{"id":28609,"date":"2008-12-17T00:01:49","date_gmt":"2008-12-16T23:01:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28609"},"modified":"2022-02-28T17:30:20","modified_gmt":"2022-02-28T16:30:20","slug":"wandarchiv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2008\/12\/17\/wandarchiv\/","title":{"rendered":"Wandarchiv"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Treppenhaus hinauf und herab, jeden Tag, oft mehrfach, zuweilen sogar st\u00fcndlich, weil Dinge zu erledigen sind, die nicht aufgeschoben werden k\u00f6nnen. Der Dreck der Stra\u00dfe wird auf den mit Teppich bezogenen Stufen abgetreten, irgendwann weggesaugt von flei\u00dfiger Hand. Meist achtet der Hausbewohner auf den n\u00e4chsten Schritt oder schaut auf das mobilie Kommunikationssystem in seiner Hand. Vielleicht konzentriert er sich auch darauf, nichts fallen zu lassen, weil alle eingekauften Sachen so unsicher aufgeladen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Oberfl\u00e4che.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam mag der Hausbewohner erblinden, was da eigentlich h\u00e4ngt. Aber tats\u00e4chlich ist es das visuelle Archiv eines Lebens. Immer wieder kann der aufmerksame Betrachter entdecken, dass sich die Bilder ver\u00e4ndern, sie ausgetauscht werden oder, was fast schon unm\u00f6glich ob dieser Dichte erscheint, tats\u00e4chlich neue Werke hinzukommen. K\u00fcnstler bringen beizeiten zu ihren Besuchen kleine Pr\u00e4sente mit, wissen, hier werden sie verewigt, kommen zur Ehre. Andere Teile dieser Installation kommen auf Ausstellungen oder Messen hinzu. \u00dcber hundert Arbeiten zieren diese W\u00e4nde, in konsequent inkonsequenter Petersburger H\u00e4ngung. Die Bildwerke, grafische, malerische oder kleine skulpturale Arbeiten m\u00fcssen die Kontraste aushalten, Konfrontation mit anderen Konzepten, werden dadurch vielleicht gerade best\u00e4rkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_89111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-28612\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_89111-1024x682.jpg\" alt=\"_MG_8911\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_89111-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_89111-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a>Ein offenes Bilderbuch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuweilen sehen sich neue Besucher dieser F\u00fclle konfrontiert, treten automatisch einen Schritt zur\u00fcck und glauben, auf diese Weise das Ganze erfassen zu k\u00f6nnen. Aber nein, das geht nicht, darf nicht gehen, denn das Bild ist nur in der Bewegung durch diesen stockverbindenden Stufenraum zu verstehen. Ebenso wie\u00a0 die pers\u00f6nliche Geschichte nicht an Fixpunkten zu erkl\u00e4ren ist, muss hier der Bezug des Einzelnen zum Ganzen gesucht und vielleicht sogar gefunden werden. Warum h\u00e4ngen da Arbeiten von Almuth Hickl und Peter Meilchen, von John Hosse, Marcel Hardung, Margarethe Hesse, von Andreas Krengel neben Uwe Kramer, von Karl Hosse mit Xenia Frisan und Martina Schenk neben Stephanie Neuhaus? Was haben diese Menschen mit einander zu tun, die sich vielleicht doch noch nie begegnet sind. Jene drei Arbeiten von Eberhardt Viegner dort oben \u00fcber der T\u00fcr, die das urt\u00fcmliche Soest um 1919 abbilden. Jene kleinsten Fragmente von Peter Meilchen auf einer CD von A.J. Weigoni, die nichts illustrieren und doch zusammen geh\u00f6ren, als w\u00e4ren sie verschmolzen. Arbeiten von bekannten und unbekannten K\u00fcnstlern und dazwischen auch Kinderbilder oder sind sie auch von K\u00fcnstlern?<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8910.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-28611\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8910-1024x682.jpg\" alt=\"_MG_8910\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8910-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8910-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a>Zeitung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jedes Bild ist zum Informationstr\u00e4ger einer ganz eigenen Geschichte geworden. Dieses Kissen etwa, welches auf einer netten Messe von Andrea Freiberg geschenkt wurde, nat\u00fcrlich mit einer Aufgabe, die l\u00e4ngst nicht erf\u00fcllt wurde, denn daf\u00fcr muss es Sommer werden; jene kleine Leinwand mit Sternen, die f\u00fcr den symbolischen Preis von einem Euro bei einer Ausstellungser\u00f6ffnung von Stephanie Neuhaus erworben wurde. Diese gelbockerfarbene Figuration, welche so leicht scheint, als w\u00fcrde sie schweben, so nichtssagend auf den ersten Blick und mit jeder Sekunde des Betrachtens wird dieses Werk dichter und konkreter und man meint, die abgebildete Figur zu kennen, die doch nichts als offensichtlicher Zufall ist. Eine Sammlung von fotografischen Portraits neben einem verlaufenen Wachsbild, ein Tuscheakt neben einer verkratzten und gedruckten CD. Ein St\u00fcck Blei mit Figuren neben einer Abstration. Zu verstehen ist das wohl nicht, aber verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wie das Stra\u00dfenpflaster ein Archiv darstellt oder die \u00c4cker, durch die wir unsere Jahresendwanderungen im Schneegest\u00f6ber machen, so ist auch dieses Treppenhaus als enigmatischer Gedankenspeicher zu verstehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8912.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-28613\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8912-682x1024.jpg\" alt=\"_MG_8912\" width=\"456\" height=\"684\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8912-682x1024.jpg 682w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/MG_8912-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesem Zusammenhang macht KUNO gern einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Jahresr\u00fcckblick<\/a> auf das Projekt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/?p=683\"><em>Alphabetikon<\/em><\/a>. Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerbucher sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Treppenhaus hinauf und herab, jeden Tag, oft mehrfach, zuweilen sogar st\u00fcndlich, weil Dinge zu erledigen sind, die nicht aufgeschoben werden k\u00f6nnen. 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