{"id":27977,"date":"2020-07-26T00:01:56","date_gmt":"2020-07-25T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27977"},"modified":"2020-07-26T06:22:34","modified_gmt":"2020-07-26T04:22:34","slug":"lesen-ist-schreiben-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/07\/26\/lesen-ist-schreiben-2\/","title":{"rendered":"Lesen ist Schreiben"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich schreibe mich und lese mich, lese mich und schreibe mich, es ist ein und dasselbe. An die Stelle der Seiten treten die Jahre. Das Ende kenne ich nicht. Ich bin das Gedicht, das sich schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schreibe, ich lese, und w\u00e4hrend ich lese, schreibe ich schon weiter. Ich f\u00fchle mich wie der Hase dem Igel in mir unterlegen, ich will aber kein Igel sein, kein Techniker von Permutationen meiner Poesie, ich schreibe wirklich immer weiter, schreibe mit meinen lesenden Augen um die Wette, bin mir immer um mindestens ein Wort voraus, und wenn ich versuche \u00fcber den Schatten des Geschriebenen zu springen, erreiche ich nie die Geschwindigkeit im Lesen, werde ich mich nie einholen, auch nicht, wenn ich r\u00fcckw\u00e4rts lese. Ich k\u00e4me nie an den Ursprung der Worte, der sich mir entzieht wie das Jenseits der Schatten. Aber ich k\u00f6nnte mich leicht einholen und dann auch \u00fcberholen, wenn ich nur wollte, ich k\u00f6nnte der Schattenspringer werden und aus dem Diesseits der Sprache in ein Jenseits der Worte springen, wenn ich nur wollte und wenn ich begriffe, dass ich das kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lese ich, wenn ich schreibe? Ich drehe die Frage in die Antwort: Ich schreibe, wenn ich lese.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich k\u00f6nnte mich, wie gesagt, \u00fcberwinden, aber nie lesend, immer nur schreibend. Der absolute Leser, der a priori der beste Leser ist, muss nur wissen, dass er als Leser der absolute Autor ist. Er wird dann auch erfahren: Er ist der beste Autor, den er lesen kann. Dieser Leser, der den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, ist der aufgekl\u00e4rte Leser, der ideale Leser, wenn er beim Lesen erkennt, dass er das Buch, das er gerade liest, auch lesen k\u00f6nnte, wenn er es selber schriebe, und eigentlich m\u00fcsste er es dann gar nicht mehr schreiben, sondern einfach nur leben. Er ist dann der Leser seines Lebens, dessen Autor er zugleich ist, der das Buch nicht braucht, der sich selbst zuklappen und wegwerfen kann wie ein Buch, das er schon kennt, dessen unbeschriebene Seiten in ihm selber sind und die man nur beschreiben muss um zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kann ich am Ende sagen: Indem ich mich lese, hebe ich auf, was ich schrieb \u2013 und indem ich schreibe, hebe ich auf, was ich lese. Ich bin das Wort.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus der Reihe <strong>K<\/strong><b>eine Bojen auf hoher See, nur Sterne &#8230; und Schwerkraft\u00a0<\/b><i>Gedanken \u00fcber das lyrische Schreiben. <\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <em>Kritische K\u00f6rper,<\/em> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a>aufploppen. \u2013 Poesie ist das identit\u00e4tsstiftende Element der Kultur, KUNOs <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25630\">poetologische Positionsbestimmung<\/a>. Ein R\u00fcckblick auf die ersten 10 Jahre Dichtungsring findet sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1991\/06\/22\/10-jahre-dichtungsring\/\">hier<\/a>. \u2013 Es herrscht die Annahme, das <em>Netzwerk<\/em> sei erst mit dem Internet erfunden worden, es gab jedoch eine Zusammenarbeit von Individuen bereits auf analoger Ebene. KUNO <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25201\">dokumentierte<\/a> den Grenzverkehr im Dreil\u00e4ndereck. Ein Kollegengespr\u00e4ch von A.J. Weigoni mit Bruno Kartheuser finden Sie <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/kartheuser.htm\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schreibe mich und lese mich, lese mich und schreibe mich, es ist ein und dasselbe. An die Stelle der Seiten treten die Jahre. Das Ende kenne ich nicht. Ich bin das Gedicht, das sich schreibt. 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