darauf geht der von mir verfa\u00dfte und in der Zeitschrift \u201eDie Unke\u201c (Klagenfurt, 1994) publizierte Text <i>\u201eWie entsteht (m)ein Gedicht?- Zum Ph\u00e4momen<\/i> <i>des poetischen Aktes\u201c<\/i> umfassender und genauer ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Einen wichtigen Platz nimmt in Ihrer Poesie die Kunst des Sich-Erinnerns ein. Im Gedicht Ein Bild in mir schreiben Sie: \u201eIm kleinen Handgep\u00e4ck meiner Erinnerungen ist alles vollkommen.\u201c Sind in diesem Sinne\u00a0 Erinnerungen f\u00fcr Sie eine Art Zufluchtsort von dieser unvollkommenen Realit\u00e4t?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihre Formulierung bzw. Bezeichnung \u201edie Kunst des Sich-Erinnerns\u201c f\u00fcr diesen Erinnerungsakt gef\u00e4llt mir sehr gut. Ob man in diesem Zusammenhang wirklich das Wort \u201eKunst\u201c verwenden kann, wei\u00df ich nicht; aber warum auch nicht! Jeder, glaube ich, versteht, was hier damit gemeint ist, welche Bedeutung bei dieser Formulierung mitschwingt. Ich erkl\u00e4re mein Mich-Erinnern wie folgt. Das eine ist der willentlich vorgenommene und von mir selbst gestaltete Erinnerungsakt, bei dem ich die in mir gespeicherten Erinnerungsbilder wie in einem Film, heute Bilddatei im Computer, abrufe und sie mir vor Augen f\u00fchre. Das andere aber sind Erinnerungen, die ohne da\u00df ich sie herbeirufe oder sogar ohne da\u00df ich es will sich von selber immer wieder bei mir melden, aus meinem Ged\u00e4chtnis in den Raum meiner inneren Schau eindringen, dort aufflackern, von mir vielleicht verdr\u00e4ngt und ausgel\u00f6scht werden. Hier handelt es sich meistens um Erinnerungen an unangenehme Ereignisse, an belastende Vorf\u00e4lle, um etwas, das ich vielleicht verdr\u00e4ngen und vergessen will. Beide Erinnerungsarten gibt es und sie nehmen eine wichtige Stellung in meiner Sicht und Vergegenw\u00e4rtigung der Vergangenheit ein. Die Erinnerung und das Sich-Erinnern-K\u00f6nnen schaffen ja erst jene Zeitdimension, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbunden werden k\u00f6nnen. Das nochmalige und wiederholbare Sich-vor-Augen-F\u00fchren von Personen, Ereignissen, Bildern, aber auch Gef\u00fchlen und Gedanken erm\u00f6glicht im R\u00fcckblick die Vergegenw\u00e4rtigung und somit auch einen damit verbundenen analytischen Denkakt, der in eine kritische Sicht und Beurteilung, inklusive einer m\u00f6glichen Korrektur dabei, m\u00fcndet. Das ist eine gro\u00dfartige menschliche, nur dem Menschen eigene F\u00e4higkeit. Auf der F\u00e4higkeit zur Reflexion gr\u00fcndet sich so viel, was mit dem Menschen und dem Menschsein zu tun hat: Wissenschaft, Kultur, Philosophie, Kunst. Ob die Erinnerung f\u00fcr mich ein Zufluchtsort ist, kann ich (noch) nicht sagen. Wir alle kennen das Sprichwort: \u201eDie Erinnerung ist der einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden k\u00f6nnen\u201c. Mir ist dieser Satz seit jeher gel\u00e4ufig, obwohl ich mich nicht mehr erinnern kann, von wem er stammt. Und hier sehen wir schon, da\u00df es im Zusammenhang mit der Erinnerung auch das Vergessen gibt. Und auch dieses ist wichtig: Das Vergessen-K\u00f6nnen. In der Erinnerung idealisiert man oft Vergangenes, es kommt zu einer Verf\u00e4lschung, einer Besch\u00f6nigung der Wirklichkeit. Wenn ich mich erinnere, dann will ich der Realit\u00e4t gegenw\u00e4rtiger Ereignisse und Zust\u00e4nde &#8211; auch in meinem Leben &#8211; nicht ausweichen, aber manchmal mich aus ihr herausnehmen und \u201emich in meine Erinnerung zur\u00fcckziehen als Heimat\u201c (Wiplinger-Gedicht). Dann wird die Erinnerung so etwas wie ein Zufluchtsort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Fast alle Gedichte, die Sie als Liebesgedichte betiteln, sind von Ende, Abschied und Erinnerung. Wieso \u201eversinken die Tage der Liebe im Leid?