{"id":21407,"date":"2014-01-19T07:01:02","date_gmt":"2014-01-19T06:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=21407"},"modified":"2023-05-07T07:39:34","modified_gmt":"2023-05-07T05:39:34","slug":"rucksturz-in-der-gutenberggalaxis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2014\/01\/19\/rucksturz-in-der-gutenberggalaxis\/","title":{"rendered":"R\u00fccksturz in die Gutenberggalaxis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\"><em>Dichtung ist sprechende Malerei<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #999999;\">Simonides von Keos<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Anmerkung der Redaktion: <\/span>Mit diesem Kollegengespr\u00e4ch gilt es ein Vers\u00e4umnis nachzuholen. Damals fehlte die Sparte mit der bibliophilen Kostbarkeit \u2018K\u00fcnstlerbuch\u2019. Ein <a href=\"http:\/\/www.vordenker.de\/kollegen\/kollegen.htm\">Kollegengespr\u00e4ch<\/a> \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni: Manche K\u00fcnstler werden fr\u00fchzeitig f\u00fcr ihr Leben <em>gepr\u00e4gt<\/em>, bei mir vollzog sich das so: Meine erste Publikation entstand auf Vermittlung eines Kollegen an einen Drucker der alten Schule. Bei diesem Schriftsetzer durfte ich im Satzkasten nach Bleilettern suchen und sie zeilenweise anordnen. Nachdem das Gedicht gesetzt war, habe ich den ersten Druck von der Presse abgezogen. Meine erste Ver\u00f6ffentlichung, ein Gedicht, Bleisatz auf B\u00fctten in limitierte Auflage. Was war Deine Initiation?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Radierung-aus-Herbstbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21529\" title=\"Radierung aus Herbstbuch\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Radierung-aus-Herbstbuch.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"377\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Radierung-aus-Herbstbuch.jpg 367w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Radierung-aus-Herbstbuch-292x300.jpg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus:\u00a0Man soll es nicht glauben, aber tats\u00e4chlich wurde meine Leidenschaft in der Schule geweckt. Ich hatte auf der Oberstufe des Gymnasiums einen jungen engagierten Kunstlehrer, der leider schon nach einem Jahr entlassen wurde. Er hat viel Zeit in uns investiert, vor allem wusste er mit verschiedenen Drucktechniken umzugehen und uns die Augen daf\u00fcr zu \u00f6ffnen. Bei ihm habe ich erste Einblicke in die Radierung erhalten, auch Holzschnitt hat er mit solcher Begeisterung vermittelt, dass ich unbedingt schon als Sch\u00fcler ein Buch selber machen wollte. Ich habe mich dann auch tats\u00e4chlich mit einigen Freunden getroffen, die selber in diesem Bereich t\u00e4tig waren. Die ersten Ergebnisse mit eigenen Druckexperimenten haben uns damals v\u00f6llig begeistert. Allerdings blieb es letztlich beim Experimentieren, die Gruppe hat sich zerschlagen, immerhin haben drei von uns Kunst studiert, die drei anderen Architektur. Als ich mit dem Kunststudium begann, bin ich erstmal einige Jahre an der Radierung h\u00e4ngen geblieben, in der Druckwerkstatt gab es auch zwei Tiegelpressen f\u00fcr Bleisatz. die wichtigsten Bleisatzschriften waren vorhanden. Der Professor hat mich mit seinem Wissen unterst\u00fctzt und schon nach zwei Jahren Vorarbeit und Technikstudium hatte ich dann auch das erste Buch fertig. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie schwierig es f\u00fcr mich war, das Geld f\u00fcr eine 20er Auflage zusammenzukriegen. Letztlich entstand ein Buch mit eigenen Gedichten und kleinen Radierungen. Herbstbuch. Nur mit schwarzer Farbe gedruckt. Seit dieser Zeit sind K\u00fcnstlerb\u00fccher eine immer wieder kehrende Sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_6837.