{"id":270,"date":"1992-07-01T00:01:57","date_gmt":"1992-06-30T22:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=270"},"modified":"2021-11-29T18:14:32","modified_gmt":"2021-11-29T17:14:32","slug":"portrat-benno-derda","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1992\/07\/01\/portrat-benno-derda\/","title":{"rendered":"Portr\u00e4t Benno Derda"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Originell bis zur Eigenwilligkeit: Pl\u00f6tzlich h\u00e4ngt eine dieser T\u00fcren im Raum, Druckplatte, Bildwerk, Skulptur, verweist auf zwei Kerngebiete, best\u00e4ndige Kriseneinsatzgebiete im Werk Benno Derdas. Druckgraphik, Bildhauerei. Wie Skulpturen gedachte, entwickelte Graphiken, immer von der Idee des Raums beseelt. Ein inniges r\u00e4umliches Spiel mit dem Verh\u00e4ltnis der Volumen an imagin\u00e4rem Ort, einem Denkort, der erwandert werden muss, mit Blicken. Es zeigt sich, da\u00df der erfahrene Grafiker, Radierer, Holzschneider seine sensiblen, leidenschaftlichen Seinserfahrungen in g\u00e4nzlich von unserer Vorstellungskraft abgel\u00f6ste Bildkonstrukte umzusetzen vermag, wobei eine schwingende, gleichsam sich verzehrende Tonalit\u00e4t entsteht, die, als Echo oder Spiegelung auf den zu Ende gedachten Gedanken, den zu Ende erlebten Moment verweisend, seine Kunst in die N\u00e4he zur Abstraktion r\u00fccken. Die Rhythmisierung von Fl\u00e4chen und Lineaturen ger\u00e4t zu einer melodi\u00f6sen Komposition mit strenger Kontrapunktik. Die Bilder gehen \u00fcber eine graphische Erz\u00e4hlung hinaus, entwickeln sich eigene R\u00e4ume, eigene Welten. Jede Arbeit tieferer Inhalt, k\u00fcnstlerisch-philosophische Betrachtung. Entwicklungen und Prozesse des Machens bilden sich als metaphorischer, metaformer Prozess. Die Zinkplatte als Grundlage seiner Radierungen scheint f\u00fcr Benno Derda ein optimales Medium zu sein. \u00c4tzen, Ritzen und Schaben, hinzuf\u00fcgen und wegnehmen lassen seine Bilder wachsen. Ein Prozess also des Grabens und Sch\u00fcrfens, ein immerw\u00e4hrender Suchzustand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In ihrer \u00bbKulturgeschichte der Nacht\u00ab hat Elisabeth Bronfen k\u00fcrzlich von der \u201e\u00fcberdeterminierten Unbestimmtheit\u201c der Bilder gesprochen. Tats\u00e4chlich ist es eine Besonderheit dieser Spielart des Symbolismus, keiner konventionellen Symbolsprache mehr folgen zu wollen, auf den Mehrwert tieferer Bedeutung aber gleichwohl nicht verzichten zu wollen. Benno Derdas \u00c4sthetikwelt ist in die Zukunft weisende Spekulation mit einem eigenen Regelwerk der Konstruktion, einer eigenen Strategie der Konzentration. Eine Kunst also, die sich dem modischen Massengeschmack nicht anbiedert, sondern eigenes Energiepotential entwickelt. Er beobachtet und sichtet seine Umwelt und nutzt diese Auseinandersetzungen als Grundlage k\u00fcnstlerischer Arbeitsprozesse, wobei der Anlass niemals den Endpunkt darstellt, sondern eine Lawine bildnerischer Entwicklungen in Gang setzt, keine polternde, tosende, aber langsame, unaufhaltsame.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es entsteht so eine Denkart ohne g\u00fcltige Ist- Zust\u00e4nde, der Augenblick bindet sich hier bewusst ein in Zeitabl\u00e4ufe, Benno Derda sieht und gestaltet so Bilder und Bildprozesse als Ansammlung von Zeit. Sein Werk ist ein sprechendes Zeugnis daf\u00fcr, dass der aktuellen R\u00fcckkehr der Mimesis in die Malerei die Br\u00fcche und Leerstellen der Avantgarde von gestern eingeschrieben bleiben. Seine Bilder sind keine Renaissance der traditionellen Landschaftsmalerei. Sie zeigen keine Neigung zur das Gem\u00fct erw\u00e4rmenden Natur. Ihre Poesie kommt aus Verlassenheit, blankness und Leere. Nicht die Bildidee wird in diesem Sinne konstituierend f\u00fcr den letzten Arbeitszustand, sondern die Auseinandersetzung mit dem Entstehen von Bildwirklichkeiten im Bezugsfeld von Raum, Zeit, Figuration und Landschaft. Trotzdem scheinen diese Bilder immer von einer fast naiven Ehrlichkeit zu strotzen, sie wollen nur die einfache Betrachtung darlegen. Das Spannende ist nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Machen. Was