{"id":28345,"date":"1998-03-05T00:01:39","date_gmt":"1998-03-04T23:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28345"},"modified":"2023-06-06T09:08:45","modified_gmt":"2023-06-06T07:08:45","slug":"moderne-lyrik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1998\/03\/05\/moderne-lyrik\/","title":{"rendered":"Moderne Lyrik"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst bitte ich Sie um G\u00fcte und Geduld. Ich bin mir vollkommen bewu\u00dft, da\u00df es nichts Geringes ist, einestundelang \u00fcber Gedichte reden zu h\u00f6ren. Wenn die Sache nicht schon in den Zeitungen st\u00fcnde und so unangenehm festgenagelt w\u00e4re, k\u00f6nnten wir uns ja eilig und heimlich einigen \u00fcber was Lebendigeres zu reden, zum Beispiel \u00fcber Zola oder \u00fcber Professor Schenk oder dergleichen, und erst beim Herauskommen so lyrisch-erl\u00f6ste Gesichter machen, da\u00df es die drau\u00dfen glauben. \u2013 Aber das geht doch nun nichtmehr an; es k\u00f6nnte uns jemand verraten. Darum, so leid es mir tut, mu\u00df ich bitten: G\u00fcte und Geduld. Zum Troste aber: Es wird Ihnen nichts geschehen und: was Sie eigentlich bis zum Augenblick f\u00fcr Lyrik halten, davon werde ich wenig sagen. Ich habe ganz besondere Absichten. Sollte ich im Aussprechen derselben manches zu heftig betonen \u2013 halten Sie es meiner Jugend zugute, sollte ich manchmal ungerecht scheinen gegen ein Gestern, vergeben Sie es mir deshalb, weil ich voll bin eines gro\u00dfen Neuen, von dem ich Hohes Herrliches zu verk\u00fcnden habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt also dabei:\u00a0<i>modernste Lyrik:<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehen Sie: seit den ersten Versuchen des Einzelnen, unter der Flut fl\u00fcchtiger Ereignisse\u00a0<i>sich selbst zu finden,<\/i>\u00a0seit dem ersten Bestreben, mitten im Gel\u00e4rm des Tages hineinzuhorchen bis in die tiefsten Einsamkeiten des eigenen Wesens, \u2013 giebt es eine\u00a0<i>Moderne Lyrik.<\/i><a title=\"Vorlage\" href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Literatur\/L\/Rilke-SW+Bd.+5\" name=\"360\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und das ist \u2013 bitte erschrecken Sie nicht \u2013 etwa seit dem Jahre 1292. Dieses ist das Jahr aus dem Advente der gro\u00dfen Renaissance, in welchem Dante die einfache Geschichte seiner ersten, jungen Liebe in der\u00a0<i>Vita nuova<\/i>\u00a0erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer durchaus Stammb\u00e4ume liebt, der m\u00f6ge ruhig in dem Dichter der\u00a0<i>Divina Comedia<\/i>\u00a0den Ahnherrn unseres jungen Dichtergeschlechtes erkennen und eingestehen, da\u00df es von altem Adel ist. Den anderen wieder kann ich die Versicherung geben, da\u00df in dem Vorbilde des hohen Florentiners f\u00fcr jeden Schaffenden die Gew\u00e4hr liegt, ein ahnenloser Erster zu sein, wenn er nur tief genug in sich hineinhorcht bis zu jenem Nochniegesagten und Neuen, welches mit ihm beginnt. Erst dann, wenn der Einzelne durch alle Schulgewohnheiten hindurch und \u00fcber alles Anempfinden hinaus zu jenem tiefsten Grunde seines T\u00f6nens hinabreicht, tritt er in ein nahes und inniges Verh\u00e4ltnis zur Kunst:\u00a0<i>wird K\u00fcnstler.<\/i>\u00a0Dieses ist der einzige Ma\u00dfstab. Alles andere Besch\u00e4ftigen mit Pinsel oder Feder oder Mei\u00dfel ist nur eine pers\u00f6nliche Gewohnheit, welche dem Einzelnen und seiner Umgebung gleichg\u00fcltig oder l\u00e4stig sein kann, wie etwa das Tabakrauchen oder das Daumendrehen. Es giebt auch auf diesen Kunstgebieten Leute von gro\u00dfer Fertigkeit, die man gelten lassen mu\u00df. Aber ich glaube kaum, da\u00df sie bei aller Virtuosit\u00e4t etwas beitragen werden zu dem gro\u00dfen fortschritt, nach welchem der dumpfe Drang der Massen sich ebenso sehnt, wie das lichte liebende Vertrauen der Einsamen. Denn vergessen Sie nicht, da\u00df die Kunst nur ein Weg ist, nicht\u00a0ein Ziel. Es m\u00fc\u00dfte sonst die letzte Absicht des Malers sein, Farben in die Welt zu setzen, und der Musiker m\u00fc\u00dfte seine tiefste Erf\u00fcllung darin begr\u00fc\u00dfen, aus seinen T\u00f6nen Klangpal\u00e4ste zu bauen, was doch schlie\u00dflich nichts bedeutete, als die Harmonie des Alls, die\u00a0<i>eine gro\u00dfe<\/i>\u00a0Ordnung durch diese unzul\u00e4nglichen Miniaturen zu st\u00f6ren und nachzu\u00e4ffen. Diese ungl\u00fcckselige Meinung, da\u00df die Kunst sich erf\u00fclle in der Nachbildung (sei es nun der idealisierten oder m\u00f6glichst getreuen Wiederholung) der Au\u00dfenwelt, wird immer wieder wach. Die Zeit, welche diesen Aberglauben erweckt, schafft zugleich auch immer von neuem diese scheinbare Kluft zwischen der k\u00fcnstlerischen Bet\u00e4tigung und dem Leben. Und indem sie dies tut, zieht sie die einzig m\u00f6glichen Konsequenzen ihres Irrtums. In der Tat: wenn dem so w\u00e4re, so w\u00fcrden die K\u00fcnstler wie Kinder oder Kretins sein, welche, w\u00e4hrend M\u00e4nner in Waffen gehn, Kartenh\u00e4user bauen oder ihr bl\u00f6des L\u00e4cheln in dem Glanze bunter Glaskugeln bespiegeln. W\u00e4re aber einer unter diesen, mit reifem und vollem Verstande, ich glaube, den m\u00fc\u00dfte man ja aus seinem feigen Hinterhalt mit tiefster Verachtung herauspeitschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Modemeinung, welche die K\u00fcnstler als die Ausgeschalteten der gro\u00dfen Lebensleitung zu betrachten liebt, m\u00fc\u00dfte, da sie die Kunst mit dem Dilettantentum im ver\u00e4chtlichsten Sinne verwechselt, eigentlich f\u00fcr sie selbst ganz ungef\u00e4hrlich sein. Allein es giebt doch Reflexwirkungen, welche von diesem Irrtum ausgehend bis in die wirkliche Kunst hineinreichen und dort, wenn auch nicht Sch\u00e4den, so doch Verz\u00f6gerungen verursachen.\u00a0Ein Beispiel: nach solchen Perioden, in denen die Kunst wiedermal als l\u00e4ppischer Luxus entlarvt scheint, bem\u00fcht sie sich unwillk\u00fcrlich rasch ihren nahen und notwendigen Zusammenhang mit dem Leben zu zeigen; sie klammert sich \u00e4ngstlich an die letzten auff\u00e4lligsten Erscheinungen des Tages an, sie verherrlicht einen Krieg, einen K\u00f6nig, ja sie tritt sogar in den Dienst kleiner politischer oder sozialer Parteiinteressen: sie wird tendenzi\u00f6s. Und so ist sie gerade dann am wenigsten \u2013 Kunst, wenn man beginnt, sie wieder berechtigt und \u2013 sagen wirs nur frei \u2013 n\u00fctzlich zu finden. Denn eine Kunst, welche mit Geb\u00e4rden des Zornes oder des Beifalls die fl\u00fcchtigen unbedeutenden Ereignisse des Tages begleitet \u2013 und sei sie noch so patriotisch \u2013 ist gereimter oder gemalter Journalismus, dem der erziehliche und kulturelle Wert gewi\u00df nicht geschm\u00e4lert werden soll \u2013 aber nicht\u00a0<i>Kunst<\/i>. Es gab eine Zeit in dem sangesfrohen Deutschland, in welcher gerade die Lyrik diese erziehliche und kulturelle Rolle spielte, und die Liederalmanache von damals sind dem Sozialpolitiker und dem Kulturhistoriker interessanter, als dem Manne der heute Literaturgeschichte machen will. Seither aber ist die Kluft zwischen dem Deutschen und der Lyrik seiner Dichter wieder gewachsen und endlich chronisch geblieben. Und wenn ab und zu jemand die besondere Liebensw\u00fcrdigkeit hat, dem dramatischen Schriftsteller oder dem Romanschreiber eine bescheidene Existenzberechtigung nicht ganz abzusprechen, der Dichter gilt doch allgemein f\u00fcr eine zeitweise l\u00e4cherliche, antiquierte, jedesfalls aber vollkommen\u00a0\u00fcberfl\u00fcssige Person, der bestenfalls Gedichte schreibt, weil er \u00bb<i>es*<\/i>\u00ab nicht n\u00f6tig hat. Man hat neulich eine Seite aus Richard Dehmels Buche\u00a0<i>Weib und Welt,<\/i>\u00a0auf die Anklage eines westf\u00e4lischen Barons und Referendars hin, zu konfiszieren f\u00fcr gut befunden. Man tut dem deutschen Publikum bitter unrecht. Es hat l\u00e4ngst vergessen, da\u00df es eine Lyrik besitzt, kann also von dieser Seite her in keiner Weise bedroht oder demoralisiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie werden es nicht glauben. Unsere Lyrik hat die Jahre unfreiwilliger Einsamkeit, ohne Dem\u00fctigung, ohne Ann\u00e4herungsversuche an die Tagesmode, \u2013 ertragen, und ich bin hier, Ihnen zu sagen: sie lebt. Und ich kann Ihnen noch verraten: sie ist gesund, gro\u00df und stark.