{"id":27083,"date":"2014-10-23T00:01:34","date_gmt":"2014-10-22T22:01:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=27083"},"modified":"2019-01-19T15:52:06","modified_gmt":"2019-01-19T14:52:06","slug":"kunstboerse-gummersbach-eine-rueckschau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/10\/23\/kunstboerse-gummersbach-eine-rueckschau\/","title":{"rendered":"Kunstb\u00f6rse Gummersbach &#8211; eine R\u00fcckschau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach fast unendlich eint\u00f6niger Fahrt durch bergige Nebellandschaften, deren Schemen gerade zu erahnen sind, vorbei an Mittelgebirgsst\u00e4dtchen, die sich mit leidlich h\u00e4sslichen L\u00e4rmschutzw\u00e4nden den Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts gebeugt haben, also in jener Stadt ankommen, die vor allem in den achtziger Jahren des letzte Jahrhunderts, manchmal auch noch heute Handballgeschichte geschrieben hat und schreibt. Gummersbach, wahrscheinlich die gro\u00dfe Verhei\u00dfung f\u00fcr manch einen jungen Handballer, der irgendwann Profi werden will. Wo ist die erwartete Gro\u00dfstadt?<\/p>\n<div id=\"attachment_27084\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8759.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-27084\" class=\"size-large wp-image-27084\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8759-682x1024.jpg\" alt=\"Christoph Knapp\" width=\"456\" height=\"684\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8759-682x1024.jpg 682w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8759-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-27084\" class=\"wp-caption-text\">Christoph Knapp<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich ist Gummersbach ein kleines, nettes St\u00e4dtchen mit einem \u00fcberdimensionierten Kreishaus, vielen verschieferten H\u00e4usern des Klassizismus, v\u00f6llig verbaut mit den \u00fcblichen S\u00fcnden der sechziger und siebziger Jahr. Vielleicht der sogenannte Innenstadtring l\u00e4sst ein wenig das Gef\u00fchl von Gro\u00dfstadt aufkommen, zumindest solange man den Schildern traut. Eine sympatisch verbaute Stadt der typisch deutschen Provinz. Und dies ist nicht despektierlich gemeint. Da es gl\u00fccklicherweise keine zentralen Gro\u00dfst\u00e4dte in Deutschland gibt, bleiben letztlich auch M\u00fcnchen, Berlin und Hamburg ziemlich provinziell, und das ist gut so, aber hier\u00fcber soll eigentlich gar nicht berichtet werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_27085\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8780.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-27085\" class=\"size-large wp-image-27085\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8780-682x1024.jpg\" alt=\"Andrea Freiberg - Performance mit Mixern\" width=\"456\" height=\"684\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8780-682x1024.jpg 682w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8780-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-27085\" class=\"wp-caption-text\">Andrea Freiberg &#8211; Performance mit Mixern<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit einigen Jahren findet traditionell im Herbst eine kleine, \u00fcberschaubare Kunstb\u00f6rse statt, zu welcher immer wieder andere K\u00fcnstler geladen werden, insgesamt zw\u00f6lf (Die Namen finden sich am Ende des Artikels). Veranstaltet wird diese kleine Messe vom Kunstforum Gummersbach, engagierten K\u00fcnstlern, die ihre Ideen in die Welt tragen. Vor allem Silke Knapp \u2013 Trauzettel, Bernhard und Elke Ellerhorst fallen im Organisationsteam durch ihr Engagement und die verbindliche Freundlichkeit auf, mit der die K\u00fcnstler empfangen und unterst\u00fctzt werden. Keine Massenabfertigung, wie man sie von anderen Messen kennt, sondern pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che stehen hier im Zentrum des Geschehens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verschiedene Ideen und Konzepte treffen aufeinander, die doch Abbild geben \u00fcber verschiedene