an dieser Arbeit ergreift, ist nicht nur die Derda selbstverst\u00e4ndliche Geschicklichkeit der Hand, der Werkzeugf\u00fchrung, sie bliebe im reinen Handwerk wie die vieler anderer Graphiker, welche sich in Gefilden der Zimmerdekoration tummeln, sondern die innere Wahrheit. Seine Farbkompositionen erscheinen als Augenblicke bildlichlyrischer Gespanntheit. Bei Benno Derda zeigt sich jene eigent\u00fcmliche Spannung, wie sie auch f\u00fcr zahlreiche Werke von Haimo Hieronymus charakteristisch ist: Durch die scheinbar zeitlosen Sinnbilder schimmern die Insignien der Gegenwart. Die Vision wird ins Auge gefa\u00dft, doch die Auserw\u00e4hlten heben nicht wirklich ab. Es fasziniert das \u00a0augenintrigante Spiel zwischen brutalen Farbbr\u00fcchen und zartesten \u00dcberg\u00e4ngen, Farbwerten zwischen gl\u00e4nzendem Licht und stumpfer Tr\u00fcbnis, zwischen harten Konturmomenten und weichstem Form\u00fcbergang, zwischen dichten Blocksetzungen und lavierenden Durchsichtigkeiten. Eine Spiegelung der Welt nicht, eine Erschaffung. Immer am Rande der Fig\u00fcrlichkeit, eine Vermutung menschlicher Anwesenheit, eine Ahnung der Wesenheit der Dinge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Benno Derda, in K\u00f6ln geboren, lebt und arbeitet seit gut achtzehn Jahren in Siegen. Er nutzt dort ein eigenes Atelier, das er sich trotz einiger Widrigkeiten \u00fcber die letzten Jahre aufbauen konnte. Seit Beendigung seines Kunststudiums bei Georg Tokarz und Daniel Hees arbeitet er als freier K\u00fcnstler an Malerei, Skulptur und dem Schwerpunkt Druckgrafik, im Besonderen an Radierungen und Holzschnitten. Benno Derdas Reihen f\u00fcgen diese Einzelwirklichkeiten zusammen, in denen jede nur zwingend, da\u00df hei\u00dft mit absoluter G\u00fcltigkeit, einen Platz findet, dann Beziehungen zum umgebenden Raum und zu den anderen Arbeiten aufbaut. Er reiht nicht einfach auf, dies w\u00e4re schnell geschehen, er sucht einen nervenzehrenden Dialog zwischen Arbeiten und Raum, zwischen sich selbst und den ihm Helfenden. Bilder werden aufgestellt, gruppiert, umgruppiert und weggenommen, Konstellationen werden gef\u00fcgt und verworfen. Wenn man Benno Derda beim Sichten seiner Bilder erlebt, hat man das Gef\u00fchl, da\u00df eigentlich kein gro\u00dfartiger Unterschied zwischen bildnerischen Prozess und der Betrachtung besteht. Alles ist zun\u00e4chst offen und ger\u00e4t mit der Zeit zu einem schl\u00fcssigen Ganzen. Dies f\u00fcr sich kann eine aufreibende Situation sein, die N\u00e4chte f\u00fcllt, welche er aber mit Ruhe, Geduld und immer einer Salzbrezel in Griffweite meistert. Wer in die Bildr\u00e4ume dieses K\u00fcnstlers steigt, kann eine Ahnung von seiner grundlegend skeptischen Haltung gegen\u00fcber den einfachen Bildfindungen erhaschen. Er scheint aus dem un\u00fcbersichtlichen Viel der Eindr\u00fccke, die ihn umgeben ein organisches Ganzes zu entwickeln, in welchem jeder Strich, jede Form, jede Schattierung Bezug zu den anderen Bildern evoziert. Gerade aber wenn man sich dann in den einzelnen Bildteilen in ihre Harmonie gedacht hat, diese Verwandtschaften erfassen konnte, muss das Auge im n\u00e4chsten Augenblick mit einem gewittrigen Bruch rechnen. Der Organismus Bild zeigt Erregungspunkte einer irrlichternden Fl\u00fcchtigkeit. So zerschie\u00dft er zeitlos die Uhren und l\u00e4sst den Betrachter in einem nicht deutbaren Raum zur\u00fcck, immer ein wenig ratlos, immer ein wenig verbl\u00fcfft und immer sehr fasziniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-271 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Derda-03-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Derda-03-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Derda-03.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Originell bis zur Eigenwilligkeit: Pl\u00f6tzlich h\u00e4ngt eine dieser T\u00fcren im Raum, Druckplatte, Bildwerk, Skulptur, verweist auf zwei Kerngebiete, best\u00e4ndige Kriseneinsatzgebiete im Werk Benno Derdas. Druckgraphik, Bildhauerei. Wie Skulpturen gedachte, entwickelte Graphiken, immer von der Idee des Raums beseelt. 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