{"id":21478,"date":"2014-01-23T00:01:17","date_gmt":"2014-01-22T23:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21478"},"modified":"2022-10-13T14:02:21","modified_gmt":"2022-10-13T12:02:21","slug":"essays-von-holger-benkel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/23\/essays-von-holger-benkel\/","title":{"rendered":"Rezensionsessays &#8211; von Holger Benkel"},"content":{"rendered":"<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\"><em>Ich will die Dinge durch \/ meinen Geist beleuchten \/ und den Widerschein auf den fremden Geist fallen lassen.<\/em><\/span><\/p>\n<p align=\"right\"><span style=\"color: #888888;\">Charles Baudelaire<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Essay erscheint bei Holger Benkel als Denkform, die sich im literarischen Werk einen Gegenstand zu schaffen sucht, der sie m\u00f6glicherweise vor dem schwarzen Abgrund der philosophischen Begriffsarbeit retten kann. In der Tradition von Michel Montaigne versteht Benkel seine Rezensionsessays als Versuch; er gibt diesen den Sinn des Experiments, der experimentellen Versuchsanordnung, zugleich jedoch die existenzielle Bedeutung des Lebensprinzips, und vertieft beides so ins Abgr\u00fcndige, da\u00df aus dem Versuch sowohl die Versuchung wie der Versucher und das Versucherische sprechen. Welche labyrinthischen Gedankeng\u00e4nge bei diesem Auswahl- und Transformationsprozess durchlaufen werden, wie schnell ein brauchbarer Gedanke zu Abfall und Nebens\u00e4chliches fruchttragend werden kann, reflektiert Benkel in seinen Essays. Was in seinen Rezensionsessays macht, wird dem Begriff <em>Essay<\/em> insofern wortw\u00f6rtlich gerecht, als er immer wieder neu ansetzt. Jedes Schreiben kann immer nur ein Versuch sein, die Welt mit Worten zu erfassen. So folgt denn Versuch auf Versuch; in jedem Beitrag f\u00fcr KUNO wechselt der Autor die Perspektive, umkreist das jeweilige mit Worten und Fakten einen neuen Ausschnitt der Welt, eine neue Schnittmenge der gew\u00e4hlten Themenkreise und K\u00fcnstlerportr\u00e4ts. Mit Erkenntnisgewinn l\u00e4\u00dft sich lesen, wie sich die F\u00e4den fortspinnen, die Frage nach der k\u00fcnstlerischen Identit\u00e4t l\u00e4uft als roter Faden durch.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Die Gattung des <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\"><span style=\"color: #ff0000;\">Essays<\/span><\/a> h\u00e4lt das freie Denken aufrecht, ohne, da\u00df der literarische Anspruch verlorengeht.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rezensionsessays \u00fcber Schriftsteller und Literatur, \u00fcber Bildende K\u00fcnstler und Kunst: Wie spannend das sein kann, f\u00fchrt uns Benkel exemplarisch vor. Er setzt sich sowohl mit Personen als auch Texten auseinander und bedient sich dabei verschiedener literarischer Formen. Dieser Autor betreibt keine Heldenverkl\u00e4rung, sondern ein durchaus kritisches Hinterfragen in einer Sprache, die so klar ist, so schonungslos und so genau, dass es fast schmerzhaft wirkt. Genauigkeit ist seine oberste Maxime. Das enge Ineinander von Kunst und Wissenschaft, von dichterischem Denken und Tatsachenneugier kennzeichnet die Gattung des Essays. Tastend formt sich und entwickelt sich darin der Gedanke; der Schreibprozess ist ein Denkprozess. Die Gattung wird hierzulande noch immer zu wenig gesch\u00e4tzt, m\u00f6glicherweise der losen Enden wegen. Benkel ist ein ungew\u00f6hnlicher Essayist &#8211; einer, der sich seinen jeweiligen Gegenstand weniger von der Spekulation, als von der gr\u00fcndlichen Lekt\u00fcre her aufschlie\u00dft. Seine Rezensionsessays handeln auch von grunds\u00e4tzlichen Fragen, an denen sich bereits manch einer abgearbeitet hat, die jedoch von Benkel beispielhaft, unumwunden und nachvollziehbar beantwortet werden. Er beschreibt, wie sich Zeit und Identit\u00e4t im Lesen und Widerlesen spiegeln, das Gelesene und Gesehene beeinflussen, wie das Gelesene und Gesehene immer wieder auch von den Umst\u00e4nden abh\u00e4ngt, unter denen es geschrieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>KUNO sch\u00e4tzt den Rezensionsessay als unreine Form, die erz\u00e4hlerische Passagen genauso wie analytische enthalten k\u00f6nne, selbst poetische Einsch\u00fcbe.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was den Rezensionsessays von Benkel die \u00dcberzeugungskraft verleiht, ist die Intensit\u00e4t, denen er sein Material unterwirft, seine Texte zeigen, was der Fokus auf eine Fragestellung sichtbar machen kann, wie diese Konzentration aufdeckt, was dem Schreibenden selbst verborgen blieb, wohl wissend, da\u00df die F\u00fclle der Literatur, der Kunst und des Lebens eben darin liegen, nie alles wissen zu k\u00f6nnen. Man sollte die einzelnen Kapitel sacken lassen, wobei nicht alle gleich zug\u00e4nglich sind, denn f\u00fcr metaphysische Betrachtungen braucht es ein ausgebildetes Sensorium. Diese Rezensionsessays gew\u00f6hnen Leser daran, sich nicht allzu sehr an lindernde und eingefahrene Denkschemata zu gew\u00f6hnen. Seine Sprache hat eine Tiefendimension, Bilder entstehen beim Lesen und lassen sich nicht schnell zur\u00fcckschieben. Es ist in jedem Wort eine Wertsch\u00e4tzung zu den K\u00fcnstlern zu lesen, seine Rezensionsessays wirken nachhaltig und lassen die Leser nicht so schnell wieder los. Wir brauchen einfach erheblich mehr von dem, was \u00fcber den routinem\u00e4\u00dfigen Erwartungshorizont hinausgeht. Man kann Benkels philosophie- und ideengeschichtlichen Analysen nicht genug w\u00fcrdigen, sie sind ein Lesevergn\u00fcgen der besonderen Art.