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-21528 aligncenter\" title=\"IMG_6837\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_6837-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"303\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_6837-1024x682.jpg 1024w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_6837-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni: Die Situation auf dem Buchmarkt erinnert mich an den Verfall der klassischen H\u00f6rkultur (Stichwort Begleitprogramm) und dem fortschreitenden Verdr\u00e4ngungsprozess auf dem durch Hochtechnologie gepr\u00e4gten Medienmarkt. Wer ein St\u00fcck auf mp3 <em>f\u00fcr Umme<\/em> bekommt verzichtet gern auf H\u00f6hen und B\u00e4sse. \u00c4hnlich ist es bei den so genannten eBooks, die in Wahrheit lediglich Dateien sind. Ist das K\u00fcnstlerbuch in einer \u00e4hnlichen Situation wie das Comeback der LP, die ein Publikum findet, die das \u201eWahre, Gute und Sch\u00f6ne\u201c sch\u00e4tzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/faszikel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-21530\" title=\"faszikel\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/faszikel.jpg\" alt=\"\" width=\"767\" height=\"540\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/faszikel.jpg 767w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/faszikel-300x211.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus:\u00a0Unsere derzeitige Medienindustrie hat bei aller Umstellung einen Faktor untersch\u00e4tzt, den die alten Medien Buch und Schallplatte haben: Das Haptische. Es finden sich immer wieder Menschen, die sich begeistern lassen von der Syn\u00e4sthesie beim Bl\u00e4ttern eines K\u00fcnstlerbuches. Teilweise habe ich wie im Buch &#8222;Faszikel&#8220; mit Ger\u00fcchen experimentiert, die durch Holzextrakte erzeugt werden, au\u00dferdem kommen Tatsachen wie die Verg\u00e4nglichkeit, Verletzbarkeit der Materialien hinzu, welche man nicht untersch\u00e4tzen darf. Im neuesten Buch habe ich die Bindung so gestaltet, dass man schon beim Aufschlagen Angst bekommt, dass irgendetwas zerst\u00f6rt wird. Au\u00dferdem sind die Drucke derart gestaltet, dass mit jedem Bl\u00e4ttern einige Pigmente verloren gegehen, das K\u00fcnstlerbuch wird also im wahrsten Sinne des Wortes zerlesen. Das Buch &#8222;Form Linie Fl\u00e4che&#8220; wurde bewusst auf verschiedene Packpapiere gedruckt, die unterschiedlich schnellem Verfall unterworfen sind. Die Beziehung zwischen Rezipienten und Medium kann auf Dauer nicht lediglich auf das Auge reduziert werden, er wird wieder anfassen wollen, den Hauch der Luft sp\u00fcren, wenn eine Seite gebl\u00e4ttert wird, den Klang, den jede neue Seite ganz eigen hat. Er wird es auch zu sch\u00e4tzen wissen, dass jede Nutzung Spuren hinterl\u00e4sst, hoffe ich. Die Glattheit der digitalen Medien, die uns ja schon bei den CDs durch einen \u00fcberirdischen Glanz vermittelt wurde und inzwischen ins Immaterielle fl\u00fcchtet, hat nicht mit dem k\u00f6rperlichen Menschen zu tun. Wer einmal zu sch\u00e4tzen gelernt hat, was es hei\u00dft, vor dem eigenen Regal, gef\u00fcllt mit B\u00fcchern, zu stehen, der wird irgendwann vielleicht auch die Liebe zu K\u00fcnstlerb\u00fcchern entdecken.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-104669 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Steinlupe-Herbstbuch-Faszikel-1-e1683437634934-300x293.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"293\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Steinlupe-Herbstbuch-Faszikel-1-e1683437634934-300x293.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Steinlupe-Herbstbuch-Faszikel-1-e1683437634934-160x156.