\u201c Ist die Liebe tats\u00e4chlich zum Scheitern verurteilt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Liebesgedichte bilden einen eigenen gro\u00dfen Gedichte-Lebens-Raum in meinem literarischen Schaffen. Nicht alles daraus gebe ich preis, denn (manche) Liebesgedichte sind etwas sehr Privates, ja sogar Intimes, weil sie Liebesbeziehungen widerspiegeln, manchmal ziemlich konkret. Es stimmt, in sehr vielen Liebesgedichten von mir ist von Trennung und Abschied die Rede, wird das Scheitern als ein an der Liebe und ihrem Anspruch und ihren oft den Liebenden aufgezwungenen Konditionen schicksalhaftes Scheiternm\u00fcssen sichtbar, wird es an- und ausgesprochen. Hier geht es aber um nichts Philosophisches, sondern um tats\u00e4chliche Lebensereignisse und Lebenserfahrung. \u201eSo war es, so ist es und anders wird es nicht und nie sein &#8211; das sind der Befund und der Merksatz aufgrund von Erfahrung und Erkenntnis. Bei mir steht am Ende immer das Scheitern von Beziehungen, manchmal ist es geradezu vorprogrammiert, weil Konditionen nicht zusammenpassen. Trotzdem lasse ich mich auf die Liebe und auf das Lieben mit meiner ganzen Leidenschaft und Pers\u00f6nlichkeit ein, auch wenn ich das Scheitern und das Ende voraussehe und um den Schmerz der Trennung aus Erfahrung wei\u00df. Ich bin ein Liebender und ich liebe die Liebe und das Lieben. In ihr ist menschliche Beziehung am intensivsten erfahrbar. Wenn ich liebe und darin Erf\u00fcllung finde &#8211; wenn auch nur zeitweise und begrenzt, sozusagen \u201eauf Abruf\u201c &#8211; dann ver\u00e4ndern sich f\u00fcr mich die Welt und mein Leben(sgef\u00fchl). Und ich gebe mich dieser Ver\u00e4nderung ohne R\u00fccksicht und ohne R\u00fcckhalt hin. Das bedeutet aber ein Sichausliefern und damit den ersten Schritt in Richtung Katastrophe. Am Ende steht dann immer die Einsamkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wenn Sie gestatten, m\u00f6chte ich Sie auch nach der Rolle der Frauen in Ihrem Leben fragen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich liebe die Frauen, alle in ihrer Verschiedenheit, in ihrer Besonderheit, wenn sie Pers\u00f6nlichkeit haben. Das klingt sehr nach Casanova-Plattitude. Ich meine es aber ganz anders. Frauen sind mir viel n\u00e4her in ihrer Eigenart und Wesensart als M\u00e4nner. Gleichzeitig sind sie mir fremder. Und genau das fasziniert mich. Die Faszination, aber auch die Verunsicherung beruht auf diesem Spannungsverh\u00e4ltnis von Vertrautheit und Fremdheit. Ich liebe die N\u00e4he zu Frauen, die mich \u201eansprechen\u201c, brauche aber auch die Distanz &#8211; vielleicht als Schutz &#8211; vorallem in Beziehungen. Ich gerate, wenn ich mich verliebe, sehr leicht und schnell in einen Sog, der mich in einer gef\u00e4hrlichen Strudel hineinzieht. Auch die Gefahr der Idealisierung besteht; und somit eine Verf\u00e4lschung, Verzerrung der Wirklichkeit, der konkreten Gegebenheit einer Beziehung. In solchen Beziehungen bin ich immer gef\u00e4hrdet und bin immer ich der Gef\u00e4hrdete. Frauen sind viel kontrollierter, jedenfalls heutzutage; und die j\u00fcngere Erfolgsgeneration der Frauen. Trennungen fallen mir schwer, jedenfalls schwerer als vielen anderen. Ich h\u00e4nge sehr stark und sehr lange am Gemeinsamen, das zwei Menschen &#8211; egal in welcher Art von gelebter Beziehung &#8211; verbindet. Vernunft hilft mir \u00fcberhaupt nicht. Ich lebe nicht nach der Vernunft. Ich bin ein Romantiker, auch in der Liebe, was bedeutet, da\u00df die Idee, die mich begeistert oder nach der ich suche, f\u00fcr mich st\u00e4rker und bestimmender ist als die Wirklichkeit. Es gab und gibt lange Beziehungen in meinem Leben, aber auch kurz aufflackernde intensive Liebesbegegnungen. Und es gibt eine seit mehr als zwei Jahrzehnten noch immer bestehende Lebensgemeinschaft mit einer Lebenspartnerin. Immer aber steht die Liebe und steht jede Liebesbeziehung in einer unaufl\u00f6sbaren Problem-Konflikt-Konstellation, n\u00e4mlich im Verh\u00e4ltnis von