{"id":27902,"date":"2014-05-26T00:01:02","date_gmt":"2014-05-25T22:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27902"},"modified":"2023-04-13T10:40:08","modified_gmt":"2023-04-13T08:40:08","slug":"ypsilon-karlyce-schrybyr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/05\/26\/ypsilon-karlyce-schrybyr\/","title":{"rendered":"Ypsilon. Karlyce Schrybyr"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><i><\/i><span style=\"color: #888888;\"><i>Versuch eines kleinen Nachrufs<\/i><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider habe ich Karlyce, wie er sich gern nannte, nie pers\u00f6nlich kennengelernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber da er Texte von mir immer mal wieder in seiner beachtlichen Literaturzeitschrift KULT ver\u00f6ffentlichte, gab es eine gewisse Korrespondenz \u00fcber die Texte und seine Zeitschrift mit ihm. Hier ein Beispiel \u2013 es ist mein letzter Brief an ihn:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Bonn, 18.6.2011<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Lieber Karlyce,<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">mit Freude erhielt und las ich gestern deine (bisher) letzte Ausgabe von KULT. Ich freue mich, dass ich nach langer Zeit mal wieder mit kleinen Zeichnungen ver\u00f6ffentlicht wurde, 7 St\u00fcck in deinem letzten Heft, welch eine sch\u00f6ne Ehre!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe die alten Hefte durchgesehen; erstmals war ich in Nr. 19 dabei, danach weitere 7 Mal. Am meisten bedeutet mir Nr. 26 wegen TERRES, das geh\u00f6rt zum Besten, das ich je schrieb.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter den Autoren sind viele, die mir bekannt sind und die dar\u00fcber hinaus nicht unbedeutend sind, etwa Siggi Liersch, Dieter P. Meier-Lenz, Uwe Pfeiffer (der Hallenser Maler?), HEL, Frank Br\u00f6ker, Saza schr\u00f6der, Lutz Rathenow, Hadayatullah H\u00fcbsch, Caroline Hartge, Hans-J\u00fcrgen Hilbig, Rainer Wedler, Frank Milautzcki &#8230; und mir sehr liebe Literaturfreunde wie GudiX, Reliwette, Hans J. Eisel, Eberhard Loosch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade, dass du mit KULT aufh\u00f6rst. Die indirekte Begr\u00fcndung auf der vorletzten Seite, dass Literaturzeitschriften out sind, stimmt zwar, aber das gilt nur f\u00fcr die erste Liga, nicht f\u00fcr die ziemlich gro\u00dfe Welt der \u00e4u\u00dferen Drittklassigkeit, in der ich mich gut eingerichtet habe und in der ich gern lebe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht startest du wieder etwas, on verra.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dir lieben Dank f\u00fcr die vielen sch\u00f6nen KULT-Hefte, die ich (wir alle) lesen konnte(n)! Das literarische Niveau war gut, oft hoch, und so gesehen, konnte KULT mit etablierten Zss. mithalten, die z. T. ganz sch\u00f6n langweilige Lyrik und andere Texte sehr bekannter Namen abdruckten und nicht immer gen\u00fcgend junge Autoren entdeckten. Als Herausgeber bist du jung geblieben und humorvoll dazu, und das kann nicht von jedem gesagt werden \u2013 wenn ich z. B. an den Poetenladen denke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir bleiben in Kontakt, denke ich, vielleicht nicht nur \u00fcber kv.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem EDYTORYAL der letzten KULT-Ausgabe Nr. 33 schreibt KHS lakonisch diese wenigen Worte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><i>\u201eDenn alles, was entsteht,<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><i>ist wert, da\u00df es zugrunde geht.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><i>(Mephisto zu Faust)<\/i><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">LAST EXYT KULT<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dys yst dy letzte Ausgabe von KULT als 60seytyges A4-Peryodykum! Eyne Nummer 33 yst eyn orygyneller Moment, leyse \u201eServus\u201c zu sagen. Yn der Planung der myr (vermutlych) verbleybenden Lebenszeyt mu\u00df ych neue Pryoryt\u00e4ten setzen. Mehr m\u00f6chte ych dazu hyr nycht bemerken. Ych danke allen, dy mych seyt 1995 myt Texten, Graphyken &amp; Sympathy begleytet haben und wynsche weyterhyn kynstleryschen Erfolg! Ob ych mych yn welcher Form