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Steinlupe-Herbstbuch-Faszikel-1-e1683437634934.jpg 307w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni: Vertiefend zum Handwerklichen, sch\u00f6pfst Du auch das Papier selbst?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus:\u00a0Eine gewisse Zeit glaubte ich tats\u00e4chlich, man m\u00fcsse alles am Buch selber machen, das ging dann sogar bis zum Papiersch\u00f6pfen. Schnell habe ich allerdings erkannt, dass dies dem eigentlichen Prozess weder f\u00f6rderlich ist, noch direkt mit den behandelten Themen zu tun hatte. F\u00fcr eine Kleinstauflage von 4 Exemplaren hatte ich dann sogar die Bl\u00e4tter aus der Rinde der Sandbirke hergestellt, das kann man mal machen, konnte aber nicht zum Dauerzustand werden. Teilweise habe ich auch die Verpackungen von Bananenkartons aus Superm\u00e4rkten verwendet. Das Sch\u00f6ne daran sind die vorgegebenen Gebrauchsspuren. Da ich aber weder die Bleilettern selber gie\u00dfe, noch die Maschinen zum Drucken selber baue, auch die Farben nur teilweise selbst aus Pigmenten und Bindemitteln herstelle, war es irgendwann nicht mehr Thema der Arbeit. Manchmal werden die fertigen Papiere allerdings strukturell ver\u00e4ndert, so bei Praegnarien, dort finden sich Praegespuren im B\u00fctten, die nur zu sehen sind, wenn man mit den Fingern dar\u00fcber streicht oder das Licht steil darauf fallen l\u00e4sst. Dann entstehen Schatten, die das Bild ausmachen, die gleichzeitig auch Raum erzeugen. Das schon erw\u00e4hnte Buch Faszikel wurde neben den Holzextrakten auch mit mehreren Schichten hauchd\u00fcnnem Schellack \u00fcberzogen. Dadurch bekommt das Papier einen sehr widerspr\u00fcchlichen Charakter, es sieht aus wie Papier, f\u00fchlt sich aber wie Holz an, dabei ist es biegsam wie Kunststoff. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich \u00fcber die Beschaffenheit der Werkstoffe ein genaues Sinnesbild zu verschaffen, denn Werk und Material geben eine sehr innige Beziehung ein. Gute Motive mit der falschen Technik haben oftmals eine schwache Aussage. Weiterhin glaube ich, dass es Menschen gibt, die die Einzelheiten wie Papier, Farbe, die Klebstoffe oder auch mal die Bindung wesentlich besser erzeugen k\u00f6nnen. In einer Gesellschaft der Arbeitsteilung sollte man besser auf diese Ressourcen sinnvoll zur\u00fcckgreifen, als sich mit dingen zu verzetteln, die mit der eigentlichen Arbeit dann doch nichts mehr zu tun haben. Wahrscheinlich w\u00fcrde auch kein Schriftsteller auf den Gedanken kommen, sich einen eigenen Rechner zu bauen oder die Tinte selbst zu kochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni: Ein wenig Exzentrik sollte sein;-) Von dem Computerk\u00fcnstler Georg von der Gathen habe ich mir f\u00fcr meine lyrische Arbeit einen Buchstaben generieren lassen, der es so nicht gibt. &#8211; Von der Schrift zum Bild, wie gehen bei Dir Buchstaben in Bilder \u00fcber?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-104671 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-261x300.jpg\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-261x300.jpg 261w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-435x500.jpg 435w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-768x883.jpg 768w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-1337x1536.jpg 1337w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-1782x2048.jpg 1782w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1-160x184.jpg 160w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/IMG_4636-1.jpg 2032w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus: Alles zu Sehende ist Bild. Texte sind nicht nur Inhalte, sie stellen auch graphische Strukturen dar. Wenn ich eine Seite in einem Buch betrachte, welche