pers\u00f6nlicher Freiheit und kulturell-gesellschaftlicher Pr\u00e4gung und Konvention. In jeder l\u00e4nger andauernden Liebesbeziehung gibt es die L\u00fcge. Die Wahrheit, die schonungslose Wahrheit w\u00fcrde unweigerlich zum Zerbrechen, zur Aufl\u00f6sung der Beziehung f\u00fchren. Ich h\u00e4tte gern und lieber offene Beziehungen als diese Liebesbeziehungsgef\u00e4ngnisse, in denen die pers\u00f6nliche Freiheit respektiert und eine Hinwendung nach au\u00dfen aufgrund und auf der Basis eines Regelkodex zulassen wird. Ich wei\u00df aber, da\u00df dies in \u201eNormalbeziehungen\u201c in unserer Kultur nicht m\u00f6glich ist. Man nimmt lieber die Scheinheiligkeit, die Verlogenheit, die L\u00fcge in Kauf. Und nennt dies dann Moral und Lebensordnung. Da\u00df es nicht wirklich funktioniert, zeigen die Scheidungsstatistiken und die (noch) bestehenden schlechten Ehen und miserablen Beziehungen. Mit all dem will und wollte ich nie etwas zu tun haben. Aber auch davon kann man sich selber nicht ausnehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>In vielen Gedichten kommt Ihre ungeheuere Sensibilit\u00e4t zum Ausdruck. Dies bezieht sich u.a. auf die Welt Ihrer intimsten Erlebnisse. Ich nehme an, dass es schriftliche Fixierungen von derartigen Erlebnissen gibt, Gedichte, die Sie nur f\u00fcr sich behalten m\u00f6chten, die nicht zur Ver\u00f6ffentlichung bestimmt sind, oder bin ich im Irrtum?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Frage wurde im vorigen Punkt schon von mir angesprochen und beantwortet. Es gibt aus der Situation heraus geschriebene Gedichte, die weniger nach literarischen Zielsetzungen ausgerichtet sind und nicht so sehr literarischen Kriterien entsprechen, deren Zweck die intime Mitteilung oder die Aufzeichnung ist. Zu diesem Bereich geh\u00f6ren auch Briefe. Ich schrieb und schreibe Liebesbriefe, ich glaube, da\u00df (romantische) Frauen dies m\u00f6gen. Ein SMS w\u00e4re da zu formelhaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Man h\u00e4lt Sie f\u00fcr einen Dichter ohne L\u00e4cheln, ohne Lebensfreude, der sich als Moralist und Lehrer ausgeben wolle, der Suchenden den vermissten Weg weisen k\u00f6nne. Ist Ihnen nie passiert, sich in dieser komplizierten Welt verloren zu haben? Wollen Sie anderen Orientierungsm\u00f6glichkeiten verschaffen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer ist dieses \u201eMan\u201c?! Und woher nimmt irgend jemand diese vermeintliche aber anma\u00dfende Berechtigung auf eine solche, v\u00f6llig absurde Pers\u00f6nlichkeitsreduktion meines Ichs?! Ein undefinierbares \u201eMan\u201c gibt es nicht, das ist Pseudopersonalisierung einer Konstruktion und somit Manipulation! Nein, ich bin kein Griesgram, ich bin kein Lebensverneiner, ich bin ein vitaler Mensch, der auch gerne von Zeit zu Zeit in der (richtigen) Gesellschaft ist. Sicher, ich lache nicht viel und ich sollte fr\u00f6hlicher sein, aber der Ernst ist eben meine Grundstimmung. Ich mag keine bl\u00f6den Sp\u00e4\u00dfe und keine Pseudolustigkeit. Vielleicht bin ich in den Augen anderer oder in Wirklichkeit ein Moralist (je nachdem, was man darunter versteht), weil ich immerzu Werte und Prinzipien einmahne, da ich von der Notwendigkeit ihrer Beachtung und Einhaltung \u00fcberzeugt bin; auch weil ich nicht in einer \u201eunmoralischen Welt\u201c leben will und leben m\u00f6chte, wo allen alles egal ist und wo man Werte und Wertvorstellungen nicht mehr respektiert und somit auch jene Menschen nicht, die danach leben, und wo man auf Prinzipien pfeift (um es so und nicht drastischer zu sagen). Hier geht es aber nicht um (verlogene) Moral, sondern um ethische Grundwerte. Ebenso bin ich kein Lehrer, kein Wegweiser, will auch gar kein solcher sein. Hier endet die Aufgabe des Schriftstellers und der Literatur. Eines aber bin ich sicher: Ein K\u00e4mpfer, der leidenschaftlich f\u00fcr Wahrheit und Gerechtigkeit eintritt und der Vernunft, Respekt