{"id":22763,"date":"2022-06-01T00:01:56","date_gmt":"2022-05-31T22:01:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22763"},"modified":"2022-06-01T04:35:40","modified_gmt":"2022-06-01T02:35:40","slug":"die-kontur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/01\/die-kontur\/","title":{"rendered":"Die Kontur"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><i>R\u00fcckschau Leerstellen<\/i><\/p>\n<p align=\"right\"><i>Die Erinnerungen so dicht, dass jede Geschichte einen Film erg\u00e4be, wo immer sie beg\u00e4nne zu erz\u00e4hlen, viele kleine, geschlossene Geschichten vom eigenen Schicksal und von Schicksalen, eine reiche Verschw\u00f6rung des Gelebten gegen die Askese des Gewollten, und w\u00fcrde sie jetzt anfangen, zu erz\u00e4hlen, h\u00e4tte sie Stoff reichlich, Sterbens- und nicht Lebensstoff, bis in kleinste Verfaserungen der Ausschm\u00fcckung gez\u00e4hmte und gest\u00e4hlte und flie\u00dfende wie Wissen schenkende Erinnerungen, k\u00f6stliche Klein- und Gro\u00dfodien der N\u00e4he und Absto\u00dfung, des Hellerwerdens im gewaltt\u00e4tigen D\u00e4mmer ineinanderst\u00fcrzender N\u00e4chte, lichtsch\u00f6ne Bl\u00e4ssen vager Abtastungen zwischen z\u00e4rtlichen Tonfolgen des Du- und Ichsagens, aromantisch das alles im Platten, Eindimensionalen des Aufschreibens, nicht hast du erinnert, gewollt nichts, geschichtslos du, der du immer festhalten, fixieren wolltest, was bedeutsam schien nicht allein f\u00fcr dich.<\/i><\/p>\n<p align=\"right\"><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p align=\"right\"><i>Dabei hast du die Leerstellen zu l\u00f6schen versucht, die heute wieder da sind, genau das andere, Verkehrte, f\u00fcr anders, falsch und fremd Befundene, das hast du heute schrittweise mitzuschleifen, das genau, als Gegenbild, Spiegelschrift in deiner Biografie, \u00dcberwinderhinterhalt, das macht dir jetzt zu schaffen. <\/i><\/p>\n<h1><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-size: 14px; font-weight: normal;\">\u00a0<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entlang der Vorsichtsgrenze aneinanderger\u00fcckte Punkte, bl\u00fchende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wissende, wegsuchende EinZeller, Einzeiler, eine Lichtspur nachziehend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie anders ist Wiedererkennbares unterscheidbar von anderem Wiedererkennbarem, wenn nicht in Licht und <i>als<\/i> Licht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der vage gespurte Weg gewinnt um seinen Namen kreisend seinen Gegenstand \u2013 Form, aus der Tiefe allererster Bilder gerissene Einladung: <i>Fahre, reise ihr nach!<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fl\u00fcgel muss wissen, wo und wohin es ihn tr\u00e4gt, erst, seit er wei\u00df, wo sein fein gespreiztes Anderssein ans Grobe gestreift ist. Die Welt im Kindsinn hat von ihren Abst\u00e4nden her immer nur die Grenze ganz im Notsinn gezogen. Da ist Schwanken und Schaukeln, Flirren und Zerrissenheit vor Wut, gerade das Nichtgesehene markieren zu m\u00fcssen: Pardon zu geben vorm <i>ich wei\u00df es einfach nicht<\/i> und nicht was.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So fliegst du.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorbei an den gewachsenen Verrichtungen eines sich st\u00e4ndig Wandelnden; (dieses Neutrum soll Person sein.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Du, sagst Du, es ist der Mensch ja meistens dieses <i>Das <\/i>und nicht sein <i>Wer<\/i>. Lust kam zur Sprache, dass das Allerkleinste und Allerempfindlichste wichtig sei, dass es sei: nichts, als ein Umkreisen von Punkten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lust, sie dr\u00e4ngte auf Ballung, Verballung der Punkte Volumen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Licht ist das viel Zusammengesetzte flach. Im Licht gilt auch hellere Unsichtbarkeit,die an den R\u00e4ndern fortgesetzte Bewegung des Jasagens zum Eigenen. Wobei <i>dies<\/i> eine ebenso flache Frage schon bejahend stellt und perspektiv beantwortet:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lust, sie dr\u00e4ngte auf Ballung der Punkte, Volumen: Dieses sch\u00f6ne Bild von der Wanderung eines Menschen durch Jahres- und Eigenlandzeiten \u2013 im Zwielicht angekommen und in fremde D\u00fcsternis gef\u00fcgt, bevor er noch seinen Schlafort erreicht. An der eigenen Haut orientiert bleibt er ohne Gep\u00e4ck, an eigener Haut sein Geruchssinn orientiert \u2013 so kommt man \u00fcberall da an, wo die Luft mit selbanderer K\u00f6rperlichkeit erf\u00fcllt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <i>Konturgenie <\/i>ist ein Instinkttierchen, menschlich gebaut in Proportionen des Vor- und Hinterhersagenm\u00fcssens. Und wenig mehr, damals, das <i>musst<\/i> du gelernt haben zu merken, werden die winzig kleinen P\u00fcnktchen die Linie versuchen. Und das: Je dichter sie einander finden angesichts gro\u00dfer \u00dcberbr\u00fcckungsabst\u00e4nde, die angef\u00fcllt sind mit Lebensgeschichten, in denen Menschen spielen, die den \u00dcberblick \u00fcber ihr gelebtes Leben nicht wiedergeben k\u00f6nnen. Dazwischen w\u00e4lzen sich die Wale, die Bagger, die gro\u00dfen Schiffe in austrocknenden H\u00e4fen, im Schlamm versickerter Pegel und Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer steht einer h\u00f6her, vielleicht auf der Kaimauer, ein Schreiber zum eigenen Ungl\u00fcck noch, er geht auf Kieseln in elastischem Schuhwerk, um auf jeden Fall auf Gefahren gefasst zu bleiben. Er geht die Form <i>hinab<\/i>, irgendeine Form will er <i>be<\/i>gehen, die erst im Nachhinein als Ritualstruktur Bedeutung gewonnen hat. Das Nachhinein bleibt meist ein Synonym f\u00fcr \u00f6ffentliche Betretbarkeit. Erstmal setzt man Schritt vor Widerstand vor Schritt: Du, <i>wer geht da \u00fcberhaupt?