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb, scheint mir, mu\u00df ich zun\u00e4chst Ihnen und in Ihnen dem deutschen Publikum f\u00fcr die anhaltende und langwierige Teilnahmslosigkeit \u2013 herzlich danken. Denn die Folgen davon sind: da\u00df auf dem unbeobachteten Gebiet sich nicht nur das Wesen aller Kunst am reinsten erhalten hat, sondern da\u00df in dieser Stille das Neue geboren wurde, das Ihnen heimlich und unerkannt, durch das Kunstgewerbe hindurch, n\u00e4herkommt: die neue Form. Diesem gegen\u00fcber sind die Nachteile des Verhaltens der gro\u00dfen Menge gering: sie bestehen darin, da\u00df ein paar junge Leute, denen ihr eigener Name zu leise war, statt guter Gedichte \u2013 von denen ja niemand erfahren h\u00e4tte \u2013 schlechte Dramen und Novellen geschrieben haben&#8230;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich aber oben sagte, so rein und ohne Falsch hat\u00a0sich die Natur k\u00fcnstlerischen Strebens innerhalb der Lyrik erhalten, da\u00df ich nun von da geradezu die Definition der Kunst, der neuen Kunst \u00fcberhaupt entlehnen kann, und ich bitte Sie sehr, diese, wenigstens f\u00fcr diese Stunde, g\u00fctigst anzunehmen, weil mit ihr alle meine folgenden Ausf\u00fchrungen stehen und fallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kunst erscheint mir als das Bestreben eines Einzelnen, \u00fcber das Enge und Dunkle hin, eine Verst\u00e4ndigung zu finden mit allen Dingen, mit den kleinsten, wie mit den gr\u00f6\u00dften, und in solchen best\u00e4ndigen Zwiegespr\u00e4chen n\u00e4her zu kommen zu den letzten leisen Quellen alles Lebens. Die Geheimnisse der Dinge verschmelzen in seinem Innern mit seinen eigenen tiefsten Empfindungen und werden ihm, so als ob es eigene Sehns\u00fcchte w\u00e4ren, laut. Die reiche Sprache dieser intimen Gest\u00e4ndnisse ist die Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehen Sie also, da\u00df der K\u00fcnstler nicht nur kein Ausgeschalteter des Lebens ist, sondern, da\u00df vielmehr die Kunst sich darstellt als eine bewegtere \u2013 ich m\u00f6chte sagen \u2013 unbescheidenere Lebensform, indem der Schaffende auch an die schweigsamsten Dinge mit seinen flehenden Fragen herantritt und, mit keiner Antwort zufrieden, immer weiter mu\u00df. \u2013 Wenn alle K\u00fcnste Idiome der Sch\u00f6nheitssprache sind, so werden die feinsten Gef\u00fchlsoffenbarungen, um welche es sich handelt, am klarsten in derjenigen Kunst erkennbar sein, welche im Gef\u00fchle selbst ihren Stoff findet, in der Lyrik. Aber selbst dieser Gef\u00fchlsstoff, mag es eine Abendstimmung oder eine Fr\u00fchlingslandschaft sein, erscheint mir nur der Vorwand f\u00fcr noch feinere, ganz pers\u00f6nliche Gest\u00e4ndnisse,\u00a0die nichts mit dem Abend oder dem Bl\u00fctentag zu tun haben, aber bei dieser Gelegenheit in der Seele sich l\u00f6sen und ledig wer den. Sie m\u00fcssen mir also glauben, da\u00df wir wenn irgendwo so in der Lyrik die tiefsten und heimlichsten Hoffnungen unserer Zeit belauschen k\u00f6nnen, weil gerade da, mehr als in anderen K\u00fcnsten, die reine Kunst-Absicht hervortritt hinter dem Kunst-Vorwand. \u2013 Dies kann geschehen, weil der Vorwand, als welcher mir stets der Stoff erscheint, um so vieles durchscheinender, beweglicher und ver\u00e4nderlicher ist, als in jeder anderen Kunst. Wenn bei dem Maler zum Beispiel die Landschaft als Bildmotiv, das hei\u00dft als Gelegenheit gewisse tiefinnerste Sensationen loszuwerden, auftritt, so hat der Lyriker es mit einem breiten, blassen Landschaftsgef\u00fchl zu tun, in welches die einzelnen Spezialempfindungen sich aus dem D\u00e4mmern seiner Seele projizieren. W\u00e4hrend aber der Maler, der mit so bestimmten Mitteln schafft, nun an diese Landschaft gebunden ist, das hei\u00dft in dem durch diese Landschaft gegebenen und begrenzten eigenartigen Raum alle seine Gest\u00e4ndnisse unterbringen mu\u00df, kann es bei dem Dichter geschehen, da\u00df das urspr\u00fcngliche Gef\u00fchlsfeld durch die F\u00fclle oder die St\u00e4rke der hinzukommenden Einzelgef\u00fchle \u00fcberwuchert, verdeckt und verwandelt wird, da\u00df zum Beispiel, unter dem Einflu\u00df jener zartesten und innigsten Empfindungsmomente, das vorhandene Landschaftsgef\u00fchl in eine Abendstimmung oder in das Allgemeingef\u00fchl von einem Meer \u00fcbergeht, was, grob erl\u00e4utert, beim Maler sein Aequivalent f\u00e4nde, wenn er ein Bild als Stilleben beginnen\u00a0w\u00fcrde, im Laufe der Arbeit eine Landschaft herauspinselte und endlich dieselbe Leinwand als impressionistisches Portr\u00e4t vollendete. Das nimmt sich ungeheuer l\u00e4cherlich aus, und doch wei\u00df ich, da\u00df Maler diese Erfahrung gemacht haben, und ich leite aus diesem Umstande das immer st\u00e4rker werdende Bed\u00fcrfnis ab, in der Umrahmung des Bildes Erg\u00e4nzungen zu geben, das hei\u00dft wenigstens in gewissen k\u00fcnstlerischen Abk\u00fcrzungen und Siegeln die wahrend des Schaffens aufgetretenen Neigungen und Bed\u00fcrfnisse nach einem anderen Motiv zu notieren. Denn da die tiefen Ursachen dieser Bed\u00fcrfnisse, die pers\u00f6nlichen Spezialempfindungen, nicht aber der Stoff die Hauptsache sind, so mu\u00df man ihnen Recht und M\u00f6glichkeit gew\u00e4hren, sich auch \u00fcber die Grenze des Stoffes hinaus irgendwo auszupr\u00e4gen. Es ist bezeichnend, da\u00df Malerdichter wie Ludwig von Hofmann oder Fidus sich am st\u00e4rksten von dieser Erkenntnis leiten lassen und wiederholt mit den voreiligen und eigensinnigen Mitteln ihrer Kunst in Zwiespalt geraten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00fcssen Sie aber auch die Vorz\u00fcge einer Kunst erkennen, in welcher diese Freiz\u00fcgigkeit vollkommen gestattet ist und innerhalb welcher der unbeschr\u00e4nkte Wechsel des Motivs sich leise immer und immer wieder vollzieht, und ermessen wie viel pers\u00f6nliche Gest\u00e4ndnisse im Raume eines einzigen Kunstwerkes, des Gedichtes, sich aust\u00f6nen d\u00fcrfen. Das breite, allgemeine Hintergrundsgef\u00fchl ist dann etwan vorbeiziehenden Laterna-magica-Bildern vergleichbar, w\u00e4hrend jene inneren\u00a0Empfindungsbeichten der begleitenden Musik entsprechen w\u00fcrden. Bei diesem Vergleich stimmt aber nur das \u00c4u\u00dferlichste. Der heimliche, tiefe, kausale Zusammenhang von Bild und Klang, das gegenseitige sich Wecken und Beschenken der beiden l\u00e4\u00dft sich durch keine Analogie erkl\u00e4ren oder beweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df darin die gro\u00dfe, vielleicht m\u00e4chtigste Bedeutung der Lyrik besteht, da\u00df sie dem Schaffenden erm\u00f6glicht, unbegrenzte Gest\u00e4ndnisse \u00fcber sich und sein Verh\u00e4ltnis zur Welt abzulegen, kann nur von einer Zeit erkannt werden, welche f\u00fchlt, da\u00df sie etwas eingestehen will. Und das sind weder Mitten noch Enden von Perioden, sondern stets reiche Anf\u00e4nge, welche ihr Herz auf der Zunge tragen. Denn Mittelperioden sind zu bequem einerseits und zu t\u00e4tig nach der anderen Richtung hin, um viel zu erz\u00e4hlen, Enden sind zu greisenhaft und zu m\u00fcde dazu \u2013 nur junges Beginnen hat etwas zu bekennen und nur der Anfang ist auch vertrauensvoll genug, um aufrichtig, ohne Falsch zu verraten, wie ihm zumute ist. Dante steht an der Schwelle der gro\u00dfen Renaissance, und ich m\u00f6chte, da\u00df Sie es Alle empfanden, wie dieses reiche junge Dichtergeschlecht, von welchem heute die Rede ist, sch\u00f6n und stark am Rande einer in hundert Sinnen neuen Zeit wartet und wie die Ahnungen k\u00fcnftiger Ziele in seinen Liedern ebenso m\u00e4chtig anklingen wie die herrlichen Tage des Cinquecento vorausgef\u00fchlt sind in den Seherworten der\u00a0<i>Divina Comedia.