und Toleranz einmahnt, wo immer er mu\u00df und wo immer er kann. Das ist aber kein besonderer und schon gar kein aus dem Schriftstellerdasein abgeleiteter Auftrag. Dazu und dem ist jeder Mensch verpflichtet sein, wenn man will, da\u00df die Welt verbessert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wie kam es dazu, dass in der Lyrik eines \u00f6sterreichischen Dichters so viele polnische Themen erscheinen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAuschwitz\u201c und das \u201eWarschauer Ghetto\u201c sind zwar Topoi auf der Landkarte von Polen bzw. dem ehemaligen Stadtplan von Warschau, doch das sind keine \u201epolnischen Themen\u201c. Das sind Menschheitsthemen! Verschiedene Gedichte aber sind w\u00e4hrend meiner beiden Polen-Reisen\/-Aufenthalte entstanden: 1999 Internationaler P.E.N.-Kongre\u00df in Warschau mit Besuch des ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau und 2003 eine Lesereise (mit Fotoausstellung) nach Oppeln\/Opole, Bresslau\/Wroclav und Przemysl mit Kurzaufenthalt in Krakau\/Krak\u00f3w.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wie w\u00fcrden Sie den Begriff\u00a0 \u201aHeimat\u2019, \u201aHeimatverst\u00e4ndnis\u2019, \u201aHeimatbewusstsein\u2019 deuten. Ich habe einige Verse aus Ihren Gedichten herausgesucht, vielleicht kommen wir dadurch n\u00e4her an die Frage. \u201eHeimkehren, das w\u00e4re gut f\u00fcr mich, aber ich wei\u00df nicht wohin?\u201c; \u201eFremd bin ich dort, wo ich wohne.\u201c\u00a0 Wo f\u00fchlen Sie sich denn nicht fremd, wo sind Sie eigentlich beheimatet?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Begriff \u201eHeimat\u201c definiere ich f\u00fcr mich als mein Gef\u00fchl von Zugeh\u00f6rigkeit, \u00dcbereinstimmung, Vertrautheit, Herkunft, das Land meiner Kindheit. Aber nicht nur angestammte Heimat gibt es, sondern auch neu gefundene, entdeckte und solche, die sich im Laufe des Lebens f\u00fcr mich (als solche heraus-) gebildet haben. Es gibt Heimaten f\u00fcr mich, eine Mehrzahl von ihnen, nicht nur eine einzige ausschlie\u00dfliche. Das ist ein Mythos. Und jeder Nationalismus, der als Begleiterscheinung einen mir unverst\u00e4ndlichen, fragw\u00fcrdigen, verd\u00e4chtigen und mir zuwideren Patriotismus hat, operiert mit dem Heimatbegriff, der manchmal sogar in eine Blut- und Bodenmystik umschl\u00e4gt, oder in eine l\u00e4cherliche Kitschwelt. Im Nationalsozialismus verband sich beides: Aggressiver Blut- und Bodenmythos samt Rassismus (Holocaust) und kindisch-kitschige Begriffs- und Bedeutungswelt von \u201eScholle und Heimat\u201c. Bei dem Begriff \u201eHeimat\u201c mu\u00df man sehr vorsichtig sein, denn Begriffsdefinitionen von diesem Wort sind oft gepr\u00e4gt von \u00fcblen Gesinnungen und Haltungen, Wort und Wert werden da sehr oft und sehr leicht und nicht immer sogleich als solches erkennbar manipuliert und instrumentalisiert. Dieses Wort ist sehr leicht einer Ideologisierung ausgesetzt. Und es dient sehr oft zur Verschleierung ganz anderer Vorstellungen und Absichten und wird so weiterhin mi\u00dfbraucht. In meinen Gedichten flammt immer wieder da oder dort diese Sehnsucht nach Heimat auf, wird der Wunsch nach (letzter) Heimkehr ausgedr\u00fcckt. Dem gegen\u00fcber steht aber immer das bedr\u00fcckende Selbsterlebnis, die Ich-Erfahrung, ein Fremder zu sein, ein Fremdling inmitten meiner Umwelt. Eine Heimkehr gibt es f\u00fcr mich nicht, nur den Weg ins Niemandsland (Buchtitel). Dahinter stehen reale Lebensereignisse und Lebenszusammenh\u00e4nge, wie der Verlust meines Elternhauses durch Abri\u00df und Platzmachen f\u00fcr einen neuen Supermarkt. Und auch mein ruheloses Herumziehen von einem Ort zu einem anderen; die vielen Wohnungswechsel, die gescheiterten oder zerbrochenen, weil von Anfang an br\u00fcchigen Beziehungen. Wo und was ist Heimat f\u00fcr mich. Antwort: Mein Gedicht, meine Sprache, mein Wort; und der Ort, an dem ich schreibe. Heimat