{"id":22660,"date":"2014-03-15T00:01:00","date_gmt":"2014-03-14T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22660"},"modified":"2020-04-13T10:40:10","modified_gmt":"2020-04-13T08:40:10","slug":"bewegungspotential","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/03\/15\/bewegungspotential\/","title":{"rendered":"Bewegungspotential"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Das ist, was ich bestimme, was von mir \u00fcbrig bleiben soll. Ein Abdruck meines Schwankens in der Stadt. Ich war hier und ich hatte mich ganz in der Hand.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Martina Hefter<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit <em>Vom Gehen und Stehen<\/em> hat Martina Hefter<strong> <\/strong>ein vierteiliges Kompendium vorgelegt, das zwischen Bewegung und Stillstand osziliert, zwischen leiblicher Expressivit\u00e4t und skripturaler Anamnese, zwischen Ausgedr\u00fccktem und Erinnertem. Wie bei dem Band <em>Nach den Diskotheken<\/em> merkt man den Gedichten dieser Dichterin an, da\u00df sie eine Perfromerin ist und sich intensiv sich Tanz besch\u00e4ftigt, sie verbindet in ihren Werken sprachliche mit t\u00e4nzerischen Elementen. So initiierte in sie 2012 das Projekt <em>Be\u00adwe\u00adgungs\u00adschreiber. Dich\u00adtung trifft Tanz<\/em> am Dock 11 in Berlin und gestaltete im August 2013 im Rahmen des Pro\u00adjekts <em>Spre\u00adchende G\u00e4nge KOOK\u00adwalks durch Berlin<\/em> ein choreo\u00adgrafi\u00adsches Spiel, in dem eine r\u00e4um\u00adliche Instal\u00adlation aus Mei\u00adnungen und Hal\u00adtungen zu Ge\u00addichten entstand. Und fast zwangsl\u00e4ufig stellen sich dem Leser Fragen wie folgende:<\/p>\n<p align=\"right\">&nbsp;<span style=\"color: #888888;\">Wie entfaltet sich der K\u00f6rper im Raum?<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">&nbsp;Welche Auswirkungen und R\u00fcckkopplungen hat das wiederum auf K\u00f6rper und Raum, auf dessen Inhalt und seine Assoziationen?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die herk\u00f6mmliche Gedichtstruktur l\u00f6st sich bei&nbsp;<em>Vom Gehen und Stehen<\/em> in einzelne Passagen auf. Hefter verkn\u00fcpft sie mittels Collage und Montage in thematische Zusammenh\u00e4nge. Der Ausgangspunkt ihrer Gedichte ist die einzelne Geste, das Darstellen und \u00c4u\u00dfern eines bestimmten Gef\u00fchls. Diese innere Bewegung wurde von Hefter erfragt und gleichsam mit einer erinnerten Handlung beantwortet. Unbeschwertheit und Ausgelassenheit kontrastiert sie mit dramatischen Szenen und r\u00fchrte so an die letzten Fragen des Menschseins. Viele ihrer Gedichte kann man daher als au\u00dferordentlich radikal und bewegend zugleich erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #888888;\">Das Lebendige in sich entdecken und bewahren. Auf die eigene Stimme h\u00f6ren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Bewegungspotential \u00fcbertr\u00e4gt sich durch die t\u00e4nzerische Anmut der Sprache auf das Buch. Sie besch\u00e4ftigt sich mit der Verfa\u00dftheit der Gegenwart, vornehmlich mit den K\u00f6pfen und K\u00f6rpern. Auf jeder Seite werden dem Leser nur zwei Gedichte dargeboten, von denen das erste eine Variation f\u00fcr das zweite Gedicht darstellt. Jedem ihrer Gedicht stellt die Autorin eine Variation zur Seite und webt aus dem Wortbestandteil des einen Textes einen neuen, der ganz andere R\u00e4ume und Posen erzeugt:<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Pferche in dein<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Leib-Seele-Verh\u00e4ltnis<\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">den Umriss einer Ente<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bedeutung von Hefters Werk beschr\u00e4nkt sich nicht auf eine Erweiterung der Lyrik mit dem Bewegungspotential des Tanzes oder den Verzicht auf eine bestimmte Form, es sind Gedichte der befreiten K\u00f6rper und des befreiten Geistes. Die Proze\u00dfhaftigkeit und Offenheit ihrer Arbeitsweise ist eine Suche nach dem authentischen Ausdruck. Es gelingt es ihr zudem, Einzelteile unserer Gegenwart zu benennen, die nicht einfach zu benennen sind. Liest man diese Gedichte als Thema und Variation, entsteht bei der Lekt\u00fcre zwischen diesen beiden Gedichten eine, dritte Relation, der Leser macht bei diesem flotten Dreier die Erg\u00e4nzungsleistung;-)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><b>&nbsp;***<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"thickbox\" id=\"set-post-thumbnail\" title=\"Beitragsbild festlegen\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=22660&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 alignleft\" alt=\"Cover\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Cover1-184x300.jpg\" width=\"163\" height=\"266\"\/><\/a><b>Vom Gehen und Stehen. <\/b>Ein Handbuch von Martina Hefter. Gedichte. mit beiliegendem Heftchen mit Illustrationen von Andreas T\u00f6pfer, Berlin (kookbooks) 2013,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das ist, was ich bestimme, was von mir \u00fcbrig bleiben soll. Ein Abdruck meines Schwankens in der Stadt. Ich war hier und ich hatte mich ganz in der Hand. 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