{"id":25468,"date":"2005-03-02T00:01:05","date_gmt":"2005-03-01T23:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25468"},"modified":"2022-02-28T14:12:53","modified_gmt":"2022-02-28T13:12:53","slug":"dichterloh","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/03\/02\/dichterloh\/","title":{"rendered":"Dichterloh"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #999999;\">Vorbemerkung der Redaktion:<\/span> Die &#8222;Lyrikedition 2000&#8220; wird von Heinz Ludwig Arnold herausgegeben. Neben Walter H\u00f6llerer und G\u00fcnter Kunert steht die Nobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek im Programm. Neuere Lyriker, wie Ulrike Draesner, \u00a0Bj\u00f6rn Kuhligk und A.J. Weigoni, f\u00fchren den Leser in die Gegenwart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was bei <em>Dichterloh<\/em> auf Anhieb verf\u00fchrt und besticht, ist seine Spreche: ihre Melodie, ihr Rhythmus, ihr weiter Atem. Sprachspiel und existenzieller Ernst kommen in diesen Gedichten zusammen. Als <em>Sprechsteller<\/em> bricht A.J. Weigoni die Sprache auf, dehnt sie ins Ger\u00e4uschhafte und treibt sie durch seine assoziative Fantasie ins Expressive. Dieser Lyriker lebt in osmotischer Beziehung zur Sprache, die er als etwas Lebendiges und T\u00f6dliches auffasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Sprachmaterial, mit dem er Umgang pflegt, dringt selbstverst\u00e4ndlich durch die Membran, wobei die Transformationsprozesse, denen er es gleichzeitig unterzieht, besonders intensiv sind. Im Regelversto\u00df selbst\u00a0 die Neueinf\u00fchrung von Regelm\u00e4\u00dfigkeiten und Rhythmen verborgen. Das Spiel mit der Sprache ist auch ein Spiel zwischen den Sprachzeichen, ihren Bedeutungen und ihren Referenzen. Neoloismen sind ein Zeichen, ein Klang, eine Sammelstelle von Bedeutungen und ein bildlicher Vorstellungsraum, der frei variieren darf. Weigoni hinterfragt sowohl den Status des Ichs als auch den seiner Erkenntnis:<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Kann das Ich als eine konsistente Instanz vorgestellt werden, und wie konsistent ist die Erkenntnis, die es liefert?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Lyrik lebt vom Paradox der raumschaffenden Verdichtung, nicht als Formspiel, sondern als formsprengende Lust an der Sprache. Es geht ihm in der Poesie prim\u00e4r um eine Haltung, die Haltung des Dichters und die der W\u00f6rter. Seine Gedichte leben von der Genauigkeit der Wahrnehmung, von der Macht der Evokation und der Suggestion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Denkfallensteller im Namen der Literatur bringt A.J. Weigoni seine desillusionierende Poesie mit allegorischer Sch\u00e4rfe zum Ausdruck. Seine Gedichte haben eine analytische Genauigkeit, die man sonst eher in Essays findet; hier werden Formen des Denkens und der Poesie zusammengef\u00fchrt. So entstehen Gedichte als transitorische Momente, blitzartige images und Augenblicksbilder der Erfahrung. Wie ein Arzt einen Brustkorb, so klopft Weigoni die Worte auf ihren Ideologiecharakter ab, lenkt den Blick in die existenziellen Tiefen der condition humaine. Die Sprache muss dann die Wahrheit ausspucken, ob sie will oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die so genannten Neuen Medien sind ein genuiner Resonanzboden. Auch Weigoni weiss um die negative Qualifikation, die eintritt, wenn einer f\u00e4hig ist, in Unerkl\u00e4rlichkeiten zu sein, in Zweifeln, ohne dem \u00e4rgerlichen Ausstrecken nach Faktum und Vernunft. Er geht das subtile B\u00fcndnis von Wort und Ton ein und erweist sich als <em>VerDichter<\/em>, der die Sprache im K\u00f6rper verankert und sich vehement dagegen verwahrt, dass man seine lyrischen Konzentrate im Verstehensprozess wieder verd\u00fcnnen muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dichterloh<\/strong> ist in der LYRIKEDITION 2000 erschienen und erh\u00e4ltlich \u00fcber: info(@)buchmedia.de<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rezitation ist erschienen auf <strong>Gedichte<\/strong>, H\u00f6rbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, M\u00fclheim 2015 \u2013 Eine H\u00f6rprobe aus <em>Dichterloh<\/em> findet sich <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/weigoni\/dichterloh.htm\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Dichterloh.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12679\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Dichterloh.jpg\" alt=\"\" width=\"124\" height=\"191\" \/><\/a><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong>Das H\u00f6rbuch\u00a0<em>Dichterloh<\/em>\u00a0ist im\u00a0<em>Schuber<\/em>\u00a0enthalten, einem Sammlerobjekt, jedes Titelbild ist ein Kunstwerk. KUNO fa\u00dft die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/12\/10\/das-lyrische-gesamtwerk-fini\/\">Stimmen<\/a>\u00a0zu dieser verlegerischen Gro\u00dftat zusammen.\u00a0Im Rahmen der Publikation des lyrischen Gesamtwerks des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/01\/18\/das-gesamtwerk-des-sprechstellers\/\"><em>Sprechstellers<\/em><\/a> blickt\u00a0Ulrich Bergmann auf den Mittelteil der Trilogie\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/18\/letternmusik-eine-partitur\/\">Letternmusik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2015\/12\/09\/der-sprache-aufs-maul-schauen\/\">Schmauchspuren<\/a>\u00a0\u2013 eine Todeslitanei, und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/06\/18\/dichte-lohe-2\/\">Dichterloh<\/a>\u00a0\u2013 Kompositum in vier Akten, zur\u00fcck. \u00dcber den Sinn einer\u00a0Lesung,\u00a0eine\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=28705\">Reflexion<\/a> von Weigoni.\u00a0Last but not least:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/01\/18\/verdichtung-ueber-das-verfertigen-von-poesie\/\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: Die &#8222;Lyrikedition 2000&#8220; wird von Heinz Ludwig Arnold herausgegeben. Neben Walter H\u00f6llerer und G\u00fcnter Kunert steht die Nobelpreistr\u00e4gerin Elfriede Jelinek im Programm. Neuere Lyriker, wie Ulrike Draesner, \u00a0Bj\u00f6rn Kuhligk und A.J. Weigoni, f\u00fchren den Leser in die&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2005\/03\/02\/dichterloh\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":257,"featured_media":99364,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[628],"class_list":["post-25468","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-a-j-weigoni"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/257"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25468"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":101211,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25468\/revisions\/101211"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99364"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}