aber ist f\u00fcr mich auch \u201emeine\u201c Musik. Oder, wenn es ihn von Zeit zu Zeit gibt, der von mir geliebte Mensch, aber dann auch nur f\u00fcr einen und in einem Augenblick und im Bewu\u00dftsein des jederzeit m\u00f6glichen Verlustes und des Grundwisssens, da\u00df nichts von Dauer ist. Heimat ist f\u00fcr mich die Autobahn, ist das Reisen, ist die Wiederbegegnung mit von mir geliebten St\u00e4dten (London, Sarajevo) und Landschaften. Heimat ist f\u00fcr mich dann und dort, wenn ich das Gef\u00fchl habe, angekommen zu sein. <i>\u201eIrgendwo ankommen \/ m\u00fc\u00dfte man, sage ich; \/ irgendwo\u201c<\/i> (P.P.W.-Gedicht \u201eStranden im Licht\u201c, Oulu\/Kosto in Finnland, 1998 ). Aber das ereignet sich (fast) nie, bleibt nur ein Wunschtraum, bleibt nur brennende Sehnsucht. Denn Heimat ist nirgendwo. Oder <i>\u201eheimat ist anderswo \/ wo wei\u00df ich nicht\u201c<\/i> (P.P.W.-Gedicht \u201eSchnittpunkte\u201c, Wien, 27.6.1990).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>In Ihren Gedichten wird das Individuum schonungslos mit der nicht selten grausamen Wirklichkeit konfrontiert, immer wieder weisen Sie auf diverse Gefahren hin, denen wir ausgeliefert seinen. Kann die Literatur dieses Grausame und die daraus resultierende Weltangst des modernen Menschen abbauen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Individuum, das schonungslos mit der oft grausamen Wirklichkeit konfrontiert wird, bin in erster Linie ich selbst. Ich setze aber dieses Ich paradigmatisch ein und versuche, das personale Ich zu einem literarischen Ich zu gestalten, um ein Gedicht als Ergebnis zu haben und nicht Tagebucheintragungen; wenngleich in den Gedichten gemachte Angaben, Befunde, Analysen und Resultate in der Gesamtheit aller meiner Gedichte ein \u201eLogbuch\u201c (E. Schawerda) meiner Seele, des \u201ecor inquietum\u201c (E. Schawerda) ergeben, indem sie sowohl alle Facetten meiner Pers\u00f6nlichkeit als auch mein Verh\u00e4ltnis zur Welt und zur eigenen Existenz aufzeigen und widerspiegeln. Immer wieder gab es Stimmen, die mich einen \u201ePessimisten\u201c nannten, aber das bin ich nicht. Ich bin ein Realist, der nichts besch\u00f6nigt, sondern nur auf die Menschheitsgeschichte und den Zustand der Welt verweist. Das allein gen\u00fcgt. Was berechtigt denn angesichts des 11. Septembers 2001 oder angesichts des Irakkrieges &#8211; als Beispiel daf\u00fcr wie eine Weltmacht und ein US-Pr\u00e4sident mit seinen Kumpanen mit Konflikten umgehen &#8211; oder auch der russisch(-sowjetische) Staats-Milit\u00e4r-Terror in Tschetschenien, der jahrzehntelange Israel-Pal\u00e4stinenser-Konflikt und seine Eskalierung (Besuch Sharons auf dem Tempelberg in Jerusalem!) oder die fast ungebremste Ausbreitung von Aids in Afrika zum Glauben an eine bessere Zukunft, an eine Verbesserung(sm\u00f6glichkeit) der Welt, durch wen auch immer. Das ist eine Illusion, str\u00e4fliche Naivit\u00e4t. Zuerst mu\u00df hier ein Umdenken stattfinden, m\u00fcssen Staatsmacht- und Weltmachtstrukturen ge\u00e4ndert werden, mu\u00df hier eine weltweite Demokratisierung einsetzen; und die erreicht man nicht mit Raketen und Bomben. Zuerst mu\u00df diese arrogante \u00dcberheblichkeit des Westens gebrochen werden und der Fundamentalismus in allen Religionen durch Aufkl\u00e4rung \u201ebek\u00e4mpft\u201c und aufgehoben werden. Ein Quantensprung geistig ins 21. Jahrhundert ist notwendig und zwar global. Und die Freiheit des Individuums allen Religionen und Religionsgemeinschaften und auch gegen\u00fcber den Staatsm\u00e4chten mu\u00df anerkannt und durchgesetzt werden. Der Mensch mu\u00df befreit werden von seiner Unterdr\u00fcckung, auf allen Ebenen und auf der ganzen Welt. Aber wie und durch wen? Ich wei\u00df, das alles ist Utopie. Aber man mu\u00df an sie als etwas real M\u00f6gliches glauben, eine andere Alternative gibt es nicht.