{"id":27991,"date":"1995-05-15T00:01:18","date_gmt":"1995-05-14T22:01:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27991"},"modified":"2022-05-22T08:01:58","modified_gmt":"2022-05-22T06:01:58","slug":"schreibe-barbarisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/05\/15\/schreibe-barbarisch\/","title":{"rendered":"Schreibe barbarisch!"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sprechen oder Schreiben ist ein Bem\u00fchen um gr\u00f6\u00dferes Welt-Verst\u00e4ndnis. Wer beschreiben kann, begreift, und umgekehrt. Literarisches, dichterisches Beschreiben ist, im Unterschied zum wissenschaftlichen, der Subjektivit\u00e4t ge\u00f6ffnet, ja verpflichtet, und im Bewusstsein gelassener, anders kontrollierter Subjektivit\u00e4t muss dann das Bezeichnete im Bezeichnenden eine gr\u00f6\u00dfere Deutungssph\u00e4re gewinnen. Das ist das, was reizt &#8211; und das Spielen mit dem Sprach- und Welt-Material! In diesem Spiel, dem kontrollierten Experiment in den Naturwissenschaften vergleichbar, ergeben sich Erkenntnisgewinne, neue Gef\u00fchle werden erzeugt, nicht immer klar zuzuordnende Spielergebnisse, die befriedigen und zugleich wieder reizen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Je j\u00fcnger wir sind, wenn wir zu solcher Sprach- und\u00a0 Lebenserweiterung aufbrechen, umso gr\u00f6\u00dfer ist der Fortschritt. Wenigen gelingt auch im h\u00f6heren Alter radikale Progression. Fontane schrieb seine gro\u00dfen Romane erst sp\u00e4t &#8211; aber er schrieb sehr viele Aufs\u00e4tze, Schilderungen und Gedichte schon viele Jahre vorher. Wenn Fontane von Anfang an aufs Ganze gegangen w\u00e4re &#8211; h\u00e4tte er dann den bedeutenderen \u201eWerther\u201c geschrieben? Schwer zu sagen.<br \/>\nSinnvoll ist es also, sich vor allem an sich selbst zu messen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem \u00e4lteren Autor steht die gr\u00f6\u00dfere Welterfahrung im Wege, wenn sie zu Formen verf\u00fchrt, die wie allzu bekannte Wege langweilen. Der junge Autor ist freier im Umgang mit der Realit\u00e4t. Ihm steht die bew\u00e4hrte Form nicht im Wege. Am besten ist es, der junge Autor geht mit der Form barbarisch um, damit die Wirklichkeit neu wirkt. Am besten geht der \u00e4ltere Autor mit dem Inhalt barbarisch um, wider besseres Wissen, damit er neue Formen findet. Dann ist er jung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Reihe <strong>K<\/strong><b>eine Bojen auf hoher See, nur Sterne &#8230; und Schwerkraft\u00a0<\/b><i>Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben. <\/i><\/p>\n<h5><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98374 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/02\/Bergmann.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<em>Schlangegeschichten<\/em>\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a>. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<em>Arthurgeschichten<\/em> auch den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a>\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a> zum Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Sprechen oder Schreiben ist ein Bem\u00fchen um gr\u00f6\u00dferes Welt-Verst\u00e4ndnis. Wer beschreiben kann, begreift, und umgekehrt. 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