{"id":26704,"date":"2023-05-24T00:01:24","date_gmt":"2023-05-23T22:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26704"},"modified":"2022-02-25T15:59:22","modified_gmt":"2022-02-25T14:59:22","slug":"brain-drain","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/24\/brain-drain\/","title":{"rendered":"brain drain"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Dialektik \u201eMensch-Architektur&#8220; steckt einigerma\u00dfen viel Humor. Oder wie sonst sollte man\/frau sich erkl\u00e4ren, dass Menschen gerade, glatte und oft kalte Formen wie Oberfl\u00e4chen als Behausung errichten, nur um sofort bei Nutzungsbeginn genau diesen Fundamenten kontrapunktierend \u201eLeben&#8220; einzuhauchen. Neben organischen Formen und warmen Stoffen sowie Farben findet sich selbstverst\u00e4ndlich viel Dekoratives, welches den kantigen Raum bricht. In besonderem Ma\u00dfe dr\u00fcckt sich dies auch gerne beim bildungsb\u00fcrgerlichen Suchen nach Urspr\u00fcnglichkeit und Naturverbundenheit aus. Hier finden sich oft sogenannte \u201eTribal-Kunst&#8220;, afrikanische und vor allem asiatische M\u00f6belst\u00fccke und Kunsthandwerk.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach bauhaus\u2019schen und viel sp\u00e4ter postmodernistischen Bauten mit strengen Geometrien folgten endlich dekonstruktivistische und futuristisch-organische Bauten. Nach russischen Konstruktivismus folgten Impressionismus und \u00c4hnliche und zumindest in der Kunst schien der Kontrapunkt schneller zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch finden sich die arrivierten Kunstwerke meist in klaren Rahmen in noch klareren R\u00e4umen wieder und trotzen ebendort ihrer Behausung die sich \u201eselbstverst\u00e4ndlich zur\u00fccknimmt&#8220; und dabei dennoch oft konterkariert. Und selbst die dekonstruktivistischen Bauten sind innen genormt \u2013 weil eben auch alles, was hineingestellt werden kann und soll, genormt, geradwinklig und klar geformt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und der Mensch schiebt vor dem geistigen Auge alles hin und her, um irgendwie via Fengshui z.B. den Kontakt zur Behausung herzustellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Spannungsfeld der Naturwissenschaften gilt \u00c4hnliches. Atom-Modelle sind rund, Elektronen kreisen, Planeten bewegen sich sicher nicht rechtwinklig und auch Galaxien sind rundlich. Letztendlich muss man sogar davon ausgehen, dass das gesamte Universum rund oder zumindest ein Dodekaeder ist. All dies sind Erkenntnisse von Wissenschaftlern. Aus der gleichen hermeneutischen Welterkl\u00e4rungsreligion wurden aber auch kalte Maschinen und als Kr\u00f6nung teilweise Realisierungen von Cyborgs hervorgebracht. All das K\u00fcnstliche wird so mit dem Nat\u00fcrlichen vereint und dient letztendlich nichts Weiterem, als der Selbsterhebung und dem Allmachtswunsch. Ich-Bewu\u00dftheit ist Resultat von Entfremdung: Hier ICH \u2013 dort die (Um-)Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Thema ist letztendlich die dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen wie z.B. das menschliche Gehirn, und dem was ebendieses an h\u00f6chst unorganischen Formen hervorbringt, um in der angeblich erlebten geordneten Realit\u00e4t letztendlich wiederum einen Anreiz f\u00fcr das Gegenteil zu erdenken. Die f\u00fcr die stringent mechanisch-harten Realit\u00e4tsbildungen gerne zugrundegelegte Religion &#8222;Wissenschaft&#8220; selber hat aber schon l\u00e4ngst den Weg zur\u00fcck zum Wesentlichen gefunden&#8230;..in Strings, sich organisch bewegenden Teilchen und in spukhaften Fernwirkungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derartige Fundamente lehren uns mit ihren &#8222;spukhaften&#8220; VERschr\u00e4nkungen, wo letztendlich die eigene BEschr\u00e4nkung liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind der Ast auf dem wir sitzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spurensuchen, finden, hervorbringen, betonen&#8230;..letztendlich unwillk\u00fcrlich willk\u00fcrlich gelegte Strukturen, die aus dem Schaffenden selber kommen? Oder ist der Dialog zwischen Material und Bearbeiter ausgewogen? Sogenannte Zuf\u00e4lle beim Farbauftrag oder beim \u201eautomatischen&#8220; Schreiben\/Zeichnen sind lediglich einer f\u00fcr uns nicht nachvollziehbaren Verbindung\/Verschr\u00e4nkung geschuldete Ergebnisse von Quantenzust\u00e4nden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Betonung, Hervorhebung solcher Dialoge wird aus dem Zuf\u00e4lligen eine Behauptung, die jedoch nur im erkl\u00e4rten Raum der gewollten Realit\u00e4t ihre Existenz zu finden vermag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0***<\/p>\n<div id=\"attachment_12460\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12460\" class=\"size-full wp-image-12460\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"160\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/suder-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12460\" class=\"wp-caption-text\">Selbstbildnis als Linolschnitt<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hungertuchpreistr\u00e4ger <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/01\/25\/portrat-des-hungertuchpreistragers-thomas-suder\/\">Thomas Suder<\/a> arbeitet an Objekten und Bildern. Sein Thema ist die dialektische Beziehung zwischen organischen, also eher rundlichen Formen und Strukturen wie z.B. das menschliche Gehirn, und dem was ebendieses an h\u00f6chst unorganischen Formen hervorbringt, um in der angeblich erlebten geordneten Realit\u00e4t letztendlich wiederum einen Anreiz f\u00fcr das Gegenteil zu erdenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dokumentation zum K\u00fcnstlerpreis <strong>Das Hungertuch<\/strong> erscheint mit einem Originaldruck von Haimo Hieronymus bei der Edition Das Labor, M\u00fclheim 2019<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers. Vertiefend auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> mit Haimo Hieronymus \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">K\u00fcnstlerb\u00fccher verstehen diese Artisten als Physiognomik, der B\u00fcchersammler wird somit zum Physiognomiker der Dingwelt. Die bibliophilen Kostbarkeiten sind erh\u00e4ltlich \u00fcber die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0173 7276421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; In der Dialektik \u201eMensch-Architektur&#8220; steckt einigerma\u00dfen viel Humor. Oder wie sonst sollte man\/frau sich erkl\u00e4ren, dass Menschen gerade, glatte und oft kalte Formen wie Oberfl\u00e4chen als Behausung errichten, nur um sofort bei Nutzungsbeginn genau diesen Fundamenten kontrapunktierend \u201eLeben&#8220; einzuhauchen.&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/05\/24\/brain-drain\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":65,"featured_media":99694,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[57],"class_list":["post-26704","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-thomas-suder"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/65"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26704"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":100579,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26704\/revisions\/100579"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99694"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}