Tendenzen der aktuellen Kunst. Von den sehr ornamentalen Streifenarbeiten eines Peter Leidig, \u00fcber die seltsam paradox verspieltstrengen skulpturalen Holzarbeiten Christoph Knapps, den sich in einzelnen Fragmente verlierenden collagehaften Zeichnungen Ulrike Stausbergs bis hin zu an Becher\u00e4sthetik geschulten Dokumentationsfotografien Amerikas von Marie-Luise Wulf, die allerdings nicht auf Farbe verzichten m\u00f6gen, bis hin zu v\u00f6llig reduzierten Zeichnungen von Gerda Foerster oder opulenten Malereien der Maria Moeller .Auch abstrakte Relikte d\u00fcrfen nat\u00fcrlich nicht fehlen, soviel ist klar. Manfred Sch\u00fcler l\u00e4sst verschiedene absto\u00dfende Farbtypen ihre eigenen Strukturen finden und erg\u00e4nzt diese durch pastose exakt gemalte Grenzfl\u00e4chen. Manuel K\u00fcpperhoek aus den Niederlanden zeigt fraktale Strukturen als Holzschnitte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders f\u00e4llt Andrea Freiberg auf, die mit einer wunderbar verspielt ironischen Performance am Samstag die Er\u00f6ffnung bestritt und das Publikum nicht nur auf ihrer Seite hatte, sondern in das Geschehen einbezog. Auf einer riesigen wei\u00dfen Papierfl\u00e4che, auf dem Boden befestigt, sollten die Menschen mit an Mixger\u00e4ten aus dem K\u00fcchenbereich befestigten Bleistiften nach Walzer oder Popmusik t\u00e4nzerisch zeichnen. Ganz nach dem Motto \u201emeine Frau malt auch\u201c wurde hier auf die typische Situation der Hobbyartisten aufmerksam gemacht, die Beuys\u00b4 Ausspruch, dass jeder ein K\u00fcnstler sei, oft wohl missverstehen. Nicht jedes Bild ist schlie\u00dflich Kunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie zeigte weiterhin gen\u00e4hte Fotografietableaus, die einerseits auf die digitale, andererseits auf die h\u00e4ndische Bearbeitung verweisen und Beziehungsgeflechte erzeugen, welche Geschichten entstehen lassen, die doch in ihren Einzelheiten fast kryptisch erscheinen. Trotz Bilderflutung bleibt das, was unsere Gegenwart spiegelt: Alles erscheint auf des Gesamtblick hin chiffriert und kann sich letztlich nur im n\u00e4heren Hinsehen teilweise erschlie\u00dfen. Kunst kann politisch sein, das ist bei Andrea Freiberg offensichtlich, ohne mit dem sprichw\u00f6rtlichen Zaunpfahl zu drohen.<\/p>\n<div id=\"attachment_27086\" style=\"width: 466px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8768.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-27086\" class=\"size-large wp-image-27086\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8768-1024x682.jpg\" alt=\"Haimo Hieronymus\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8768-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/MG_8768-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-27086\" class=\"wp-caption-text\">Haimo Hieronymus<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gesamtbild dieser kleinen, aber feinen B\u00f6rse f\u00e4llt positiv aus. Die Stimmung ist gut, die Besucher interessiert, die K\u00fcnstler agieren meist sehr freundschaftlich, die sogenannte Orga besticht durch ihre Pers\u00f6nlichkeit. Einziges Manko: Es h\u00e4tten mehr Besucher kommen k\u00f6nnen, aber da ist das n\u00e4chste Handballspiel dann doch wohl wichtiger.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beteiligte K\u00fcnstler: Frank Breuer, Gerda F\u00f6rster, Andrea Feiberg, Brigitta Heidtmann, Haimo Hieronymus, Christoph Knapp, Manuel Kurpershoek, Peter Leidig, Maria Moeller, Manfred Sch\u00fcler, Ulrike Stausberg und Marie Luise Wulf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch den <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23600\">Essay<\/a> \u00fcber den Wandel des Museums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach fast unendlich eint\u00f6niger Fahrt durch bergige Nebellandschaften, deren Schemen gerade zu erahnen sind, vorbei an Mittelgebirgsst\u00e4dtchen, die sich mit leidlich h\u00e4sslichen L\u00e4rmschutzw\u00e4nden den Gegebenheiten des 21. 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