{"id":23079,"date":"2014-04-23T00:01:46","date_gmt":"2014-04-22T22:01:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=23079"},"modified":"2022-02-20T20:00:13","modified_gmt":"2022-02-20T19:00:13","slug":"die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/04\/23\/die-ehe-ist-ein-vertrag-nur-der-erste-anfang-ist-frei\/","title":{"rendered":"Die Ehe ist ein Vertrag; nur der erste Anfang ist frei"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Vorbemerkung der Redaktion<\/span>: KUNO besch\u00e4ftigt sich mit dem Wandel der Geschlechterbilder. Michel de Montaigne (1533\u20131592) hielt Frauen nicht der Freundschaft f\u00e4hig\u00a0\u2013 ihnen fehlten die geistigen F\u00e4higkeiten, um mit dem Mann mitzuhalten. Er r\u00e4umt allerdings ein, da\u00df die Freundschaft zu einer Frau \u2013 so sie denn doch \u00fcber die geistigen F\u00e4higkeiten verf\u00fcgt\u00a0\u2013 noch st\u00e4rker sein k\u00f6nne, weil sie Geist, Seele und K\u00f6rper umfasse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_14281\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Montaigne_15781.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-14281\" class=\"size-full wp-image-14281\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/220px-Montaigne_15781.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"275\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-14281\" class=\"wp-caption-text\">Montaigne auf einem zeitgen\u00f6ssischen Gem\u00e4lde<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zuneigung zu den Frauen kann man mit der Freundschaft nicht gleichsetzen, obwohl wir auch zu ihr uns selbst entscheiden; sie spielt eine andere Rolle. Das Liebesfeuer ist, wie ich zugeben mu\u00df, eingreifender, brennender und peinigender; aber zugleich ist es mutwillig und unbest\u00e4ndig, flatternd und sich wandelnd, eine Art Fieberglut, die auf- und abschwillt; ein Feuer, das nur Teile von uns versengt. In der Freundschaft dagegen herrscht eine allgemeine W\u00e4rme, die den ganzen Menschen erf\u00fcllt und die au\u00dferdem immer gleich wohlig bleibt; eine dauernde stille, ganz s\u00fc\u00dfe und ganz feine W\u00e4rme, die nicht sengt und nicht verletzt. Au\u00dferdem ist das Wesentliche bei der Liebe ein unstillbares Sehnen nach einem Ziel, das immer entweicht, sobald die Liebe in das Gebiet der Freundschaft hin\u00fcbergreift, das hei\u00dft, wenn die Herzen sich finden, verliert sie an Feuer und Kraft; ihre Erf\u00fcllung ist ihr Ende; denn das Ziel, das nun erreicht ist, ist ein k\u00f6rperliches, und damit zieht die Gefahr der \u00dcbers\u00e4ttigung herauf. Bei der Freundschaft jedoch sind Sehnsucht und Genu\u00df identisch; sie steigt, sie gedeiht, sie w\u00e4chst durch ihren Genu\u00df gerade erst recht, denn sie bleibt etwas Geistiges, und die Seele veredelt sich in ihr. &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ehe ist ein Vertrag; nur der erste Anfang ist frei, der Fortbestand wird durch Zwang und Gewalt durchgesetzt, h\u00e4ngt also nicht von unserem Willen ab, der Zweck des Vertrags ist gew\u00f6hnlich nicht die Erf\u00fcllung der Liebe; au\u00dferdem bringt die Ehe viele unerwartete Probleme mit sich, die es zu l\u00f6sen gilt und die oft schon gen\u00fcgen, eine lebendige Zuneigung zu tr\u00fcben oder in die Br\u00fcche gehen zu lassen: bei der Freundschaft ist das anders; bei ihr spielen wesensfremde Gesichtspunkte gesch\u00e4ftlicher oder famili\u00e4rer Art keine Rolle. Hierzu kommt freilich, da\u00df Frauen in der Regel die Anspr\u00fcche an das Niveau nicht erf\u00fcllen, die man an eine Geistesgemeinschaft stellen mu\u00df, wenn daraus dieses heilige Band der Freundschaft sich entwickeln soll; es scheint so, als fehle es ihnen an seelischer Widerstandskraft, um den Druck einer so anspruchsvollen und so dauernden Bindung auszuhalten. Allerdings, wenn das nicht so w\u00e4re, wenn sich ein ganz freiwilliges und zwangloses Band so kn\u00fcpfen lie\u00dfe, da\u00df nicht nur die v\u00f6llige seelische Gemeinschaft genossen w\u00fcrde, sondern die k\u00f6rperliche Gemeinschaft noch hinzuk\u00e4me, der Mann sich also allseitig einsetzen k\u00f6nnte, dann w\u00fcrde die Freundschaft etwas noch Vollst\u00e4ndigeres und Vollkommeneres werden&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"center\">Quelle: <strong>Les Essais de messire Michel, seigneur de Montaigne<\/strong>. Erster und zweiter Band 1580, dritter Band 1588<\/p>\n<div id=\"attachment_13045\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/460px-Essais-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13045\" class=\"wp-image-13045 size-medium\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/460px-Essais-1-230x300.jpg\" alt=\"\" width=\"230\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/460px-Essais-1-230x300.jpg 230w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/460px-Essais-1.jpg 460w\" sizes=\"auto, (max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13045\" class=\"wp-caption-text\">Reproduktion des Covers der Originalausgabe Les Essais de messire Michel, seigneur de Montaigne<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0<\/strong><strong>\u2192\u00a0<\/strong>Lesen Sie auch einen<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12856\"> KUNO-Beitrag <\/a>zu\u00a0 Gattung des Essays.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung der Redaktion: KUNO besch\u00e4ftigt sich mit dem Wandel der Geschlechterbilder. 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