{"id":26990,"date":"1989-04-02T00:01:59","date_gmt":"1989-04-01T22:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26990"},"modified":"2024-07-20T15:03:36","modified_gmt":"2024-07-20T13:03:36","slug":"die-singende-herrentorte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1989\/04\/02\/die-singende-herrentorte\/","title":{"rendered":"Die singende Herrentorte"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel <em>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/em> gab. Begleitet wurde er bei den Aufnahmen durch Tonmeister Tom T\u00e4ger im <span style=\"color: #ff0000;\"><a style=\"color: #ff0000;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/07\/20\/klangkloetzchen\/\">Tonstudio an der Ruhr<\/a><\/span>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Lustig, Lustig popustich!<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorl\u00e4ufer dieser <em>Erfolge<\/em> waren Schneiders H\u00f6rspiele, die er von 1979 bis 1984 im Keller von Haym H\u00fcttner auf einem Achtspurger\u00e4t aufgenommenen. Diese fr\u00fchen Arbeiten sind von Schneider allein gesprochenen worden, es sind atmosph\u00e4rische Momentaufnahmen, die zum Teil autobiografisch aus dem Alltag des Ruhrgebiets sch\u00f6pfen und diesen persiflieren. Laut Schneider entstand ein Gro\u00dfteil der Dialoge und Charaktere aus auf der Stra\u00dfe aufgeschnappten Satzfetzen und Gespr\u00e4chen am Nebentisch, die bei n\u00e4chtlichen Aufnahmen zu improvisierten Sprachexperimenten verbunden wurden. Die einzelnen Stimmen wurden stets nacheinander aufgenommen, teilweise verfremdet und schlie\u00dflich zusammengef\u00fchrt. Durch dieses einfache technische Verfahren entsteht der Eindruck, man w\u00fcrde mehrere Charaktere gleichzeitig h\u00f6ren, teilweise bis zu f\u00fcnf, die sich im Gespr\u00e4ch befinden. Bedingt durch die zeitversetzte Aufnahme k\u00f6nnen sich die \u201eSprecher\u201c allerdings nicht gegenseitig h\u00f6ren und fallen sich mitunter ins Wort oder reden aneinander vorbei. Dieser Effekt ist beabsichtigt und gibt den H\u00f6rspielen eine latent kommunikationskritische F\u00e4rbung. H\u00f6hepunkt ist dieser Arbeit sicher das im Tonstudio an der Ruhr aufgenommene <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bsDTxXmudi0\">Weihnachten bei Van Den Bergs<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Dsch\u00e4zzz<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier wie dort ist die Grundlage von Schneiders Selbstausdruck die Improvisation, die bei ihm zum k\u00fcnstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung geworden ist und die er nach den Grundlagen des Jazz in alle Bereiche der Kunst \u00fcbertr\u00e4gt. Schneider geh\u00f6rt zu der K\u00fcnstlerkatgeorie der Genialen Dilettanten, der verqueren Humoristen, der Subkultur\u2013Propheten. Davon zeugen auch seine Ausfl\u00fcge in die Filmwelt. Anfangs begleitet durch das Combo <em>Hardcore<\/em>, bestehend aus Buddy Casino (Klavier und Farfisa-Orgel) und Peter Thoms am Schlagzeug. Die Texte seiner Lieder sowie der Inhalt seiner Erz\u00e4hlungen sind nur in einem Grundger\u00fcst angelegt und werden bei jedem Auftritt frei variiert und weiterentwickelt. Er ist beeinflusst von K\u00fcnstlern wie Thelonious Monk, Louis Armstrong und Duke Ellington und ist Interpret von Jazzstandards, wie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hRyRpjt_shM\">Fly me to the Moon<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #888888;\">Sinn im Unsinn<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem Gespr\u00e4ch mit T\u00e4ger bezeichnete sich Schneider als eine &#8222;singende Herrentorte&#8220;, der \u201eSinn im Unsinn\u201c findet, das Cover seines ersten Album wurde einer Plattenh\u00fclle von Rex Gildo nachgestellt. Erwartungen des Publikums werden von ihm konsequent nicht bedient. Dieser Artist bewegt sich hemmungslos zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Kindersprache und Literatur, verbindet Alltag und Albernheiten mit einem breiten kulturellen Hintergrund und verliert sich in ausufernden Erz\u00e4hlungen, die der den Menschen zuerst bei Eduscho, dann in der\u00a0Eiscaf\u00e9 Agnoli am Kugelbrunnen in Bad M\u00fclheim abgelauscht hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge<\/strong>, das erste Album von Helge Schneider, aufgenommen von Tom T\u00e4ger im Tonstudio an der Ruhr.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=26990&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Helge.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Helge.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Helge-150x150.jpg 150w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"266\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong><\/p>\n<div>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsm\u00f6glichkeiten von popul\u00e4rkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Dem Begriff <em>Trash<\/em> haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer \u00f6ffentlichen Institution. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26080\">Proust zu Pulp<\/a>. Es sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26047\">Deutscher Trash<\/a> ebenso eindr\u00fccklich empfohlen wie Heiner Links <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42272\">Vorwort<\/a> zum Band Trash-Piloten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Helge Schneider ist wahrscheinlich der bislang einzige Solo-K\u00fcnstler, der gleich mit seiner ersten Platte den Titel Seine gr\u00f6\u00dften Erfolge gab. 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