- Nein, die Literatur kann dazu keinen wesentlichen Beitrag leisten, doch die SchriftstellerInnen, die Intellektuellen \u00fcberhaupt k\u00f6nnen und m\u00fcssen sich international verb\u00fcnden und eine Kampagne der Aufkl\u00e4rung und der Vernunft initiieren und durchf\u00fchren, wenn schon \u201edie Anderen\u201c ihre Kreuzz\u00fcge gegen \u201edie Achse des B\u00f6sen\u201c wie eine Strafsanktion durchf\u00fchren. Vielleicht kann man dazu beitragen, da\u00df solche Menschen nicht mehr an die Macht, an die fast uneingeschr\u00e4nkte (Welt)Macht kommen. Das g\u00e4lte es zu verhindern. Sicher kann die Literatur, kann \u00fcberhaupt die Kunst, einen Beitrag leisten zur Sensibilisierung sowohl im \u00e4sthetischen Bereich, als auch durch einen bewu\u00dft zu machenden ethischen Wertekanon im gesamten Lebensbereich. Die Wirklichkeit kann Literatur, kann Kunst nicht ver\u00e4ndern, aber sie kann sie durchleuchten, ihre Konditionen, Koordinaten und Komponenten aufzeigen und benennen, sie in Frage stellen, Gegenentw\u00fcrfe zum Vorhandenen entwerfen. Sie kann \u00fcber die Deskription von Wirklichkeit hinausgehen und vorzeigen, wie etwas sein k\u00f6nnte und aufzeigen, wie dies oder jenes ge\u00e4ndert werden m\u00fc\u00dfte, damit die Welt nicht mehr so ist, wie sie (augenblicklich) ist. Das ist meine Vorstellung, vielleicht eine Wunschvorstellung, der man sicher auch widersprechen kann und widerspricht. Nur, ich m\u00f6chte daran glauben, da\u00df es m\u00f6glich ist, die Welt zu ver\u00e4ndern, zu verbessern. Und ich m\u00f6chte diese Aufgabe nicht an die Politik und schon gar nicht an die Milit\u00e4rs und auch nicht an die Staatsmacht delegieren. Denn da funktioniert es sicherlich nicht. Das sehen wir ja seit Jahrhunderten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Die Einsamkeit ist das immer wiederkehrende Motiv in Ihrer Dichtung. Ist hier die Einsamkeit eines Schriftstellers in seinem Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt gemeint oder ist das einfach die Einsamkeit eines Menschen?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema Einsamkeit habe ich schon vorher einiges gesagt, was wesentlich und aufschlu\u00dfreich ist sowohl f\u00fcr meine Dichtung, als auch f\u00fcr meine Person. Beides ist nicht voneinander zu trennen, eines ist im anderen, macht eine Ganzheit aus. Nat\u00fcrlich ist das Schreiben &#8211; vorallem das Schreiben von Gedichten &#8211; ein einsames Gesch\u00e4ft. Es ist ein Monolog mit sich selber, ein Rufen aus dem Niemandsland in die Antwortlosigkeit hinein. Es kommt nichts zur\u00fcck. Dies \u00fcber Jahrzehnte praktiziert macht einsam, verst\u00e4rkt die schon in einem selbst festgelegte Einsamkeit, die aus dem eigenen Wesen und Charakter, aus dem Leben und den Lebensbedingungen resultiert. Und jeder Kampf, in dem man allein ist, allein gelassen wird, sich alleingelassen f\u00fchlt, macht einsamer, vorallem dann, wenn man ihn verliert. Und man verliert fast alle diese K\u00e4mpfe. Man steht immer auf verlorenem Posten. Man ist pr\u00e4destiniert f\u00fcr das Verlieren, als h\u00e4tte einen das Schicksal daf\u00fcr ausgesucht, auserw\u00e4hlt. K\u00fcnstler sind oft Verlierer, aber nur im Leben, in der Kunst gewinnen sie. Boxer, \u00fcberhaupt Sportler, Wirtschaftsm\u00e4nner und Politiker sind Gewinnertypen. Und man feiert ihr Gewinnen. Wenn ein Fu\u00dfballstar bei einem internationalen Spiel ein Tor schie\u00dft, dann machen zig-tausende Fans \u201edie Welle\u201c, jubeln, schreien und klatschen, als h\u00e4tten sie die Welt gerettet. Wenn ein Dichter ein Gedicht liest, das gut und wahr ist und auch jemanden ber\u00fchrt, dann ist Stille. Und das ist auch gut so. Das sind die beiden Welten, jene drau\u00dfen und die andere innen. Au\u00dfen- und Innenwelt. So ist es eben. Aber die Stille, vorallem die lastende Stille, zum Beispiel im Alleinsein, kann einen sehr einsam machen, kann einem die eigene Einsamkeit sehr schmerzhaft bewu\u00dft