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">*<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht zu sagen, wer von den Neuen zuerst diesen Sinn der Lyrik, mit Wissen oder unwillk\u00fcrlich, bewiesen hat, aber ich wei\u00df, da\u00df Alle augenblicklich sich dieser Mission bewu\u00dft sind und sich als die ersten Stimmen einer neuen Epoche f\u00fchlen, nicht deshalb, weil sie optimistischer als die anderen sind, sondern weil sie, dank ihrer Kunst, leiser und lauschender im Leben stehen und durch seine St\u00fcrme hindurch fr\u00fcher als die Zeitgenossen das ferne L\u00e4uten der Feiertagsglocken vernehmen. Wie die kleinste Menge Elektrizit\u00e4t sich in den isolierten Bl\u00e4ttchen des Gold-Elektroskops nachweisen l\u00e4\u00dft, ehe elektrische Wirkung sonst irgendwo bemerkbar wird, so r\u00fchrt der Hauch der neuen Zeit auch erst an die Tiefen von einigen isolierten, einsamen Menschen, lange bevor die Menge die Str\u00f6mung empfindet. Und w\u00e4hrend die Masse auch dann noch feindlich und ablehnend bleibt, sehnt sich der Einsame l\u00e4ngst schon den fr\u00fchesten Offenbarungen entgegen und kann, wenn er t\u00f6nen darf, ihr treuer zuverl\u00e4ssiger Verk\u00fcnder werden. Nicht der K\u00fcnstler allein ist imstande diese ersten Vorboten zu erkennen, auch religi\u00f6se oder politische Naturen k\u00f6nnen sie erlauschen, aber diese werden ihren Ruf einmal leicht mi\u00dfverstehen und dann auch nicht f\u00e4hig sein, ihre leisen Absichten w\u00fcrdig auszusprechen. Der moderne Dichter aber ist historisch besonders gut geschult. Der objektive Realismus vergangener Jahrzehnte hat ihn mit der Natur und dem Leben in Verkehr gebracht und sein Auge ge\u00fcbt f\u00fcr die Dimensionen der Dinge. Der vorhergegangene Idealismus der Objektivit\u00e4t mit seiner\u00a0Sch\u00f6nf\u00e4rberei wirkte wie eine sentimentale Kindheitserinnerung gerade herein, als der Realismus im Naturalismus untergegangen war, und machte, da\u00df man leise begann, statt\u00a0<i>von den\u00a0<\/i>Dingen,\u00a0<i>mit den<\/i>\u00a0Dingen zu sprechen, also: \u00bbsubjektiv\u00ab zu werden. Und nun folgte im Subjektivismus eine Parallelentwickelung wie seinerzeit innerhalb der objektiven Welterkenntnis. Man lernte die eigene Seele betrachten, wie fr\u00fcher die \u00e4u\u00dfere Umgebung, man wurde auch hier Realist und Naturalist den intimen, inneren Sensationen, wie vorher den\u00a0<i>\u00e4u\u00dferen<\/i>\u00a0Ereignissen gegen\u00fcber und lernte wie fr\u00fcher die Welt, nun ebenso genau die eigene Seele kennen, das hei\u00dft man fand in sich selbst Alles reicher und vielgestaltiger wieder, was man in der objektiven Schulzeit au\u00dfer halb der eigenen Pers\u00f6nlichkeit gesucht hatte. Man war ganz unerwartet zu einer Art von Pantheismus gelangt, mit dessen Gottesbegriff man sich immer mehr zu identifizieren geneigt war, und Sie werden begreifen, da\u00df dieses Wachsen, dieses pl\u00f6tzliche \u00dcberallhinreichen, dieses Alleswerden und Allwerden eine herrliche Befreiung, einen hohen, st\u00fcrmischen Sieg bedeutete und in einer gro\u00dfen, lauten Begeisterung seinen Ausdruck suchte. Es kamen Reaktionen hinterdrein, Entt\u00e4uschungen und Zweifel, wie hinter jedem unvorhergesehenen Erfolg, aber immerhin blieb diese<i>\u00a0Empfindung der gefallenen Schranken<\/i>\u00a0die Grundstimmung f\u00fcr alles Schaffen und sie ist es auch heute noch. Darin erreichte der Subjektivismus seine h\u00f6chste Ausgestaltung, denn seit jeder sich Eines f\u00fchlte mit allen Erscheinungen der Welt, war er auch der einzig Seiende,\u00a0der Einsame geworden, der keinen neben sich anerkennen durfte. Und weil die Einsamkeit leise und lauschend macht, vernahm dieser kosmische Eremit Vieles, was bislang niemand vernommen hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So scheinen mir denn auch Lauschen und Einsamsein die Haupteigenschaften, welche den neuen Dichtern gemeinsam sind. Seitdem die ersten Verk\u00fcnder neuen Heiles, an deren Spitze die Br\u00fcder Julius und Heinrich Hart gegangen sind, mit den Fanfaren des Sieges einen unbestimmten vielverhei\u00dfenden Morgen begr\u00fc\u00dften, sind immer mehr Stimmen wach geworden, die von dem Neuen immer deutlicher erz\u00e4hlen. Die Einen sind zu Verk\u00fcndern der neuen Freude, der tieferen Seligkeit, die Andern zu den Aposteln eines neuen Leidens geworden, und zwischen diesen wandeln die S\u00e4nger einer neuen Sehnsucht mit ihren heiligen Harfen hin. Was ein einziger Jubelruf war bei jenen ersten Wegebahnern, ist in ihren Nachfolgern schon ein tausendstimmiger Chor geworden, in welchem alle Formen eines neuen Lebens anklingen. Die Harts sind die richtigen Herolde gewesen, voll von heller Zuversicht und von dem Glauben an ihre Kraft. Nicht Breschenbrecher wie der riesige Michael Georg Conrad, der breite Bajuvare, dem die Kunst lang zu eng wurde f\u00fcr seinen Mut und seine Ungeduld, so da\u00df er mitten hineinsprang ins lauteste Leben, \u2013 sondern M\u00e4nner, welche bekr\u00e4nzt und im Festgewande im Triumphzuge schreiten und mit ihrem aufrichtigen Pathos sich selbst begeistern und andere mitrei\u00dfen. Die Bruno Wille und Wilhelm B\u00f6lsche und John Henry Mackay kamen neben ihnen zu Wort und\u00a0jene ersten Jahrg\u00e4nge der\u00a0<i>Freien B\u00fchne<\/i>\u00a01890 \u2013 93 u.f. sind ein sch\u00f6nes Denkmal ihres jungen Mutes und ihrer tiefen treuen Zuversicht. Der herrliche Liliencron steht da in den vordersten Reihen; was die Harts in unklarem Taumel prophezeien, das lebt er schon l\u00e4ngst, ganz unbewu\u00dft. Ein Mann von Morgen in Hamburg, mitten unter den Allzuheutigen. Ein ganz Junger in einem ururalten holsteinischen Freiherrngeschlecht! Einer der so zuhause ist in dem Neuen, da\u00df er es gar nicht mehr f\u00fcr n\u00f6tig h\u00e4lt zu predigen, sondern einfach erz\u00e4hlt. Ein so Reifer, da\u00df er die heiligen Wahrheiten nebenbei giebt im Gesellschaftston der Kunst und ein Aufrichtiger und ein Fr\u00f6hlicher und ein \u00dcberm\u00fctiger. Sie k\u00f6nnen sich denken, wie man ihn begr\u00fc\u00dfte, wie man ihn\u00a0<i>liebte<\/i>\u00a0\u00fcber Nacht! Und wie drollig erstaunt er war, der kleine Freiherr, als man ihm sagte, da\u00df er ein ganz Neuer sei. Er hat sicher geglaubt, seine holsteinischen Bauern und Fischer sind ganz wie er. Er war so stolz darauf. Nur mit den lieben kommerzfrohen Hamburgern vertrug er sich nicht gut, \u2013 aber sonst&#8230; Oh dieser treue, echte Dichter! \u2013 Mir geht schon wieder das Herz \u00fcber, wenn ich von dem gro\u00dfen Detlev spreche; ich mu\u00df es sein lassen. Denn vor einem Jahr hab ich hier zwei Stunden lang von ihm erz\u00e4hlt, und da ich heimlich hoffe, da\u00df Sie noch nicht Alles von damals vergessen haben, mu\u00df ich f\u00fcrchten, Sie mit ausf\u00fchrlichen Wiederholungen zu langweilen. Als der Freiherr sich so mit einemmale verraten sah, tat er etwas Strenge in seine guten Augen (er mu\u00dfte das ja von der Hauptmannszeit her treffen) und ging selbst entdecken. Und\u00a0er hat einen k\u00f6stlichen Fund