<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, da <i>ist<\/i> ein Geher auf der Stelle, da kritzelt die Zukunft dunkle Partien, immer linearer f\u00fchrt die N\u00e4he zum Gewesensein ins Schwarz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Geher auf der Stelle ist sein Suchen noch nicht unterm Scheitel eingeschrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberdruss bleibt der Kontur Feind. \u00dcberdruss ist der Restschwamm von einem Fisch, der von der Weltmakulatur tot wie rot getragen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der \u00dcberdrussdunst als reine Natur: das wunschgeladene, unendlich von Medium zu Medium \u00fcbersetzbare Spiegelbild des Immerw\u00e4hrenden. Durch die r\u00fcckw\u00e4rtige Fl\u00e4che des Glases k\u00fcsst es seine eigene Verh\u00f6hnung gegen die Wand, Glattwand, die (leider) nur Gleichg\u00fcltigkeit simulieren kann. Mit Worten, Verf\u00fcgungs- und wieder F\u00fcgungsworten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wo der Tod ans Gitter ger\u00e4t, da einen macht Konturenlesen sch\u00f6n, da ist Nonfinitogenu\u00df: ist Lauschen auf das sich W\u00e4lzen von Wildtieren auf Seidenpapieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Noch einmal kommt so der gro\u00dfe Zeichner gro\u00dfspurig und selbstbewusst daher, von Dimensionen, Proportionen will er nichts wissen. Er begehrt das arme von ihm immer gern gestreichelte Wort <i>Leben<\/i>, diesen Kontinent gem\u00e4\u00dfigten Scheinens im gleich G\u00fcltigen begehrt er wie verr\u00fcckt. Aber jeder Anlass f\u00fcr minimale Verr\u00fcckungen macht ihn wild, macht ihn zum Wilderer in den Depots und Darren ausgestorbener Gedanken, zu einem auch, der von Wildnis nichts wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er imaginiert das verblasste Material unter seinen H\u00e4nden farbig, <i>des Bleibens und Fliehens ein M\u00e4chtiger<\/i>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fl\u00fcgel wei\u00df nichts vom Unwetterbericht. Im Kindsinn ist immer nur die Grenze ans Grobe gestreift &#8211; aus dem Notsinn gezogen. Der gewachsenen Verrichtung Wut steht das Hoffen auf Fassung gegen\u00fcber, das einzige, das immer bleibt, solange du Ich sagst, Du im Wege Dir, der schon weit ins ferngelenkte Dusagen f\u00fchrt.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_19507\" style=\"width: 309px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Angelika-Janz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19507\" class=\"size-full wp-image-19507\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Angelika-Janz.jpg\" alt=\"\" width=\"299\" height=\"253\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-19507\" class=\"wp-caption-text\">Angelika Janz<\/p><\/div>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrend\u00a0\u2192\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lesen Sie auch das <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=36409\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a>, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz \u00fcber den Zyklus <em>fern, fern<\/em> gef\u00fchrt hat. Vertiefend ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22835\">Portr\u00e4t <\/a>\u00fcber ihre interdisziplin\u00e4re T\u00e4tigkeit, sowie einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29450\">Essay<\/a> der <em>Fragmenttexterin<\/em>. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/asthetische-prothetik\/\">Ann\u00e4herung<\/a> an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz \u00fcber Angelika Janz\u2018<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2012\/11\/05\/freiraum\/\"> tEXt bILd<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckschau Leerstellen Die Erinnerungen so dicht, dass jede Geschichte einen Film erg\u00e4be, wo immer sie beg\u00e4nne zu erz\u00e4hlen, viele kleine, geschlossene Geschichten vom eigenen Schicksal und von Schicksalen, eine reiche Verschw\u00f6rung des Gelebten gegen die Askese des Gewollten, und w\u00fcrde&hellip;<\/p>\n<p class=\"more-link-p\"><a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2022\/06\/01\/die-kontur\/\">Read more &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":53,"featured_media":97863,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[918],"class_list":["post-22763","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur","tag-angelika-janz"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/53"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22763"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":103368,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22763\/revisions\/103368"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/97863"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}