mich optisch \u00e4sthetisch nicht anspricht, dann verliert sich schnell die Lust am Lesen. Gut gemachte Texte sind eben immer mehr als ihr Inhalt, sie reizen wegen der Ebenm\u00e4\u00dfigkeit, der Umbr\u00fcche, der Einsch\u00fcbe, manchmal auch wegen ihrer Strubbeligkeit. Einige Jahre lang habe ich gerade in der Radierung damit experimentiert, in welcher Weise Text zum Bildteil werden kann. Hintergr\u00fcnde kann man fein mit W\u00f6rtern zukleistern, mit ganzen Texten, die zum Teil gar nicht gelesen werden m\u00fcssen. Die beiden B\u00fccher Steinlupe und ANSICH haben genau damit gespielt. Die Untergrundfl\u00e4chen wurden mit Texten und Wortakkumulationen zu den Themenbereichen Stein und Boden \u00fcberzogen und dann teilweise wieder bis zur Unkenntlichkeit zer\u00e4tzt. Wer diese B\u00fccher lesen will, muss schon viel Zeit zum Entziffern mitbringen. Dechiffrierarbeit. Wer allerdings die rein optische \u00c4sthetik von Texten\u00a0 und ihre Verschmelzung mit dem Bild begreifen will, der ist hier genau richtig. Nach dem Binden habe ich niemals wieder einen der Texte auch nur versucht zu entziffern. Das w\u00fcrde f\u00fcr mich keinen Sinn machen. Bei meinen Enkaustikbildern war das \u00e4hnlich. Wie vor tausend Jahren wurden die Schriftzeichen in die Wachsschicht geritzt und mit Schellack fixiert. Der jeweilige Text entstand aus dem Moment, nicht aus einer Planung. Es gibt wohl immer wieder Menschen, die versuchen zu entziffern. Sie stellen dann Fragen \u00fcber den Inhalt und wie etwas zu verstehen sei. Ich kann eigentlich wenig dann dar\u00fcber sagen, weil der Moment des Machens vergangen ist. der Gedanke ist festgehalten. Ich glaube nicht an die grunds\u00e4tzliche Erkl\u00e4rbarkeit von Kunst, sondern sehe in ihr eine Stellungnahme zum Zeitraum des Schaffens. Das ist Bild, ist immer eine eigene Welt, die optisch die \u00e4u\u00dfere Welt erkl\u00e4rt oder Stellung dazu bezieht. Auch die Texte nehmen Stellung, aber es sollte nicht die Arbeit des K\u00fcnstlers sein, auch noch seine eigene Erschlie\u00dfung der Welt zu erl\u00e4utern. Das Material schon alleine fordert ein spezifisches Vorgehen. Auch Schrift ist ein Material, wie Form und Farbe, auf das man sich immer wieder neu einzulassen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-21533\" title=\"2012 Die Augen, das Sehen\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen-1022x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"456\" height=\"456\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen-1022x1024.jpg 1022w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/2012-Die-Augen-das-Sehen.jpg 2043w\" sizes=\"auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weigoni: Abschliessend konkret zum aktuellen Projekt <em>Alphabetikon<\/em>!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hieronymus: Alphabetikon ist ein Neologismus aus dem Ikon, dem Bild, und dem Alphabet, unserem ABC. Bild und Text gehen hier ganz offensichtlich eine Verbindung ein, die nicht zu trennen ist. Aus der Mischung wird eine Legierung. Dadurch erhalten beide Seiten neue Eigenschaften, die uns eben auch neue Gedanken erm\u00f6glichen. Ich habe mir die Frage gestellt, in welcher Weise W\u00f6rter unsere Wahrnehmung beeinflussen. In den Jahren vorher hatte ich vor allem Bilder gemacht, die mit hunderten von Skizzen vorbereitet worden waren. Nun habe ich ich mir W\u00f6rter vorgenommen und gewartet, was sie in mir erzeugen. Manchmal habe ich eine Skizze gemacht, aber die Bilder kamen von allein. Nicht mehr die Suche stand im Mittelpunkt, sondern das Finden. Jedes Wort hat mehrere Bedeutungen und ist semantisch oft fragw\u00fcrdig. Wenn ich einen Begriff wie Venus habe, dann entstehen vor dem inneren Auge direkt ganze