getan, als er Gustav Falke heimbrachte, den feinen Hamburger Musiklehrer. Falke ist eine \u00e4hnliche Natur wie Liliencron. Er ist seine b\u00fcrgerliche N\u00fcance. Er ist auch reich, allein er ist etwas bang um seinen Reichtum und vergeudet nicht, wie Liliencron (ich meine nat\u00fcrlich nicht Geld, das haben sie beide nie), er ist auch froh, aber wenn er ganz lustig wird, kommt ihm das Weinen nahe. Er lacht wie der Baron \u00fcber die Philister, aber er wird manchmal recht bitter gegen sie. Er ist auch f\u00fcr die sch\u00f6ne Ordnung, aber sie sieht manchmal der Pedanterie sehr \u00e4hnlich. Daher kann man ihm nie Kompositionslosigkeit vorwerfen, was dem Liliencron auch hier geschah, als ich vor Jahresraum seine\u00a0<i>Poggfred<\/i>-Strophen las. Wenn Sie sich an das erinnern wollen, was ich \u00fcber den Sinn der neuen Lyrik oben sagte, werden Sie erkennen, da\u00df diese scheinbare Formlosigkeit nur ein zu starker innerer Reichtum ist. Er hat so viel zu gestehen, da\u00df das Gef\u00fchlsfeld immer ganz \u00fcberwuchert wird von den goldenen Ernten. Falke ist vorsichtiger und er schafft bis zu einem gewissen Grade bewu\u00dfter. Durch seine novellistische Begabung findet er immer einen sch\u00f6nen klaren Stoff, bei welchem er allerhand los wird, aber immer nur das, was wirklich in den Rahmen pa\u00dft. Seine schmeichelnden Verse wollen oft auch noch ein Glanzlicht, eine Pointe haben, ein novellistisches Element, welches auch den sch\u00f6nen Gedichten unseres Landsmannes, Dr. Salus, eignet und diesen trefflichen Versbildern einen gro\u00dfen Reiz verleiht. Bei ihm, bei Falke und bei dem jungen Schweizer Emanuel Freiherrn\u00a0von Bodman kommt, ich wei\u00df nicht zu sagen woher, oft mitten in eine moderne Stimmung ein seltsamer, zarter Duft \u2013 wie Lavendel aus Gro\u00dfmutters W\u00e4scheschr\u00e4nken \u2013 , der wie ein wehm\u00fctiges L\u00e4cheln \u00fcber die Worte weht und, zumal bei den n\u00fcchtern scheinenden Strophen des Doktor Salus, eine liebliche \u00dcberraschung bietet. An diesem uns nahestehenden Dichter wird auch in besonders anziehender Weise offenbar wie die bedachtsameren unter den Jungen, einerseits aus eigener Scheu vor der Entt\u00e4uschung, andererseits um die Lauscher nicht zu entfremden, das Neue, das sie in sich sp\u00fcren, nicht ganz r\u00fcckhaltlos verk\u00fcnden. Sie suchen, wie Salus, einen Hintergrund, ein Gewand daf\u00fcr, und es ist gewi\u00df ein Beweis f\u00fcr unsere Zeit, da\u00df die gro\u00dfe Renaissance ihren Gestalten Kleid und Geste giebt, und unsere modernsten Gef\u00fchle sich so wunderbar vereinen mit der heiteren Tracht des Cinquecento. \u2013 Auch mit einem anderen Schweizer, dem jungen Doktor Wilhelm von Scholz, ist Liliencron durch innere Sympathie verbunden, und ein neuer Cyclus von balladenartigen Gedichten, welchen Scholz vorbereitet, reicht stellenweise an den Meister heran. Alle Jungen f\u00fchlen sich ja dem gro\u00dfen Detlev von Liliencron nah und dankbar. Und die Schule, die er macht, ist eine sehr lose Vereinigung von ganz heterogenen Geistern; denn man kann ihm nichts nachmachen. Er hat keine Manier, und es kann sich auch keine entwickeln aus den Elementen seines Schaffens. Von ihm kann jeder nur Eines lernen: Aufrichtig sein!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Gefahr hingegen liegt in dem gl\u00fchenden Glanze\u00a0Richard Dehmels, dessen berauschende Formensprache manchen seiner lauschenden Verehrer zum Nachahmer, manchen Versteher zum blinden Gl\u00e4ubigen erniedrigt. Ich zweifle nicht an Richard Dehmels Aufrichtigkeit, \u2013 aber ich glaube, da\u00df er sich selbst noch lange nicht klar ist \u00fcber das, was er will, und wenn das auch nicht mehr sein sollte, als er kann. Die tiefe, innige Schlichtheit ist bei ihm dem unsympathischesten Pathos benachbart, und nach seinen fr\u00fcheren B\u00fcchern w\u00fcrden viele in ihm nicht seine einfache Pers\u00f6nlichkeit, sondern einen sehr bewu\u00dften Poseur erwarten. Sein j\u00fcngstes Buch \u00bbWeib und Welt\u00ab indessen ist ihm viel \u00e4hnlicher. Er stellt sich als der unerm\u00fcdliche K\u00e4mpfer dar, der im Handgemenge auch dann und wann eine h\u00e4\u00dfliche harte Bewegung macht, und der doch so voll Sehnsucht nach Sch\u00f6nheit ist, da\u00df er dar\u00fcber weinen w\u00fcrde, wenn er es w\u00fc\u00dfte. Aber er ist ein rastloser Ringer und hat so viele Verhei\u00dfungen des Neuen gegeben, da\u00df man an ihn glauben darf. Mit einem hei\u00dfen Temperament hat er \u2013 zum ersten Mal in der deutschen Lyrik \u2013 die Poesie des Sommers erkannt und dieser Stimmung mit einem Schlag jene Bedeutung gegeben, welche das deutsche, alte Fr\u00fchlingsgef\u00fchl in Jahrhunderten langsam erlangt hat. Und dieses steht im Mittelpunkte seiner Tage und leuchtet wie eine rote Sonne \u00fcber Wesen und Wirken Dehmels: die Sehnsucht nach der Frucht. Die Ernte ist ihm die Ewigkeit, und in dem l\u00e4chelnd-leidenden Gl\u00fcck der Mutterschaft erkennt er die tiefste Erl\u00f6sung alles Lebens.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\">Ohne das sinnliche Ringen, blasser, tr\u00e4umerischer ist\u00a0dieses der Grundzug der kosmischen Poesie des Franz Evers, der durch seine theosophische Welterkenntnis verleitet wird, den Ewigkeitsbegriff \u00fcber den sinnlichen Kreislauf hinauszuverlegen und dadurch oft den zerflie\u00dfenden Eindruck seiner pathetischen Lieder verschuldet. \u2013<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein K\u00e4mpfer unter der Fahne der Sch\u00f6nheit ist auch Otto Julius Bierbaum. Aber er ist etwas empfindlich, dr\u00e4ngt sich nicht ins dichteste Get\u00fcmmel wie Richard Dehmel, denn es w\u00e4re ihm unglaublich fatal, mit zerdr\u00fccktem oder beflecktem Rocke zur\u00fcckzukommen; er zieht es vor, die K\u00e4mpfe und mehr noch die Siege zu schm\u00fccken, gleichsam goldene Gedenkm\u00fcnzen zu pr\u00e4gen, f\u00fcr jeden Tag, an dem das Neue einen Fu\u00dfbreit Landes gewonnen hat. Und das trifft er, wie es keiner je getroffen hat. \u2013 Er besitzt ein kostbares Ding: den Geschmack von Morgen, vielleicht von \u00dcbermorgen. Er hat fast den Geschmack eines Franzosen, und das vermischt sich ganz eigent\u00fcmlich mit seinem urdeutschen Gem\u00fct. Was daraus wird, scheint manchmal fast etwas archaistisch vor beh\u00e4biger Vornehmheit, aber es ist doch durch und durch frisch und wird oft sogar lebendige Erf\u00fcllung. So hat Bierbaum es verstanden, ein entz\u00fcckendes altes Schl\u00f6\u00dfchen in S\u00fcdtirol zu mythen (so mu\u00df man wohl statt mieten in diesem Falle sagen!), ein M\u00e4rchen von einem Schlo\u00df, wo Frau Gusti mit breiten Botticelli-Scheiteln, zart und zierlich waltet, w\u00e4hrend Otto Julius in seinem dunkel-k\u00fchlen Turmgemach \u2013 ein Talvoll ewigen Fr\u00fchlings f\u00fcllt ihm die Fenster \u2013 seine lieblichen Lieder mit goldenen\u00a0Federn auf seltsam verschn\u00f6rkeltes Pergament zeichnet. In Sachen des Geschmackes m\u00f6chte ich ihn stets ex cathedra verk\u00fcnden h\u00f6ren, er ist unfehlbar darin. Und wenn in einem einstigen Zukunftsstaat ein Minister f\u00fcr Sch\u00f6nheit und Sitte nottut, wird ein echter Sprosse des Schlo\u00dfherrn von San Michele der einzig w\u00fcrdige Bewerber sein d\u00fcrfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr alle diese, die ich bisher genannt habe, ist die Form etwas Unwillk\u00fcrliches, darum brechen sie manchmal dr\u00fcber hinaus wie Dehmel, darum f\u00fchlen sie sich in ihr so zuhause wie der leisere Otto Julius Bierbaum. Aber \u00fcber diese scheinbaren Enden hin giebt es noch M\u00f6glichkeiten: \u00fcber Dehmel hinaus, das z\u00fcgellose wilde