{"id":25336,"date":"2014-07-23T00:01:50","date_gmt":"2014-07-22T22:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25336"},"modified":"2019-12-29T20:09:01","modified_gmt":"2019-12-29T19:09:01","slug":"wir-machen-uns-was-vor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/07\/23\/wir-machen-uns-was-vor\/","title":{"rendered":"Wir machen uns was vor"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am Anfang war der Flirt. Die Funken spr\u00fchen wie schon lange nicht mehr. Aufregend. Schmeichelhaft. Wie zwei verknallte Teenager stehen sie am Ende des Abends vor dem wartenden Bus und knutschen, von drinnen schimpfen Rentner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herzklopfen. K\u00f6nnen K\u00f6rper irren? Sie finden atemlos begeistert zueinander, ertasten sich blind. Man verliegt sich hermetisch. Der Hofstaat beginnt zu tuscheln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kennenlernen. Bettgespr\u00e4che. Irritationen. Lebenspl\u00e4ne, Zukunft, Perspektiven. Nichts Geringeres als das. Die Realit\u00e4t kommt dazwischen. Man wischt sie weg, k\u00fcsst sie weg, seufzt sie weg. Man kann doch nicht irren bei all dem.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch\u2026 Der Stachel bleibt, der Zweifel nagt, man denkt nicht mehr laut, fragt vorsichtiger. Zu fragil das Konstrukt in Schieflage. Schillernd und anziehend, aber zerbrechlich, bef\u00fcrchtet man. Und geht gr\u00fcbelnd nebeneinander her. Lass es uns lieber noch schwerbeherzt zuschweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Bruch im System. Der Glaube fehlt. Die Hoffnung fehlt. Vor allem an das dritte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und doch geht alles irgendwie weiter. Ein neuer Morgen, niemand haut ab, macht Vorw\u00fcrfe, niemand weint. Man geht fr\u00fchst\u00fccken und h\u00e4lt doch wieder vertraut die andere Hand. Das ist wohl erwachsen, denkt man. Das Leben ist halt kompliziert, denkt man. Und h\u00e4lt sich an Momenten fest, Augen zu vor dem Morgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktionismus. Man spielt Alltag, sieht sich ab und zu von au\u00dfen an und sch\u00fcttelt innerlich den Kopf. Wolltest du jemals Teil von so einem Paar werden, das sich gegenseitig Schatz nennt und samstags M\u00f6belgesch\u00e4fte und Baum\u00e4rkte durchk\u00e4mmt? Und jetzt hast du heimlich Spa\u00df daran. Wenigstens kurzfristige gemeinsame Ziele, die Illusion von Nestw\u00e4rme.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu zweit kann man sich etwas vormachen, doch der Blick der Anderen zwingt zu mehr Eindeutigkeit. Das Konstrukt wackelt. Von albernen Klammerp\u00e4rchen grenzt man sich augenrollend und prustend ab. Schade, dass nur einer sich wirklich in der Unkonventionalit\u00e4t wohlf\u00fchlt. Oder doch nicht? Das Selbstbild wackelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das hier ist nicht erwachsen. Das ist oberfl\u00e4chlich. Keine Diskussionen, kein Streit, keine Reibung. Keine Chance zum Wachsen. Sch\u00f6ner Stillstand. Bei jeder runtergeschluckten Unstimmigkeit graben sich die Worte tiefer in die Gedanken: DAS HAT DOCH ALLES KEINE ZUKUNFT. Das Jetzt schafft es nicht mehr, sie auszublenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Riss im System. Unverheilter Bruch, dieselbe Stelle, derselbe Schmerz. Nicht mehr, nicht weniger. Was gibt es noch zu sagen, au\u00dfer Wiederholungen. Man wei\u00df um die Symptomatik. Niemand macht Vorw\u00fcrfe, niemand haut ab, man geht duschen und fr\u00fchst\u00fccken. Vielleicht ist das doch erwachsen. Immerhin ein paar Tr\u00e4nchen. Und nochmal spr\u00fchen Funken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\"><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=25336&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\" aria-describedby=\"set-post-thumbnail-desc\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 size-266x266 alignleft\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Albers-300x300.jpg\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Albers-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Albers-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Albers-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Albers-e1520544429419.jpg 299w\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"266\"\/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend \u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerb\u00fccher finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang war der Flirt. Die Funken spr\u00fchen wie schon lange nicht mehr. Aufregend. Schmeichelhaft. Wie zwei verknallte Teenager stehen sie am Ende des Abends vor dem wartenden Bus und knutschen, von drinnen schimpfen Rentner. Herzklopfen. K\u00f6nnen K\u00f6rper irren? 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