Beziehungsstrukturen. Von Sch\u00f6nheit, von Renaissance, von Antike, von Frauen, von Erotik. Auch das Somnambule wird f\u00fcr mich schnell auftauchen. So habe ich eben alle 26 Buchstaben ganz unsystematisch durchexerziert. Angefangen hatte ich mit Auge, dann Patriarchen, dann Metro. Ich wusste nie welcher Begriff kommt. Am Wort Hypotheken bin ich verzweifelt, es wurde nichts. Dann kamst du ins Atelier und schlugst <em>Hybrid <\/em>vor. Da explodierte etwas in mir, genau im Moment des Sprechens. Das Bild war in Sekunden da, allerdings wurde dabei aus Hybrid dann Hyper &#8211; die Bisotiation sozusagen. Tats\u00e4chlich ist es mit dem Alphabetikon m\u00f6glich \u00fcber die Ecken und Kanten unserer festgefahrenen Gedanken zu neuen semantischen Horizonten aufzubrechen und zu befragen. Ich brauchte es nur noch aus dem Kopf fischen. So gesehen ist Alphabetikon tats\u00e4chlich ein gedachtes Buch, welches das Format des Buches sprengt. Eingefangen in den dazu entstandenen Katalog wirken die Bilder geradezu wie eine Briefmarkensammlung. Erst im Verweilen vor dem Original erschlie\u00dft sich die eigentliche Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"center\">***<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alphabetikon<\/strong>, aktuelle Arbeiten von Haimo Hieronymus in der Werkstattgalerie Der Bogen (M\u00f6hnestr. 58 \/ 59757 Neheim bei Arnsberg). Ausstellungser\u00f6ffnung, Heute ab 17:00 Uhr. Zur Er\u00f6ffnung spricht Juliane Rogge. Es erscheint ein Katalog in limitierter Auflage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dauer der Ausstellung 19. Januar &#8211; 7. Februar 2014.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Alphabetikon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-21430\" title=\"Alphabetikon\" src=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Alphabetikon-239x300.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Alphabetikon-239x300.jpg 239w, http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Alphabetikon.jpg 765w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrend <\/strong><strong>\u2192<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Das <em>Branding<\/em> von Haimo Hieronymus ist, keines zu haben. Sein ver\u00e4steltes <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/2023\/02\/04\/ueber-den-aus-drucks-willen\/\">Lebenswerk<\/a> entwickelte sich \u00fcber die Jahrzehnte hinweg zu einer partizipativen, sozialen Plastik.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong> Zum Thema K\u00fcnstlerbucher lesen finden Sie hier einen <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=12840\">Essay<\/a> sowie ein <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=834\">Artikel<\/a> von J.C. Albers.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u2192<\/strong><strong>\u00a0<\/strong>Jeder Band aus dem <em>Schuber<\/em> von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk. KUNO fasst die <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=42570\">Stimmen<\/a> zu dieser verlegerischen Grosstat zusammen. Last but not least: <a href=\"http:\/\/www.editiondaslabor.de\/blog\/?p=25524\"><em>VerDichtung \u2013 \u00dcber das Verfertigen von Poesie<\/em><\/a>, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grunds\u00e4tze seines Schaffens beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dichtung ist sprechende Malerei Simonides von Keos Anmerkung der Redaktion: Mit diesem Kollegengespr\u00e4ch gilt es ein Vers\u00e4umnis nachzuholen. Damals fehlte die Sparte mit der bibliophilen Kostbarkeit \u2018K\u00fcnstlerbuch\u2019. Ein Kollegengespr\u00e4ch \u00fcber Material, Medium und Faszination des Werkstoffs Papier. 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