auch ymmer wyder bemerkbar mache, bleybt abzuwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Venceremos \u2013 Karlyce Schrybyr<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den nahen Tod vor Augen \u2013 was ich beim Lesen dieser Zeilen einfach nicht glauben wollte \u2013 bleibt ihm die Kraft und die Notwendigkeit f\u00fcr den Humor in der Anspielung auf Peter Kreuders Lied \u201eSag beim Abschied leise Servus\u201c oder in der Ironisierung der Auferstehung bis hin zum politischen \u201eVenceremos\u201c. Gesiegt hat Karlyce schon im Leben, denke ich. Nicht nur seine Zeitschrift KULT, sondern auch seine Texte \u00fcberleben ihn. Die Erz\u00e4hl-Idee eines seiner st\u00e4rksten Texte, \u201eDie Kn\u00e4bin\u201c, werde ich nie vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war seine Eigenart, gar nicht oder nur stichwortartig zu antworten. Er schickte mir mal seinen Roman DER SCHWIMMER mit Widmung, und ich las ihn. Und ich schrieb ihm dar\u00fcber. Aber er antwortete nicht. Er schickte mir auch sein Lyrik-Heft \u201eDas Wundern der Romantizierer generiert altmodische Beulen. Gedankengedichte\u201c, erschienen in der Lyrikreihe der Silver Horse Edition, Marklkofen 2011, darin die sch\u00f6nen Verse des letzten Gedichts TRAU(M)SCH(M)ERZ:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">&#8230; wie erniedrigend stolziert<\/p>\n<p align=\"center\">realit\u00e4t au\u00dfer konkurrenz<\/p>\n<p align=\"center\">das l\u00e4cheln im traum<\/p>\n<p align=\"center\">ist der schmerz<\/p>\n<p align=\"center\">im leben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karlyce stellte sich gern in den Dienst der anderen. Er schrieb und ver\u00f6ffentlichte viele Rezensionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer seiner Freunde, mit denen er auch seine politischen \u00dcberzeugungen (als 68er) teilte, ist Reliwette, mit dem er sich auch in freundschaftlich-spielerischer und selbstironischer Art gut verstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karlyce liebte das Ypsilon, es gibt Texte und Briefe in y-Schreibung, ich bin nie dahintergekommen, was es damit auf sich hatte &#8211; und er liebte die Literatur! Die war seine Religion. Das ist das Wenige, das ich \u00fcber ihn sagen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Karl-Heinz Schreiber 16.9.1949-26.5.2014)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">* * *<\/p>\n<div id=\"attachment_44595\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-image-44595 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/der-lyrik-eine-bresche-fuer-ein-gedicht-je-ausgabe-einer-zeitung_1505748323-1.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-44595\" class=\"wp-caption-text\">Poesie z\u00e4hlt f\u00fcr KUNO zu den identit\u00e4ts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> <strong>\u2192<\/strong> Die Redaktion blieb seit 1989 zum lyrischen Mainstream stets in <em><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/01\/05\/lyrik-als-seismograph-an-der-epochenschwelle\/\">\u00c4quidistanz<\/a><\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> 1995 betrachteten wir die Lyrik vor dem Hintergrund der Mediengeschichte als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/01\/02\/laboratorium-der-poesie\/\"><em>Laboratorium der Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2005 vertieften wir die Medienbetrachtung mit dem Schwerpunkt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/02\/transmediale-poesie\/\"><em>Transmediale Poesie<\/em><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2015 fragen wir uns in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/02\/poetologische-positionsbestimmung\/\"><em>Minima poetica<\/em><\/a> wie man mit Elementarteilchen die Gattung Lyrik neu zusammensetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 2023 finden Sie \u00fcber dieses Online-Magazin eine Betrachtung als <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=78067\">eine Anthologie im Ganzen<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versuch eines kleinen Nachrufs \u00a0 Leider habe ich Karlyce, wie er sich gern nannte, nie pers\u00f6nlich kennengelernt. 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