{"id":22071,"date":"2014-02-19T00:04:32","date_gmt":"2014-02-18T23:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=22071"},"modified":"2019-10-05T18:40:57","modified_gmt":"2019-10-05T16:40:57","slug":"verdichtete-metaphorik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/02\/19\/verdichtete-metaphorik\/","title":{"rendered":"Zugeh\u00f6rigkeit"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Poesie hat keinen Gesellschaftsvertrag mit der Wirklichkeit.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Theodor W. Adorno<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgt man den \u00dcberlegungen der&nbsp;Kulturkorrespondentin Sigrid L\u00f6ffler in <em>Die neue Weltliteratur und ihre grossen Erz\u00e4hler<\/em>, dann handeln die spannendsten Romane der Gegenwart von Migrationsgeschichten. Dies mag f\u00fcr Liebesgedichte nicht weniger gelten. Safiye Can endeckt in diesem Erlebnis das Substrat der k\u00fcnstlerischen Kreativit\u00e4t. Die Autorin kn\u00fcpft an die Klassiker der osmanischen Lyrik an, indem sie das Prozesshafte der Bewegungen von einer Sprache in die andere \u00fcberf\u00fchrt und sich die vielf\u00e4ltige Gef\u00fchlswelt aneignet. Solche Prozesse pr\u00e4gen Weise die heutige Weltgesellschaft, die von Migrationsstr\u00f6men im grossen Stil geschaffen und neu erfunden wird. Die Literatur spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Mit nichts als den Mitteln der Sprache stellt Can immer neue Regeln auf und st\u00fcrzt immer neu alle Regeln und alles schon Gewu\u00dfte um. Dort, wo dies gelingt reicht der Impuls \u00fcber die Sprache hinaus, kommt die richtigstellende Kraft der Dichtung ins Spiel. Diese Lyrikerin transformiert die Wirklichkeit.<\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche, Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Topografie der neuen Weltliteratur benennt L\u00f6ffler mit dem 1990er Jahre-Passus&nbsp;aus der Kunstkritik&nbsp;<em>Hybrid<\/em>, weil ihre Erz\u00e4hler zwischen zwei Kulturen leben und aus dieser Spannung ihre neue Identit\u00e4t gewinnen. Die Lyrik von Safiye Can durchschl\u00e4gt die Zeiten und verbindet einander ferne R\u00e4ume, und sie verteidigt dem Sinnlichen und dem Unsinnigen seinen Platz in dieser Welt. Gedichte \u00fcber die Liebe sind schweirig, einerseits praktiziert der Poet die Aufl\u00f6sung der Wirklichkeit im Gedicht, andererseits holt sie aus derselben in selbiges herein. Auf dem schmalen Grat zwischen Euphorie und Traurigkeit wandelnd, gelangen ihr vehemente Weltentw\u00fcrfe aus Spiegelbildern, R\u00e4tseln und Tr\u00e4umen. Es geht dieser Lyrikerin um Sehnsucht und Entt\u00e4uschung, um N\u00e4he und Entfremdung und den Versuch, das Amour\u00f6se zu versprachlichen. Das Sch\u00f6ne an der Poesie wie an der Liebe ist das inh\u00e4rente Versprechen, da\u00df da etwas ist im Leben, das nicht aufgeht, das sich nicht b\u00e4ndigen l\u00e4\u00dft, unaufgel\u00f6st bleibt. Diese Gedichte sind Eigen-Sinnigste Lyrik.<\/p>\n<p align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Safiye Can ist als Kind tscherkessischer Eltern in Offenbach am Main geboren. Sie hat Philosophie, Psychoanalyse und Rechtswissenschaft an der Goethe Universit\u00e4t in Frankfurt am Main studiert, ist Kuratorin der <em>Zwischenraum-Bibliothek<\/em> im Auftrag der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und Mitarbeiterin der Horst Bingel-Stiftung f\u00fcr Literatur. Sie leitet Schreibwerkst\u00e4tten an Schulen, ist ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Amnesty International und aktives Mitglied der Vereinigung T\u00fcrkischsprachiger Schriftsteller Europas (ATYG). Safiye Can \u00fcbersetzt Literatur aus dem T\u00fcrkischen ins Deutsche und aus dem Deutschen ins T\u00fcrkische.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a class=\"thickbox\" id=\"set-post-thumbnail\" title=\"Beitragsbild festlegen\" href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=22071&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 alignleft\" alt=\"Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Rose-und-Nachtigall_Safiye-Can_Liebesgedichte_Vorwort-Gerhardt-Csejka-Nachwort-Murat-Tuncel-594x1024-174x300.jpg\" width=\"154\" height=\"266\"\/><\/a><strong>Rose und Nachtigall<\/strong> von Safiye Can &#8211; Mit einem <a href=\"http:\/\/www.safiyecan.de\/das-buch-rose-und-nachtigall-liebesgedichte-von-safiye-can\/\">Vorwort<\/a> von Gerhardt Csejka. Gr\u00f6ssenwahn Verlag 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Poesie hat keinen Gesellschaftsvertrag mit der Wirklichkeit. Theodor W. Adorno Folgt man den \u00dcberlegungen der&nbsp;Kulturkorrespondentin Sigrid L\u00f6ffler in Die neue Weltliteratur und ihre grossen Erz\u00e4hler, dann handeln die spannendsten Romane der Gegenwart von Migrationsgeschichten. 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