{"id":26809,"date":"2006-06-25T00:01:00","date_gmt":"2006-06-24T22:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26809"},"modified":"2021-10-03T17:54:06","modified_gmt":"2021-10-03T15:54:06","slug":"die-verlorenen-fragen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2006\/06\/25\/die-verlorenen-fragen\/","title":{"rendered":"Die verlorenen Fragen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-weight: normal;\">Am Rand meiner Hingabe an die Welt und selbst dann, wenn ich mich liebe, vergesse ich mich, antwortete Rudnikow einer uners\u00e4ttlichen Het\u00e4re in Baku, als er sie bezahlte. Weil es mich nur gibt, wenn ich mich denke, ist meine Existenz eine Fiktion, wie ein Schnappschuss vom ganzen Leben. Ich bin Eis vom Eis der gro\u00dfen Bewegung. Absurd, ich muss mich erfinden. Aber jedesmal wenn ich glaube, ich habe mich gefunden, bin ich schon wieder verloren. Und wenn ich au\u00dfer mir bin, wenn ich aufgehe in meiner Arbeit, aus der ich ja entstehe, muss ich in dem Moment, wo ich mich am weitesten von mir entferne, mir selbst am n\u00e4chsten sein, doch ich bin, wie gesagt, nur eine Erfindung, ein Bild, wie die Nacht, durch die ich fahre, die Wunde, die mich erhellt, und nur so, bet\u00e4ubt, kann ich mein Leben ertragen, sagte Rudnikow.<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Tod!, sagte sie und steckte das Geld zwischen die Beine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, sagte Rudnikow. Die verf\u00fchrerischsten Todesgestalten sind das Weib und der Kapitalismus, die uns in der Gefangenschaft des K\u00f6rpers in die Unfreiheit des Geistes f\u00fchren, und diese babylonischen Huren sind so sch\u00f6n, dass wir uns, v\u00f6llig vergebens, nach ihrer Verzauberung sehnen und ihr zugleich zu entkommen trachten. Wir \u00fcberwinden den Tod zu Lebzeiten, wenn wir das Gl\u00fcck haben, unsere Liebe gesellschaftlich zu gestalten, im Rausch von Politik und Kunst, damit wir am Ende gar nichts vom Abschied der Welt merken. Rudnikow sah an der Freundin vorbei, durchs Fenster dr\u00f6hnte die Schwarze Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das gr\u00f6\u00dfte Ungl\u00fcck, sagte sie, aber es klingt beruhigend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, sagte Rudnikow, ich habe gar keine Ahnung, wovon ich rede, aber es beruhigt mich auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/KoerperCover-e1549081287446.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-45126 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/KoerperCover-209x300.jpg\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"300\" \/><\/a>Lesen Sie auch <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=18471\">H\u00f6chste Lust<\/a> und schlagen Sie in der <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=17203\">Prawda<\/a>\u00a0nach, um weitere Spuren von Rudnikow\u00a0zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Es ist eine bildungsb\u00fcrgerliche Kurzprosa mit gleichsam eingebauter Kommentarspaltenfunktion, bei der Kurztexte aus dem Zyklus <\/span><em style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Kritische K\u00f6rper,<\/em><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\"> und auch aus der losen Reihe mit dem Titel\u00a0<\/span><a style=\"letter-spacing: 0.05em;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=40312\"><em>Splitter, nicht einmal Fragmente <\/em><\/a><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">aufploppen. \u2013 Eine Einf\u00fchrung in\u00a0<\/span><em style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Schlangegeschichten<\/em><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">\u00a0von Ulrich Bergmann finden Sie\u00a0<\/span><a style=\"letter-spacing: 0.05em;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=32773\">hier<\/a><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">. Lesen Sie auf KUNO zu den\u00a0<\/span><em style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Arthurgeschichten<\/em><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\"> auch den\u00a0<\/span><a style=\"letter-spacing: 0.05em;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Essay<\/a><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\">\u00a0von Holger Benkel, sowie seinen <\/span><a style=\"letter-spacing: 0.05em;\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15183\">Essay<\/a><span style=\"letter-spacing: 0.05em;\"> zum Zyklus <\/span><em style=\"letter-spacing: 0.05em;\">Kritische K\u00f6rper.<\/em><\/p>\n<div class=\"entry-content\" style=\"text-align: justify;\">\n<h4><\/h4>\n<\/div>\n<footer class=\"entry\">\n<p class=\"tags\" style=\"text-align: justify;\">\n<\/footer>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am Rand meiner Hingabe an die Welt und selbst dann, wenn ich mich liebe, vergesse ich mich, antwortete Rudnikow einer uners\u00e4ttlichen Het\u00e4re in Baku, als er sie bezahlte. 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