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von Holger Benkel \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11282\">Br\u00fcder Grimm<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6837\">Ulrich Bergmann<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11284\">A.J. Weigoni<\/a>, zur Lyrik von <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/04\/18\/heiterer-sarkasmus\/\">HEL<\/a> = Herbert Laschet Toussaint, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/09\/08\/sinnlich-fassbare-kunst\/\">Haimo Hieronymus<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=11279\">Uwe Albert<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15175\">Andr\u00e9 Schinkel<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/11\/12\/mit-deutschen-untertiteln\/\">Ralph Pordzik<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2018\/12\/20\/wohnraeume-der-poesie\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/03\/19\/welten-gegenwelten\/\">Werner Weimar-Mazur<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2017\/02\/09\/ein-behutsamer-charakter\/\">Holger Uske<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/11\/06\/kritischer-optimismus\/\">Joachim Paul<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/06\/26\/wohnraeume-der-poesie-2\/\">Peter Engstler<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2011\/10\/27\/kranich-2\/\">J\u00fcrgen Diehl<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15177\">Birgitt Lieberwirth<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2019\/08\/17\/der-grill-auf-der-hauswiese-der-welt\/\">Linda Vilhj\u00e1lmsd\u00f3ttir<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=15179\">Sabine Kunz<\/a><span data-offset-key=\"54t8d-0-0\">, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/03\/12\/kuchenmaennchen-und-hummermenschen\/\">Sibylle Ciarloni <\/a><\/span>und <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2020\/02\/08\/die-witterung-der-worte\/\">Joanna Lisiak<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Essays<\/strong> von Holger Benkel, Edition Das Labor 2014<\/p>\n<h5 style=\"text-align: justify;\">Weiterf\u00fchrend \u2192<\/h5>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-98546 alignright\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"133\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel.jpg 200w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/HolgerBenkel-160x106.jpg 160w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Wir begreifen den Essay auf KUNO als eine <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2013\/12\/10\/zur-gattung-essay\/\">Versuchsanordnung<\/a>, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.<\/p>\n<p class=\"hide-if-no-js\" style=\"text-align: justify;\">In einem <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=29373\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> ergr\u00fcndeln Holger Benkel und A.J. Weigoni das Wesen der Poesie \u2013 und ihr allm\u00e4hliches Verschwinden. Das erste Kollegengespr\u00e4ch zwischen Holger Benkel und Weigoni finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/1995\/11\/09\/eine-sprache-finden-ein-deutschdeutscher-dialog\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>kindheit und kadaver<\/strong>, Gedichte von Holger Benkel, mit Radierungen von Jens Eigner. Verlag Blaue \u00c4pfel, Magdeburg 1995. Eine Rezension des ersten Gedichtbandes von Holger Benkel finden Sie<a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=6898\"> hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>mei\u00dfelbrut<\/strong>,\u00a0Gedichte von Holger Benkel, mit siebzehn Holzschnitten von Sabine Kunz und einem Nachwort von Volker Drube, Dr. Ziethen Verlag, Oschersleben 2009. Eine Rezension finden Sie <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12769\">hier<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gedanken, die um Ecken biegen<\/strong>, Aphorismen von Holger Benkel, <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/\">Edition Das Labor<\/a>, M\u00fclheim 2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will die Dinge durch \/ meinen Geist beleuchten \/ und den Widerschein auf den fremden Geist fallen lassen. 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