Um-sich-Schlagen im Dienste der Sch\u00f6nheit, \u2013 jenseits von Bierbaum das Verblassen und Erstarren im Aesthetizismus, das reglose Knieen vor dem unerbittlichen Gnadenbild. Auf der einen Seite der Verzweiflungskampf des verblutenden Kriegers, \u2013 und dr\u00fcben das ewige bleiche B\u00fc\u00dfen des Sch\u00f6nheitsasketen. Alfred Mombert vertritt das eine, der Rheinl\u00e4nder Stephan George das andere Extrem. Da\u00df Dehmel in Mombert dieses Wildwerden seines eigenen Ichs liebt, ist begreiflich; denn er sieht nur seine m\u00e4chtigere Energie, ohne seine w\u00fctende Blindheit zu bemerken, die Freund und Feind nichtmehr zu trennen wei\u00df. Ein ganzes Chaos von Gef\u00fchlen, Sehns\u00fcchten und Erz\u00fcrnungen str\u00f6mt unged\u00e4mmt aus in Momberts Ges\u00e4ngen, der dem \u00dcberma\u00df seines Empfindungsinhaltes zuviel zutraut, wenn er w\u00e4hnt, da\u00df das blo\u00dfe Erstarren seiner Eruptionen schon \u00bbForm\u00ab sei, w\u00e4hrend bei George jene tiefsten\u00a0und letzten Gest\u00e4ndnisse, die das Wesen aller Lyrik bedeuten, rein formelle Glaubensmeinungen sind, welche die Verse mit kalter und fast armer Klarheit erf\u00fcllen. Notwendig mu\u00df dem Ungest\u00fcmen die Bewegung, seinem Antipoden die Gemessenheit und Ruhe als Symbol der letzten Sch\u00f6nheit erscheinen, und wenn der erstere seine unseligen atemlosen Worte durch das ganze All von Stern zu Stern jagt, wagt der andere nichtmehr \u00fcber die Rands\u00e4ulen seines engen wei\u00dfen Marmortempelchens in die Landschaft zu sehen. Ich halte auch diese beiden Menschen noch f\u00fcr aufrichtig; aber ihre Nachahmer \u2013 und sie besitzen solche in Menge \u2013 sind ganz erb\u00e4rmliche Narren, welche das Publikum irref\u00fchren, indem sie mit schlauem Augurenl\u00e4cheln dem staunenden Laien einen sch\u00f6nen, von ihnen gar nicht begriffenen Wahnsinn als\u00a0<i>die<\/i>\u00a0neue Kunst auftischen und viele n\u00fcchterne, vern\u00fcnftige K\u00f6pfe abschrecken, die sich dann ihr lebelang als exakteste Feinde jenes Tohuwabohu, das sie f\u00fcr die neue Offenbarung halten m\u00fcssen, erkl\u00e4ren und lieber an Julius Wolff und Felix Dahn m\u00fchsam selig werden. Abschreckend f\u00fcr die Menge wirken aber neben diesen prahlerischen Nachbetern auch ein paar Ehrliche. Die Formsucher. Das sind jene, welche aufrichtige Gest\u00e4ndnisse im Herzen tragen, aber \u00e4ngstlich sind um den Kunstvorwand; sie k\u00f6nnen sich schwer entschlie\u00dfen den Rahmen f\u00fcr ihr Intimes, die Gelegenheit zum T\u00f6nen wahrzunehmen, und weil sie gebildete intellektuelle K\u00f6pfe sind,\u00a0<i>suchen<\/i>\u00a0sie dieselbe, statt sich auf ein\u00a0<i>halb unbewu\u00dftes Finden<\/i>\u00a0zu verlassen. Da\u00df dieses\u00a0Formgr\u00fcbeln seltsame und fremd anmutende Gebilde zeitigt, l\u00e4\u00dft sich an Max Dauthendey, dem Farbensymbolisten, dem Telegrammlyriker Arno Holz, dem Tr\u00e4umer Johannes Schlaf, dem Lebensaestheten Loris, den Wienern \u00fcberhaupt, und endlich an einer Gruppe von Pfadsuchern nachweisen, welche das Gedicht au\u00dferhalb von Reim und Rhythmus neuaufrichten wollen. Alle diese haben mit ihrer Methode einen Teil jener vertrauensseligen Naivit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft, welche den K\u00fcnstler dem Kinde so selig an\u00e4hnelt, sie sind bewu\u00dfter und \u00fcberlegter geworden, und man mu\u00df vielleicht gerade deshalb ihre Offenbarungen etwas vorsichtiger entgegennehmen. Ein \u00e4u\u00dferer Grund mag, neben anderen inneren pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen, diese Schaffensweise in ihnen gro\u00dfgezogen haben: n\u00e4mlich die starke Abn\u00fctzung, welche alles lyrische Material im Laufe einer langen Entwickelung von den Minnesingern her, insbesondere durch die gro\u00dfen herzlosen Formalisten, die Bodenstedt u.A., hat erdulden m\u00fcssen, und die damit verbundene Furcht, das Neue, was man zu sagen hatte, durch das alte, abgetragene Kleid zu entweihen und zu erniedrigen. Sie sind eben zu intellektuell geworden, diese Dichter. Sie \u00fcbersehen, da\u00df die<i>\u00a0neue<\/i>\u00a0Form des\u00a0<i>Neuen<\/i>\u00a0direkt und ohneweiters bestimmt wird einmal von seiner Art und dann von der Pers\u00f6nlichkeit, welche es ausspricht, so da\u00df, die Aufrichtigkeit beider Faktoren vorausgesetzt, das Produkt notwendig von anderer Beschaffenheit sein mu\u00df, als die Becher-Zecher-Reime aller seligen Mirza-Schaffy&#8217;s. Es wird bei einem solchen naiv-vertrauensvollen\u00a0Schaffen dem modernen Deutschen auch nicht geschehen, Ghasele, Ritornelle oder Sonette zustande zu bringen: das immer klarere Sich-bekennen wird von selbst immer individuellere Gestalt annehmen, je mehr es unabsichtlich geschieht. Dem neuen Menschen \u2013 und der K\u00fcnstler d\u00fcrfte dieser Art am meisten entgegenwachsen \u2013 mu\u00df die Sch\u00f6nheit etwas Unwillk\u00fcrliches geworden sein, etwas das er nicht einmal als Steigerung, sondern endlich als normale Bewegung und \u00c4u\u00dferung seines Wesens empfindet. Aber es ist noch weit bis dahin, und die Angst des \u00dcbergangsmenschen, z\u00fcgellos zu werden, wenn er frei ist, auf der einen Seite, seine Abneigung, das wachsende Starke in sich durch alte Fesseln zu verderben, auf der anderen, erzeugt dieses Gr\u00fcbeln nach der Form. Alle vergessen sie dabei, da\u00df die neue Form nur gefunden, nie aber gesucht werden kann, und da\u00df das neue Gesetz zum neuen Organismus sich verh\u00e4lt, wie der Kohlenstoff zum Diamant; man kann aus diesem wohl das Element heraussondern, aber niemals wieder das arme Gas zu dem hellen Edelstein verdichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser gro\u00dfen Gruppe von Suchern giebt es wieder Aufrichtige und Poseure, solche, welche ihre Funde still und bescheiden in der Praxis anwenden, und solche, welche bei jeder neuen Entdeckung \u00fcberzeugt sind, nun \u2013 nicht etwa die ihrem eigenen Wesen ad\u00e4quateste Art des T\u00f6nens, \u2013 sondern\u00a0<i>die Kunst<\/i>\u00a0\u00fcberhaupt entdeckt zu haben. Sie entwickeln lange Theorieen, welche den herrischen Ton des Eroberers tragen und f\u00fcr alle andersklingenden Weisen h\u00f6chstens ein h\u00f6hnisches Mitleiden\u00a0\u00fcbrig haben. Diese Thronpr\u00e4tendenten schaden sich indessen selbst am meisten; denn indem sie immerfort die Kunst entdecken, haben sie noch niemals Zeit gehabt,\u00a0<i>ihre<\/i>\u00a0Kunst zu erkennen, und gehen als ungewollte verbitterte Martyrer in ihrer eigenen Manier unter. Die besten Belege daf\u00fcr sind Holz und Schlaf. Sie entdecken alle 5 Jahre einmal\u00a0<i>die<\/i>\u00a0Kunst; da\u00df diese eine Kunst jedesmal anders aussieht, haben sie im Eifer noch gar nicht bemerkt. Ihr erster gro\u00dfer Waffengang unter der Fahne des Realismus, dem sich Adler, Arent, Karl Henckell, R.M. von Stern u.a. angeschlossen haben, besa\u00df noch eine Notwendigkeit, und das mutige Freicorps der \u00bbModernen Dichtercharactere\u00ab von 1885 hat gewi\u00df dazu beigetragen, die neue Zeit heraufzuf\u00fchren. Die Veteranen von damals sind auch heute meistens so klug, nicht immer wieder ihre Verdienste dadurch zu verkleinern, da\u00df sie sie stets aufs neue betonen. Es ist sogar bezeichnend, da\u00df mehrere von ihnen, wie Henckell und Stern, zu der sehr sch\u00e4tzenswerten und nicht gerade brotlosen Gilde der Verleger \u00fcbergegangen sind, die sie fr\u00fcher so arg verachteten \u2013 und sich nunmehr nur noch aus Konkurrenzneid die Augen auskratzen. Arent aber, Holz und Schlaf k\u00f6nnen den alten Ruhm nicht vergessen. In 42 Gedichtb\u00fcchern und einigen kurzatmigen Zeitschriften und Anthologieen war Herr Arent seither