{"id":23782,"date":"2014-05-14T23:49:05","date_gmt":"2014-05-14T21:49:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23782"},"modified":"2024-02-10T11:40:31","modified_gmt":"2024-02-10T10:40:31","slug":"sternstunden-des-deutschen-fernsehens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/05\/14\/sternstunden-des-deutschen-fernsehens\/","title":{"rendered":"Sternstunden des deutschen Fernsehens"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein heiter-gelassenes klassisches Musikst\u00fcck erklingt. Ein abgedunkeltes Fernsehstudio, in dem nichts den Zuschauer von dem ablenkt, um das es geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein junger Mann mit schmalem Gesicht, dessen Gelehrsamkeit noch durch die Brille unterstrichen wird, sitzt einer wesentlich \u00e4lteren Frau gegen\u00fcber. Brillant formulierte Fragen, ebenso vollendete Antworten. Absolute Klarheit. Keinerlei Ausfl\u00fcchte oder gar Banalit\u00e4ten. Ernsthaftigkeit und Heiterkeit zugleich. Die Sympathie zwischen dem Fragesteller und der Befragten ist offensichtlich. Sie neigt sich ihm zu und schenkt ihm h\u00e4ufig ein offenes, geradezu strahlendes L\u00e4cheln.<\/p>\n<div id=\"attachment_105257\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-105257\" class=\"wp-image-105257 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Arendt_Gaus-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"231\" \/><p id=\"caption-attachment-105257\" class=\"wp-caption-text\">Eine rauchende Frau im Deutschen Fernsehen. Hannah Arendt im Gespr\u00e4ch mit G\u00fcnter Gaus. Abphotografiert vom TV, die Redaktion bittet daher die Bildqualit\u00e4t zu entschuldigen.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ruhe, Nachdenken und Schweigen im Rauch von Zigaretten. Keinerlei Hast. Der Interviewer f\u00e4llt der Befragten nicht ins Wort oder schneidet es ihr gar ab. Im Gegenteil: er l\u00e4\u00dft sie in aller Ausf\u00fchrlichkeit zu Wort kommen. G\u00fcnter Gaus <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=J9SyTEUi6Kw\">befragt<\/a> Hannah Arendt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war das erste Gespr\u00e4ch aus der Reihe \u201cZur Person\u201c, das ich sah und das mich sofort faszinierte. Wie unglaublich spannend, wie \u00fcberaus informativ, wie intellektuell anregend ein Interview sein kann, wenn es auf so gro\u00dfartige und un\u00fcbertreffliche Weise gef\u00fchrt wird wie von G\u00fcnter Gaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stundenlang kann ich diesem Mann, mit seiner unverwechselbaren Art sp und st zu trennen zuh\u00f6ren. Dass ausgerechnet ihm eine t\u00fcckische Krankheit, die ihn viel zu fr\u00fch \u201cabberief\u201d, seinen wunderbar sonoren Bariton nahm, ist eine Trag\u00f6die. Dass er sich davon niemals abhalten lies, auch weiterhin seine Interviews zu f\u00fchren, zeigt die ihm innewohnende Kraft und St\u00e4rke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">G\u00fcnter Gaus hat mit seiner Sendereihe &#8222;Zur Person&#8220; das Interview auf ein Niveau erhoben, das seither niemals wieder auch nur in Ans\u00e4tzen erreicht wurde. Vornehm-zur\u00fcckhaltend und dabei dennoch immer wieder hartn\u00e4ckig nachfragend ist der Stil dieses Herren so unendlich viel wohltuender und intellektuell anregender als der heutige unertr\u00e4gliche Talk-Show-Zirkus. Wir m\u00fcssen G\u00fcnter Gaus dankbar sein f\u00fcr diese Sternstunden des deutschen Fernsehens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein unverzichtbares Zeitdokument: <strong>Die klassischen Interviews von G\u00fcnter Gaus<\/strong>, herausgegeben von Manfred Bissinger. Set A: Politik 1963-1972, 5 DVDs; Set B: Politik und Kultur 1963-1969, 3 DVDs, M\u00fcnchen: Film 101 2005, zusammen 135,- Euro.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend<\/strong> \u2192 <em>Anmerkung der Redaktion<\/em>: Heute vor 10 Jahren starb\u00a0G\u00fcnter Gaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Zu Beginn des Essayjahres machte sich Holger Benkel <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=13332\">gedanken \u00fcber das denken<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> In 2013 unternahm Constanze Schmidt <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/gedankenspaziergaenge\/\"><em>Gedankenspazierg\u00e4nge<\/em><\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2192 Gleichfalls in 2013 versuchte KUNO mit Essays <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/01\/02\/mit-essays-licht-ins-dasein-bringen\/\">mehr Licht ins Dasein zu bringen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ein heiter-gelassenes klassisches Musikst\u00fcck erklingt. 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