{"id":26112,"date":"2014-08-28T00:01:24","date_gmt":"2014-08-27T22:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=26112"},"modified":"2021-12-15T10:59:27","modified_gmt":"2021-12-15T09:59:27","slug":"asphaltics-die-geheime-streetart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/08\/28\/asphaltics-die-geheime-streetart\/","title":{"rendered":"Asphaltics &#8211; die geheime Streetart"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vergangenen Jahre des Stillstands im Stra\u00dfenbau, bei den Renovierungen unseres Wegesystems haben die Oberfl\u00e4chen rei\u00dfen lassen. Macherorts fehlen gar ganze St\u00fccke des Oberfl\u00e4chenmaterials und offenbaren zwar sehr malerisch, jedoch f\u00fcr Fahrzeuge jeglicher Art durchaus gef\u00e4hrlich, die darunter liegenden Schotterschichten. Die klamme Kassenlage der Kommunen zwingt zum Sparen. Wo der Blick hinf\u00e4llt; es muss in drei Bereichen gespart werden, damit die Defizite zur\u00fcckgefahren werden k\u00f6nnen und vielleicht in Jahrzehnten ein schuldenfreier Haushalt vorzuweisen ist: Stra\u00dfenbau, Kultur und Sozialwesen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_8022.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_8022-1024x682.jpg\" alt=\"IMG_8022\" width=\"456\" height=\"303\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die kleine Gemeinde M\u00f6hnesee in Nordrheinwestfalen aber geht nun ganz neue Wege, alles drei unter einen Hut zu bringen. In einer sogenannten Zukunftswerkstatt haben sich die Verantwortlichen der Verwaltung mit der Stra\u00dfenbeh\u00f6rde, dem Sozialamt und betroffenen B\u00fcrgern zusammengesetzt, ein Konzept zu entwickeln, das alle Seiten zufriedenstellen kann. Aus dem Wissen um die nicht gegebene Chance von K\u00fcnstlern, von ihrer eigentlichen Arbeit leben zu k\u00f6nnen, aus der Misere viel zu h\u00e4ufiger Hartz IV \u2013 Antr\u00e4ge gerade von dieser Gruppe der Akademiker, und nicht zuletzt fehlender kreativer Fachkr\u00e4fte im Bereich der untersten Gehaltsgruppen bei st\u00e4dtischen Angestellten wurde ein geradezu geniales Paket geschn\u00fcrt. F\u00fcr einen studierten K\u00fcnstler wurde als Stipendienwettbewerb eine sehr preiswerte Stelle von monatlich 850 Euro bei Pr\u00e4senzpflicht ausgeschrieben. Nur Zeichner durften sich hierf\u00fcr bewerben. Die Wahl traf auf den uns schon von anderer Stelle her bekannten Laik W\u00f6rtschel, welcher auch schon durch virtuelle Installationen aufgefallen ist. Vermutlich, er sagt wohl aus Bescheidenheit \u00a0nichts N\u00e4heres dar\u00fcber, k\u00f6nnte \u00a0er bei A.R. Penck studiert haben, deuten doch zumindest die von ihm verwendeten Zeichensysteme darauf hin. Das zun\u00e4chst auf ein halbes Jahr limitierte Stipendium wurde inzwischen auf mindestens drei Jahre verl\u00e4ngert. Inzwischen ersetzt dieser engagierte Streetartk\u00fcnstler mit seiner \u00e4u\u00dferst hintergr\u00fcndigen, mal am\u00fcsanten, mal auch sehr kritischen Aphatics &#8211; Arbeit, drei in den Ruhestand gegangene st\u00e4dtische Angestellte, kann man ihn doch auch oft bis in die sp\u00e4te Nacht auf den Stra\u00dfen rund um den M\u00f6hnesee mit seiner Teerkanne arbeiten sehen. \u201eIch h\u00e4tte niemals gedacht, dass irgendwann eine Gemeinde mir ungebegrenzte Fl\u00e4che und ohne Material f\u00fcr meine Werke zur Verf\u00fcgung stellen w\u00fcrde.\u201c, l\u00e4chelt der K\u00fcnstler zufrieden. Sein Repertoire reicht von einfachsten, fast archaischen Figurenzeichnungen bis hin zu riesigen Landschaftformationen, die beizeiten durchaus auch mal mehrere hundert Meter gro\u00df sein k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_80351.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_80351-1024x682.jpg\" alt=\"IMG_8035\" width=\"456\" height=\"303\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der angenehme Nebeneffekt f\u00fcr die Gemeinde wird immer deutlicher: Effiziente Einsparungen bei Personalkosten, verbunden mit der g\u00fcnstigen Reparatur des Wegenetzes und touristisch attraktiven Gro\u00dfkunstwerken lassen ganz neue Besucherscharen zum M\u00f6hnesee str\u00f6men, inzwischen haben sich drei Restaurants und zwei Caf\u00e9s auf dieses neue Klientel eingestellt. Neuerdings gibt es auch vier Kunsthistoriker, die mit F\u00fchrungen gutes Geld verdienen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_8019.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/IMG_8019-1024x682.jpg\" alt=\"IMG_8019\" width=\"456\" height=\"303\" \/><\/a><\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor allem die Strecke um K\u00f6rbecke und Stockum erweist sich dabei als spannend. Der inzwischen erschienene Katalog hat sich \u00fcber achtzigtausendmal verkauft, was der Gemeindekasse zu Gute kam. Die Steuergelder str\u00f6men nur so, wahrscheinlich k\u00f6nnen demn\u00e4chst auch wieder professionelle Stra\u00dfenbauarbeiter angestellt werden. Dann w\u00fcrde der Stipendienvertrag sicher gek\u00fcndigt. Laik W\u00f6rtschel l\u00e4sst das alles unber\u00fchrt, er will in den n\u00e4chsten zwei Jahren einfach sein Werk fortf\u00fchren, was danach kommt, ist ihm nicht so wichtig. \u201eMir ging es noch nie so gut wie jetzt, inzwischen kann ich mir ein 16m\u00b2 Zimmer leisten, ohne Angst zu haben, dass ich vor die T\u00fcr gesetzt werde und ich spare auch noch jeden Monat einige Euros f\u00fcr die Zukunft.\u201c<\/p>\r\n<p>\u00a0 \u00a0 <strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192 <\/strong>Lesen Sie auch den Essay <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=46371\">Laik W\u00f6rtschel \u2013 ein K\u00fcnstler der Stille<\/a>.<\/p>\r\n<!-- \/wp:post-content -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Wir begreifen die Gattung des Essays auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die vergangenen Jahre des Stillstands im Stra\u00dfenbau, bei den Renovierungen unseres Wegesystems haben die Oberfl\u00e4chen rei\u00dfen lassen. 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