{"id":27954,"date":"2024-03-05T00:01:57","date_gmt":"2024-03-04T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27954"},"modified":"2024-03-05T00:04:33","modified_gmt":"2024-03-04T23:04:33","slug":"was-ich-will","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2024\/03\/05\/was-ich-will\/","title":{"rendered":"Was ich will"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will ein Kompendium meiner Welt-Anschauung schreiben, und da ich die Welt <i>bin<\/i>, ein Kompendium meiner selbst: Als Theater, als Spiel mit der Welt, also mit mir.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch stehe ich auch in einem Leben, das ich nicht bin, in dem ich <i>werde<\/i>. Und was ich nicht werde<i>n<\/i> <i>kann<\/i>, spiele ich in meiner Sprache.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich lebe eine unio mystica mit meinem alter ego, also mit der Welt in mir und au\u00dfer mir: Ganz werden, ganz sein in der Metamorphose von Fragment zu Fragment. Das Fragment ist das Atom des Ganzen. Dabei ist mein spielendes Ich absolutistisch stark: Ich leite mich von mir selbst ab.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein \u00dcber-Ich ist Spielball des starken Ichs. Die Herrschaft des Es will ich nicht. Ich will die absolute Herrschaft des Ich, die eine intersubjektive Vernunftherrschaft des Einzelnen \u00fcber sich selbst erm\u00f6glicht. Erst solche Ichs, die eine Herrschaft des \u00dcber-Ichs nicht ben\u00f6tigen, geben die Freiheit, eine m\u00fcndiger lebbare Au\u00dfenwelt zu erschaffen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die interne Affirmation meines Ichs (ich, Gott, bete mich an) ist die dialektische Voraussetzung seiner Aufhebung. Die Synthese ist nicht die Herrschaft eines \u00dcber-Es, sondern die Erhebung meines Unter-Ichs zu einem Ich der freien Mit-Ichs, um mich freier und reicher zur\u00fcckzuerlangen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dialektische Eskapismus ist eine weitere Voraussetzung, die eigene, und dann die Wir-Geschichte zu gestalten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein h\u00f6chster Wunsch ist Selbsterschaffung als Gegenbewegung zur Welt, wie sie mir\u00a0 widerf\u00e4hrt und mich verwundet.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Schreiben hat immer auch eine therapeutische Dimension, als Trost und heiteres Spiel mit mir und der Welt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Tat, das ist die gr\u00f6\u00dfte Aporie, zugleich der gr\u00f6\u00dfte innere Widerspruch in (m)einem Leben: Zu w\u00fcnschen, dass die Welt gebessert\u00a0 und der Tod besiegt werde, und insgeheim zu hoffen, dass sie ungef\u00e4hr bleibe, wie sie ist, weil ich ohne Verletzung, ohne Todesgewissheit gar nicht leben, also gar nicht schreiben k\u00f6nnte.\u00a0 Ich k\u00f6nnte mich sonst nicht geb\u00e4ren, und mir bliebe unbewusst, dass sich die Welt in mir erschafft.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will diese Widerspr\u00fcche dialektisch begreifen, weil ich muss, und nur so, in einem ernsten Spiel, kann ich sie erleiden, er-leben, er-tragen und aufheben. Ich bin ein gesalbter Sisyphos.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das doppelte Aufheben von These und Antithese, diese von Hegel geschaffene Denk-Bewegung, ist meine formale Religion.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph {\"align\":\"center\"} -->\r\n<p class=\"has-text-align-center\" style=\"text-align: center;\">***<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:image {\"align\":\"left\",\"id\":17200,\"width\":177,\"height\":220,\"sizeSlug\":\"large\"} \/-->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-98374\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/1989\/02\/Bergmann.jpg\" alt=\"\" width=\"122\" height=\"182\" \/>Weiterf\u00fchrend \u2192 <\/strong>KUNO sch\u00e4tzt den minuti\u00f6sen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27947\">Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne \u2026 und Schwerkraft. 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