{"id":27503,"date":"2014-11-28T15:59:42","date_gmt":"2014-11-28T14:59:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27503"},"modified":"2022-02-26T16:28:58","modified_gmt":"2022-02-26T15:28:58","slug":"mein-klassiker-ahoj-brause","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/28\/mein-klassiker-ahoj-brause\/","title":{"rendered":"Mein Klassiker, Ahoj-Brause"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">ein Beitrag im Sinne von Herrn Nipp<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8868.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-27504\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8868-1024x682.jpg\" alt=\"_MG_8868\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8868-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8868-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da sa\u00dfen damals in den fr\u00fchen siebziger Jahren einige Kinder bei unseren Nachbarn auf der Stufe zum Eingang. Unter dem kleiner Portikus konnte sich locker mal eben eine ganze Schar einfinden, jeder auf dem angestammten Platz, manchmal versuchte der eine oder andere sich auch einen neuen zu ergattern. Die \u00fcblichen kleinen Hahnenk\u00e4mpfe unter Kindern. Rangfolgen werden oft schon im Vorschulalter festgelegt und halten sich bis ins hohe Alter. Dieses Mal war alles anders als sonst. \u00a0Zirka zehn Blagen (so w\u00fcrde ich sie heute titulieren) aus meiner Nachbarschaft in meinem Alter. Ich war es gewohnt, nach drau\u00dfen zu kommen und dort meine Freunde beim Spiel zu finden. Meistens mit einem Ball oder mit Steinen und Kreide. An diesem Tag aber war alles neu. Da war kein Geschrei zu h\u00f6ren, nicht das \u00fcbliche Ticken des Balls auf dem Boden oder an die Garagentore der Nachbarschaft, kein Quietschen der M\u00e4dchen, keine Anfeuerungsrufe, die Stra\u00dfe war tats\u00e4chlich leer, obwohl doch niemand sein Auto in unser \u00fcbliches Spielfeld auf der Stra\u00dfe geparkt hatte. Da wurde nicht abgez\u00e4hlt oder angez\u00e4hlt, da liefen keine Kinder m\u00f6glichst heimlich zum Anschlagplatz des Versteckspiels. Nein. Sie sa\u00dfen da dicht gedr\u00e4ngt auf dieser abgewetzten Steinstufe des Zwanziger-Jahre-Hauses meiner direkten Nachbarn.\u00a0 Sie waren sehr zufrieden, als ich dazukam. Sie hatten geradezu schmerzlich verz\u00fcckte Gesichter. Sie schmatzten und stippten immer wieder mit dem Zeige- oder Mittelfinger in das kleine, bunte T\u00fctchen mit dem Fahne schwenkenden Matrosen. Ein einladendes, ein harmlos begeistertes Gesichtchen dieses kleinen blauen Jungen mit dem seltsamen H\u00fctchen, welches heute wie eine Karikatur auf die Propagandabilder des sozialistischen Realismus wirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige sch\u00fctteten sich den Inhalt der T\u00fctchen vorsichtig direkt auf die Zunge, immer das Gesicht verziehend, aber auf jeden Fall voller Begeisterung. Dieses Kribbeln auf der Zunge. Eine Geschmacksexplosion, Chemie pur.\u00a0 Ich wei\u00df nicht mehr, wer das Zeug mitgebracht hatte, ich kann mich daf\u00fcr an den ersten Moment erinnern, als w\u00e4re es heute. Was f\u00fcr ein Erlebnis, das erste Mal, dass mir Syn\u00e4sthesie bewusst wurde, ohne das Wort zu kennen. Es wurde schnell zu unserem beliebtesten Suchtmittel der Kindheit, neben Salinos und Lakritzschnecken und den unvermeidlichen Leckmuscheln. Eigentlich wohl dazu konzipiert, sich selber Limonade in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen herzustellen, nutzten wir die Brause als S\u00fc\u00dfigkeit, als Schnuckelsache. Wir konnten stundenlang \u00fcber die Geschmacksrichtungen philosophieren. Meine liebste Sorte war nat\u00fcrlich Waldmeister.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einigen Jahren entdeckte ich <a href=\"http:\/\/www.ahoj-brause.de\/\">Frigeo Ahoj-Brause<\/a> wieder. Inzwischen hatte sich mein Geschmack wohl etwas ver\u00e4ndert, denn am besten schmeckt nun Himbeere, noch k\u00fcnstlicher anmutend als damals.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Meine Kinder waren noch klein und so fanden einige Packungen den Weg vom Einkaufswagen in die Ferien. Auch in den fr\u00fchen zehner Jahren dieses neuen Jahrtausends funktioniert das einfache Prickeln trotz all der Medien, welche die Kinder heute nutzen, um zusammen zu kommen, nicht auf der Stra\u00dfe, sondern virtuell. Medien und M\u00f6glichkeiten, die wir uns in den Siebzigern nicht h\u00e4tten ausmalen k\u00f6nnen, noch immer aber funktioniert das direkte Erlebnis aus Geschmack, Geruch und F\u00fchlen, das beruhigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8869.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-27505\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8869-1024x682.jpg\" alt=\"_MG_8869\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8869-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/MG_8869-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a> &#8230;und sie schmeckt immer noch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der KUNO-Reihe \u201cMein Klassiker\u201d w\u00fcrdigte A.J. Weigoni das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25671\">2:1 der wahren B\u2019russia<\/a> gegen den EffCeh. Enno Stahl <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26051\">Big New Prince <\/a>von The Fall. Matthias Hagedorns W\u00fcrdigung ging an die Fernsehserie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26045\">Raumpatrouille<\/a>. Ulrich Bergmann n\u00e4herte sich <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26129\">The Hollow Man <\/a>von T.S. Eliot an. Peter Paul Wiplingers Klassiker ist der Maler <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26024\">Valentin Oman<\/a>. Joachim Feldmann spricht <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26157\">Lazy Sunday<\/a> von den Smal Faces den Klassiker-Rang zu. In einem Kollegengespr\u00e4ch zwischen A.J. Weigoni benennt <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/mischa.kuball\" data-hovercard=\"\/ajax\/hovercard\/user.php?id=100000516804599\">Mischa Kuball <\/a>den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26621\">Lauf<\/a> des Pheidippides vom Schlachtfeld in das 42 km entfernte Athen als seinen Klassiker. Conny Nordhoff <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26748\">verliebte<\/a> sich gar in eine ganze Stadt. Joachim Paul <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27250\">analysiert<\/a> Technikmythen anhand der Heftreihe Perry Rhodan. F\u00fcr Denis Ulrich ist es schlicht und gut: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27202\">la pizza<\/a>. Bob Schroeder pr\u00e4sentiert den der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26653\">F\u00fchrerschein f\u00fcr Fahrradfahrer<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ein Beitrag im Sinne von Herrn Nipp Da sa\u00dfen damals in den fr\u00fchen siebziger Jahren einige Kinder bei unseren Nachbarn auf der Stufe zum Eingang. 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