machen; vorallem auch in der Liebe, beim oder nach dem Verlust des &#8211; vielleicht \u00fcber alles &#8211; geliebten Menschen, durch Trennung, durch den Tod. Da landet man dann in auswegloser, mitunter in &#8211; im wahrsten Sinn des Wortes &#8211; t\u00f6dlicher Einsamkeit, in Verzweiflung, rettungslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>In Ihren lyrischen Gebilden erscheinen zahlreiche europ\u00e4ische bzw. \u00f6sterreichische Erinnerungsorte: Auschwitz, Oberwart, Mauthausen, die Wiener Mazzesinsel, Pristina, Sarajevo und viele andere. Die einschl\u00e4gigen Assoziationen sind durchaus negativ- Holocaust, Genozid, ethnische S\u00e4uberungen, erzwungene V\u00f6lkerwanderungen und Vertreibungen. W\u00e4re es nicht angebracht auch solche Orte in die Erinnerung zu bringen, bei denen positive Konnotationen aufkommen k\u00f6nnten?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Orte der Erinnerung &#8211; wie Auschwitz, Mauthausen, die ehemalige \u201eMazzesinsel\u201c im 2. Wiener Bezirk, der j\u00fcdische Friedhof von Oberwart, Innsbruck, Breslau oder anderswo, Sarajevo, Mostar, usw. &#8211; sind nicht, wie Sie es formulieren, mit \u201eeinschl\u00e4gigen Assoziationen negativ\u201c belastet, sondern sie sind als Orte des Grauens (Genozid) eben in ihrer Geschichte (Holocaust) so wie sie sind. Sie sollen in der immer wiederkehrenden notwendigen Erinnerung und im sich Vergegenw\u00e4rtigen des Geschehenen zu Orten des Gedenkens und des Bedenkens und zu solchen werden, an denen auch Trauerarbeit stattfindet. Das ist etwas anderes als mit diesen Orten verbundene negative Assoziationen. Hier mu\u00df man sehr sensibel und differenzierend sich mit seinen Gedanken einem solchen \u201eThema\u201c n\u00e4hern. Dem gegen\u00fcber stehen selbstverst\u00e4ndlich in vielen meiner Gedichte und in meinem Gesamtwerk sozusagen \u201epositive Orte\u201c, solche von positiven Erlebnissen und Ereignissen. Es gibt also bei mir auch die positiven Konnotationen zur Welt des Grauens. Man mu\u00df sie nur aufsp\u00fcren und wahrnehmen. Solche Orte tragen oft keine Namen. Es sind Pl\u00e4tze in der Natur, an einem See, an der K\u00fcste des Meeres. Es sind Orte der Liebe und des Liebens. Es sind Orte in fernen L\u00e4ndern, an denen mich Augenblicksgl\u00fccksgef\u00fchle von tiefer Lebensintensit\u00e4t erf\u00fcllten. Es sind Orte der Stille und Orte des Friedens. Es sind Orte, denen man nahekommt, an denen man verweilt, die man wieder verl\u00e4\u00dft. Und dies alles in einer sch\u00f6nen Harmonie. Es sind Orte, an die man sich und an alles, was mit ihnen verbunden war, gerne erinnert, und oft in Dankbarkeit. Das sind die Orte des Lebens, des Friedens, der Freude, des Gl\u00fccks. Die anderen sind Orte der Gewalt, des Leidens, des Schmerzes, der Verzweiflung, des Todes, der Trauer, der Angst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Sie reisen viel, Sie lesen oft vor \u00f6sterreichischem oder auch ausl\u00e4ndischem Publikum. Was bedeutet f\u00fcr Sie der unmittelbare Kontakt mit den literarischen Interessierten? Ist die Institution der Autorenlesung nicht l\u00e4ngst \u00fcberholt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reisen, vorallem in bisher mir fremde und neue L\u00e4nder und St\u00e4dte, sind f\u00fcr mich sehr attraktiv und wichtig. Erstens erl\u00f6sen sie mich f\u00fcr einige Zeit von meinem t\u00e4glichen Aufenthalt in meinem Schreib- und Alltagsgef\u00e4ngnis, unterbrechen die Monotonie der Arbeit und des Lebens, und zweitens bedeutet Reisen f\u00fcr mich immer einen Erlebnis- und Erfahrungszuwachs, also Lernen. Die Welt ist so gro\u00df, und ich kenne nur einen atomar winzigen Bruchteil von ihr und den Menschen. Immer hatte ich schon und habe ich noch immer Sehnsucht nach dem Unbekannten, auch nach der weiten Ferne, auch als einem Erlebnis der (eigenen) Freiheit. In meiner Jugend bin ich ja per Auto-Stop einfach losgefahren, nur mit einem Rucksack und mit wenig Geld: nach Italien, nach Paris, nach Jugoslawien, Griechenland, in die T\u00fcrkei. Reisen war schon immer f\u00fcr mich wichtig. Sch\u00f6n finde ich es auch, an Orte wiederzukehren, die mir etwas bedeuten, mit denen mich bereits Erinnerungen verbinden. Es gibt Orte (Bled) und St\u00e4dte (Sarajevo), wo ich mich zuhause f\u00fchle. Viele Reisen sind mit Literatur, mit Lesungen, Schriftstellertreffen, (P.E.N.