unabl\u00e4ssig bem\u00fcht, seine eigene Bedeutung zu beweisen, er sah jedes Jahr einigemal den\u00a0<i>gro\u00dfen Morgen<\/i>\u00a0anbrechen und f\u00fchlte sich als Prediger in der W\u00fcste und warf seitenlange Fehdehandschuhe bald dem bald jenem hin, so zahlreich,\u00a0da\u00df sich endlich keiner mehr bem\u00fchte, sie aufzuheben. Er hat sich selbst dabei verloren. Das ist schade; denn wer Geduld hat, k\u00f6nnte aus Arents 42 B\u00fcchern vielleicht ein kleines B\u00e4ndchen Kunst zusammenstreichen, das f\u00fcr ihn Zeugnis g\u00e4be. Anders Holz. Er besitzt viel weniger Talent, steht nur formal h\u00f6her. Vieles, was wir zu seinem Besten z\u00e4hlen m\u00fcssen, hat ihm Gott im Schlaf (ich meine im Johannes Schlaf) gegeben, der sich als die bei weitem tiefere und k\u00fcnstlerischere Natur darstellt. Mir ist, als w\u00e4re das Verh\u00e4ltnis der beiden \u00e4hnlich jenem zwischen dem Schwan von der Bober, Martin Opitz, und seinem bei weitem gr\u00f6\u00dferen Zeitgenossen Paul Fleming, nur, da\u00df Schlaf sich fr\u00fcher als jener von dem Druck der fremden Obmacht befreite, und nun, sp\u00e4t genug, Eigenes zu sagen beginnt. Holz hatte durchaus einen Genossen notwendig, einen feint\u00f6nenden Apparat, an welchem er die zartesten Schwingungen ablesen konnte, welche er im Orchester des Lebens niemals gefunden h\u00e4tte, und wenn das nicht der arme Johannes Schlaf geworden w\u00e4re, h\u00e4tte, um ein Haar, ein noch weicherer Mensch \u2013 Gerhart Hauptmann diese Rolle \u00fcbernehmen m\u00fcssen. Es war nahe daran. Denn der junge Hauptmann, der in v\u00f6lliger Unklarheit \u00fcber seinen eigenen Weg und Willen bald bildhauerte, bald lange pathetische Gedichte schrieb, mu\u00df in diesem scharfen und raffinierten Theoretiker einen Augenblick lang den Heiland gesehen haben. Er ging darauf ein, mit Holz gemeinsam ein St\u00fcck zu verfassen, und in den Hauptz\u00fcgen ist der Plan von \u00bbVor Sonnenaufgang\u00ab wohl in gemeinsamen\u00a0Gespr\u00e4chen er\u00f6rtert worden, bis der empfindliche Hauptmann das Drama allein schrieb und seine Dankesschuld an Holz abzahlte, indem er ihm sein Werk zu eigen gab. Und vielleicht ist nun auch der gr\u00f6\u00dfere Ruhm des einstigen J\u00fcngers einer der Gr\u00fcnde, weshalb Holz in einem Drama \u00bbDie Sozialaristokraten\u00ab (der Realismus von Vorvorgestern feiert drinnen seine Triumphe) und mit neuen Lyrik-Versuchen, \u00bbPhantasus\u00ab betitelt, zu beweisen bem\u00fcht ist, da\u00df er in der allerersten Reihe steht, wom\u00f6glich auch noch\u00a0<i>vor<\/i>\u00a0ihr. Seine Gedichte muten an, wie eine phantastische sinnliche Prosa, deren Worte bald 20 mannhoch in einer Zeile stehen, dann wieder allein oder zu zweit, abseits bleiben, ohne, da\u00df man einen gen\u00fcgenden Grund dieser Isolierung zu erkennen vermag. H\u00f6rt man die Verse lesen, so kommt man gar nicht dazu, dies zu vermuten; was man dann vernimmt, ist eine bunte, teilweise unklare Prosa, in welcher dann und wann eine Allitteration oder eine onomatopoetische Verbindung auff\u00e4llt, oder durch Wiederholungen eine St\u00f6rung bewirkt wird. Von dem neuen Rhythmus, der bei Mombert oft anklingt, dem breiten diphthongischen Wechselklang, der sich unterscheidet von dem engen Hebung-Senkung-Ma\u00df und mit diesem zu einer reizvollen Sensation aufw\u00e4chst, kann ich in diesen Proben nichts finden. Der Realismus \u00e4ltesten Stiles aber, den Holz nicht vergessen kann, giebt diesen Wortbildern eine \u00fcberraschende Plastik und macht sie zu ganz interessanten knappen Prosaskizzchen, die in vern\u00fcnftigen zahmen Zeilen und ohne die Pr\u00e4tension Neusch\u00f6pfungen zu sein, sich ganz wohl\u00a0befinden w\u00fcrden. Maximilian Dauthendey hat durch seine k\u00fchne Farbensymbolik ein neues Element in die Lyrik gebracht, welches auch Holz hier mehrmals technisch verwertet. Aber, wenn man n\u00e4her zusieht, war die Farbe, als Mittel, gewisse von ihrer sinnlichen Absicht verschiedene, meist dunkle Gef\u00fchlswirkungen hervorzubringen, schon vor Dauthendey dem E.T.A. Hoffmann zum Beispiel bekannt, und auch das musikalische Pendant, T\u00f6nen unwillk\u00fcrlich gewisse Farbenn\u00fcancen zu unterlegen, ist allen aufrichtigen Gebildeten eine alte Erfahrung. Die Wissenschaft ist ganz gewi\u00df unterwegs, festzustellen, da\u00df alle diese Erscheinungen peripherische Schwingungen darstellen, welche, von einem gemeinsamen Zentrum ausgehend, uns nur deshalb andersartig zum Bewu\u00dftsein kommen, weil unsere beschr\u00e4nkten Organe immer nur St\u00fccke dieses weiten Kreises wahrzunehmen verm\u00f6gen. Warum sollte also nicht auch hier die Kunst vorausgehen und mit diesen Mitteln neue Pfade finden in die Teilnahme des Einzelnen? Da\u00df gerade diese feinsten Mittel, die nur dort, wo sie nicht auffallen und solange sie nicht auffallen, einen Zweck erf\u00fcllen k\u00f6nnen, zum Kunstprinzip einer schw\u00e4chlichen, einseitigen Poesie gemacht werden, ist mit ein Grund, da\u00df man die neuen Kunstbestrebungen im Publikum so fremd und mi\u00dftrauisch betrachtet, wenn man ihnen nicht \u00fcberhaupt den R\u00fccken kehrt. \u2013 Es ist eine Art berechtigtes Gekr\u00e4nktsein in diesem Abwenden, denn es ist in der Tat brutal von dem K\u00fcnstler, eine so feine Erkenntnis vergr\u00f6bert zu verwenden. Der Laie findet mit Schrecken, wie die Dichtung eine seiner\u00a0kaumbewu\u00dften, ganzintimen Empfindungen immer und immer wieder in widerlicher Beredtsamkeit dem und jenem verr\u00e4t, er f\u00fchlt sich pers\u00f6nlich verwundet durch diese Indiskretion, und besch\u00e4mt kommt er dazu, fanatisch zu leugnen, da\u00df solche Dinge in ihm jemals vorgehen k\u00f6nnten. \u00bbIch habe niemals T\u00f6ne gesehen und niemals Farben geh\u00f6rt\u00ab, schreit er entr\u00fcstet wie einer, dem man nachweisen will, da\u00df er verr\u00fcckt sei. Und doch k\u00f6nnte die Kunst bei vornehmer und leiser Verwertung ihrer letzten Erkenntnisse in jedem Unvoreingenommenen ungeahnte seelische Reicht\u00fcmer erwecken, ganz zarte Glocken zu leisem begl\u00fcckenden Erwachen bringen und helle Perspektiven aufdecken wie alte Tr\u00e4ume oder Erinnerungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Gruppe von K\u00fcnstlern wei\u00df ich, welche alle die neuen und intimen Mittel kennt, und sie mit Takt und mit der n\u00f6tigen Z\u00e4rtlichkeit, ohne brutale \u00dcbertreibung und technische Betonung anwendet, und es ist lieb, da\u00df es eine uns nahe, nachbarliche Kunst ist, die sich dieses Vorzuges r\u00fchmen kann:\u00a0<i>Die Wiener Kunst.<\/i>\u00a0Eines haben die Wiener vor denen im Reich und vor vielen anderen voraus: sie haben Geschmack. Und m\u00f6gen sie in ihrer T\u00e4tigkeit noch so bewu\u00dft und \u00fcberm\u00fctig werden, immer bleibt dieses ganz Unbewu\u00dfte neben ihnen, wie ein treuer heimlicher Schutzgeist. Es war ein so langer Stillstand in Wien, und es ist ein Beweis des sch\u00f6nen \u00f6sterreichischen Temperamentes, da\u00df der erste Versuch zu so reicher und reifer Bl\u00fcte f\u00fchren konnte. Und wenn diese Kunst der Loris und Altenberg auch nur eine Epoche war und in sch\u00f6ne Manier\u00a0erstarrt, sie werden nie mehr ganz einschlafen, die Wiener, selbst wenn kein solcher Sch\u00f6nheitsb\u00fcttel mit seinem kleinen Zorn und seiner gro\u00dfen Phrase hinter ihrer \u00e4sthetischen Schlafm\u00fctzigkeit her sein sollte, wie Hermann Bahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst ein paar Worte \u00fcber diesen Vielgenannten. Da giebt es solche, welche ihn nur l\u00e4cherlich finden, und solche, welche sogar l\u00e4cheln \u00fcber ihn. Den Einen gilt er f\u00fcr banal und dumm, den Einen f\u00fcr klug und geistreich, man kann Leute treffen, die einen K\u00fcnstler in ihm erkennen, neben solchen, die ihn als Kritiker sch\u00e4tzen, und nicht weit davon andere, welche ihm alle F\u00e4higkeit zu beiden Berufen absprechen m\u00f6chten. Alle haben recht und unrecht zugleich. Das macht: Hermann Bar ist gewi\u00df Alles das schon gewesen, und was er noch nicht war, das wird er Alles nochmal \u2013 scheinen. Er ist n\u00e4mlich gar keiner. Er ist nur eine Art Widerhall der jungen Wiener. Wie ein Schatten wiederholt er ihr Wesen in breiteren, dunklen Dimensionen und vergr\u00f6\u00dfert und vergr\u00f6bert die feinen leisen Bewegungen dieser vornehmen Aestheten, die er auch nur so versteht, wie er sie verk\u00fcndet. Er wei\u00df gar nicht viel von ihrer Kunst, aber f\u00fcr manches Unausgesprochene, Namenlose darin erfindet er einen glatten gl\u00e4nzenden Namen und schleudert den mit \u00bbsch\u00f6ner G\u00fcte\u00ab in die staunende Menge. Er f\u00fchlt sich als der Gebende dabei und kommt oft so weit, diese Rolle auch denjenigen gegen\u00fcber, deren t\u00f6nendes Werkzeug er wurde, fortzuspielen. Das macht das Publikum irre; die Leute benehmen sich dann oft wie Kinder, welche den betre\u00dften\u00a0Lakaien auf dem Bock f\u00fcr den K\u00f6nig halten, weil sie hinter seinem Talmiglanz den blassen ernsten Mann im Wagen gar nicht bemerken. So geschieht es wirklich: die Fernerstehenden halten Bahr f\u00fcr das, was er, m\u00fchs\u00e4lig genug, nachahmt, und er, dessen einziges Talent die Pose ist, wei\u00df wohl die Meister zu verdecken, welche er verk\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kommt es, da\u00df der Name\u00a0<i>Loris<\/i>\u00a0immer noch wie ein M\u00e4rchen klingt; nur wenig Eingeweihte finden die seltsam pr\u00e4chtigen Verse des Loris oder Hugo von Hofmannsthal, wie er eigentlich hei\u00dft, in den kaum zug\u00e4nglichen \u00bbBl\u00e4ttern f\u00fcr die Kunst\u00ab, die nur in einem geladenen Leserkreis beschr\u00e4nkte Verbreitung finden, oder auf den Seiten des \u00bbPan\u00ab, wo sie wie in Marmor gegraben, mit stillen, stolzen Lettern prangen. Dieser stille Stolz entspricht am besten der Eigenart seiner gl\u00e4nzenden Gedichte, deren tiefster Zauber darin zu beruhen scheint, da\u00df sie, unzufrieden mit ihrer eigenen breiten Pracht, einem noch gr\u00f6\u00dfern, ewigen Glanz sich entgegensehnen. Sie sind wie einsame Frauen, diese Verse, die, reich an Geschmeid und Gewand, am Rande bl\u00fchender G\u00e4rten warten auf irgend eine letzte leuchtende Erf\u00fcllung. Loris hat ja gewi\u00df von Frankreich her manche Geste \u00fcbernommen, und er tr\u00e4umt manchen Farbentraum einem Baudelaire oder einem Mallarm\u00e9 nach; aber diese verschiedenen romanischen Erbst\u00fccke waren seinem reichen, urspr\u00fcnglichen Besitz so verwandt, da\u00df man sie nun kaum mehr zu sondern vermag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend Loris aus lauter Ehrfurcht vor der w\u00fcrdigen\u00a0Sch\u00f6nheit auch Formsucher wurde, glaube ich, da\u00df Peter Altenberg die seinen Stoffen so ungeheuer passende Gestalt unwillk\u00fcrlich aus dem aufrichtigen Gest\u00e4ndnis heraus gewonnen hat, und da\u00df er sie erst, seit er ber\u00fchmt wurde, bewu\u00dft und deshalb lange nichtmehr mit derselben Keuschheit, wenngleich immer noch grazi\u00f6s handhabt. Er ist der erste Verk\u00fcnder des modernen Wien. Seine hohe gesellschaftliche Reife (fast \u00dcberreife) findet sich in diesen Skizzen ebenso wie die biedermairische Gem\u00fctlichkeit, der lichte Frohsinn seiner H\u00e4userstirnen, die ewige Festlichkeit seiner Ringe, die best\u00e4ndig einem Makartzug oder einer Kompagnie Deutschmeister entgegenzuwarten scheinen, und dann wieder die traurig rauschende Melancholie seiner Garten \u2013 Alles ist in diesen Skizzen mit der gr\u00f6\u00dften P\u00fcnktlichkeit \u2013 nicht beschrieben, \u2013 eben nur notiert, festgestellt, sozusagen in aller Unschuld konstatiert. Es liegt eine unsagbare primitive Sch\u00f6nheit darin. Wien hat pl\u00f6tzlich seine Sprache gefunden: es baut sich gleichsam nochmals auf aus seinen innersten Elementen und wird ein Wien neben Wien, ein Wien im Spiegel \u2013 wie hinter einem Glas, weit, bla\u00df, gl\u00e4nzend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Altenberg komme ich zu denjenigen Lyrikern (denn er geh\u00f6rt zu diesen, nicht zu den Novellisten), welche die alte Gedichtform auch nichtmehr \u00e4u\u00dferlich durch unmotiviert endende Verszeilen simulieren, sondern klipp und klar eingestehen, da\u00df sie \u00bbGedichte in Prosa\u00ab schreiben. Diese Aufrichtigkeit ist sehr lobenswert, man wei\u00df gleich, wie man sich gegen sie zu kehren hat. Und es sei denn ein f\u00fcr allemal gesagt, da\u00df\u00a0das Wesen des Gedichtes keineswegs mit dem Reim und dem Rhythmus steht und f\u00e4llt; denn wo es sich darum handelt, letzte Empfindungen in der unwillk\u00fcrlichsten, also individuellsten Form aust\u00f6nen zu lassen, ist neben anderen auch eine Form m\u00f6glich, welche der Prosa ziemlich \u00e4hnelt. Aber sie wird sich doch nie mit der Prosa der betreffenden Pers\u00f6nlichkeit verwechseln lassen, denn auch dieses Werk mu\u00df, als ein unbewu\u00dftes T\u00f6nen, dem bewu\u00dften, von Intellekt und \u00dcberlegung geleiteten Erzahlen gegen\u00fcber, Rhythmus haben, \u2013 n\u00e4mlich den Rhythmus der ganzen Pers\u00f6nlichkeit, und also immer noch eine h\u00f6here gebundene Form darstellen als jede noch so poetische Prosa. Deshalb ist das \u00bbGedicht in Prosa\u00ab eine durchaus falsche und irref\u00fchrende Bezeichnung, und jeder Schaffende, welcher denkend und nicht gewohnheitsm\u00e4\u00dfig seine Sch\u00f6pfungen also benennt, gesteht ja im Vorhinein zu \u2013 etwas \u2013 \u00bbin Prosa\u00ab verfa\u00dft zu haben und steht dem, der von Gedichten zu sprechen hat, nichtmehr im Wege. Auch ist es ganz \u00fcberfl\u00fcssig, einen solchen Wink mit dem Zaunpfahl zu geben; denn hat einer, welcher zu lesen versteht, ein solches Buch durchwandert, ohne sich klar geworden zu sein, ob es Gedichte w\u00e4ren, so sind es gewi\u00df keine \u2013 und, wer das Lesen noch nicht gelernt hat, f\u00fchlt sich durch die beschr\u00e4nkende Titelmarke nur vergewaltigt oder besch\u00e4mt. Seit man es aufgegeben hat, den Wert und die Eigenart lyrischer Gest\u00e4ndnisse durch die kleidsamen, uniformen Trachten des Sonetts, der Stanze u.a. zu beeintr\u00e4chtigen, schreibt eben jeder seine\u00a0ganz pers\u00f6nlichen Verse (worunter ja dann und ja ein Madrigal oder ein Sonett mit unterlaufen kaum), und diejenigen Arten derselben, welche die Zeilen f\u00fcllen statt 3\u20135 cm vom Rande zu enden, anders zu benennen, dazu liegt doch nicht der geringste Grund vor. Es kann in der einen Gestalt wie in der anderen sich etwas darstellen, was trotz allem und allem kein Gedicht ist, und das reinreimigste Sonett ist noch lange nicht die Gewahr Gedicht zu sein, wie die randvollste Seite niemals eine Gefahr bedeutet daf\u00fcr. Wohl aber ist es eine gro\u00dfe Bequemlichkeit f\u00fcr jene, welche weder Gedichte noch Prosa zustande bringen, die unglaubliche Verschwommenheit ihrer Pubert\u00e4tsprosa mit der Bezeichnung \u00bbGedichte\u00ab zu adeln. Das sind diejenigen, die, um ihrer unreinen Reime willen aus dem Paradies kleiner Winkelbl\u00e4ttchen vertrieben, zur \u00dcberzeugung kommen, da\u00df die Prosa doch \u00bbdas Leichtere\u00ab sei. Das ist ein s\u00fcndhafter Irrtum. Einem J\u00fcngling, der in sich lauscht, kann fr\u00fch, in erster Unreife ein unsterbliches, ewiges Lied gelingen; er kann der Leidende dabei sein, es kann ihm geschehen, wie ein Traum ihm geschieht: er ist