-) Konferenzen u.a. verbunden. Nur so sind viele Reisen und Aufenthalte \u00fcberhaupt f\u00fcr mich m\u00f6glich. Die Begegnungen sowohl mit Publikum, als auch mit KollegInnen mag ich sehr und das bedeutet mir viel. Ich finde auch leicht und schnell Kontakt, ich gehe auf die Menschen zu, spreche sie an. Sie sp\u00fcren, da\u00df ich neugierig auf sie bin, mich ihnen zuwenden m\u00f6chte und dann auch zuwende. Auch das Fotografieren ist da ein Instrumentarium der Kommunikation. Ich machte und mache viele Personenportr\u00e4ts bei solchen Treffen, sende die Fotos dann den KollegInnen. Ich habe auch schon Ausstellungen von solchen Portr\u00e4ts gemacht (Monasterevin\/Irland). Um die Fotos schicken zu k\u00f6nnen, tauscht man Adressen aus, man schreibt sich manchmal, bleibt in Kontakt. So entsteht ein Netz von Beziehungen. Ich mag gerne Begegnungen, Gespr\u00e4che, auch wenn ich schlecht Englisch spreche. Vielleicht sp\u00fcren die anderen, da\u00df ich Menschen, so sie nicht falsch, eitel, machtgierig oder intrigant sind, \u00fcberhaupt gerne mag. Bei mir wei\u00df jeder auch bald, woran er mit mir ist. Denn ich verberge nichts, ich bin ein offener Mensch. Ich bin so wie ich bin und zeige das auch. Jeder ist bei mir willkommen, wenn er mich nicht mi\u00dfbraucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<div>\n<div id=\"attachment_19169\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-image-19169 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Wiplinger-Peter-Paul-2013-Krems-Copyright-Margit-Hahn-2-725x1024.jpg 725w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><p id=\"caption-attachment-19169\" class=\"wp-caption-text\">Wiplinger Peter Paul 2013, Phoro: Margit Hahn<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>Lesen Sie auch die Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28754\">\u00dcber den Zustand der Liebe in lyrischen Texten<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=14676\">Poetik des Humanen<\/a> \u00fcber Peter Paul Wiplinger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0\u2192<\/strong>\u00a0Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO weiterhin zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologischen Positionsbestimmung<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: F\u00fcr das Projekt Kollegengespr\u00e4che hat A.J. 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Szmorhun:\u00a0In vielen Gedichten unterziehen Sie die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/05\/09\/kollegengespraeche-2\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":95,"featured_media":97941,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1193,1142],"class_list":["post-29197","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-arletta-szmorhun","tag-peter-paul-wiplinger"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29197","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/95"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29197"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29197\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101059,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29197\/revisions\/101059"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97941"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29197"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29197"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29197"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}