unschuldig daran. Es ist nicht ein Beweis f\u00fcr seine Kraft, sondern vielleicht f\u00fcr seine Reinheit, f\u00fcr das Klingende seines Gem\u00fcts, f\u00fcr ein zeitiges Erwachen seiner Seele. \u2013 Eine gute Prosa mu\u00df ihm deshalb auch 15 Jahre sp\u00e4ter nicht gelingen; denn diese ist nicht unbewu\u00dftes Gestehen, sondern bewu\u00dftes hartes Ringen mit Stoff und Form, ernste M\u00e4nnerarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daher habe ich oft arges Mi\u00dftrauen gegen die Verfasser von \u00bbGedichten in Prosa\u00ab. Ihr Buch beweist, da\u00df sie\u00a0keine Gedichte machen k\u00f6nnen, und ein eventuell beigelegter Brief beeilt sich zu best\u00e4tigen, da\u00df die einfachste Prosa ihnen auch ziemlich schwer fallt. Wenn die sogenannte Form \u00bb Gedichte in Prosa\u00ab vollends ein ganzes Buch von 200\u2013300 Seiten beherrscht, liegt der Gedanke nahe, da\u00df nur einige darunter Gedichte sein k\u00f6nnen, andere aber gezwungen waren, sich eben nach dem Willen des Verfassers zu verkleiden. Denn dieses Gewand kann nur ganz bestimmten Gef\u00fchlsstoffen unwillk\u00fcrlich gewesen sein, und ein Band davon ist eine ebensolche Vergewaltigung des intimen Empfindens wie ein Band von Sonetten. Es ist \u00fcbrigens eine grunddeutsche Eigenschaft, die Uniformierungssucht des Deutschen, eine Art von Gef\u00fchlsvereinsmeierei mit gemeinsamem Statut und zwillingsgleichen Jacken&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur bei Altenberg kann man dieselbe Form ein buchlang, vielleicht auch zweib\u00fccherlang ertragen. Sein Stoffkreis ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig eng, und jeder seiner leisen Beichten ist eben diese Form ganz nat\u00fcrlich. Wenn aber auch andere \u00fcber die bisherigen Grenzen hinausgehende Stoffkreise drin anklingen werden, wird die Form schon als enge, gezierte Manier erscheinen, abgesehen davon, da\u00df Peter Altenberg weitere Gest\u00e4ndnisse nicht zu machen hat, wenn er aufrichtig sein und sich auch nicht wiederholen will. \u2013<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andere Versuche in diesem Sinne haben Caesar Flaischlen, Julius Hart, Johannes Schlaf und von Heimischen Alfred Guth gemacht. Sie sind jeder in seine Erfindung vernarrt, halten sie nat\u00fcrlich f\u00fcr\u00a0<i>die Form<\/i>\u00a0der Zukunft, oder wenigstens f\u00fcr\u00a0<i>ihre<\/i>\u00a0Form, geben volle B\u00fccher davon\u00a0und bemerken nicht, wie sie manches sch\u00f6ne Gef\u00fchl um des harten Gesetzes willen zutode qu\u00e4len. Alle Erfinder sehen nichts neben ihrer Erfindung und werden einseitig. Der Mensch, welcher das Lachen entdeckt h\u00e4tte, w\u00fcrde zweifelsohne auf jede andere \u00c4u\u00dferung hochm\u00fctig verzichtet haben. Und so sind diese auch. Am meisten \u00bbGedichte\u00ab d\u00fcrften in dem neuen Buche Caesar Flaischlens stehen. Er ist wie alle, die den Realismus hinter sich haben, ein guter Beobachter und feinh\u00f6riger K\u00fcnstler geworden, der aus reichen inneren Quellen sch\u00f6pft, und sein j\u00fcngstes Buch (\u00bbVon Alltag und Sonne\u00ab) ist in diesem Sinne um so gl\u00fccklicher, als es eine Nachernte seines intimen Erlebens (etwan von 1891 bis 97) enth\u00e4lt. Briefstellen, Postkartenzeilen und Tagebuchbl\u00e4tter sind mit feinem, w\u00e4hlerischem Geschmack an einandergereiht, wie verbla\u00dfte Blumen. Ihre versonnene Sch\u00f6nheit aber lebt von der z\u00e4rtlichen Erinnerung, mit welcher der Dichter sie umsorgt. Hier kann das Zuf\u00e4llige der Entstehung und die aufrichtige Mitteilung B\u00fcrge sein f\u00fcr die Notwendigkeit dieser Form. Sie rechtfertigt sich selbst durch die innige Teilnahme, mit welcher sie Lieder und Skizzen begleitet. Vor hohen und hellen Gef\u00fchlen geht sie auf wie ein Meer, und dann wieder \u00fcberw\u00f6lbt sie mit leisen sch\u00fctzenden Rhythmen irgend eine innige Bangigkeit. Das sucht auch Alfred Guth zu erreichen und er hat bei sich selbst manches schone Gest\u00e4ndnis erlauscht. Nur seine Form wird leicht enge und monoton und scheint mir stark von Altenberg beeinflu\u00dft. \u2013 Johannes Schlaf hat von seinem neuen zweiten Teil von \u00bbIn Dingsda\u00ab erst\u00a0ein paar Bruchst\u00fccke im \u00bbPan\u00ab ver\u00f6ffentlicht, die eine an Verschwommenheit grenzende Weichheit und Empfindlichkeit besitzen. Zu \u00e4hnlichen Wirkungen gelangt Julius Hart, der, nachdem er die ganze neue Kunst, lehrend und wehrend, in seinen oft trefflichen Kritiken begleitet hat, in seinem Buch \u00bbStimmen in der Nacht\u00ab zwei formale Neusch\u00f6pfungen theoretisch er\u00f6rtert. Es sind eigentlich Novellen, aber der Umstand, da\u00df ihre Handlung in dem prim\u00e4ren Gef\u00fchlsschauplatz, in der Seele einerseits zur\u00fcckgehalten, andererseits dahin projiziert werden soll, n\u00e4hert sie stark den subjektiven lyrischen Gest\u00e4ndnissen, und stellt sie also an den Rand meiner Betrachtung. Julius Hart meint so die urspr\u00fcngliche H\u00f6he und Frische der Empfindungssensationen, gleichsam direkt, ohne den erkaltenden Umweg durch die Komposition zu machen, in sein Werk hin\u00fcberzuleiten und vergi\u00dft, da\u00df dies wohl die Lyrik f\u00fcr ihre Gef\u00fchlselemente gestattet, die dreidimensionale Handlung aber in dieser Art niemals \u00fcbertragbar ist. Er hat ein unhaltbares Mittelding zwischen Gedicht und Novelle geschaffen, welches stellenweise ganz Gedicht ist und da seine tiefe Poesie nicht verleugnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle B\u00fccher, von denen ich hier gesprochen habe, nicht zum wenigsten die letztgenannten, haben ein Gemeinsames: ihre k\u00fcnstlerische Ausstattung. An Stelle der sinnlosen Clich\u00e9s ist allenthalben ein begleitender Buchschmuck getreten, Papier und Druckertype sogar haben sich der Art des Buches besonders angepa\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein freudiges Zusammentun der K\u00fcnste und K\u00fcnstler macht sich bemerkbar. Nicht nur der Inhalt ihrer\u00a0Werke ist freudig und erwartungsvoll, auch ihr \u00e4u\u00dferes Gewand wird w\u00fcrdig und feierlich. Und in alle Dinge steigt diese leise sehns\u00fcchtige Sch\u00f6nheit; die M\u00f6bel, Teppiche und die kleinsten Dinge t\u00e4glichen Gebrauches um euch wird sie ganz unvermutet verwandeln. Und pl\u00f6tzlich werdet ihr die einzigen sein, die noch die Nutzkleider des Alltags tragen. Und ihr werdet erschrocken auch eure Seelen schm\u00fccken zu dem festlichen Empfang der neuen Zeit, deren bescheidener, unbeholfener Verk\u00fcnder ich sein will in diesen Worten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><span style=\"color: #999999;\">Quellennachweis<\/span>: Als Vortrag gehalten am 5. M\u00e4rz 1898 in Prag<em>.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #888888;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-99289 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Rainer-Maria-Rilke-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"188\" height=\"300\" \/><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Die Redaktion blieb seit 1989 zum lyrischen Mainstream stets in <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">\u00c4quidistanz<\/a><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2023 finden Sie \u00fcber dieses Online-Magazin eine Betrachtung als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78067\">eine Anthologie im Ganzen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zun\u00e4chst bitte ich Sie um G\u00fcte und Geduld. Ich bin mir vollkommen bewu\u00dft, da\u00df es nichts Geringes ist, einestundelang \u00fcber Gedichte reden zu h\u00f6ren. 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